Fußball | Regionalliga RW Erfurt zwischen Hoffen, Bangen und Spielerflucht

Die Spieler von Rot-Weiß Erfurt stecken in der Warteschleife: Zwei weitere Kicker hatten keine Geduld mehr und packten ihre Koffer. Der Trainer will bleiben, auch im Falle der Einstellung des Spielbetriebs.

Selim Aydemir (Erfurt)
Seine Zeit in Erfurt ist vorbei: Selim Aydemir wechselt in die Türkei. Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Der insolvente Viertligist Rot-Weiß Erfurt soll am Samstag (16 Uhr live bei "Sport im Osten") seinen Rückrundenstart beim FC Energie Cottbus bestreiten. So jedenfalls sieht es der Spielplan des Nordostdeutschen Fußballverbandes vor. Noch immer ist aber unklar, ob in Erfurt weiter gespielt werden kann. Insolvenzverwalter Volker Reinhardt konnte bisher noch keinen neuen Investor präsentieren. Stand jetzt, wird die Mannschaft deshalb wohl kaum auflaufen.

Aydemir und Rüdiger weg

Der Grund? Am 31. Januar (Freitag) schließt das Winter-Transferfenster, danach kann ein Spieler zwar wechseln, bekommt aber für seinen neuen Verein keine Spielerlaubnis und wäre bis zum Sommer nicht spielberechtigt. Logisch, dass den Spielern die Zeit im Nacken sitzt.

Einige wollten nicht länger warten. Nach Rico Gladrow (Energie Cottbus) und Lukas Novy (unbekannt) haben auch Selim Aydemir (Menemen Spor) und Morten Rüdiger (VfB Lübeck) RWE den Rücken gekehrt. "Wenn es vor dem Spiel am Samstag bzw. vor dem 31.1. kein endgültiges Signal gibt, dass es weitergeht, dann muss man damit rechnen, dass weitere Spieler den Verein verlassen", sagte RWE-Trainer Robin Krüger am Mittwoch (29.01.2020) auf MDR-Anfrage. Andere Vereine hätten einige Kicker schon kontaktiert, viele zögern noch, wollen eigentlich in Erfurt bleiben, doch "je näher der 31.1. rückt, desto wahrscheinlicher werden Wechsel. Einige Spieler haben sich selbst Fristen bis zu einer Entscheidung gesetzt", so der 30-Jährige. Danilo Dittrich, 24-jähriger Mittelfeldspieler bei RWE, inserierte seine Wohnung laut der "Welt" vorsichtshalber schon mal bei Ebay...

Robin Krüger
Bildrechte: imago images/osnapix

Wenn es vor dem Spiel am Samstag bzw. vor dem 31.1. kein endgültiges Signal gibt, dass es weitergeht, dann muss man damit rechnen, dass weitere Spieler den Verein verlassen.

RWE-Trainer Robin Krüger

Trainer Krüger: "Wir sind auf Abruf"

Nach der Ankündigung der Einstellung des Spielbetriebs verbreitete Insolvenzverwalter Volker Reinhardt am Sonntag zwar wieder Hoffnung, doch bis Mittwoch konnte er keinen neuen Investor präsentieren. Die Mannschaft trainiert dementsprechend seit letztem Freitag nicht, traf sich am Dienstag nur mal kurz im Kraftraum. "Wir sind auf Abruf, wenn sicher feststeht, dass wir bis zum Saisonende spielen können und bis zum Schluss unser Gehalt gezahlt wird, dann trainieren wir sofort wieder“, erklärt Krüger.

Der Trainer will bleiben

Er ist seit eineinhalb Jahren in Erfurt, besitzt noch keinen Profitrainervertrag, sondern nur einen als Nachwuchstrainer. Krüger hat auch kein Gehalt bekommen und könnte sich trotzdem vorstellen, weiter zur Stange zu halten – auch für den Fall der Einstellung des Spielbetriebes der ersten Mannschaft. "Ich habe einen Vertrag und der Spielbetrieb im Nachwuchs soll ja unabhängig von der Profimannschaft weitergeführt werden. Ich könnte mir vorstellen, auch da zu arbeiten, weil ich mich im Verein und in der Stadt sehr wohl fühle. Natürlich hoffe ich für uns alle, dass der Daumen nach oben geht.“

Wenn in den letzten fünf Jahren alles richtig gelaufen wäre, wären wir nicht in der Situation, in der wir jetzt sind.

RWE-Trainer Robin Krüger

Krüger widerspricht Rangnick nicht

120. DFB-Geburtstag, Feierveranstaltung im DFB-Gründungshaus Büttnerstraße Leipzig
Ralf Rangnick (ganz rechts) fand kritische Worte für das Geschehen bei RW Erfurt. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Die Kritik von Ralf Rangnick am Rande des Festaktes zum 120. Geburtstag des Deutschen Fußball-Bundes sieht Krüger übrigens durchaus als berechtigt an. "Wenn in den letzten fünf Jahren alles richtig gelaufen wäre, wären wir nicht in der Situation, in der wir jetzt sind." Rangnick hatte die Erfurter Vereinsführung kritisiert und von Misswirtschaft gesprochen, sagte aber auch, "dass er vom Potential in Erfurt genauso viele Möglichkeiten wie in Leipzig sieht, aber es müssen sich Leute finden, die so einen Verein führen, übernehmen und wissen, wie so etwas geht." Auf diese fähigen Führungskräfte und einen Investor hoffen Krüger und alle Erfurter Fans. Ansonsten droht der Untergang des früheren DDR-Oberliga-Meisters.

sst

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 29. Januar 2020 | 19:30 Uhr

13 Kommentare

Voice vor 16 Wochen

Ich bin total bedient und habe zweimal richtig geheult. Einmal vor Traurigkeit und einmal vor Wut. Dieser IV verdient die Bezeichnung nicht. Schon Rombach war eine Niete. Tut mir leid, aber anders kann mans nicht sagen. Warum nur hat unser RWE alles falsch gemacht, was man falsch machen kann?
Irgendwie muss jetzt ein ECHTER Neuanfang her. Wichtig ist , dass der e.V. erhalten bleibt, damit wir nicht unter einem anderen, doofen Namen starten müssen. Freunde, egal was kommt, der RWE braucht bedingungslose Unterstützung!

Beste Grüße aus der Messestadt!!

Steigerthor von Asgard vor 16 Wochen

Das wäre eine sehr gute Idee, wenn da nicht ein Herr Reinhardt dies schon im Keime ersticken würde. Denn solange der das alleinige Sagen bei RWE hat, wird sich beim FC Rot-Weiss Erfurt die nächsten 30 Jahre überhaupt garnichts mehr zum positiven verändern. Nur ohne ihm und auch nur mit neuen kreativen Köpfen an der Spitze, hätte der Verein noch eine reelle Chance auf wirtschaftliche und sportliche Genesung! Vor allem dürfen es dann nur solche Leute sein, wo die Seele mehr an dem eigenen Verein hängt, als an der eigenen Brieftasche..... Sportliche Grüße an alle treuen RWE-Fans aus Gotha!

wicky 67 uncut vor 16 Wochen

'größtes Vergnügen' sollte es im oberen Teil meines Beitrages korrekterweise richtig lauten!! (Rechtschreibehilfe... -- passiert leider immer wieder....)