Fans des FC St. Pauli - NOFV Nazis
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Fußball | Regionalliga Ein unrühmliches Theater!

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) und der SV Babelsberg liegen im Clinch. Es geht um die Vorfälle und Nachwehen der Regionalliga-Partie der Potsdamer gegen Energie Cottbus. Ein Kommentar von MDR-Reporter Alexander Küpper.

von Alexander Küpper

Fans des FC St. Pauli - NOFV Nazis
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"Alles (Nazi)-Schweine beim NOFV!", "Fuck NOFV - Nazis raus aus den Stadien!", "NOFV - auf dem rechten Auge blind!" - so war es am vergangenen Spieltag auf Spruchbändern beim FC St. Pauli, Borussia Dortmund und dem FC Bayern München zu lesen. Die deutschen Fankurven laden in der Causa Babelsberg ordentlich durch gegen den Nordostdeutschen Fußballverband. Und was unternimmt der dagegen? Nichts. Er igelt sich ein. Eine durchdachte Kommunikationsstrategie, Klartext, Transparenz? Fehlanzeige!

Alexander Küpper
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In der vergangenen Woche lud der NOFV zum Pressegespräch am Rangsdorfer See bei Berlin. Wer auf Erklärungen gehofft hatte, wurde mit Ausreden abgebügelt. Fernsehkameras und Tonmitschnitte wurden zu Beginn des Gesprächs untersagt. Ein Pressegespräch ohne Fernsehkameras - das klingt wie ein schlechter Witz, aber wer hörte, wie sich die Verbandsvertreter präsentierten, muss die Entscheidung im Nachhinein als vollkommen richtig ansehen. "Am Ende [...] war Rangsdorf der Ort, an dem sich die NOFV-Verantwortlichen um Kopf um Kragen redeten", so schreibt es Javier Cáceres in der Süddeutschen Zeitung.

Begründung: Formfehler

Die Vorgeschichte ist hinlänglich bekannt. Wegen Ausschreitungen beim Spiel Babelsberg gegen Cottbus im April 2017 wurden die Nulldreier zu einer Geldstrafe in Höhe von 7.000 Euro verurteilt. Weil der Ausruf eines Fans "Nazischweine raus!" Teil der Urteilsbegründung ist, weigert sich Babelsberg zu zahlen. Im Cottbuser Gästeblock war es zuvor mehrfach zu rassistischen und antisemitischen Ausfällen gekommen. Die Berufung des SVB wurde vom NOFV nicht anerkannt.

Begründung: Formfehler! Formfehler? Ja, Formfehler! Es fehlte eine Unterschrift. Deshalb verstrich die Berufungsfrist, deshalb steckt der Verband jetzt in diesem Dilemma. Bei allem Respekt vor den Spitzfindigkeiten der Juristerei, aber das ist einfach billig. Ein kurzer Anruf beim SV Babelsberg und die Sache wäre in geordneten Bahnen verlaufen. So muss man konstatieren: Wer sich bei einer solch brisanten Thematik auf Formfehler beruft, der hat entweder die Tragweite des Problems dramatisch falsch eingeschätzt oder es bewusst drauf ankommen lassen. Beides wäre skandalös, gerade angesichts der derzeitigen politischen Atmosphäre in der Bundesrepublik.

SV Babelsberg 03 - FC Energie Cottbus im Karl-Liebknecht-Stadion
28. April 2017: SV Babelsberg - Energie Cottbus Bildrechte: IMAGO

Da passt es irgendwie auch ins Bild, dass der NOFV die antisemitischen Schmährufe aus dem Cottbuser Gästeblock bislang nicht explizit bestraft hat. Zunächst wurde der Verein vom NOFV-Sportgericht zwar verurteilt, dieses Urteil wurde vom NOFV-Verbandsgericht unter Vorsitz von Jürgen Lischewski aber wieder aufgehoben, das Verfahren eingestellt.

