Fußball | Regionalliga Dirk Kunert (Carl Zeiss Jena): "Keiner wird davonziehen"

In der letzten Corona-Saison schrammte der FC Carl Zeiss Jena um eine kleine Lizenzlänge am Aufstieg vorbei. Gelingt es vielleicht diesmal? Die Testspiele sind verheißungsvoll verlaufen. Trainer Dirk Kunert jedoch bleibt zurückhaltend. Er erwartet ein enges Regionalliga-Rennen.

Herr Kunert, Ihr Spieler Theodor Bergmann hat Carl Zeiss Jena zu einem Regionalliga-Favoriten erklärt. Ist er a) wahnsinnig, b) ist es Ihnen egal, was ein Spieler sagt, oder fragen Sie sich c), warum er Cottbus und Chemnitz auch noch genannt hat?

Wahnsinnig ist er nicht. Ich sehe es eher so, dass wir konkurrenzfähig sind und eine ordentliche Mannschaft an den Start bringen werden. Als Favorit sehe ich uns aber nicht.

Zum Saisonziel kommen wir später noch mal. Am 23. Juli jedenfalls beginnt die neue Saison. "Endlich" nach neun Monaten Corona-Zwangspause, oder "zu früh", weil Sie durch den verspäteten Thüringenpokal keine Urlaubspause hatten?

Ganz ehrlich, ich bin froh, dass es endlich losgeht. Die letzte Saison wurde abgebrochen. Ich hoffe, dass es nun eine normale Saison wird. Natürlich hatten wir nicht die beste Vorbereitung, da wir nun noch den Thüringenpokal hatten und dort mit der alten Mannschaft spielen mussten. Mit der neuen Mannschaft sind wir erst zwei Wochen zusammen. Das ist schon komisch.

So ganz ohne Urlaubspause - fühlt sich die Saisonvorbereitung anders an als sonst?

14 Tage lang hatten wir Pause. Da konnten wir kurz durchschnaufen. Aber durch den Thüringenpokal war es wieder so, als ob du mitten in der Saison bist. Dann hatten wir noch mal vier Tage Pause. Das fühlt sich schon anders an als normal, aber wir können es eh nicht ändern.

Der Thüringenpokal brachte Ihren Kickern aber auch reichlich Spielpraxis. Ist das womöglich ein Vorteil?

Ja, aber die neuen Spieler konnten ja nicht mitmachen. Wir hatten vier Pokalspiele, und die haben nur zugeschaut. Das war wirklich eine komische Situation: Die einen mussten spielen und dazwischen kurz regenerieren, die anderen mussten individuell trainieren.

Immerhin endete das Ganze positiv …

Das stimmt, für die einen war es ein positiver Abschluss, für die anderen ein positiver Startschuss. Zumal wir alle Spiele relativ souverän gewonnen haben. Im Finale mussten wir zwar in die Verlängerung, aber wir waren dominant.

Brennt Ihre Mannschaft schon, und woran merken Sie das?

Das war schon im Testspiel gegen Plauen (6:1, d. Red.) zu sehen. Da haben wir zur Pause 4:0 geführt, aber danach waren die Jungs weiter gierig, Tore zu machen. Das hat mir gefallen. Wir haben nicht nachgelassen, wollten das Spieltempo hochhalten. Das haben die Jungs gut gemacht.

Mit 19 Spielern wird es schwierig, gut durch die Saison zu kommen. Um wieviel Spieler werden Sie den Kader noch aufstocken?

Wir sind noch in verschiedenen Gesprächen. Ein bis zwei Spieler werden es auf jeden Fall noch. Aber wir haben bis zum 31. August Zeit. Es stimmt, mit 38 Punktspielen, DFB-Pokal und Thüringenpokal ist es eine lange Saison. Mit 18 oder 19 Mann kommt man da nicht durch.

Mit 38 Punktspielen, DFB-Pokal und Thüringenpokal ist es eine lange Saison. Mit 18 oder 19 Mann kommt man da nicht durch.

FCC-Trainer Dirk Kunert

Auf welcher Position muss unbedingt noch etwas gemacht werden?

Vielleicht auf den Außenpositionen im Sturm. Das ist jetzt keine Baustelle, aber da haben wir noch einen Blick drauf.

Von Ihren Neuzugängen machte Maximilian Krauß bislang einen starken Eindruck. Wie viele Tore soll er mindestens schießen?

Mir reicht es, wenn er ein Tor macht und wir dann dadurch ein Tor mehr als der Gegner haben. Aber ich glaube schon, dass er zweistellig treffen kann.

Zehn Spieler haben Jena verlassen. Welcher Abgang tut Ihnen weh?

Es tut immer weh, wenn ein Spieler den Verein verlassen muss. Aber diese Entscheidungen wurden nun mal getroffen, das ist schon okay so.

