Eingang zum Bruno Plache Stadion
Loks Heimstätte: das Bruno-Plache-Stadion. Bildrechte: IMAGO

Fußball | Regionalliga Lok Leipzig steckt im Schuldensumpf

Regionalligist Lok Leipzig hat offenbar starke finanzielle Probleme. Nach MDR-Recherchen prognostizierte der Verein für die vergangene Saison ein Minus von fast 790.000 Euro. Ex-Manager Wolf-Rüdiger Ziegenbalg erhebt deshalb schwere Vorwürfe.

Eingang zum Bruno Plache Stadion
Loks Heimstätte: das Bruno-Plache-Stadion. Bildrechte: IMAGO

Bei Lok Leipzig läuft es sportlich derzeit nicht gerade rund. Der Regionalligist, der mit großen Ambitionen in die Saison gestartet war, befindet sich nach dem 1:1 bei Wacker Nordhausen am Freitagabend mehr denn je im Abstiegskampf.

Lok steckt seit Jahren in finanziellen Problemen

Und nun wird deutlich, dass Lok offenbar auch finanziell am Tropf hängt. Nach MDR-Informationen steckt der Verein seit Jahren im Schuldensumpf: Bereits die Saison 2015/16 schloss er mit Verbindlichkeiten von über 350.000 Euro ab, für die vergangene Spielzeit prognostizierten die Verantwortlichen sogar ein Minus von fast 790.000 Euro.

Ziegenbalg erhebt schwere Vorwürfe

Manager Wolf-Rüdiger Ziegenbalg (Lok)
Loks Ex-Manager Wolf-Rüdiger Ziegenbalg. Bildrechte: IMAGO

Loks Ex-Funktionär Wolf-Rüdiger Ziegenbalg, der im Februar vom Berater zum Manager aufgestiegen war und bereits im Mai wieder entlassen worden war, erhebt deshalb schwere Vorwürfe. Lok habe die finanziellen Probleme vertuscht, so Ziegenbalg gegenüber dem MDR: "Es gibt Zahlungsschwierigkeiten, es gibt Verwendung von Mitteln in andere Richtungen, die dafür nicht gedacht sind. Es gibt so einige Dinge, die so nicht sein können." Er habe Schulden in sechsstelliger Höhe abgearbeitet, ergänzte Ziegenbalg - beispielsweise mit der Agentur "contacts and sports", der Lok schließlich 50.000 Euro überwies.

Es gibt Zahlungsschwierigkeiten (...) es gibt so einige Dinge, die so nicht sein können."

Wolf-Rüdiger Ziegenbalg MDR

Lok hängt am Tropf eines Steuerberaters

Franz-Josef Wernze
Franz-Josef Wernze. Bildrechte: imago/Worbser

Ebenso zeigen die Unterlagen, die dem MDR vorliegen, dass Lok Leipzig offenbar nur durch die Finanzspritzen des Steuerberaters Franz-Josef Wernze noch am Leben ist. Aus dem Protokoll einer Aufsichtsratssitzung vom 8. März 2018 geht hervor, dass Wernze, dem das Steuerberatungsimperium ETL mit 7.800 Mitarbeitern und 800 Kanzleien in ganz Deutschland gehört, dem Verein die mündliche Zusage gegeben hat, die Unterdeckung zu kompensieren. Es existieren zwei Budgetentwürfe für eine Mannschaft, die den direkten Aufstieg in die 3. Liga realisieren soll: Bei einer ist von einer Unterdeckung von 1,5 Millionen Euro, bei der anderen sogar von 2,1 Millionen die Rede. Wernze, der auch seinen Herzensverein, den West-Regionalligisten Viktoria Köln, finanziell unterstützt, hat über Loks Ex-Trainer Heiko Scholz die Verbindung nach Leipzig aufgebaut, als dieser 2011 bei Viktoria Trainer war.

Herr Wernze hat die mündliche Zusage gegeben, die Unterdeckung zu kompensieren.

