Fußball | Regionalliga Nordost "Gürtel enger schnallen" - Lok Leipzig steht Umbruch bevor

Der Traum von der 3. Liga ist für Lok Leipzig geplatzt. Doch wie geht es nach dem verpassten Aufstieg für den Traditionsverein weiter? Klub-Präsident Thomas Löwe blickt den nun wartenden Herausforderungen mit Sorge entgegen.

Djamal Ziane, Spieler des 1. FC Lokomotive Leipzig, sitzt enttäuscht am Pfosten eines Fußballtors.
Bildrechte: PICTURE POINT/S. Sonntag

Die Enttäuschung stand den Spielern von Lok Leipzig ins Gesicht geschrieben. Als eine "absolute Leere", beschrieb Hinspiel-Torschütze Matthias Steinborn sichtlich angefressen die Situation im Anschluss an die Partie: "Wir sind vor den Spielen noch enger zusammengerückt. Am Ende stehst du mit nichts da. Das ist eine Katastrophe."

Einzig Paul Schinke mit gültigem Vertrag

Fakt ist, dass Lok nach dem bitteren 1:1 (1:0) gegen den SC Verl am Dienstag (30. Juni) auch im nächsten Jahr mit Regionalliga-Fußball Vorlieb nehmen muss. Wie die Mannschaft dann personell aufgestellt ist, steht in den Sternen. Schließlich hat einzig Mittelfeldspieler Paul Schinke einen Vertrag über die aktuelle Saison hinaus.

"Wir müssen uns jetzt zwei Tage sammeln und dann eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen, die in der Lage ist, in der Regionalliga wieder gut mitzuhalten", blickte Klub-Präsident Thomas Löwe nach dem Spiel voraus, schränkte aber gleichzeitig ein: "Aufgrund der Stärke der Regionalliga im nächsten Jahr ist es nicht realistisch, dass wir angreifen können. Da wäre es unverhältnismäßig so einen Druck aufzubauen. Wir werden eine gute Mannschaft haben, aber mit einer anderen Zielstellung in die Saison gehen."

Wolf: "Es wird einen Umbruch geben"

Ähnlich formulierte es auch Lok-Trainer Wolfgang Wolf, nachdem seine Mannschaft spät in der Nacht wieder in Leipzig eintrudelte und trotz der Niederlage von zahlreichen Fans gefeiert wurde. "Der Verein ist die Treppe vier, fünf Stufen runtergefallen und muss wieder aufstehen. Die Mannschaft wird komplett neu  aufgebaut. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Es wird einen Umbruch geben."

Der Aufstieg in den bezahlten Profi-Fußball hätte für die "Loksche" einiges einfacher gemacht. Vor allem in finanzieller Hinsicht. 1,5 Millionen Euro beträgt das Gefälle im Etat zwischen der Regional-Liga und 3. Liga, wie Löwe vorrechnete. Nun steht dem Traditionsverein jedoch eine personelle Neuausrichtung bevor: "Wir können nur wenige Spieler halten, da müssen wir realistisch sein", sagte der Klub-Präsident.  

Kaum Planungssicherheit – Neuer Trainer soll Donnerstag vorgestellt werden

Denn Planungssicherheit für die nächste Saison kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand geben. Zu ungewiss gestaltet sich die Situation aufgrund des Corona-Virus. Ob und wann Zuschauer in der Regionalliga wieder zu Spielen zugelassen werden, weiß aktuell noch niemand. Deshalb sei es auch "derzeit fast unmöglich ein belastbares Budget zu erstellen. 50 Prozent unserer Einnahmen generieren wir durch Tickets, Merchandising und Gastro im Bruno-Plache-Stadion", unterstrich Löwe: "Wir müssen den Gürtel deutlich enger schnallen."

Auf Lok Leipzig warten große Herausforderungen. Ein neuer Kader, ein neuer Trainer und erneute finanzielle Sparmaßnahmen. Wer ab der kommenden Saison für den Übungsbetrieb zuständig sein soll, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. "Wir werden am Donnerstag den neuen Trainer vorstellen und die Marschrichtung für die nächsten Tage, Wochen und Monate vorgeben", erklärte Wolf. Ob er selber den Umbruch im Verein begleiten werde, ließ er hingegen offen: "Das wird man sehen."

Thomas Löwe   SC Verl - 1. FC Lok Leipzig 4 min
SC Verl - 1. FC Lok Leipzig Bildrechte: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 01. Juli 2020 | 17:45 Uhr

48 Kommentare

MDR-Team vor 12 Wochen

Lieber User, wir bitten Sie von Behauptungen wie "Corona-Inszenierung" abzusehen. Nicht belegbare Tatsachenbehauptungen sind gemäß der Netiquette nicht erwünscht. (https://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) Danke und liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Strafrechts-Profit-eur vor 12 Wochen

"mit eigenen monetären Interessen"
Wo ist das Problem? In diesem Land ist es üblich, besser dotierte Verträge anzunehmen. Warum sollte das im Fußball anders sein?
Lok kann auch dank der politischen Corona-Inszenierung nicht viel zahlen. Allerdings steht der Verein damit nicht allein.
Die meisten Spieler haben keinen Vertrag für die nächste Saison. Man wird sehen, wer zu welchen Möglichkeiten bleiben kann.
Profifußball dürfte jedenfalls ohne großen Sponsor nicht mehr finanzierbar sein.

Strafrechts-Profit-eur vor 12 Wochen

Wieso nicht gut ausgegangen?

Wir hätten ein Jahr 3. Liga abfeiern können und wären dann vermutlich wieder abgestiegen. Wichtig wäre nur, dass die Vereinsführung kein Wirtschafts-Harakiri wie unter Notzon veranstaltet hätte.
Ich sehe da nichts von "nicht gut ausgegangen".