Fußball | Regionalliga CFC-Trainer Daniel Berlinski: "Abgerechnet wird am Schluss"

Beim Chemnitzer FC stehen die Zeichen nach dem Abstieg aus der 3. Liga auf Neuanfang. Cheftrainer Daniel Berlinski geht mit einem komplett umgekrempelten Kader in die kommende Regionalliga-Saison. Wir sprachen mit dem neuen CFC-Coach über seine Spielphilosophie, den personellen Umbruch sowie seine Ziele mit den "Himmelblauen".

Daniel Berlinski vom Chemnitzer FC
Daniel Berlinski Bildrechte: PICTURE POINT/Sven Sonntag

Frage: Herr Berlinski, Sie sind seit Juli als neuer Cheftrainer beim Chemnitzer FC im Amt. Wie haben Sie die ersten drei Wochen erlebt?

Daniel Berlinski: "Es waren zu Beginn sehr hektische Wochen. Zum einen der Trainingsalltag zum anderen stand der Kader noch nicht. Wir hatten viele Testspieler im Training. Somit war sehr viel zu tun. Es waren sehr intensive aber zeitgleich auch angenehme Wochen!"

Ihre Pflichtspielpremiere mit dem CFC lief zumindest schon einmal erfolgreich. Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus dem Auftritt im Sachsenpokal-Halbfinale?

Daniel Berlinski: "Für die Kürze der Vorbereitungszeit sind wir schon recht weit. Man sieht, dass die Jungs einige Dinge der letzten drei Wochen schon gut verinnerlicht haben und in jeder Trainingseinheit Gas geben wollen. Das haben sie in Leipzig auch gut auf den Platz gebracht."

Vorschaubild Inter - CFC 1 min
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Mit dem SV Lippstadt stiegen Sie 2018 in die Regionalliga West auf. Nach dem Klassenerhalt im Jahr darauf verließen Sie den Verein auf eigenen Wunsch und legten ein Jahr Pause ein. Wie groß ist Vorfreude nun wieder im Geschäft zu sein?

Daniel Berlinski: "Die Pause nach der Zeit in Lippstadt tat mir persönlich sehr gut – auch um mich als Trainer zu reflektieren. Nun ist die Vorfreude auf meine Aufgabe hier in Chemnitz aber natürlich riesig."

Was war der ausschlaggebende Grund für Ihre Unterschrift beim CFC?

Daniel Berlinski: "Ich habe genau auf so eine Aufgabe gewartet und bewusst das ein oder andere Angebot in den letzten zwölf Monaten ausgeschlagen. Der CFC ist ein Traditionsverein mit einer super Fan-Base, einem tollen Stadion, guten Trainingsbedingungen und einer guten Infrastruktur. Summa summarum hat alles gepasst, ich war gleich Feuer und Flamme und bin überglücklich, dass es geklappt hat."

Auch wenn dem CFC zuletzt ein wichtiger Schritt im laufenden Insolvenzverfahren gelungen ist – das Thema schwebt sicher weiter in den Köpfen. Belastet dieser Nebenschauplatz die Arbeit mit der Mannschaft?

Daniel Berlinski: "Nein, überhaupt nicht. Wir sind aufgeklärt und wissen, worum es geht. Ich persönlich mache mir darüber überhaupt keine Gedanken und bei der Mannschaft merke ich keine Einschränkungen."

Nach dem Abstieg aus der 3. Liga ist ein großer personeller Umbruch beim CFC in Gange: Zehn Spieler haben den Verein verlassen, vierzehn sind neu hinzugekommen. Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Kader?

Daniel Berlinski: "Ich bin sehr zufrieden und freue mich mit den Jungs die da sind, in die neue Saison zu gehen. Wir haben eine sehr gute Struktur im Kader, es ist eine homogene Truppe, auch die Charaktere in der Mannschaft passen sehr gut zusammen."

Heißt, die Personalplanungen sind abgeschlossen?

Daniel Berlinski: "Wir haben noch eine offene Planstelle und wollen in der Offensive noch einmal an Qualität nachlegen. Da werden wir aber nichts überstürzen."

Eine Hiobsbotschaft gab es bereits Anfang August: Neuzugang Robert Zickert fällt mit einer Knieverletzung mehrere Wochen aus. Wie sehr schmerzt der Verlust des Innenverteidigers?

Daniel Berlinski: "Sehr. Robert fehlt zum einen als Persönlichkeit in der Kabine, zum anderen aber auch mit seinen Fähigkeiten auf dem Platz. Er kennt die Nordost-Staffel wie kaum ein anderer. Von daher ist es ein herber Verlust für das Trainerteam und die Mannschaft. Am allermeisten tut es mir für ihn persönlich Leid."