Budgetentwurf von Lok Leipzig für 2018/2019 MDR-Recherchen

Loks Unstimmigkeiten mit Autohaus

Auch andere Unstimmigkeiten gibt es - beispielsweise mit dem Autohaus AMZ, einem wichtigen Sponsor. Geschäftsführer Uwe Scheiner äußerte erst kürzlich wieder seinen Unmut, nicht über den Trainerwechsel informiert worden zu sein. Lok hatte Heiko Scholz, der fünf Jahre als Trainer und Manager in Personalunion tätig war, vor wenigen Wochen entlassen.

Heiko Scholz und Mario Basler vor der Opel AMZ GmbH
Heiko Scholz und der ehemalige "Geschäftsführer Sport", Mario Basler, vor der Opel AMZ GmbH. Bildrechte: IMAGO

thü/red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 03. November 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2018, 09:09 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

98 Kommentare

07.11.2018 05:08 Hans-Jörg 98

Wer bitte ist Ziegenbalg??? Hat der nicht auch Dynamo Dresden fast in den Ruin gewirtschaftet!!??
Und nun die billige Retourkutsche mit unbewiesenen Aussagen, nur weil man eben bei Lok endlich mal frühzeitig gemerkt hat, daß der Typ nur ein Blender und Schaumschläger ist, ebenso wie zuvor Basler. Aber der hat wenigstens nicht so nachgekarrt.....
Aber schön zu wissen, daß der Zwangsbeitrag für den öffentlich -rechtlichen MDR für solche Beiträge genutzt werden ;-(( Man verwechselt da wohl Meinungsfreiheit mit Rufschädigung...

06.11.2018 15:01 kaflink 97

@ Voice Man sollte nicht bei anderen von Kopf einschalten reden, wenn man selbst in der Dunkelkammer wohnt. Wenn das dein 1x1 der Finanzen ist, warst du sicher mal beim BER.
Jeder weiß doch, dass die Spielerwerte schnell mal um die Hälfte fallen, wenn der Club absteigt oder zumacht. Trotz allem ist diese Diskusion erst durch den zweifelhaften Bericht des mdr aufgekommen. Der Herr Ziegenbalg ist mit angeblichen Internas an die Öffentlichkeit gegangen obwohl bei Beraterverträgen Verschwiegenheitsklauseln üblich sind. Das zeigt doch wie vertrauenswürdig der Mann ist. Schlimm ist nur, dass diejenigen, die andere als Schreihälse bezeichnen, selbst die größte Schreihälse sind, wenn es darum geht, gegen Lok zu wettern.

06.11.2018 12:20 Goethe 96

@ Voice

Make my Day.. selten so einen Blödsinn gelesen..
Also wenn der Hauptsponsor von Rasenballsport sich zurück zieht dann Zitat "Spielerwerte, Immobilienwerte und mittlerweile angesammeltes Eigenkapital stehen dann für die Verbindlichkeiten von 80 Millionen ein. Und diese Werte sind um ein Vielfaches höher als die Verbindlichkeiten selber"
Also zunächst liegen die Schulden bei über 100 Mio und nicht 80. Die 80 sind die Schulden bei Red Bull.
Die RasenBallsport Leipzig GmbH gehört zu 100 Prozent dem Hauptsponsor. Zieht er sich zurück- wandelt er die Spieler in Kapital um und macht den Laden zu. Weshalb sollte er sich sein Geld nicht zurück holen? Allerdings werden andere kaum Ablösen zahlen im Wissen um die Situation.
Ohne die Geldspritzen von zuletzt Rund 50 Millionen Euro pro Jahr !!! wird der Weg ganz schnell runter gehen.
Also lieber Schweigen und nicht Schöngerede aus der RB PR-Abteilung nachplappern!

