Fußball | Regionalliga CFC stellt Anzeige und zieht weitere personelle Konsequenzen

Der Chemnitzer FC hat nach den Vorfällen vom Samstag Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Die Polizei Chemnitz erklärte indes, vor der Durchführung der Traueraktes gewarnt zu haben. Zudem gab es weitere Freistellungen. Sachsens Fußballpräsident Winkler nannte die Vorkommnisse von Chemnitz "skandalös" und sprach von einem "Bärendienst" für Stadt und Land.

Am Montagmittag teilte der Chemnitzer FC weitere personelle Konsequenzen nach den Vorkommnissen rund um einen Trauerakt für einen bekannten Neonazi und CFC-Fan mit. Demnach wird SPD-Stadträtin Peggy Schellenberg in Zukunft nicht mehr als Fanbeauftragte der "Himmelblauen" arbeiten. Maximilian Glös, der in der Kommunikationsabteilung des Vereins tätig war, wurde ebenfalls freigestellt. Stadionsprecher Olaf Kadner, der am Samstag eine Gedenkrede vorgelesen hatte, soll ebenfalls nicht mehr eingesetzt werden.

Bereits am Sonntag hatte der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Uhlig, "um weiteren Schaden vom Chemnitzer FC fernzuhalten", alle seine Ämter beim Verein niedergelegt. Er trage als kaufmännischer Geschäftsführer und Veranstaltungsleiter die Verantwortung für die Spieltage des CFC und dessen Begleiterscheinungen.

Chemnitz reicht Strafanzeige gegen Unbekannt ein

Zuvor hatte der Regionalliga-Spitzenreiter am Montag erklärt, dass der Verein Strafanzeige gegen Unbekannt wegen aller in Betracht kommenden Dinge erstatte. Die Anzeige ist am Montag bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz eingereicht worden.

Als Begründung für das jetzige Vorgehen wird Insolvenzverwalter Klaus Siemon in der Pressemitteilung wie folgt zitiert: "Der Ablauf zum Heimspiel gegen VSG Altglienicke weicht soweit von unserem Sicherheitskonzept und den Vorfestlegungen und Absprachen zur Durchführung eines Spiels in der Regionalliga ab, dass es zu klären gilt, wie dies geschehen konnte."

Anfangsverdacht der schweren Nötigung und angedrohter Landfriedensbruch

Laut der zuständigen Mitarbeiter hätten bei einer Nichtzulassung der Trauerbekundungen "massive Ausschreitungen" gedroht, heißt es in der CFC-Meldung weiter. "Dieser Umstand begründet zumindest den Anfangsverdacht für eine schwerwiegende Nötigung, der von den zuständigen Ermittlungsbehörden aufzuklären ist. In der Sache ist damit ein schwerer Landfriedensbruch gemäß Paragraph 125 StGB angedroht worden, was für die Verantwortlichen des CFC nicht hinnehmbar ist", so Siemon weiter.

CFC-Fans trauern um Hooligan
CFC-Fans trauern um Hooligan Bildrechte: Harry Härtel

CAC distanziert sich vom Chemnitzer FC

Derweil hat nach der Sparkasse ein weiterer Großsponsor seine Kündigung des Sponsoringvertrages beim CFC bekräftigt. Die Chemieanlagenbau Chemnitz GmbH (CAC) distanzierte sich nicht nur ausdrücklich von den Vorkommnissen, sondern prüft nach eigener Angabe einen direkten Ausstieg beim CFC. Der Sponsoringvertrag mit dem CFC, der zum Saisonende im Juni 2019 ausläuft, wurde bereits Ende 2018 gekündigt. "Wir prüfen aber aktuell juristisch, unsere Leistungen mit sofortiger Wirkung einzustellen", so Jörg Engelmann, Geschäftsführer und Sprecher CAC.

"Wir stehen daher nicht nur persönlich, sondern auch als Arbeitgeber und Geschäftspartner für die Werte eines weltoffenen, friedlichen und toleranten Miteinanders", so Engelmann weiter. Seit September 2018 ist CAC auch aktiv an der Kampagne "Chemnitz ist weder grau noch braun" beteiligt.

