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Fußball | Regionalliga1. FC Lok Leipzig: Almedin Civa – "Unser Anspruch muss das obere Drittel sein"

Stand: 04. August 2022, 15:51 Uhr

In der Vorsaison war der 1. FC Lok Leipzig dem späteren Meister BFC lange auf den Fersen. Und dieses Jahr? Lok-Trainer Almedin Civa spricht im Interview vor dem Start am Sonntag (7. August) daheim gegen Hertha II über die Ziele mit seinem Team, das hohe Niveau der Liga und seinen persönlichen Staffelfavoriten.

Almedin Civa ist seit Sommer 2020 im Amt beim 1. FC Lok Leipzig und geht in seine dritte Saison bei den Probstheidaern. Bildrechte: IMAGO / Picture Point LE

Herr Civa, knapp sieben Wochen Vorbereitung gehen dem Ende entgegen, zwölf Testspiele sind absolviert – welchen Eindruck macht Ihre Mannschaft jetzt unmittelbar vor dem Start?

Almedin Civa: "Sie macht einen sehr guten Eindruck. Es war eine harte Vorbereitung, klar, wir hatten lange keine sieben Wochen mehr. Die Bedingungen waren sehr gut. Alle sind auch gesund, das freut mich riesig. Beim letzten Testspiel gegen Halle (1:4-Niederlage, Anm.) gab es ein paar Dinge, die mir nicht gefallen haben, aber ich sehe die ganzen sieben Wochen – und da haben es die Jungs sehr ordentlich gemacht."

Sie sind beim 1. FC Lok Sportdirektor und Trainer in Personalunion: Hat der Sportdirektor dem Trainer alle Personal- und Kaderwünsche erfüllen können?

"Ich bin keiner, der irgendwelche großen Wünsche hat. Wir wissen ganz genau, was wir vom Budget her haben, was wir machen können und was zu uns passt. Das Wichtigste war, die Hausaufgaben früh zu machen – 15 Spieler sind geblieben, fast alle, die ich eigentlich auch halten wollte. Das war die erste Priorität. Danach haben wir vernünftige, vor allem sehr junge Jungs geholt. Die haben sehr viel Potenzial, aber die brauchen Zeit und die werden sie bei mir bekommen."

Das Wichtigste war, die Hausaufgaben früh zu machen – 15 Spieler sind geblieben, fast alle, die ich eigentlich auch halten wollte.

Lok-Trainer Almedin Civa

Sechs Abgängen stehen sieben Neuverpflichtungen gegenüber. 22 Spieler stehen im Aufgebot. Auf wen dürfen sich die Fans freuen?

"Die dürfen sich auf jeden Einzelnen freuen und jeder hat seine Stärken, die uns weiterbringen. Wir haben wie gesagt vor allem junge Spieler geholt und etwa bei einem 17-Jährigen (Angreifer Antonio Verinac, Anm.) wissen wir natürlich, dass er für eine Entwicklung geholt wurde und nicht sofort von 0 auf 100 durchstarten kann. Umso wichtiger ist es, dass auch die Spieler, die schon da waren, ihre Weiterentwicklung haben. Und natürlich sind wir auch abhängig von Faktoren wie etwa, ob Djamal (Top-Angreifer Djamal Ziane, Anm.) wieder 21 Tore machen wird, ob 'Pfeffi' (Kapitän Sascha Pfeffer, Anm.) gesund bleibt – damit sich die jungen Spieler auch an ihnen hochziehen können. Ich hoffe, die Fans werden sowohl an den Neuen ihre Freude haben als auch wieder an denen, die schon länger hier spielen. Wir sind in der Breite gut aufgestellt. Ich denke, da sind wir einen Tick besser als letztes Jahr."

Die Korsettstangen des 1. FC Lok: Kapitän Sascha Pfeffer (re.) und Torjäger Djamal Ziane. Bildrechte: IMAGO/Christian Schroedter

Sie haben die Bedeutung der beiden Korsettstangen Sascha Pfeffer und Djamal Ziane erwähnt. Auf wen kommt es noch an?

"Es kommt auf alle an – unser Spiel ist nicht auf einen Einzelnen zugeschnitten. Das machen wir teilweise sehr gut, aber wir müssen immer auf Limit spielen. Und da sind nicht nur die beiden, sondern es ist auch so – wie reagiert ein Theo Ogbidi, ein Voufack, ein Piplica, die letztes Jahr als sehr junge Spieler schon Stammspieler waren. Auf ihre Entwicklung bin ich genauso gespannt."

Die Abgänge von Stammkeeper Jan-Ole Sievers und Rechtsverteidiger Robert Berger hinterlassen zwei Lücken. Wer soll sie schließen?

"Ich hätte beide gerne behalten, ja. Aber bei Ole war es frühzeitig klar und mit Isa Dogan und Niclas Müller haben wir zwei sehr starke Torhüter und die machen mir es nicht einfach. Ich muss mich noch entscheiden, wer am Sonntag im Tor steht. Also die Lücke dort haben wir sehr gut geschlossen. 'Bergs' hat sich nach vielen Jahren für einen anderen Weg entschieden. Dort haben wir Linus Zimmer geholt, er ist 19, wird sich entwickeln und auch diese Lücke schließen. Da bin ich mir zu 100 Prozent sicher."

Nach vielen Verletzungen und Enttäuschungen auf seinen letzten Stationen will Ex-Zweitligaprofi Osman Atilgan beim 1. FC Lok zurück in die Spur. Bildrechte: IMAGO / Picture Point LE

Osman Atilgan, der 2019 noch zehn Zweitliga-Spiele für Dynamo gemacht hatte, kam in der vergangenen Winterpause, war lange verletzt, hatte wenig bis gar keine Spielpraxis. Wie nah ist er mittlerweile dran?

