Fußball | Regionalliga Auerbach-Trainer Sven Köhler: "Wir können schlecht einzeln Konzerte geben"

Sven Köhler gibt im Interview mit dem MDR einen Einblick in den Alltag des VfB Auerbach zu Zeiten von Corona. Der erfahrene Trainer des Regionalligisten glaubt weiter an die verbindende Kraft des Sports und sieht Geisterspiele kritisch.

Sven Köhler, VfB Auerbach
Sven Köhler ist seit 2018 beim VfB Auerbach. Zuvor trainierte er den Chemnitzer FC (2016/17) und den Halleschen FC (2007-2015). Bildrechte: imago images / Picture Point LE

Sport-im-osten.de: Hallo Herr Köhler, zunächst natürlich die Frage: Wie geht es Ihnen und der Mannschaft?

Sven Köhler: "Wir hatten das letzte Mal am Mittwoch Kontakt. Da waren alle gesund. Wir haben bislang niemanden, der direkt von Corona betroffen ist."

Das Mannschaftstraining beim VfB Auerbach ist ausgesetzt. Haben die Spieler individuelle Trainingsprogramme erhalten?

"Bei uns sind derzeit alle Sportanlagen gesperrt. Wir haben mit allen Spielern abgesprochen, was sie allein zu Hause machen sollen. Dazu zählen vor allem Tempowechselläufe, also Bewegungen in Intervallform, wie sie im Fußball häufig vorkommen. Das ist die gleiche Belastung wie im Mannschaftstraining, nur eben ohne Ball."

Aktuell besteht nicht die Gefahr, dass jemand seine Arbeit verliert.

Sven Köhler

Viele Ihrer Spieler sind berufstätig. Wie steht es um ihre Arbeitsplätze?

"Die Spieler, die im Einzelhandel tätig sind, haben derzeit eher mehr Druck als vorher. Dann haben wir ein paar Spieler, die studieren, da ist es eher unproblematisch. Die Spieler, die in der Verwaltung arbeiten, sind auch nicht betroffen. Aktuell besteht nicht die Gefahr, dass jemand seine Arbeit verliert."

Trainer Sven Köhler (VfB Auerbach), 2018
So sieht sich Sven Köhler am liebsten: am Spielfeldrand, mit Zuschauern im Hintergrund. Bildrechte: imago/Picture Point

Die Regionalliga Nordost ist vorläufig bis zum 19. April unterbrochen. Glauben Sie, dass die Unterbrechung verlängert wird?

"Es wird schwierig werden, schnell wieder zum Sport überzugehen. Gerade steht der Sport an letzter Stelle. Wenn aber das normale Leben wieder startet, dann ist der Sport wie auch die Kultur dafür verantwortlich, für Abwechslung zu sorgen. Wir können schlecht, wie die Musiker, einzeln Konzerte geben. Irgendwann muss der Sport weitergehen."

Wenn das normale Leben wieder startet, dann ist der Sport wie auch die Kultur dafür verantwortlich, für Abwechslung zu sorgen.

Sven Köhler

Derzeit fehlen Zuschauereinnahmen, trotzdem hat der Verein laufende Kosten zu tragen. Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden?

"Wir leben hauptsächlich von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Wenn die jetzt selbst in Schieflage geraten, dann fehlen auch Sponsorengelder. Dadurch, dass ein Großteil der Spieler arbeiten geht, ist das natürlich ein bisschen anders als bei reinen Profivereinen. Aber in der Summe ist es schon schwierig, weil uns auf jeden Fall Einnahmen fehlen."

Plädieren Sie angesichts der finanziellen Last für eine baldige Fortsetzung der Spiele - wenn nötig mit Zuschauer-Einschränkungen?

"Ich habe letztens ein Interview im 'kicker' mit Cottbus-Trainer Sebastian Abt gelesen. Er hat natürlich recht, der Sport lebt von den Zuschauern. Auf lange Sicht wird es ohne Zuschauer nicht funktionieren. Wir sind ja nicht in der Bundesliga, wo Stadien mit 50.000 Leuten gefüllt sind und dadurch die Ausbreitung des Virus schneller vonstatten geht. Uns würde ja selbst die Grenze mit 1.000 Zuschauern selten betreffen. Es muss da aber eine klare, einheitliche Regelung gelten. Wir werden uns, denke ich mal, an der 3. Liga orientieren."

Das Interview führte Max Zeising.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR aktuell | 23. März 2020 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2020, 12:41 Uhr

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