Fußball | Regionalliga Nordost Wacker-Trainer Heiko Scholz: "Wir haben eine geile Mannschaft"

Interview

Mit einer eingespielten Mannschaft, einigen prominenten Neuzugängen und dem teuersten Kader der Regionalliga geht Wacker Nordhausen in die neue Saison. Im Interview spricht Coach Heiko Scholz über den Druck, aufsteigen zu müssen, Qualitäts-Veränderungen in der Regionalliga, das Klima in der Mannschaft, Saisonziele und die Zeit bei Lok Leipzig.

Heiko Scholz (Cheftrainer, Nordhausen)
Bildrechte: imago images / VIADATA

Frage: Herr Scholz, in dieser Woche beginnt die neue Regionalliga-Saison. In der Vorbereitung haben Sie gegen prominente Gegner wie Dynamo Dresden oder den Halleschen FC bereits sehr gut ausgesehen. Wie zufrieden sind Sie?

Heiko Scholz: "Ja, wir haben gegen die höherklassigen Gegner gut ausgesehen. Aber in der Vorbereitung ist das Schall und Rauch. Es geht los, wenn die Regionalligisten vor der Tür stehen. Ich bin sehr zufrieden, weil die Jungs sehr hart gearbeitet haben und keine großen Verletzungen aufgetreten sind. Wir sind auf jeder Position doppelt gut besetzt. Der Konkurrenzkampf und das Trainingsniveau sind sehr professionell. Für uns kann es endlich losgehen."

Worauf haben Sie im Training den Schwerpunkt gelegt?

"Die Jungs haben Trainingspläne mit in den Urlaub bekommen und da gut gearbeitet. Daher waren sie zum Trainingsbeginn schon in einem sehr guten Ausdauerzustand. So konnten wir viel mit dem Ball arbeiten. Wir haben aber auch noch viel im Kraftausdauer-Bereich gemacht. Alle mussten ein großes Pensum absolvieren."

Sie haben nur wenige Neuzugänge, mit dem Ex-Magdeburger und Ex-Jenaer Jan Löhmannsröben dafür einen sehr prominenten neuen Namen in ihrem Team. Haben Sie alle Wunschspieler bekommen?

"Wir sind dieses Jahr einen neuen Weg gegangen und haben uns nur punktuell verstärkt. Mit Löhmannsröben haben wir einen richtigen Wunschspieler bekommen. Er ist erst mit Verspätung zu uns gekommen und musste etwas nachholen. Wir können sehr zufrieden sein mit unserem Kader."

Löhmannsröben konnte in der Vorbereitung nicht alles mitmachen, war angeschlagen. Wird er zu Saisonbeginn bei 100 Prozent sein?

"Er ist ein Profi durch und durch, hat viel an seiner Fitness gearbeitet. Er ist schmerzfrei, und wir gehen jetzt in den Feinschliff. Ich glaube, dass er zu Saisonbeginn 100 Prozent fit ist."

Jan Löhmannsröben
Neuzugang Löhmannsröben: "Profi durch und durch" Bildrechte: imago/Karina Hessland

Gab es einen Abgang, der Ihnen weh tat?

"Sportlich tat keiner weh. Menschlich möchte man natürlich keinen aussortieren, da tut es immer weh. Ich habe mit jedem Spieler gern zusammengearbeitet."

Mit Rüdiger Hoppe haben Sie einen neuen Co-Trainer. Ihn kennen Sie schon sehr lange, Sie wohnen mit ihm sogar in einer WG. Welche Rolle spielt er in Ihrem Trainerteam?

"Ich arbeite mit ihm seit acht Jahren zusammen und vertraue ihm blind. Ich hatte in den vergangenen Monaten mit Matthias Peßolat und Tino Berbig schon ein herrliches Trainerteam. Jetzt haben wir ein bisschen neu strukturiert, "Pippi" (Tomislav Piplica, d.Red.) ist wieder dazu gekommen, Berbig ist Sportlicher Leiter. Rüdiger Hoppe ist da, weil wir bisher noch niemanden in der Scouting-Abteilung hatten. Er passt vom taktischen Verständnis und menschlichen Umgang super zu uns."

Ihre Regionalliga-Trainerkollegen nennen Nordhausen immer als einen Mitfavoriten auf den Aufstieg. Was wollen Sie mit Ihrem Team in dieser Saison erreichen?

