Fußball | Regionalliga BFC vs. Chemie: NOFV prüft Vorfälle von Berlin - Vereine widersprechen sich

Rassistische Beleidigungen und das Werfen von Gegenständen - die Regionalliga-Partie BFC Dynamo gegen Chemie Leipzig soll unschöne Begleitumstände gehabt haben. Da die Partie bereits im Vorfeld als Risikospiel eingestuft worden war, hatte der NOFV einen offiziellen Beobacher, Lutz Mende, geschickt. "Sport im Osten" sprach mit Mende, der beim Nordostdeutschen Fußballverband auch Vorsitzender des Ausschusses für Prävention und Sicherheit ist. Inzwischen äußerten sich auch der BFC und die BSG.

Der Nordostdeutsche Fußballverband hat nach den Vorkommnissen beim Regionalliga-Spiel BFC Dynamo gegen die BSG Chemie Leipzig ein Sportgerichtsverfahren angekündigt: "Man kann fest davon ausgehen", sagte Sicherheitsbeobacher Lutz Mende, der die Partie im Auftrag des Verbands verfolgte, am Montag "Sport im Osten". Beim 2:0-Sieg der Berliner hatten die Leipziger das Werfen von Bier und anderen Gegenstände ebenso beklagt wie "Hitlergrüße und Affenlaute" in ihre Richtung.

NOFV: Gegenstände sind geflogen

Lutz Mende, Vorsitzender im Ausschuss für Prävention und Sicherheit beim NOFV
Lutz Mende, Vorsitzender im Ausschuss für Prävention und Sicherheit beim NOFV (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Picture Point LE

Mende, der beim NOFV Vorsitzender des Ausschusses für Prävention und Sicherheit ist, verfolgte die Partie vor Ort, weil die Begegnung im Vorfeld von NOFV und Polizei als Risikospiel eingestuft worden war. Er erstellt im Laufe des heutigen Montags (13.09.2021) ein Sicherheitsprotokoll. Dort wird Mende unter anderem protokollieren, dass Spieler von Chemie nach dem Spiel mit Gegenständen beworfen worden waren. Die Bank der Gäste befindet sich im Sportforum Hohenschönhausen rechts vor dem Heimblock. Zudem hätten Heimfans versucht, in den Gästeblock zu gelangen. Der ist in der Hälfte der linken Kurve, von der TV-Kamerapositon aus gesehen. Auch Chemie-Anhänger hätten daraufhin versucht, in den Bereich der Heimfans einzudringen.

"Affenlaute" in der Live-Übertragung zu hören

Zwischen beiden Blöcken gibt es eine wild bewachsene Pufferzone. Das "energische Einschreiten der Polizei", so Mende, habe ein Aufeinandertreffen verhindert. Chemie-Fans sprachen von einem unverhältnismäßigen Einsatz von Pfefferspray. Auch sei der Chemie-Spieler Anton Kanther, der seine Eltern begrüßen wollte, nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" kurz festgenommen worden. Über die Taktik der Polizei wollte sich Mende nicht äußern. Von "Affenlauten", die Chemie nach dem Spiel beklagte, hat Mende von seinem Platz auf der Tribüne aus, "ich saß etwa 80 Meter vom Heimblock entfernt", nichts gehört. In der Live-Übertragung von ostsport.tv sind sie beim Ballbesitz des Leipzigers Benjamin Luis zu hören.

Chemie-Trainer Miroslav Jagatic 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So 12.09.2021 21:14Uhr 01:01 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-miroslav-jagatic-bfc-dynamo-chemie-leipzig-102.html

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Video

Augenzeuge: "Juden", "Schwuchteln", "Zigeuner" und "Viehzeug" fielen

Fußballfans
Einige Fans von BFC Dynamo nach dem Chemie-Spiel Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der "Chemieblogger" schreibt in einem Augenzeugenbericht für die Internetseite "chemischeselement.de", dass auch der nach dem Spiel völlig entgeisterte BSG-Trainer Miroslav Jagatic rassistisch beleidigt worden sein soll. Schon zur Pause sei ein Zuschauer aus dem Heimblock wegen eines Hitlergrußes rausgezogen worden. Nach dem Tor zum 2:0 in der Nachspielzeit sind laut eines anderen Zeugen in Richtung Chemie die Worte "Juden", "Schwuchteln" und "Zigeuner" gefallen. Auch von "Untermenschen" sei die Rede gewesen. In einem YouTube-Video ist der Satz eines Zuschauers "Die sollen sich nach Hause machen, das Viehzeug" zu hören. "In Leipzig ist nichts los, deshalb sind die hier", sekundierte ein anderer. Nach Wortgefechten mit den Chemie-Spielern an der Trainerbank seien dann mit Sand und Steinen gefüllte Bierbecher und Fahnenstangen auf die Mannschaft geflogen. In einem Video zu sehen ist die Polizei, wie sie den Gästeblock stürmt.