Chefsache für den DFB

Begründung: Verfahrenshindernis! Verfahrenshindernis? Ja, keine weiteren Erklärungen, einfach: Verfahrenshindernis! Wer die Bilder von Hitlergruß zeigenden Neonazis gesehen und die Schmährufe der widerlichsten Sorte gehört hat, der fragt sich: Was zur Hölle hindert den Verband daran, für diese Ausfälle Strafen auszusprechen? Bis heute hat der NOFV diese Frage nicht adäquat beantwortet. Bezeichnend, dass der DFB das Ganze nun zur Chefsache erklärt hat und die Sache Ende Februar neu verhandeln wird.

Training 2 min
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Zu Beginn dieser Woche dann eine gemeinsame Pressemitteilung von Verband und Verein, die sich nahtlos einfügt in das traurige Bild der Intransparenz, das der NOFV in diesen Tagen abgibt. In diesem Dokument, dass nur von Verbands-, nicht aber von Vereinsvertretern unterzeichnet ist, erklärte der NOFV, dass man sich mit Babelsberg "auf einen gemeinsamen Gesprächstermin Anfang März 2018 verständigt" habe. Hä? Anfang März? Wann denn genau? Ursprünglich war ein Termin für diese Woche angedacht. Und bereits gestern ist die vom NOFV gesetzte Frist abgelaufen, in der Babelsberg die 7.000 Euro hätte bezahlen sollen. Ist diese Frist jetzt hinfällig? Gibt es eine neue Deadline? Oder wird der Verein doch vorläufig gesperrt?

Erst einmal keine weiteren Erklärungen

Viele Fragen, keine Antworten. Nur so viel: "Der Nordostdeutsche Fußballverband und der SV Babelsberg 03 bitten um Verständnis, dass in Bezug auf den Termin keine weiteren Erklärungen erfolgen." Na klar, sämtliche drängenden Fragen unbeantwortet lassen, aber Nachfragen prinzipiell erstmal abbügeln. Der NOFV bleibt sich treu. Immerhin die "Potsdamer Neueste Nachrichten" klären die Fußballfans zwischen Vogtland und Ostsee auf. So meldete die Zeitung gestern, das NOFV-Präsidium habe beschlossen, "das sportgerichtliche Verfahren gegen den SVB bis zu dem Treffen vorerst ruhen zu lassen. Damit ruht auch die Zahlungsaufforderung gegen den Verein." Eine Information, die man eigentlich von demjenigen erwartet hätte, der ursächlich verantwortlich ist für dieses unrühmliche Theater – dem Verband.

Es ist schon verrückt. Noch vor wenigen Monaten erkämpfte der NOFV für die nächste Saison den direkten Aufstiegsplatz für seine Regionalliga. Der Verband stand unter Druck und erarbeitete im Ringen mit den anderen Regionalverbänden ein starkes Ergebnis für den Fußballosten. Offenes Visier, ein klarer Standpunkt, intelligente Öffentlichkeitsarbeit – all das zeichnete den NOFV in dieser Phase aus. All das lässt er aktuell vermissen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 16. Februar 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 12:01 Uhr

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12 Kommentare

17.02.2018 13:57 Majo 12

Also ich wäre froh darüber keine Nazi oder Antifa Spinner im Stadion zu sehen..denn diese politisch extremen Vollidioten haben nichts im Fussball zu suchen!Auch sonstwo nix!

17.02.2018 00:23 Karl 11

Was in Cottbus abgeht ist nicht mehr normal. Da werden normals Fans vom rechten Mob eingschüchtert und auch Hausbesucht gab es schon. Inferno Cottbus wurden verboten, die Leute von denen gehen trotzdem immer noch ins Stadion. Der Verein unternimmt nichts und normale Fanarbeit ist gar nicht mehr möglich. Hinter vorgehaltener Hand berichten viele, dass sie Angst haben gegen diese Leute auszusagen. Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun und ist einfach nur noch krank. Und so lange Cottbus ungeschoren davon kommt, ändert sich auch nichts. Aber wenn Leute Angst haben ins Stadion zu gehen, läuft dort etwas ganz gewaltig schief.