"Unser Präsident hat es schon gesagt. Wir wollen im DFB-Pokal gegen Erzgebirge Aue für eine kleine Überraschung sorgen. In der Liga muss der Erste ja noch in die Relegation gegen den starken Westen. Wir waren letztes Jahr Zweiter und dieses Jahr Dritter. Platz eins bis drei in der Liga sowie im Landespokal lange dabei sein, da wären wir in Nordhausen alle zufrieden. Ich würde mir wünschen, dass nicht wieder eine Mannschaft mit 15 Punkten vornweg ist, damit es bis zum Ende spannend bleibt."

Wer sind für Sie die anderen Staffelfavoriten?

"Die Berliner Truppen mit BAK und Viktoria haben jedes Jahr spielerisch gute Mannschaften. Energie Cottbus will auch nicht lange in der Regionalliga bleiben. Und dann hast du immer so Überraschungsmannschaften wie Hertha II oder Lok Leipzig, die in die 3. Liga müssen. Erfurt setzt auf die Jugend, das kann gut gehen. Die werden auch eine gute Rolle spielen."

Sie gehören zu den Regionalligateams mit dem teuersten Kader. Spüren Sie angesichts der Qualität Ihres Kaders Druck, unbedingt oben mitspielen zu müssen?

"Wenn ich in der Kreisliga C auf Platz sieben stehe und dreimal verliere, habe ich den gleichen Druck. Trainer zu sein, bedeutet immer, Druck zu haben. Erst recht bei uns im Profibereich. Aber ich konnte in den letzten Jahren mit Druck immer gut umgehen. Ich kann die Mannschaft fit machen, meine Philosophie vermitteln. Den Rest muss die Mannschaft selbst machen. Mitspielen kann ich nicht mehr, dafür bin ich zu alt. Aber wir haben eine geile Mannschaft. Ein Problem wird sein, dass wir ein paar Entscheidungen treffen müssen, die wehtun. Ich kann nur elf Spieler aufstellen, 20 hätten es verdient."

Ein gutes Binnenklima in der Mannschaft ist sehr wichtig, damit dort keine Grabenkämpfe aufkommen und nicht gegen den Trainer gearbeitet wird. Wie kann es Ihnen gelingen, alle Spieler mitzunehmen?

"Das ist immer schwierig. Da brauche ich Fingerspitzengefühl. Wir haben die Mannschaft, die im letzten Jahr schon großen Charakter bewiesen hat, im Wesentlichen zusammen gelassen. Außerdem haben wir das große Glück, dass wir eine zweite Mannschaft haben, die Oberliga spielt. Die ganzen jungen Leute können dort Spielpraxis sammeln. Das ist ein Riesenvorteil gegenüber anderen Regionalligisten."

Sie haben als Fußballer und Trainer schon fast alles erlebt, waren Nationalspieler, haben in der Bundesliga gespielt. Sie kennen als Trainer die Bundesliga genauso wie die Regionalliga. Wie groß ist Ihr Wunsch, in den Profifußball zurückzukehren?

"Ich bin jetzt 54 Jahre und war mal ein halbes Jahr ohne Arbeit. Das sagt schon vieles aus. Das ist nicht nur Glück, das ist auch harte Arbeit an mir selbst. Ich weiß nicht alles, ich entwickle mich ständig weiter. Ich war schon in allen Ligen, mir fehlt nur die 3. Liga. Das habe ich mit Lok Leipzig versucht, das haben wir nicht geschafft. Jetzt will ich das mit Nordhausen schaffen. Mein Traum ist: Wenn beim Stadionumbau in zwei Jahren die ersten Tribünen fertig sind, dass wir dann 3. Liga spielen."

Wie attraktiv ist die Regionalliga Nordost 2019/2020?

"Ich bin jetzt sechs, sieben Jahre in der Regionalliga. Wenn ich mir überlege, was vor sechs Jahren war und was jetzt ist: Das ist vom Niveau her ein meilenweiter Unterschied. Wir haben jetzt absolutes Top-Niveau. Deshalb sind die meisten Klubs in der Regionalliga mittlerweile profigeführt. Mit drei Mal Training die Woche kannst Du in der Regionalliga nicht mehr mithalten. Wir haben eine sehr attraktive Regionalliga."

Auf welches Spiel freuen Sie sich am meisten?

"Da gibt es so viele Spiele. Cottbus, Chemie Leipzig, Lok Leipzig an einem Freitagabend, Erfurt. Das werden alles herrliche Spiele."

Wenn eine Fee kommen und sagen würde: Herr Scholz, Sie haben drei sportliche Wünsche für die kommende Spielzeit frei. Welche wären das?

"Erster werden. Landespokalsieger werden. Wismut Aue einen großen Kampf im DFB-Pokal bieten und im Elfmeterschießen weiterkommen."