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

05.11.2018 18:03 Linde64 95

Warum hier auch über RB geschrieben wird? Es geht um Schulden und um Leipzig, DARUM !!!!
Lok hat ein positives Jahresergebnis 2017/18 - PUNKT!
Bis zur Wende gab es den BFC - heute den RB....
Und wieder grüßt das Murmeltier! Woher die Zuschauer damals beim BFC kamen genau so rätselhaft wie heute von RB!

05.11.2018 16:17 Paul 94

Ich kann mich eigentlich nur sehr wundern mit wem sich der Mdr da einlässt ???

05.11.2018 14:16 Voice 93

@92 Udo Foht

Sie vergleichen Äpfel mit Birnen.

Zieht sich bei Lok der Hauptsponsor zurück, gehen die Lichter aus, weil beim Schema "Von der Hand in den Mund" dann sofort die Liquidität fehlt und man die entstehenden Verbindlichkeiten nicht mehr aus eigener Kraft bedienen kann.

Beim anderen Beispiel - Sie meinen RB - entsteht beim Rückzug des Hauptsponsors kein Liquiditätsproblem. Spielerwerte, Immobilienwerte und mittlerweile angesammeltes Eigenkapital stehen dann für die Verbindlichkeiten von 80 Millionen ein. Und diese Werte sind um ein Vielfaches höher als die Verbindlichkeiten selber.

Beste Grüße aus der Messestadt!!

05.11.2018 13:21 Udo Foht 92

@Voice: Falsch! Den TV-Beitrag bitte noch einmal schauen.

Der 1. FC Lok hat keine Schulden, sondern einen gedeckten Etat, zu großen Teilen durch den Hauptsponsor. Auch mit düsteren Bildern und schauriger Musik unterlegt, ändert das nichts an diesem Fakt. Bei dem anderen angeführten Beispiel deckt der "Hauptsponsor" übrigens auch große Teile des Etats. Aber das sind eben nur Details.

05.11.2018 08:11 Der Sachse 91

@Z. "WIe sehen die Zahlen bei anderen Vereinen aus? Etwa BFC, Nordhausen, Meuselwitz etc.?"

Wenn sich Wacker entscheidet seine Spendengelder an einem anderem seiner Standorte auszugeben gehen in Nordhausen die Lichter aus. Deine anderen Beispiele sind nicht relevant, da ich dort keine Investitionen über Regioanalliga-Niveau sehe. Und von Victoria Berlin hört man ja auch nichts Neues.

04.11.2018 22:59 Nordlicht 90

Ich würde das Gespräch zwischen Lok und dem MDR abwarten. Lok ist doch nicht der einzige Verein, der von einem Großsponsor abhängig ist. Ohne Elgeti kein Hansa, ohne Kühne kein HSV, ohne SAP keine TSG 1899 und ohne RB kein RB! klar muss Lok dringend professionellere Strukturen bekommen, aber vieles wurde schon getan. Wenn ein Sponsor eine Unterdeckung begleicht, ist es kein Minus im Ergebnis. Das ist doch schlicht. Nur wenn der Investor hinschmeisst, ist der Verein insolvent. Das ist aber bei Lok nicht der Fall. Deshalb ist die Meldung des MDR kritisch zu bewerten.

04.11.2018 21:06 Voice 89

@ 88
Auch für Dich das kleine 1x1 der Finanzen.

1. Lok hat Schulden, die nicht durch Sicherheiten gedeckt sind.
2. RB hat Schulden, denen riesige Sicherheiten (Werte) gegenüber stehen.

Im Fall 1. - ganz schlecht, weil sie die Schulden nicht bedienen können, wenns zum Knacken kommt - wie gerade jetzt.
Im Fall 2. - alles im grünen Bereich, die Schulden sind durch Sicherheiten wie Spielerwerte, Immobilien etc. abgedeckt, wenns zum Krachen kommt.

Ein Ignorant ist der, der das nicht sieht bzw. sehen will. Vor dem Rumposaunen, immer erst Kopf einschalten. Das hilft ungemein!

Übrigens - Toleranz ist das beste Mittel gegen Hass!

Beste Grüße aus der Messestadt!!