Fußball | Regionalliga Nordhausen: Insolvenzverwalter und selbstkritischer Kleofas planen Wacker-Zukunft

Was gibt es eigentlich Neues beim insolventen Regionalligisten Wacker Nordhausen? Wir haben exklusiv mit Insolvenzverwalter Peter Staufenbiel und Wackers Präsident Nico Kleofas gesprochen. Beide planen die Zukunft.

von Alexander Küpper und Christian Kerber

Albert-Kuntz-Sportpark Nordhausen
Bildrechte: imago images / Picture Point

Zuletzt gab es viele Schlagzeilen um das Regionalliga-Aus des FC Rot-Weiß Erfurt. Dabei hätte man fast vergessen können, dass es ja noch einen zweiten schwer angeschlagenen Thüringer Regionalligisten gibt: Der FSV Wacker Nordhausen musste Mitte Dezember Insolvenz anmelden. Über zwölf Millionen Euro Gesamtverbindlichkeiten hatte die Spielbetriebs-GmbH am Ende angehäuft.

Ziel: Klassenerhalt in der Regionalliga

Nun sprachen wir exklusiv mit Insolvenzverwalter Peter Staufenbiel und Präsident Nico Kleofas. Der Klub will die Regionalliga-Saison zu Ende spielen. Ein Abzug von neun Punkten ließ das Team mit jetzt 18 Zählern auf Rang 13 abstürzen. Durch den Rückzug von RWE ist der einzige fest stehende Abstiegsplatz bereits besetzt. Der Rest hängt von den mitteldeutschen Absteigern aus der 3. Liga und der Tatsache ab, ob sich der Staffelsieger in der Aufstiegsrelegation gegen den Vertreter der Regionalliga West durchsetzt.

Mit zehn Punkten liegen Bischofswerda und Babelsberg noch relativ weit weg von Wacker. Das könnte sich im Laufe der Rückrunde aber auch noch ändern. Kleofas kündigte das Bilden einer neuen ersten Mannschaft an: Die bestünde unter anderem aus gebliebenen Akteuren wie Carsten Kammlott, Nils Pichinot oder Felix Müller. Dazu kämen Spieler des Oberliga-Teams und der Jugend.

Pichinot Kammlott
Nils Pichinot (li.) und Carsten Kammlott Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Kammlott und Pichinot bleiben

Wie konnten gestandene Profis wie Kammlott und Pichinot gehalten werden? "Alle mussten etwas dafür tun, dass das Risiko nicht allzu groß wird. Wir haben mit Unterstützung des Insolvenzverwalters ein Konstrukt gefunden, so dass wir es schaffen können, zumindest nicht abzusteigen."

Auch ein alter Bekannter wurde reaktiviert: Elfmeter-Top-Schütze Nils Pfingsten-Reddig feiert sein Comeback. Der 37-Jährige spielte zuletzt nur noch in Wackers Oberliga-Truppe: "Ich weiß, dass der Trainer gesagt hat, er müsse noch etwas abnehmen – das ist wohl auch passiert. Er ist in der sechsten Saison bei uns. Er möchte uns weiterhelfen und da bin ich auch sehr dankbar dafür", so Kleofas. Er geht fest davon aus, dass der Klassenerhalt gelingt.

Nico Kleofas 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sa 01.02.2020 11:34Uhr 06:02 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-378584.html

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Spielerverträge beim Verein - Spielrecht bei der GmbH

In Absprache mit dem Nordostdeutschen Fußball-Verband haben die verbliebenen Regionalliga-Spieler nun Verträge mit dem Verein und nicht mehr mit der GmbH. Beim Spielrecht wiederum ist das nicht möglich, es darf während einer Saison nicht auf den eingetragenen Verein übertragen werden. Insolvenzverwalter Peter Staufenbiel sagt: "Wir hätten gerne gehabt, dass der Verein es zu Ende spielt. Aber der Verband sagte, er unterliegt Regularien. Daran haben wir uns gehalten und erfüllen die Vorgaben, dass der, der das Spielrecht bekommen hat, auch das Spielrecht ausübt."

Zahlen zur Höhe der Gesamtverbindlichkeiten und zur Höhe der kurzfristig fälligen Gelder, dieser Liquiditätsengpass führte zur Insolvenz, wollte er nicht nennen. "Ich habe mit dem Insolvenzgericht abgestimmt, dass ich mein Gutachten erst ausarbeite, bevor ich gegenüber dem Gericht und den Gläubigern Genaues berichten werde."