Die sollen sich nach Hause machen, das Viehzeug. In Leipzig ist nichts los, deshalb sind die hier.

Zwei Zuschauer beim Spiel BFC - Chemie Youtube-Video

Chemie und BFC prüfen die Vorgänge

Auch Schiedsrichter Johannes Schipke (SSV Loitsche/Zielitz) wird nun ein Protokoll anfertigen. Beide Protokolle gehen an Spielleiter Wilfried Riemer, der die beiden Schriftstücke dann an das Sportgericht weiterleiten dürfte. Die BSG Chemie und der BFC Dynamo prüfen die Vorfälle aktuell anhand des Video-Materials. Das Duell gilt auch wegen der DDR-Vergangenheit als brisant. Damals waren die Leutzscher die von der Politik links liegen gelassenen Außenseiter und der BFC war als Lieblingsverein von Stasi-Chef Erich Mielke privilegiert und wurde auch deshalb zum Rekord-Meister in der DDR-Oberliga.

BFC: Provokation durch Chemie-Spieler – Affenlaute hörbar – Polizei kann Zeigen des Hitlergrußes nicht bestätigen

Der BFC nahm am Montagnachmittag in einer Vereinsmitteilung Stellung zu den "Ereignissen nach Spielende". Demnach sei es zu "Provokationen einzelner Spieler der BSG Chemie Leipzig vor der Gegengerade zu wechselseitigen Beleidigungen zwischen Fans des BFC Dynamo auf der einen Seite, sowie Spielern und dem Trainer der Gastmannschaft auf der anderen Seite" gekommen, hieß es. Auch die BFC-Führung schrieb von hörbaren Affenlauten einer einzelnen Person, um einen Chemie-Spieler rassistisch zu beleidigen. Daraufhin haben umstehende BFC-Fans sofort eingegriffen, um "diese unfaire und unwürdige Verhaltensweise" zu unterbinden. Der Verein bestätigte zudem, dass bereits im Verlauf der Partie "eine Person aufgrund des vermeidlichen Zeigens des verbotenen Hitlergrußes von der Polizei identifiziert" worden sei. Allerdings habe die Auswertung der Videoaufnahmen durch die Beamten ergeben, dass kein Straftatverdacht vorliege. Grundsätzlich bedauere der BFC die Vorfälle im Stadion, allerdings sei es wichtig, das die Aufarbeitung der Vorkommnisse wahrheitsgemäß und sachlich erfolge.

Chemie-Präsident Kühne bezieht Stellung

Frank Kühne, Präsident von der Chemie Leipzig, bekräftigte im Interview mit "Sport im Osten" nochmals die Sichtweise der BSG. Demnach habe es übelste rassistische Beleidigungen in Richtung Trainer Jagatic und dessen Familie gegeben. Dabei handelte es sich um "Worte, die im Stadion nichts zu suchen haben", so Kühne. Gleichzeitig widersprach der Präsident der Darstellung vom BFC, dass Leipziger Spieler nach der Partie Dynamo-Fans provoziert hätten. Dafür gäbe es genügend anwesende Verbandsmitglieder, die im Stadion waren und Bildmaterial, die Kühnes Sicht beweisen würden.

Vorschaubild Kühne 6 min
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Zu den Vorfällen nach der Regionalligapartie BFC Dynamo gegen die Chemie Leipzig äußerte sich BSG-Präsident Frank Kühne im Interview mit "Sport im Osten."

Mo 13.09.2021 18:30Uhr 05:57 min

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red

Videos aus der Regionalliga

Fußball
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Lukas Aigner (Chemnitzer FC)
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Doch kein Auswärtsdreier für den FC Energie Cottbus in Chemnitz: Lukas Aigner trifft in der Regionalliga-Partie kurz vor Schluss (90.+5) für den Chemnitzer FC.

Mi 20.10.2021 21:08Uhr 00:59 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-chemnitzer-fc-energie-cottbus-tore-100.html

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 13. September 2021 | 19:30 Uhr

42 Kommentare

Ich 68 vor 5 Wochen

Bis auf dein,"Ich finde die Fanszene sympathisch" hast du alles perfekt geschrieben. Selbst die Hansaszene wird bei den Chemikern in die rechte Ecke geschoben. Alles ist Rechts, was nicht nach Leutzsch rennt. Das Klientel dort spiegelt das wider, was eine Linke Landtagsabgeordnete dort um sich schart. Deren Opferrolle nervt nur noch.

wolle010 vor 5 Wochen

@Feldspieler, richtig, gut ist dass der MDR das Thema angeht. Allerdings laesst er auch nur Meinungen durch die politisch korrekt sind. Ergo, keine freie Meinungsaeusserung moeglich

Feldspieler vor 5 Wochen

Warum in die Politik? Die Stadien und der Sport sind kein rechtsfreier Raum. Und eine menschenfreundliche, tolerante Haltung ist dem Sport eigentlich zu eigen.