Fußball | Regionalliga Lizenz für 3. Liga: Wer will, wer will nicht?

So langsam geht der Meisterschaftskampf in der Regionalliga Nordost in die heiße Phase. Bis zum 1. März hatten die Teams Zeit, die Lizenzunterlagen für die 3. Liga einzureichen. Aber: Nicht alle Top-6-Klubs wollen hoch.

BFC Dynamo, Lok Leipzig, Energie Cottbus, CZ Jena und Berliner AK
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"Wir wollen in die 3. Liga" – sagen der BFC Dynamo, Lok Leipzig, Energie Cottbus, Carl Zeiss Jena und der Berliner AK. Diese fünf Mannschaften der Regionalliga Nordost haben die Lizenzunterlagen beim Deutschen Fußballbund eingereicht. Aus dem Kreis der aktuell besten sechs Teams der Liga entschied sich nur der Chemnitzer FC (derzeit Tabellenfünfter) zum Verzicht.

CFC: 3. Liga momentan nicht möglich

Wie der CFC auf "Sport im Osten"-Anfrage mitteilte, habe das finanzielle Gründe. Man sei wirtschaftlich nicht in der Lage, in der 3. Liga zu spielen, so die Begründung. Angesichts von zehn Punkten Rückstand auf Spitzenreiter BFC Dynamo stehen auch die sportlichen Chancen auf den ersten Platz nicht gerade berauschend. Eine Bewerbung will gut überlegt sein, schließlich belaufen sich die Kosten für den Lizenzantrag im unteren fünfstelligen Bereich.

Statt 3. Liga heißt es beim CFC so mal wieder Neuanfang. Trainer Daniel Berlinski wurde am Dienstag entlassen, Co-Trainer Christian Tiffert bekommt jetzt die Chance, als Interimstrainer und kann sich beweisen. Bringt er die Mannschaft in die Spur, könnte aus einer Übergangs- vielleicht sogar eine Dauerlösung werden.

Lok Leipzig - sind aller guten Dinge drei?

Ganz anders ist die Ausgangslage beim 1. FC Lok Leipzig. Die Probstheidaer sind als Zweiter in Lauerstellung. Haben fünf Punkte, aber auch ein Spiel weniger auf dem Konto als der BFC. Es war also logisch, dass die Unterlagen eingereicht worden. Zuletzt hatte Lok die Lizenzunterlagen für Liga 3 zwei Mal vergeblich eingereicht. Vor zwei Jahren scheiterte der Klub in der Relegation, letzte Saison konnte man als Siebter nicht in den Aufstiegskampf eingreifen. "Die Beantragung der Zulassungsunterlagen für die 3. Liga 2022/2023 war ein hartes Stück Arbeit", sagte Geschäftsführer Martin Mieth, der nun hofft, dass es nicht ein drittes Mal umsonst war.

Die Bewerbung des aktuellen Spitzenreiter BFC Dynamo (26. Spiele/58 Punkte) war logisch. Auch Energie Cottbus (3. Platz/26 Spiele/52 Punkte), Carl Zeiss Jena (4. Platz/25 Spiele/48 Punkte) und der Berliner AK (6. Platz/26 Spiele, 48 Punkte) rechen sich noch Chancen aus und haben die Bewerbung abgegeben. Wobei Benjamin Borth, Technischer Direktor bei BAK, gesteht: "Als wir mit den Lizenzunterlagen begonnen haben, waren wir Zweiter. Jetzt sind es zehn Punkte Rückstand. Das ist viel, aber wir wollen uns nicht in den Hintern beißen müssen, falls wir am Ende doch oben stehen."

Altglienicke verzichtet

Lange Zeit mischte auch die VSG Altglienicke (8. Platz/23 Spiele/42 Punkte) ganz oben mit. Obwohl das Team - vorausgesetzt die drei Nachholer werden gewonnen - noch gute Chancen hat, verzichtete man eine Bewerbung. "Das machen wir nicht. Der Rückstand ist zu groß", so die knackige Antwort von Marco Schröder, dem Leiter Spielbetrieb. Dagegen hat der SV Babelsberg (7. Platz/26 Spiele/45 Punkte) die nicht gerade billige Lizenz eingereicht - auch wenn die Chancen extrem gering sind.

DFB prüft die Unterlagen

Das Zulassungsverfahren ist ein erforderlicher Schritt, um in der 3. Liga antreten zu dürfen. Die eingereichten Unterlagen werden nun durch den DFB geprüft.

Wer Erster in der Regionalliga Nordost wird, muss in dieser Saison den Umweg über die Aufstiegsspiele gehen und trifft dabei auf den Qualifizierten der Nordstaffel. In der letzten Saison stellte die Nordost-Staffel noch den direkten Aufsteiger, Viktoria Berlin kam in den Genuss, kämpft aktuell aber in der 3. Liga gegen den Abstieg.

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Sanny Stephan

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 05. März 2022 | 14:00 Uhr

18 Kommentare

MikeS vor 22 Wochen

Mal ehrlich, hat aber ganz schön lange gedauert, bis man beim CFC in der kaufmännischen Abteilung die von Dir aufgezählten Probleme erkannt hat. Und trotzdem hat man Woche für Woche Leistungen anderer in Anspruch genommen, obwohl man sicherlich wusste, dass man bei Fälligkeit selbst nicht zahlen konnte. Wenn man merkt, der Vermarkter ist taub, dann muss man gleich die Reißleine ziehen - ich glaube, das Gesetz sagt, nach maximal 3 Wochen ...

Himmelblauer vor 22 Wochen

Vollkommen richtige Entscheidung getroffen beim CFC. Wenn man sich finanziell nicht in der Lage sieht in der 3.Liga zu spielen warum dann unnötig Geld ausgeben für eine Lizenz. Es freut mich zu sehen das die CFC Führungsetage aus früheren Fehlern gelernt hat.

Gernot vor 22 Wochen

Wünschenswert, in Richtung Lizenzvergabe ( bei wirklich allen Vereinen)wären klare Regeln ohne gummierte Ausnahmegenehmigungen. Finanzen sind auf den Tisch zu legen oder durch Haftungsübernahmen komplett abzusichern. Ebenso ein vernünftiges Heimstadion, was den Anforderungen wirklich gerecht wird. Ob es nun unbedingt 10000 Zuschauer fassen muss, halte ich für fragwürdig. Die 3. Liga darf kein Tummelplatz für Abenteurer und Träumer in Sachen Profifußball werden. Probleme ,wie in Uerdingen bzw Tücücü sollten zukünftig im Vorfeld ausgeschlossen werden. Sie tun der Liga und dem wirklichen Wettbewerb nicht gut.

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