Fußball | Regionalliga Viele Modelle, viele Meinungen – NOFV-AG diskutiert über Regionalliga-Modus

Wie wird die Saison in der Regionalliga Nordost zu Ende gebracht? Darüber diskutiert am frühen Mittwochabend die Arbeitsgemeinschaft "Fortführung Spielbetrieb". Im Fokus: der Modus! Playoffs, KO-Runde oder Quotientenregel?

Lok Leipzig: Bruno-Plache-Stadion mit Flutlicht
Im Leipziger Bruno-Plache-Stadion des 1. FC Lok und allen anderen 19 Spielstätten der Regionalliga Nordost ruht seit Anfang November 2020 der Ball. Bildrechte: imago/Beautiful Sports

Schnelle Einigkeit ist in der seit Wochen schwelenden Diskussion um das Wie und Wann der Fortsetzung der Regionalliga Nordost nicht zu erwarten – zu unterschiedlich sind die Interessenlagen. In der Arbeitsgemeinschaft "Fortführung Spielbetrieb" sitzen neben den Beteiligten des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) auch sechs Vereinsvertreter von Carl Zeiss Jena, dem VfB Auerbach, Germania Halberstadt, Viktoria Berlin, Energie Cottbus und dem FSV Luckenwalde.

Spitzenreiter Viktoria lehnt K.o.-Modus ab

FC Viktoria 1899 Berlin
Viktoria Berlin steht bislang verlustpunktfrei an der Tabellenspizte der Regionalliga Nordost. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Spitzenreiter Viktoria liegt mit elf Siegen aus elf Partien in der Tabelle unangefochten vorne (acht Punkte vor Altglienicke) und will diese Position auf keinen Fall aufgeben. Die Verfolger hingegen hoffen auf ein K.o.-System im Europapokalmodus. Insbesondere der FC Carl Zeiss macht sich in der Runde für dieses Modell stark und dürfte viel Zuspruch erhalten – von all den anderen Klubs, die ebenso gerne hoch wollen.

Eine dritte Variante, die nach MDR-Informationen zur Diskussion steht: Play-Offs und Play-Downs – die ersten Zehn spielen eine eigene Runde um den Aufstieg, die von elf bis 20 platzierten Mannschaften kämpfen gegen den Abstieg. Zunächst soll aber die Hinrunde in jedem Fall zu Ende gespielt werden. Das würde dann als tabellarische Grundlage dienen. Dem Vernehmen nach herrscht darüber unter den AG-Teilnehmern weitgehende Einigkeit.

Modus-Änderung scheint juristisch möglich

NOFV
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei der letzten Sitzung der AG wurde nicht über den Modus diskutiert – auch, weil der Verband erst juristisch prüfen wollte, ob eine Änderung der Spielregeln mitten in der Saison rechtlich überhaupt haltbar sei. Ein Blick in die NOFV-Spielordnung zeigt: Ein anderer Modus scheint möglich. In Bezug auf die Durchführung des Spieljahres heisst es in §2 fett gedruckt:

Das Präsidium kann weitere abweichende oder ergänzende Regelungen treffen, wenn dies aus übergeordnetem Verbandsinteresse, insbesondere zur Gewährleistung und Durchsetzung hygienischer Standards zur Pandemiebekämpfung oder in Anbetracht behördlicher Verfügungen oder anderer öffentlichrechtlicher Vorschriften für die Durchführung des Spielbetriebes notwendig ist.

 §3, Punkt 3 besagt, ebenfalls fett gedruckt:

Im NOFV- oder Verbandsinteresse und in Ausnahmefällen kann ein anderer Wettbewerbsmodus angewendet werden, wenn unter anderem die Anzahl der zugelassenen Mannschaften aufgrund nicht vorhersehbarer und nicht beinflussbarer Ereignisse von der Richtgröße nach § 4 Nr. 1 der Spielordnung abweicht oder weitere Umstände dies erfordern.

Sätze, die alle Verfolger gerne lesen dürften.

