Fußball | Rassismusvorwurf NOFV-Sportgericht verwarnt Hertha BSC und leitet Verfahren gegen VfB Auerbach ein

Das NOFV-Sportgericht hat das im Dezember abgebrochene B-Junioren-Regionalligaspiel der U16 von Hertha BSC beim VfB Auerbach gegen die Berliner gewertet, aber zugleich ein Verfahren gegen den VfB und zwei seiner Spieler wegen eines Rassismusvorwurfes eröffnet. Die Vogtländer kündigten für Sonntag eine ausführliche Stellungnahme an.

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Bildrechte: imago/Köhn

Das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes NOFV hat Hertha BSC dafür verwarnt, dass die U16 der Hauptstädter im vergangenen Dezember ihr B-Junioren-Regionalligaspiel beim VfB Auerbach kurz vor Abpfiff "eigenmächtig" abgebrochen hatte.

Oberholz: "Rassistische Beleidigungen sind gefallen"

Als Konsequenz wird die Partie für die Berliner als verloren gewertet, die zwei Minuten vor Abpfiff bei einer 2:0-Führung den Platz verlassen hatten. Gleichzeitig ist wegen des im Nachgang von den Gästen erhobenen Rassismusvorwurfes nun ein weiteres Verfahren gegen den VfB und zwei seiner Spieler eröffnet worden. Das ergab die Verhandlung am Samstag in der Leipziger Sportschule "Egidius Braun", bei der 14 Zeugen - unter anderem Spieler und Offizielle beider Mannschaften sowie Schiedsrichter Martin Wadewitz - gehört worden waren.

Die beiden geladenen Auerbacher Spieler haben "derartige Verunglimpfungen bestritten", sagte der Vorsitzende Richter Stephan Oberholz anschließend dem MDR, allerdings "gehen wir nach den Aussagen der Berliner Spieler davon aus, dass mehrfache und verschiedenartige rassistische Beleidigungen gefallen sind, denen wir vollkommen Glauben schenken können."

Fahnen der Fußball-Akademie von Hertha
Bildrechte: imago/Matthias Koch

NOFV kritisiert Herthas Kommunikation vor Ort

Das Sportgericht kritisierte die Berliner jedoch ausdrücklich für den fehlenden Dialog mit dem Schiedsrichtergespann und den Gastgebern sowohl direkt vor als auch nach ihrer Entscheidung, das Spiel vorzeitig zu beenden. Vor Ort hätten die Herthaner weder mitgeteilt, "von welchen gegnerischen Spielern genau rassistische Beleidigungen ausgegangen waren und auch nicht, welche ihrer Spieler davon betroffen waren", sagte Oberholz. Der Jurist vermisste den "richtigen Rahmen und die richtige Kommunikation" von Seite der Hauptstädter, vor allem weil Schiedsrichter Wadewitz "keine Beurteilungsmöglichkeit" gehabt habe, "um Maßnahmen zu ergreifen." Wadewitz selbst hatte auf dem Feld keine rassistischen Verunglimpfungen wahrgenommen.

In einem offiziellen Schreiben hatte der Verband zuvor mitgeteilt: "Unter diesen Umständen stellt sich das Verlassen des Spielfeldes durch die Berliner Mannschaft nach Bewertung des Sportgerichts zwar als nachvollziehbar, nicht aber als gerechtfertigt dar." Spielabbrüche seien nach den Statuten der Fußballverbände "immer als letztes aller möglichen Mittel" und "allein durch die Schiedsrichter anzuordnen. Das eigenmächtige Verlassen des Platzes durch eine Mannschaft, ohne dabei die konkreten Umstände, insbesondere zu diskriminierenden Taten, mitzuteilen, ist im Sinne der Integrität und zum Schutz des Wettbewerbes nicht zulässig", hieß es im Wortlaut.

Kramer: "Werden uns ausführlich und deutlich äußern"

Der VfB Auerbach kündigte auf MDR-Nachfrage für Sonntagvormittag eine offizielle Stellungnahme zum eingeleiteten Sportgerichtsverfahren an. Zuvor werden die Vereinsgremien über das weitere Vorgehen beraten. "Jeder soll sich selbst ein Bild über das Urteil machen. Wir werden uns am Sonntag ausführlich und deutlich dazu äußern", unterstrich VfB-Manager Volkhardt Kramer.

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mhe

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR aktuell | 15. Februar 2020 | 18:40 Uhr

17 Kommentare

zrainer vor 35 Wochen

Schon komisch, wie jemand sich solch ein einseitiges Urteil bildet und über " Weltbilder" anderer herzieht und diese als " Schreiberlinge" bezeichnet. Selbst ein beim betreffenden Spiel anwesender Kommunalpolitiker der Partei Die Linke hat sich zum Sachverhalt deutlich geäußert und seine Abscheu gegenüber den Lügnern von Hertha BSC geäußert. Aber pflege weiter deine eigenen Vorurteile und dein blindes Weltbild.

mikeR vor 35 Wochen

Komisch, das sich immer die Gegner von Hertha BSC, Rassimusvorwürfen erwehren müssen. Dabei haben wahrscheinlich 99% aller Vereine Spieler/Mitglieder aus verschiedenen Nationen. Taktisches Mittel der Herthaner????

Nappel vor 35 Wochen

Schon komisch, wie hier offensichtlich alle wissen, was passiert ist. Die Berliner werden verbal angegriffen und der VfB verteidigt. Ist genau der reziproke Unsinn zu der Entscheidung des Verbandes. Aber das passt wohl eher ins verquere Weltbild der Schreiberlinge vor mir. Ich maße mir nicht an, hier eine Seite zu verurteilen, da ich nicht weiß, was tatsächlich passiert oder nicht passiert ist.

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