Fußball | Regionalliga Kritik und Kopfschütteln nach Forderung des Chemnitzer FC

Die Forderung des Chemnitzer FC nach einer "Antrittsprämie" für das Spielen im Stadion an der Gellertstraße sorgt für Kopfschütteln und Kritik. In den Kommentarspalten unseres Artikels von Samstag (20.10.2018) reagieren die Leser auf sport-im-osten.de deutlich: Das Schreiben von Insolvenzverwalter Klaus Siemon an die Stadträte, in dem 750.000 Euro zur Deckung des diesjährigen Etats gefordert werden, wird von den Usern des MDR als "Wettbewerbsverzerrung" (Regionalligafan), "grobes Foul" (lunatic) oder "sehr peinlich" (Forever CFC) bewertet.

Stadtrat Faßmann: "Insolvenzverwalter kann sich Forderungen schenken"

Lars Fassmann
Lars Faßmann: "Verein soll Gelder von Mitgliedern eintreiben" Bildrechte: privat

Kritik kommt auch aus dem Stadtrat. Lars Faßmann, der für die "Wählervereinigung Volksolidarität/Piraten" im städtischen Parlament sitzt, sagt dem MDR: "Der Insolvenzverwalter kann sich seine Forderung schenken. Der Verein soll lieber konsequent seine Gelder eintreiben." Laut Faßmann haben beim CFC bis September erst 21 Prozent der Mitglieder den Jahresbeitrag bezahlt - dem Politiker liege ein Schreiben des CFC an die Mitglieder vor, in dem der CFC seine Mitglieder um eine "freiwillige Zahlung des Mitgliedsbeitrages" bittet. "So lange dort nicht bis auf das letzte Mitglied bezahlt hat, braucht sich niemand bei der Stadt melden. Wenn der Verein nicht einmal das auf die Reihe bekommt, wie will man da ernsthaft wirtschaften?", fragt Faßmann.

"Stadt hat Mithaftung an Insolvenz"

Barbara Ludwig (SPD), Oberbürgermeisterin von Chemnitz, spricht zu Journalisten auf der Kundgebung der Evangelisch-Lutherischen Kirche Chemnitz.
Faßmann: "Oberbürgermeisterin Ludwig (im Bild) hat Mitschuld" Bildrechte: dpa

Die Hauptkritik des Stadtrates richtet sich aber nicht gegen den Insolvenzverwalter ("Es ist ja sein Job, das Maximale herauszuholen"), sondern an die Stadt: "Die jetzige Situation hat die Stadtverwaltung mitverschuldet. Dort wurde grob fahrlässig gehandelt", greift Faßmann Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und die SPD-Stadtregierung an. Sein Vorwurf: "Stadtrat, der kommunale Energieversorger 'Eins energie' sowie die Stadt als Stadionbesitzer haben eine Mithaftung für die Insolvenz." So hätten Energieverbund und Stadion dem Verein Ende 2017 mehr als 2,66 Millionen Euro an Krediten gezahlt. "Das war zu einem Zeitpunkt, als die Insolvenz schon absehbar war. Dabei hätte im Falle einer Insolvenz das Geld nicht gezahlt werden müssen", kritisiert Faßmann - und schlussfolgert: "Seit dem Stadionbau ist in der Stadtverwaltung der Sachverstand liegen geblieben."

"Was wäre, wenn es den CFC nicht gäbe?"

Klaus Siemon und Thomas Sobotzik
Insolvenzverwalter Klaus Siemon (li.) und Sportvorstand Thomas Sobotzik (Mi.). Bildrechte: imago/Picture Point

Statt dem CFC nun erneut unter die Arme zu greifen, fordert Faßmann einen kompletten Zahlungsstopp sowie stärkere Förderung kleiner Vereine und des Breitensports. "Für jeden Euro, den ich in kleine Vereine stecke, kommen 10 Euro zurück. Gebe ich den Euro dem CFC, ist das Geld weg", so der Unternehmer.

Auch die Argumente von CFC-Sportvorstand Thomas Sobotzik und Siemon, der Fußballklub sei der "größte Werbeträger der Stadt" und ein "Bollwerk gegen Rechtsextremismus", entlocken Faßmann nur müdes Lächeln und Sarkasmus: "Chemnitz ist jetzt schon weltweit bekannt - durch die rechtsextremen Ausschreitungen im Sommer. Man muss sich fragen: Was wäre denn, wenn es den CFC nicht gäbe? Die Wirtschaft wäre nicht zusammengebrochen. Die Chemnitzer würden genauso über ihre Stadt reden und den rechtsextremen Vorfall hätte es nicht gegeben, weil die Fangruppe nicht dazu aufgerufen hätte."

Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 21. Oktober 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2018, 15:27 Uhr

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87 Kommentare

24.10.2018 09:57 Schamane 87

DA STAUNT DER LAIE UND DER FACHMANN WUNDERT SICH

24.10.2018 07:23 Sr.Raul 86

@77 (Bürger), nach meinem Verständnis ist es NICHT der CFC, sondern der Insolvenzverwalter. Der selbe Pfiffikuss, welcher die Ausgliederung/Privatisierung als Allheilmittel durchgedrückt hat. Die scheint nun aber bereits mit Start gewaltig abzuschmieren.

23.10.2018 23:45 HansKle 85

Der Insolvenzverwalter Siemon hatte neben seinen nicht immer nachvollziehbaren Handlungen auch die traumhafte Idee, seinen Berufskollegen und jahrelangen Präsidenten des „Leidensbruders“, FC RWE, R. Rombach, um Unterstützung bei der (bereits) vollzogenen Ausgliederung des ebenfalls insolventen CFC zu bitten. Dieser vorzeitig entlassene „Alleinunterhalter“ hatte das Kunststück fertig gebracht, in seiner Ära gegenüber dem sächsischen Club einen weitaus höheren Schuldenberg anzuhäufen, ohne an die längst fällige Beantragung der Insolvenz zu denken, das sein inzwischen schon wieder zurückgetretener Nachfolger, F. Nowag, eiligst nachholte! Beide abgestürzten Vereine haben bei dem Personal vor dieser Regionalligasaison rekordverdächtig mächtig zugelegt, sodass der Normalbürger immer wieder fragen wird, wie das überhaupt möglich ist......

23.10.2018 21:49 HUKL 84

Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn praktisch über Nacht aus dem CFC e.V. die Kapitalgesellschaft CFC GmbH entstand, obwohl nur ein Teil aller Gläubiger dem Eiltempo des allgemein umstrittenen Insolvenzverwalters Siemon folgte! Es bleibt abzuwarten, ob sich die parallel eingeleitete Suche nach mehreren Investoren demnächst erfolgreich gestaltet, der notwendige, aber noch nicht vorhandene Budgetausgleich als Grundlage der Insolvenzbeendigung erreicht wird sowie der für die Spielgenehmigung notwendige Ausgliederungsvertrag dem Verband vorgelegt werden kann! Wenn alles rechtzeitig klappt, könnte dann das Anstreben des Aufstiegsplatzes wesentlich einfacher sein!
Was allerdings gar nicht gut ankommt, ist der geplante neue und überlange Stadionname, nachdem die bereits abmontierte „alte“ Bezeichnung ohnehin nur von den etwas schlaueren Fans ausgesprochen werden konnte...

23.10.2018 19:00 einfach ein Fußballfan 83

CFC ist insolvent......und ist verpflichtet einen ausgeglichen Haushalt nachzuweisen......nun weist man schon wieder eine Lücke aus.....steht aber sportlich top da........böse Zungen behaupten mit einem der best bezahlten Kader der RL. Das ist Wettbewerbsverzerrung oder für mich unlauterer Wettbewerb und jahrelange gemachte/gedultete Mißwirtschaft und auf keinem Fall hinnehmbar.Das wird noch ganz spannend,wie das Chaos(höflich ausgedrückt) abgearbeitet wird.

23.10.2018 17:16 Kiel_oben 82

> Die Forderung des Chemnitzer FC nach einer "Antrittsprämie" für das Spielen im Stadion <
liest sich grotesk weil jeder weiß, dass die nix arbeiten und nur Spielen und Jammern.
Wenn sowas durchgeht werden alle anderen nachziehen und ... wer zahlt es?

23.10.2018 16:59 Unbeteiigter 81

Also, mein Vermieter weigert sich, an mich zu zahlen, wenn ich mich bereiterkläre, weiter bei ihm zu wohnen.

23.10.2018 16:57 BSG 80

Der neueste Schrei: Geld für den neuen Stadionnamen: "Arena für Toleranz und......"Ihr habt jetzt endgültig die Lacher auf eurer Seite, und zwar deutschlandweit. Der Oberhit der Lächerlichkeit.

23.10.2018 16:38 xxx 79

Meiner Meinung nach ein deutliches Armutszeugnis für den Insolvenzverwalter und Vorstand für Finanzen.

23.10.2018 16:00 max 78

Fußball wird überschätzt. Es bleiben immer mehr den Stadien fern. Und die Herren des Geschäfts gehen die Augen auf. Weniger Beachtung und lieber selber gegen den Ball treten anstatt diesem schnöden Geschäft das Weiterleben sichern. Abwickeln und fertig. In Erfurt dasselbe. Die Mehrheit vertritt der Fußball nicht!