Und wenn Sie die gerade abgelaufene Saison mit drei Worten beschreiben müssten. Welche wären das?

"Drei Worte, das ist schwierig. Ich versuche es mit drei Stichworten. In Leipzig ist auch durch meine Hilfe Profitum mit dem Sponsor ETL entstanden. Bei Lok gab es große Erwartungen, die ich leider nicht erfüllen konnte, auch durch vier, fünf Ausfälle, die wir nicht kompensieren konnten. Dann kam leider das Aus für mich. Das tat weh, war aber nach fünf Jahren eine logische Konsequenz. Dann hatte ich das große Glück, dass ich zwei Wochen nach meinem Rauswurf in Kontakt mit Nordhausen kam. Da war mir klar, ich kriege wieder einen herrlichen Klub, bei dem es Spaß macht."

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Saison!

Mit Heiko Scholz sprach Dirk Hofmeister.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 27. Juli 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2019, 08:35 Uhr

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12 Kommentare

26.07.2019 17:42 Raul 12

In Nordhausen 3.Liga? Wird nichts. Und mit HS schon garnicht. Tut mir leid. Träumt weiter. Neues Stadion? Geldverschwendung. Der Kader ist maximal Mittelmaß.

26.07.2019 16:29 Sabrina 11

Bei Lok Leipzig wissen wir, was Herr Scholz kann und was nicht. Wenn es die Mannschaft für ihn nicht rausreißt, ist Herr Scholz mit dem Latein am Ende. Letzte Saison hat er bei Lok die halbe Mannschaft ausgetauscht - mit dem bekannten Ergebnis.

26.07.2019 15:36 Gerald 10

Zu @ein Dynamo 4
Ich gönne es wirklich Nordhausen, sehe aber Cottbus als souveränen Aufsteiger. Schade.
Sie wissen aber schon, daß diesmal der Staffelsieger in die Relegation muss?

26.07.2019 12:54 Mike 9

Ach man Heiko! Das hast Du doch bei Lok auch schon publiziert! Und was kam? Dann sag mal lieber nichts - dann fällt der Abschied nicht so schwer!

26.07.2019 11:51 Erzgebirge 8

Dicke Handschuhe für den Torwart im DFB-Pokal gegen den Schacht, könnte man schonmal bei Amazon bestellen. Die verbale Unsportlichkeit des „wackeren“ Präsidenten bei der Pokalauslosung war schon dreist. Allerdings scheint der Herr eh kein besonderer Sportler zu sein, außer im Japanischen Sumoringen vielleicht. Ich tippe auf einen klaren 4:0 Erfolg der Erzgebirger und danach fahren wir dort nie wieder hin, höchstens in den Urlaub. Glück Auf

26.07.2019 09:18 Zwickauer 7

Ja Herr Scholz.
Sie haben eine geile Mannschaft.
Eine geldgeile Mannschaft.
Hoffentlich stehen viele Mannschaften vor Ihnen zum Saisonende.

25.07.2019 14:48 Roccos 6

Lieber Heiko. Zwischen Proficlubs und Profi geführten Clubs klaffen Welten. Ihr Präsident ist ja dafür bekannt große Töne zu spucken. Nur leider hat er keine Ahnung von Fußball. Wem hat er nicht schon alles nach NDH geholt. Hauptsache eine Promi. Ob er was drauf hatte,egal. Auch ihre Zeit wird bei diesem Dorfclub irgendwann zu Ende sein. Manchmal schneller als man denkt. Hoffe ihre Mannschaft kommt gegen Aue nicht unter die Räder. Hochmut kommt vor dem Fall.

25.07.2019 14:17 Südharzfront-das Original 5

Zitat" Sportlich tat keiner weh". Hmm weil es bei uns um nichts geht. Unsere Altherrenbrigade mit unseren einmaligen Präsidenten hat das Ziel unter die besten 5 zu kommen sich gestellt. Ein kühner aber machbarer Plan.

25.07.2019 03:00 ein Dynamo 4

Ich gönne es wirklich Nordhausen, sehe aber Cottbus als souveränen Aufsteiger. Schade.

24.07.2019 20:02 Südharzfront - das Original 3

Herrliches Interview von Heiko!!! Er passt zu Wacker wie Nordbrand zu unserer Stadt!!! Mit ihm wird es eine geile Saison: Im DFB-Pokal kommen wir sehr weit und sorgen deutschlandweit für Furore!!!! Und der Aufstieg ist greifbar nahe....!!