Was ist die große und entscheidende Stärke Ihres Teams?

Ich glaube, dass wir in diesem Jahr mehr Qualität haben. Und das, obwohl unser Kader noch relativ schmal ist. Letztes Jahr hatten wir einen größeren Kader, trotzdem war der Konkurrenzkampf im Team nicht so groß. Das ist jetzt besser. Im Gegensatz zur letzten Saison ist auch unser Fitnessstand viel besser. Trotz Corona.

Trainer Dirk Kunert, FC Carl Zeiss Jena
Dirk Kunert übernahm im Sommer vergangenen Jahres das Traineramt in Jena. Bildrechte: imago images/Karina Hessland

Kommen wir zur unvermeidlichen Frage: Was ist Ihr Saisonziel?

Wir wollen vorn in der Spitzengruppe mitmischen. Das wollen natürlich viele. Mal sehen, ob es bei uns dafür reicht.

Warum ist es so schwer zu sagen, "wir wollen den Aufstieg"?

Sie sagten es ja schon: Wir haben zehn Mann abgegeben, und dann war da Corona. Da posaune ich jetzt nicht raus, dass wir alle weghauen. Denn das wird nicht der Fall sein. Natürlich wollen wir nicht um die goldene Ananas spielen, sondern vorn immer auf Schlagdistanz sein. Als Favorit jedenfalls würde ich uns nicht sehen.

Wer ist denn dann der Favorit?

Die Liga ist sehr ausgeglichen, da wird diesmal keiner allein wegmarschieren. Einen Favoriten kann ich nicht ausmachen. Altglienicke allerdings war in den letzten Jahren immer vorn dabei. Die haben zwar Abgänge, holen aber immer sehr gezielt gute neue Spieler. Das Trainerteam um Karsten Heine versteht sein Handwerk. Der Verein wird ganz vorn mitspielen.

Die Liga ist sehr ausgeglichen, da wird diesmal keiner allein wegmarschieren. Einen Favoriten kann ich nicht ausmachen.

FCC-Trainer Dirk Kunert

Wer beerbt Viktoria Berlin als Senkrechtstarter, den kaum einer auf den Zettel hatte?

Das kann ich jetzt schwer sagen. Es gibt oft Überraschungen. Da muss ich mir erst mal die ersten Spiele anschauen.

Nach diesen ersten Spielen kommt ja dann gleich der DFB-Pokal. Sind Sie schon aufgeregt?

Das nicht, aber voller Vorfreude. Für den Verein ist es ein wichtiges Spiel. Für uns als Team ist es ein Bonusspiel. Wenn ein Bundesligist gegen einen Viertligisten spielt, muss es eigentlich eine klare Sache sein. Zumindest aus Sicht des 1. FC Köln. Aber wenn man gut drauf ist, hat man immer eine Chance. Wir werden alles probieren.

Noch ein Blick in die Zukunft. Welche Schlagzeile möchten Sie Mitte Mai 2022 über Ihre Mannschaft/Ihren Verein lesen?

Jena spielt eine starke Saison.

Zum Abschluss ist jetzt Platz für eine steile These, die Ihnen am Saisonende entweder um die Ohren fliegt, oder sie können dann sagen: Ich hab's gewusst!

Meine These ist, dass es ein enges Rennen gibt. Es wird keinen geben, der davonzieht. Es wird halt ein harter Kampf mit mehreren Vereinen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Sven Kups.

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Zu den Vorfällen nach der Regionalligapartie BFC Dynamo gegen die Chemie Leipzig äußerte sich BSG-Präsident Frank Kühne im Interview mit "Sport im Osten."

Mo 13.09.2021 18:30Uhr 05:57 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-chemie-leipzig-praesident-kuehne-bekraeftigt-und-widerspricht-100.html

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11 Kommentare

ruebezahl vor 8 Wochen

Ach mei Margoh, das waren noch schöne Zeiten als wir das Tor 1 noch im Griff hatten. Jetzt grüßen ja nicht mal mehr die Spieler. Wir sind zu alt geworden und den Nassen kennt auch keiner mehr wirklich...

Lok vor 8 Wochen

@Riesenberger
Warum so pessimistisch, was den CFC betrifft?
Fazit aus den Testspielen? Skepsis am Kader für 21/22?
Cottbus bleibt spannend, was der Trainer bewirken kann und wird.

Riesenberger vor 8 Wochen

Vermute auch, dass es eng zugehen wird. Meine Favoriten sind Altglienicke und der BFC, aber auch Jena und Lok werden oben mitspielen. Cottbus erwarte ich eher nicht ganz oben, und auch mein CFC landet bestenfalls irgendwo am Ende der 1. Hälfte.