Fußball | Regionalliga Meuselwitz-Trainer Heiko Weber: "Konnte keiner wissen, dass es so kommt"

Heiko Weber hört am Saisonende freiwillig als Trainer beim ZFC Meuselwitz auf. Seinen Abschied hat er vor einigen Wochen angekündigt. Damals war die Corona-Krise noch nicht zu erahnen, doch nun könnte die Pandemie nicht nur Webers Abschied beim ZFC verhageln, sondern auch ein neues Engagement schwierig machen.

Heiko Weber auf einem Monitor, vor dem eine Frau steht
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Fußball ruht. Überall. Aktuell weiß keiner, wann wieder gespielt werden kann. Geschweige denn, wann wieder Zuschauer ins Stadion dürfen. Der Trainer des ZFC Meuselwitz, Heiko Weber, erlebt durch das neuartige Coronavirus ganz eigenartige letzte Wochen bei seinem Verein.

Weber ist "offen für alles"

Kurz nach dem Jahreswechsel hatte Weber erklärt, dass für ihn nach dieser Saison in Meuselwitz Schluss ist. Er wolle sich verändern und eine neue Herausforderung suchen, erklärte der 54-Jährige vor gut zehn Wochen. Einen Trainer, der freiwillig seinen Platz räumt, gibt es selten - und angesichts der aktuellen Corona-Krise ist wohl jeder glücklich, der einen (gut dotierten) Vertrag bei einem Fußballverein besitzt.

"Keiner konnte wissen, was kommt. Es ist keine schöne Situation, aber das Problem haben andere Menschen auch", sagte Weber am Donnerstag (26. März) im Talk mit "Sport im Osten" gelassen. Was seine Zukunft betrifft, bleibt er trotz Corona optimistisch. Er bringe reichlich Erfahrung mit, habe als Trainer schon viel erlebt und sei für "alles offen". Weber könnte sich auch einen Job als Nachwuchs- oder U23-Trainer vorstellen.

Saisonverlängerung für Weber denkbar

Und vielleicht geht es auch bei ihm in Meuselwitz über den 30. Juni 2020 hinaus. "Es muss ja auch die Möglichkeit geben, dass es Ausnahmeregelungen gibt. Das gilt auch für die Spielerverträge. Bei schönem Wetter im Sommer macht es ja auch Spaß zu spielen", so der Coach im Hinblick auf eine Saisonverlängerung lachend. Das Wichtigste sei für ihn momentan, dass "der Fußball wieder losgeht". Einen Abbruch der Saison würde er extrem bedauern.

"Wir stehen im Mittelfeld, sportlich wäre es kein Drama für uns, aber für den Fußball wäre es traurig. Jeder Trainer trainiert gern mit seiner Mannschaft, das Schönste sind aber die Spiele, das Training ist da ja eher langweilig", erzählt Weber, dem die Anspannung an den Spieltagen schon fehle.

v.l: Denny Krahl (Meuselwitz) vorTrainer Heiko Weber (Meuselwitz).
Bildrechte: imago/Picture Point

Wir stehen im Mittelfeld, sportlich wäre es kein Drama für uns, aber für den Fußball wäre es traurig. Jeder Trainer trainiert gern mit seiner Mannschaft, das Schönste sind aber die Spiele, das Training ist da ja eher langweilig.

Heiko Weber

Familie statt Fußball

Zu seinen Spielern hält er derzeit vor allem über eine Whats-App-Gruppe Kontakt. "Es sind alles kleine Persönlichkeiten, die brauchen vom Trainer keine großen Ratschläge", betont der Coach. Seine Spieler trainieren zunächst noch bis zum 20. April individuell, danach soll es mit dem Teamtraining losgehen. Bis dahin "langweilt" (O-Ton Weber) sich der Trainer und kümmert sich 24 Stunden am Tag um seinen dreijährigen Sohn.

Meuselwitz finanziell gut aufgestellt

Finanziell sei der Verein gut aufgestellt. "Wir kommen über die Runden. Darauf hat unser Präsident (Hubert Wolf/Anm. d. Red.) in den letzten Jahren aufgepasst", weiß Weber. Außerdem hätte man sofort der Kurzarbeit zugestimmt, so Weber. Auch er vermutet, dass die Corona-Krise Auswirkungen auf die teilweise absurden Entwicklungen im Fußballgeschäft haben wird. "Wir haben in der Regionalliga einen Verein, der zehn Millionen Euro Schulden hat und einen, der das Spielrecht abgibt. Die Spirale kann so nicht weitergehen, das haben wir doch bemerkt. Im Endeffekt spielen wir Fußball, da soll auch jeder Spieler entlohnt werden. Was aber in der 3. und 4. Liga passiert, ist fahrlässig."

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sst

Eine Mannschaft feiert nach einem Tor 4 min
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Sport im Osten So 08.03.2020 16:30Uhr 04:01 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 26. März 2020 | 09:00 Uhr

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