Fußball | Regionalliga Nordost Germania Halberstadt – der historische Fehlstart und das Prinzip Hoffnung

nach dem 4. Spieltag

Eigentlich wollte Halberstadts Coach Danny König auf seinem ersten Cheftrainer-Posten in der Regionalliga um die einstelligen Tabellenplätze mitkämpfen. Nach vier Spieltagen steht sein Team aber am Tabellenende. Eine Ursachensuche.

Germania Halberstadt vs. Optik Rathenow - Danny König und das Team
Halberstadt-Coach Danny König (vorn) und sein Team nach der Niederlage gegne Rathenow. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Die Partie im Halberstädter Friedensstadion war längst abgepfiffen. Das 0:3 auf der Anzeigetafel war bereits erloschen. Die Spieler von Gegner Rathenow hatten schon unzählige Auslauf-Runden gedreht, das Flutlicht wurde langsam gedimmt. Da stand Germania-Trainer Danny König mit seinem Team immer noch im Kreis. Es gab viel zu besprechen.

Halberstadt: Negativ-Rekord zum Saisonstart

Mit der vierten Niederlage im vierten Spiel hatten die VfB-Kicker gerade einen Negativ-Rekord aufgestellt. Seit der Fusion zwischen VfB Halberstadt und FC Germania im Jahr 1997 war der VfB Germania noch in keine Saison so schlecht gestartet. Selbst in der Regionalliga-Abstiegssaison 2015/16 zierte nach dem vierten Spieltag bereits ein Halberstädter Punkt die Tabelle.

König: "Von der Mentalität sehr gut"

Germania-Coach Danny König besprach mit seinem jungen Team aber weder die Vereinsgeschichte, noch, was die Kicker nicht können - Chancen in Tore verwandeln zum Beispiel. Obwohl die Niederlage gegen Rathenow auch etwas mit der mangelnden Chancenverwertung in der ersten Halbzeit zu tun hatte, betrieb König nach dem Spiel mentale Aufbauarbeit: "Ich habe gesagt, dass sich die Jungs vom Aufwand und der Bereitschaft nichts vorzuwerfen zu haben. Von der Mentalität war das sehr gut. Die Jungs haben bis zu letzten Minute alles gegeben", so die paradox-positive Kommunikation des Coaches, der sein Team zudem für die Ruhe und Geduld im Spielaufbau und das Erarbeiten von Chancen lobte.

Knackpunkt Chancenverwertung

Tatsächlich spielt Halberstadt trotz der bisher verheerenden Bilanz als einziges Regionalliga-Nordost-Team ohne einen Zähler nicht wie ein Absteiger. Gegen Rathenow war Halberstadt eine Halbzeit lang klar der Chef im eigenen Stadion, am vergangenen Wochenende in Chemnitz machte das König-Team seinen Job in der Defensive lange Zeit gut. Und auch in den Wochen zuvor hatten die Harzvorländer mindestens einen Punkt verdient gehabt.

Germania Halberstadt vs. Optik Rathenow
Halberstadt, hier Angreifer Yilmaz (re.) nutzt seine Chancen kaum. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

König: Ambitionierte Ziele und Erwartungen

Bei seinem ersten Job als Regionalliga-Cheftrainer hat der 45-jährige König gleich eine schwierige Mission zu meistern. Das Bugdet der Halberstädter zählt zu den geringsten der Liga. Elf Spieler verließen das Team vor der Saison. Die Neuzugänge waren zumeist U19- oder sogar U17-Spieler. Mit 21,4 Jahren ist die Germania das jüngste Team der Liga.

Königs‘ Ziele sind dennoch ambitioniert. Vor der Saison benannte der Coach einen einstelligen Tabellenplatz als Zielstellung. Von seinen Spielern erwartet er, verschiedene Systeme während der Partie flexibel spielen zu können. Und so stellt König viel um, zwischen den Spielen aber auch in den Partien. Eine feste Startformation gibt es unter ihm nicht.

Taktische Überforderung der Spieler?

Sind die Halberstädter Kicker einfach überfordert? Nein, widerspricht Enrico Gerlach, als Sportlicher Leiter der direkte Vorgesetzte von Coach König: "Wir haben in der Vorbereitung genügend Systeme eingeübt. Das ist nichts Neues für die Jungs." Aber, so mahnt Gerlach: "Wir brauchen zu viele Chancen, um Tore zu schießen." In der Tat: Bei drei der verlorenen vier Spielen hatte Halberstadt die besseren Torchancen – ließ die Hochkaräter aber reihenweise liegen.

König: "Das ist eine Phase"

So bleibt bei König das Prinzip Hoffnung: "Wir können uns keine neuen Spieler backen. Wir haben uns geschworen, dass wir mit den Jungs und dem Budget die Regionalliga spielen. Da müssen wir jetzt durch. Das ist eine Phase."

Gerlach: "Keine Trainerdiskussion"

Diese Phase soll möglichst schon am Sonntag in Cottbus enden. Ausgerechnet bei Energie, das nach drei Niederlagen seines Trainers Sebastian Abt nervös wurde, den Coach entließ und prompt am Mittwoch (02.09.2020) beim VfB Auerbach gewann. Hat König Angst um seinen Job? "Nein", reagiert König resolut: "Angst in ein schlechter Ratgeber", sagt er und lacht bitter: "Wir sind nicht mit Cottbus zu vergleichen. Unser Jahresbudget verbraucht Cottbus vermutlich in einem Monat." Eine Diskussion um die Zukunft von König weist auch Gerlach von sich: "Danny macht hier eine gute Arbeit – das ist Fakt. Für mich kommt eine Trainerdiskussion nicht infrage."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 02. September 2020 | 21:45 Uhr

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