Termindruck: Offen, wann wieder angepfiffen werden kann

Hermann Winkler
NOFV-Präsident Hermann Winkler. Bildrechte: imago images / Max Stein

Offen ist nach wie vor die Frage, wann es wieder losgehen kann. "Wir sind abhängig von politischen Verfügungslagen", hatte der neue NOFV-Präsident Hermann Winkler nach seiner Wahl am vergangenen Donnerstag erklärt. Offiziell ruht der Ball zunächst bis zum 28. Februar. Die Beendigung der Hinrunde würde dann schon mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Härtefall TeBe Berlin beispielsweise hat aktuell gerade einmal zehn von 19 Hinrundenspielen absolviert.

Ein möglicher Europacupmodus würde dann mindestens vier weitere Spieltage bedeuten (Achtel-, Viertel-, Halb- und Finale, jeweils als einfaches Spiel). Mit Hin- und Rückspielen würde sich die Anzahl entsprechend verdoppeln. Für Playoffs und Playdowns zwischen den ersten 10 und den letzten 10 müssten neun weitere Spieltage absolviert werden, wenn jeder einmal gegen jeden spielt.

NOFV-Spielausschuss und Präsidium entscheiden über Modus

Sollte sich die AG heute auf einen Modus einigen, wird dieser dem NOFV-Spielausschuss vorgelegt. Dieser wiederum kann dann in Absprache mit dem Präsidium festlegen, wie es weitergeht. Eine endgültige Entscheidung wird heute also nicht getroffen, die Debatte dürfte dennoch durchaus hitzig werden. Viele Modelle, viele Meinungen – keine leichte Aufgabe für den Nordostdeutschen Fußballverband.

Videos aus der Regionalliga

LOK Leipzig gegen Viktoria Berlin.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport

FC Eilenburg Aufstieg
FC Eilenburg Aufstieg Bildrechte: MITTELDEUTSCHR RUNDFUNK

Die NOFV Obelriga Süd ist abgebrochen worden. Geht es nach dem NOFV, wird der FC Eilenburg nach nur zehn Spieltagen in die Regionalliga aufsteigen.

Fr 09.04.2021 12:50Uhr 01:12 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-fc-eilenburg-vor-aufstieg-regionalliga-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 27. Januar 2021 | 21:45 Uhr

19 Kommentare

Lok vor 10 Wochen

Man muss den Hut ziehen, mit welchem Engagement überzeugte Chemiker wie Hannchen, L0K, Chilli Palmer, Chemieschein, Schellusche usw. sich hier in allen Kommentarspalten um meine geliebte Loksche kümmern. Hat man im Leutzscher Unterholz keine Freude am eigenen Verein? Das Thema dreht sich doch darum, wie die Saison zu Ende gehen soll. Und da gibt es, wiederholt, nur eine einzige saubere Lösung. Hinrunde beenden, den Ersten aufsteigen lassen. Punkt.

L0K vor 10 Wochen

Der Tabellenstand sagt doch eigentlich gar nichts aus. Meiner Meinung nach wird der völlig überbewertet. Was sind schon 14 Punkte Rückstand? Ich hab das mal durchgerechnet. Wenn alles regulär!! läuft, sollten wir bis zum Saisonende 2 bis 4 Punkte Vorsprung vor dem 2. haben. Also, so eine Gruppenphase wäre nur gut gemeint.

Kaputtke vor 10 Wochen

Fair? Die einzig wirklich faire Lösung sind komplett gespielte Hin - und Rückrunden. Das wird es nicht geben.
Das nun jeder versucht seine Aufstiegschancen zu maximieren ist klar durchschaubar.
Und an der Stelle ist der Verband, als bestenfalls unabhängiges Gremium, gefragt und nicht die "Möchtegern - Aufsteiger".
Also, lieber Verband, hört euch die Meinung der Vereine an, aber dann entscheidet zugunsten der fairsten Variante, irgendwer trägt mit Sicherheit im Anschluss ein Schild vor sich her sooo ungerecht behandelt worden zu sein.
Aber mal unter uns, wie man auf den Dreh kommt seine eigene Aufstiegsberechtigung zu proklamieren, wenn Viktoria 11 Siege aus 11 Spielen geholt hat, spricht für mich schon irgendwie für Realitätsferne. Ob in Jena (12 Punkte Rückstand und auch ein Spiel mehr als Viktoria), Chemnitz (16 Punkte Rückstand und auch zwei Spiele mehr als Viktoria), Probstheida (14 Punkte Rückstand und auch ein Spiel mehr als Viktoria) oder sonstwo.