16.02.2018 18:49 moneypenny 10

@regio-fan,
einfach grauenvoll geschrieben.
Wieder soll ein Verein, für Entgleisungen einzelner Verbaltäter abgestraft werden ? , das findest Du toll ?
Ich hätte Verständnis, wenn der ganze Block oder vereinsverantwortliche derartige Äußerungen getätigt hätten, so ist es einfach typisch und erbärmlich für diese Gesellschaft.
Morgen gehen Vermummte in fremde Stadien,
rufen politisch verpönte Parolen und die entspr. Vereine werden dann bestraft. Wie krank seid Ihr eigentlich ?

16.02.2018 18:37 Darkangel 9

@ 1& 8
Wenn Ihr keine Nazis seid, warum zieht Ihr Euch diesen Schuh an. Man/Frau regt sich doch eigentlich nur auf, wenn man sich angesprochen fühlt! Sich gegen Hitlergruß und rassistische Äußerungen zu stellen, scheint beim NOFV nicht Willkommen zu sein, denn anscheinend bleiben diese Gesten und Äußerungen "ungesühnt"!, aber der Verein, der sich gegen solche Delikte stellt, soll bestraft werden.
Ich weiss zwar nicht genau, ob das zeigen des Hitlergrußes unter den Straftatbestand des Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole fällt, für mich ist es einer, und er sollte gesühnt und verurteilt werden. Bilder dazu gibt es ja genug.

16.02.2018 17:08 HFCer 8

@1 bin voll deiner Meinung., sippenhaft nennt man das!... Mag sein das es auch bei uns einige hohl Birnen gibt, aber ich lass mich nicht als Nazi beschimpfen! Im Normalfall könnte ich babelsberg auch verklagen, wg verleumdung. ... Darüber sollte die Antifa in babelsberg und Leipzig mal nachdenken. .. Sperrt den Verein, solange er nix gegen seine demokratisch feindlichen Fans unternimmt

16.02.2018 14:06 revolvere 7

@ 6 m24
genau! also bleibts (in diesem fall fürn nofv) am verein hängen!

16.02.2018 12:57 Miriuta24 6

Eins wird ständig vernachlässigt: Wie soll ein Verein eine Person daran hindern etwas Böses zu rufen oder mit der Hand zu zeigen?! Das geht nicht. Es sei denn jemand hat Stadionverbot. Einlasskontrollen helfen nur gegen Pyro oder schlimme Banner. Energie hat bei einem Stadionverbotsverfahren einen Vergleich ausgeschlossen, um die Übeltäter nicht davonkommen zu lassen.

16.02.2018 10:52 Radebeuler 5

Jetzt mal ehrlich , was habt ihr denn anderes erwartet? Ein Präsidium , welches für Geld alles macht, ich erinnere an die Pokalspielverlegung auf den Ostersonntag , nur weil der Expertensender SPORT1 etwas Kohle für die Übertragung "rübergeworfen" hat, muss sich doch erst einen neuen Grund einfallen lassen, um Babelsberg zu schröpfen. Dabei sei dahin gestellt , ob man die mag oder nicht. Über das Durchwinken eines "Produktes" lege ich jetzt mal den Mantel des Schweigens, sonst kommen deren"Söldner" wieder aus der Höhle ;-).

16.02.2018 10:02 Regio-Fan 4

Wahnsinn..Einfach nur Wahnsinn! Gut geschrieben!

16.02.2018 09:22 pickering 3

Fehler eingestehen, ist offensichtlich nicht die Staerke der ehrenwerten Herren,
Erbaermlich dieses Herauskomplementieren der Bild- und Tonvertreter zur Pressekonferenz
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