Der Chemnitzer FC hat am 4. Juli sein letztes Saisonspiel in der 3. Liga absolviert. Sechs Wochen später geht es schon wieder los. Hätten Sie sich mehr Vorbereitungszeit gewünscht?

Daniel Berlinski: "Gewünscht natürlich, wir müssen die Situation aber so annehmen wie sie ist. Ich war mir bewusst, dass die Vorbereitungszeit sehr kurz ist. Deshalb werden wir hart arbeiten, um das Beste aus der Situation zu machen. Sicherlich brauchen wir aber noch zwei bis drei Wochen, bis alle Automatismen greifen."

Sie wurden beim Amtsantritt als Trainer bezeichnet, der offensiven und mutigen Fußball spielen lässt. Welche Spielphilosophie steht für den Namen Daniel Berlinski?

Daniel Berlinski: "Das hängt immer auch vom Gegner ab. Fakt ist, dass wir schnell den Ball erobern und einen kontrollierten Fußball mit vielen Ballbesitzphasen spielen wollen. Sicherlich muss man immer kompakt stehen, aber das Herausspielen von Torchancen gehört dazu, um ein Spiel zu gewinnen. Es sollte schon attraktiver Fußball nach vorne sein."

In dieser Spielzeit gibt es in der Regionalliga Nordost einen Direktaufsteiger. Wen zählen Sie zum Favoritenkreis?

Daniel Berlinski: "Ich denke, dass Altglienicke mit seiner Erfahrung und der Offensivpower oben mitspielen wird. Auch Energie Cottbus muss man auf dem Zettel haben. Um am Ende ganz oben zu sein, muss aber vieles zusammenpassen: Du darfst keine verletzten oder gesperrten Spieler haben, innerhalb der Mannschaft muss sich eine Dynamik entwickeln. Es können im Verlauf einer Saison so viele Dinge passieren, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden."

Was ist mit dem CFC? Der Verein hat den Klassenerhalt in der letzten Saison nur haarscharf verpasst. Das Ziel für die kommende Spielzeit kann doch eigentlich nur Wiederaufstieg heißen.

Daniel Berlinski: "Wenn wir mit der gleichen Mannschaft wie in der letzten Saison an den Start gegangen wären, hätte ich das Ziel so ausgegeben. Wir haben aber eine komplett neu zusammengestellte Mannschaft, deshalb würde ich nicht direkt vom Wiederaufstieg sprechen. Das Ziel ist es, oben mitzuspielen. Der Wille muss da sein, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Abgerechnet wird aber am Schluss."

Der Chemnitzer FC hat ein Hygienekonzept erarbeitet, um wenigstens einen Teil der Fans ins Stadion lassen zu können. Inwieweit spielt das in der Vorbereitung mit Ihrer Mannschaft eine Rolle – vor allem mit Blick auf den mentalen Bereich?

Daniel Berlinski: "Es ist ein positives Signal für die Mannschaft, dass es ein Hygienekonzept gibt. Die Jungs, die letzte Saison noch hier waren, wissen wie geil es ist, vor 5.000 Zuschauern auf der Südtribüne zu spielen, das peitscht einen immer noch einmal nach vorne."

Sie sind nach Ihrer aktiven Spielerkarriere relativ nahtlos ins Trainergeschäft eingestiegen. Mit jungen 34 Jahren sind Sie nun bereits bei einem Traditionsverein gelandet. Wo soll die Reise für Daniel Berlinski als Trainer noch hingehen?

Daniel Berlinski: "(Lacht) Ich habe mit meiner neuen Aufgabe beim CFC derzeit so viel zu tun, dass ich mir über meine weitere Zukunft gar keine Gedanken machen möchte. Ich freue mich sehr auf die neue Saison mit Chemnitz. Wir als Trainerteam werden die Mannschaft bestmöglich auf die Spiele vorbereiten, um den größtmöglichen Erfolg zu haben. Alles andere ist Zukunftsmusik."

Herr Berlinski, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die kommende Saison.

Das Interview führte Jonas Schlott.

Videos aus der Regionalliga

ein Stadion aus der Luft
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ein Mann im Gespräch
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 15. August 2020 | 16:00 Uhr

2 Kommentare

borussia vor 16 Wochen

Es können nicht alle Kerzen auf der Torte hell scheinen, wenn Sie wissen was Ich meine.

Mani82 vor 16 Wochen

Sollen mit dem Gelaber aufhören keiner will die chemnitzer weg mit denen , die sind nicht und können nichts