Sport | Jahresrückblick | Juni | Fußball | Regionalliga Rückblick: Der 1. FC Lok Leipzig verpasst den Aufstieg in die 3. Liga

Ein Monat - eine Meldung. Für unseren Rückblick auf 2020 haben wir uns zwölf Sport-Themen des Jahres herausgesucht. Im Juni: Der 1. FC Lok Leipzig verpasst den Aufstieg in die 3. Liga.

Es wäre alles andere als ein normaler Aufstieg gewesen, aber den Anhängern von Fußball-Regionalligist 1. FC Lok Leipzig wäre das wohl so ziemlich egal gewesen: Die 3. Liga ist ein Sehnsuchtsziel für den Europapokal-Finalisten von 1987, den Insolvenzen mächtig durchgeschüttelt hatten, der aber in der 4. Liga ein Top-Team geworden war.

Das Recht zu den Aufstiegsspielen gab es aber erst nach längeren Diskussionen. Weil die Regionalliga-Saison im Nordosten wegen Corona vorzeitig beendet werden musste, bekam Lok, auf Rang zwei mit einem Spiel weniger als die VSG Altglienicke liegend, wegen der Quotientenregelung den Zuschlag. Es ging am zunächst zuhause gegen den SC Verl, dem Vertreter aus dem Westen, der vom Verzicht von West-Tabellenführer Rödinghausen und ebenfalls von der Quotientenregel profitiert hatte. Einen Favoriten gab es nicht, zumal beide Mannschaften ohne Wettkampfpraxis in diese Playoffs gingen.

Verl als Corona-Hotspot

Schon vor dem Hinspiel war dann wieder Corona ein Thema: Weil es einen Corona-Hotspot in einer Fleischfabrik von Tönnies gab, verfügte die Landesregierung Nordrhein-Westfalen strenge Ausgangsbeschränkungen für den Kreis Gütersloh. Verl, in dem auch viele Arbeiter wohnen, gehört zu diesem Kreis. Das Team durfte dennoch, mit intensiven Tests, nach Sachsen reisen.

Hinspiel: Lok führte zweimal

Im Geister-Hinspiel am 25. Juni führte Lok vor 2.000 Glücksschweinen durch einen Treffer von Trainer-Sohn Patrick Wolf früh (6.). Direkt vor dem Pausenpfiff gelang Verls Patrick Schikowski der Ausgleich. Das Team von Wolfgang Wolf kam mit Dampf aus der Kabine - Joker Matthias Steinborn sorgte für die erneute Führung (56.).

Patrick Wolf (Innenverteidiger Lok Leipzig, Rückennummer 14) (Mitte) erzielt das 1:0 gegen Robin Brüseke (Torwart SC Verl, Rückennummer 32) (li.)
Patrick Wolf (Mi.) erzielte das 1:0 für Lok Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Fataler Fehlgriff

Dabei wäre es wohl auch geblieben, doch eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit warf sich Lok-Keeper Fabian Guderitz eine harmlose Kopfball-Rückgabe von David Urban selbst ins Tor. 2:2! Was für ein Pech! Coach Wolf sagte: "Wir machen ihm (Fabian Guderitz, d. Red.) den Kopf nicht runter. Er hat bis dahin gut gespielt und dann passiert so ein Lapsus. Das ist grausam für uns und natürlich ein Genickschlag so kurz vor Schluss, aber die Mannschaft hat Moral und steht wieder auf."

Eigentor durch Fabian Guderitz (Torwart Lok Leipzig, Rückennummer 32) (re.) im Spiel Lok Leipzig gegen SC Verl (25.06.2020). Guderitz lässt den Ball durch die Hände ins eigene Tor rutschen.
Lok-Schlussmann Fabian Guderitz bugsierte den Ball in Minute 89 ins eigene Tor. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Das Rückspiel am 30. Juni war ebenfalls von Corona beeinflusst. Denn wegen der aktuellen Inzidenz-Zahlen musste Verl nach Bielefeld umziehen, in die Arena von Arminia.

Die unmittelbare Spielvorbereitung beim 1. FC Lok wurde wegen eines Corona-Verdachts ebenfalls beeinträchtigt.

Auf der "Alm" taten sich die Probstheidaer lange Zeit schwer, Chancen zu kreieren. Ein 0:0 würde wegen der Auswärts-Tor-Regelung nicht reichen, ein 1:1 auch nicht. Erst kurz vor der Pause wurde die Wolf-Elf mutiger - und ging dann auch durch ein Eigentor von Julian Stöckner (45.) in Führung. So hätte es enden können. Aber noch waren es 45 Minuten.

Jan Schöppner blockt den Schuss von Sascha Pfeffer
Ein Schuss von Leipzigs Sascha Pfeffer (li.) wird geblockt. Bildrechte: imago images / Picture Point LE

Ein Tor fehlt zum Aufstieg

Lok musste eine Drangphase überstehen, dann gab es wegen einer Verletzung von Schiedsrichter Arne Aarnink, der von Franz Bokop (59.) ersetzt wurde, eine achtminütige Unterbrechung. Verls Rhythmus war zwar ein Stück weit gebrochen, aber Lok konnte daraus kein Kapital schlagen. Offensiv ging zu wenig. Und dann schlug Ron Schallenberg zu (73.), der heutige Zweitliga-Profi des SC Paderborn traf aus 15 Metern flach ins rechte Eck. Erst am Ende der 13 Minuten Nachspielzeit arbeitete Leipzig an der erneuten Führung - vergeblich. Der Traum von Liga drei war geplatzt. Und das nach einer Saison, in der Lok nur eine Niederlage kassiert hatte.

cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 25. Juni 2020 | 21:45 Uhr

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