NOFV leitet offiziell Ermittlungen ein

Auch der Nordostdeutsche Fußball-Verband hat eigenen Maßnahmen eingeleitet. Das bestätigte der NOFV am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Der Verband trete für einen sauberen, fairen und frei von jeglichen Meinungsäußerungen stattfindenden Spielbetrieb ein, betonte Geschäftsführer Holger Fuchs. In einer Pressemitteilung am Nachmittag heißt es: "Der NOFV) tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen sowie menschenverachtenden Verhaltensweisen entschieden entgegen. Der Verband spricht sich gegen den Missbrauch von Fußballspielen und die Nutzung für parteipolitische und anderweitige Zwecke aus und tritt für die Einhaltung der Grundsätze von Integrität, Loyalität und Fairness bei den sportlichen Wettbewerben und darüber hinaus ein. Der Präsident des NOFV hat das Sportgericht des NOFV betreffs der Vorkommnisse vor und während des v.g. Meisterschaftsspiels der Regionalliga Nordost mit Ermittlungen beauftragt."

Erwin Bugar 1 min
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Erwin Bugar ist frisch gewählter Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes. Was er zu den Vorkommnissen in Chemnitz sagt, hier!

So 10.03.2019 16:56Uhr 00:36 min

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Sachsens Fußballpräsident Winkler: "Skandalös"

Sachsens Fußballchef Hermann Winkler hat die Vorkommnisse scharf kritisiert. Dem MDR sagte der Präsident des sächsischen Fußballverbands: "Das ist skandalös, was da in Chemnitz gelaufen ist." Der Verein habe "Sachsen, Chemnitz und dem Fußball einen Bärendienst" erwiesen. Er verurteile die Trauerbekundung für einen mutmaßlichen Nazi auf das schärfste. "Das darf eigentlich nicht vorkommen", so der CDU-Politiker. Winkler begrüßt personelle Konsequenzen und stellt die CFC-Vereinsstruktur in Frage.

Polizei äußerte Bedenken im Vorfeld

In einem ersten Statement am Sonntag hatte der Chemnitzer FC darauf verwiesen, die Aktion "geschah in Übereinstimmung mit Abwägungen, die von den Sicherheitsbehörden getroffen worden waren. Polizeisprecherin Jana Ulbricht widerspricht dieser Darstellung jedoch.

Gegenüber der "Freien Presse" erklärte Ulbricht: "Es sind vielmehr Bedenken von uns geäußert worden. Aber wir haben auch keine Möglichkeit, das zu verbieten. Es gibt keine strafrechtliche Relevanz."

"Fahnenverbot" auf der Tribüne

Der CFC will derweil auch prüfen lassen, "wie es geschehen konnte, dass auf der Südtribüne die Verwendung der sonst üblichen Fahnen von bis zu 99 Fanclubs unterbunden wurde". Im Zuge der Schweigeminute wurde im Fanblock ein großes weißes Kreuz auf schwarzem Hintergrund ausgerollt. Am Zaun hing ein Plakat mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden, Thommy". Der Rest des Hintertorzaunes war mit schwarzer Folie verdeckt.

Verein und Fußballgesellschaft hatten sich derweil noch einmal ausdrücklich von den Ereignissen distanziert. Man wende sich "gegen jede Form von Rechtsradikalismus" und sei "nicht bereit, vor diesen Ideologien zurück zu weichen und den Fußball in Chemnitz aufzugeben."

Banner auch in Cottbus

Beileidsbekundungen für den Verstorbenen hatte es am Samstag auch beim Drittligisten Energie Cottbus gegeben. Beim Spiel gegen Preußen Münster hing im Innenraum ein Banner mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden, Tommy", dem gleichen Wortlaut wie in Chemnitz.

Nach Aussage von Energie-Pressesprecher Stefan Scharfenberg-Hecht sei das Banner in Cottbus kurzfristig vor dem Spiel angemeldet und zugelassen worden. "Den Verantwortlichen war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, um welche Person es sich hierbei handelte", sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Mit den dann bekannt gewordenen Informationen hätten die Verantwortlichen der Präsentation des Banners keinesfalls zugestimmt, erklärte der Sprecher.

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red/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 11. März 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 20:27 Uhr

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Erwin Bugar ist frisch gewählter Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes. Was er zu den Vorkommnissen in Chemnitz sagt, hier!

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