"'Osi' hat sehr schwierige Jahre hinter sich. Er ist jetzt endlich verletzungsfrei, er ist topfit, hat in der Vorbereitung einen Riesenschritt gemacht. Deswegen hoffe ich mir, dass er diesen Eindruck auch in den Punktspielen bestätigen kann."

Die Liga ist auf 18 Teams verkleinert worden, aus der 3. Liga kommt Viktoria Berlin dazu, mit Greifswald und Erfurt gibt es zwei ambitionierte Aufsteiger. Welches Niveau hat die Nordoststaffel in dieser Saison – welches Gedränge um die besten Plätze ist zu erwarten?

"Ein sehr hohes Niveau. Alle sind sich einig, dass man sich nicht richtig auf einen Titelkandidaten festlegen kann, weil die Liga in diesem Jahr von der Tradition her top ist – und einfach auch von der Qualität, wenn man einzelne Spieler sieht, die in den Vereinen spielen, dann merkt man, dass die Regionalliga Nordost in diesem Jahr sehr, sehr gut ist."

Wer sticht aus diesem Feld vielleicht hinaus? Im Pokal etwa haben Cottbus, Chemnitz und Jena durchaus Ausrufzeichen gesetzt.

"Das ist ja wieder eine Bestätigung, wie stark die Liga ist. Letztes Jahr waren der BFC und Jena für mich die Topfavoriten. Damit lag ich sehr gut. Dieses Jahr ist es einfach so, dass wirklich viele Mannschaften in Frage kommen. Man merkt es, keiner will so richtig die Favoritenrolle annehmen, weil die Liga einfach ausgeglichen ist. Es gibt vier, fünf Mannschaften, die von der Erfahrung, vom Potenzial und dem Drumherum die Nase vorn haben. Aber wenn man mich schon fragt, denke ich, dass Cottbus für mich der Favorit auf Platz eins ist. Aber es ist sehr schwierig und jeder einzelne Verein ist abhängig davon, was mit den zwei, drei absoluten Leistungsträgern ist – sind sie gesund? Gibt es Sperren? Wie läuft die Saison?"

In der Vorsaison war Ihre Mannschaft dem späteren Meister BFC Dynamo bis April durchaus noch auf den Fersen, es folgte ein kleiner Einbruch und schlussendlich landete sie auf Rang sechs.

"Wir hatten auch im Vorjahr den Vorteil, dass wir 16 Spieler behalten konnten. Das zeigt, wenn man eingespielt ist und sich peu a peu entwickelt, dass man was reißen kann. Am Anfang hat keiner von uns geredet und am Ende waren wir bis zum 34. Spieltag der erste Verfolger. Ich glaube, das ist ein Riesenlob an die Mannschaft. Wir haben an unserem Limit gespielt – gerade die erste Halbserie, gerade die Auswärtsspiele waren einfach sensationell. Nachher kam die Phase im März, wo 13 Spieler krank waren und wir drei Wochen lang mit sechs, sieben Mann trainiert haben. Wir haben auch da zwar vernünftige Spiele gemacht, aber gerade zu Hause die Punkte nicht eingefahren."

Wohin soll die Reise des 1. FC Lok in diesem Jahr gehen?

"Ich denke, bei Lok Leipzig ist die Euphorie sehr groß, auch zurecht. Es ist ein großer Verein, aber wenn man in die Liga hereinguckt, gibt es noch fünf, sechs andere große Vereine, die eigentlich sagen, 'wir haben in der Regionalliga nichts zu suchen'. Wir sollten schauen, dass wir unsere Heimspiele besser gestalten – also besser in dem Sinne, dass wir Punkte holen. Wir wollen die jungen Spieler entwickeln und als Verein für die Zukunft etwas aufbauen, drumherum, von der Infrastruktur her. Da sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg. Und trotzdem muss unser Anspruch sein, dass wir im oberen Drittel sind. Für ganz oben sind wir, glaube ich, noch nicht soweit – wir hoffen natürlich, dass wir jeden schlagen können, aber wenn wir nicht auf der Höhe sind, einen schlechten Tag haben, können wir auch gegen jeden verlieren."

Das letzte Duell gegen Hertha BSC II verloren Theo Ogbidi und der 1. FC Lok Ende April mit 0:2. Bildrechte: IMAGO/Beautiful Sports

"Die Jungs sind für den ein oder anderen positiven Ausreißer bereit", hat Herthas U23-Trainer Ante Covic jüngst über sein Team gesagt. Was muss Ihre Mannschaft am Sonntag zum Auftakt daheim tun, damit den Berlinern das nicht im Bruno-Plache-Stadion gelingt?

"In den ganzen Diskussionen wird ja Hertha immer so ein bisschen vergessen. Es ist eine wie immer absolut talentierte Mannschaft und zwei, drei Jahre später siehst du dann Spieler von ihnen in der 3. Liga, 2. Liga, teilweise auch in der 1. Liga. Wir müssen im und um den Strafraum herum einfach konsequenter sein – das hat uns im letzten Jahr, gerade auch zu Hause, so ein bisschen gefehlt. Ich hoffe, dass wir das rüberbringen. Um alles andere mache ich mir keine Sorgen – die Jungs werden laufen, kämpfen, das machen sie immer. Aber wir müssen unser Spiel durchbringen, keine Leichtsinnsfehler machen, dem Gegner nichts schenken. Wenn wir das verinnerlichen, kann es Sonntag gut aussehen."

Das Interview führte Maximilian Hendel

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 24. Juli 2021 | 16:00 Uhr

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