Peter Staufenbiel 8 min
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Sa 01.02.2020 11:41Uhr 07:42 min

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Peter Staufenbiel 8 min
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Eine gewisses Erstaunen verleugnet er allerdings nicht: "Auch für mich ist überraschend, in welcher Größenordnung ich die GmbH vorgefunden habe. Das habe ich für mich persönlich unter 'Emotion Fußball' abgebucht. Es gab einen Hauptgeldgeber, aber ich kann keine Namen nennen." Dabei handelt es sich nach MDR-Informationen um den Unternehmer Carlo Knauf.

Staufenbiel geht davon aus, dass das Insolvenzverfahren am Ende dieser Spielzeit eröffnet wird. Er plant zur kommenden Saison ein "sauberes Konstrukt". Das Vereinspräsidium des FSV Wacker habe beschlossen, das Spielrecht für die Regionalliga zu beantragen. Das habe dann nichts mehr mit der GmbH zu tun, auch zum Insolvenzverfahren gäbe es rechtlich keine Berührungspunkte.

Kleofas: Die Insolvenz "liegt in meiner Verantwortung"

In Sachen Insolvenz zeigte sich Nico Kleofas selbstkritisch: "Das liegt in meiner Verantwortung, ich hätte es viel früher transparenter machen und sagen müssen: 'Passt auf, wir müssen gemeinsam noch den einen oder anderen Sponsor aktivieren'. Das habe ich versäumt."

Den wohl wichtigsten Geldgeber Carlo Knauf nahm er ausdrücklich in Schutz: "Alles das, was Herr Knauf uns zugesagt hat, hat er auch immer erfüllt. Wir haben auch gewusst, dass es von ihm da nicht noch einmal extra etwas gibt, das war klar besprochen, ich habe das gewusst." Das Problem waren andere mögliche Sponsoren: "Wir hatten Anfang Dezember Zusagen von zwei weiteren Sponsoren, die uns zugesagt haben, uns zu unterstützen – das ist ausgeblieben. Und dann mussten wir zum Gericht gehen." Das sei in den vergangen elf Jahren immer wieder einmal eingetreten, aber in dieser Hinsicht habe er "sicherlich nicht zu Ende gedacht".

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 01. Februar 2020 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2020, 10:21 Uhr

10 Kommentare

Nordhausen55 vor 8 Wochen

Uns ist es nicht egal wie andere Verein über uns reden. So sind nun mal die Regeln beim DFB (beschwerden Sie doch dort, oder Angst?) und wurden von allen RL Vereine unterschrieben. Chemie Leipzig ist auch kein deut besser....und erkundigen Sie sich mal bitte. Dorfclub , meinen Sie damit Chemie Leipzig???

Heinz K. vor 8 Wochen

Ich möchte mich hier nicht an " detalierten Beurteilungen und Bewertungen " beteiligen. Fakt für mich ist, daß hier zumindest gravierende wirtschaftliche Fehler in der Vereinsführung , Ursache für den jetzigen Istzusrand bei Wacker Ndh sind. Sicher werden sich ,nachdem die genauen Fakten auf dem Tisch liegen, staatliche Behörden mit diesem Fall beschäftigen, zumindest prüfen und eventuell ermitteln.
Unverständlich für mich, wie ein Herr Kleofas - sicher einer von denen, welche genannte Fehler begangen haben - hier noch oder wieder " mitmischen " darf . Angebracht wäre doch wohl, daß alle ehemaligen beteiligten und verantwortlichen Personen ihre Funktion bzw Mitarbeit bis auf weiteres ruhen lassen. Zumindest, bis verlässliche Zahlen vorliegen und die Ursachen für die finanzielle Schieflage geklärt sind. Auch halte ich es für nicht richtig, daß der Verein weiter am Spielbetrieb der RL teilnimmt.

Chemieschwein vor 8 Wochen

So kann man sich das natürlich auch schön reden ... Das sich die anderen Vereine, gerade nach den Erfurt und Chemnitzpleiten ,sich angepi**t fühlen ,ist dir und deinen kumpels ausm harz scheinbar egal ... Aber dein Dorfclub iss keinen deut besser ...

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