Fußball | Regionalliga Fortsetzung des Regionalliga-Spielbetriebs stößt auf Kritik und Zustimmung

Trotz der sich weiter verschärfenden Corona-Lage wird der Spielbetrieb in der Regionalliga Nordost vorerst fortgeführt. Innerhalb der Vereine ist die Meinung darüber gespalten. Kritik kommt nicht nur aus Sachsen.

Alfred-Kunze-Sportpark
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In der Regionalliga Nordost geht der Spielbetrieb zunächst weiter. Darauf hat sich der Krisenstab des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) am Mittwochabend verständigt. Angesichts der sich in den letzten Wochen dramatisch verschärfenden Corona-Lage, vor allem in Mitteldeutschland, wird die Entscheidung in den Vereinen unterschiedlich aufgefasst.

Förster: "Es gibt keinen Grund abzubrechen"

Beim FC Carl Zeiss Jena hat man die Nachricht positiv aufgenommen. "Die Entscheidung kommt sehr gut an, es ist eine richtige", bekräftigte FCC-Geschäftsführer Chris Förster am Mittwochabend in der Halbzeitpause zwischen Jena und Auerbach. "Es wird bei den Zuschauern Einschränkungen geben müssen, die Pandemie ist mit Wucht zurückgekehrt. Das hätten wir uns anders gewünscht", merkte Förster an, betonte aber: "Es gibt keinen Grund abzubrechen. Es geht darum die Saison sportlich zu Ende zu bringen."

Chris Förster 1 min
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Sächsische Vereine müssen ohne Zuschauer spielen

In Sachsen wird die Situation differenziert betrachtet. Der Freistaat ist bundesweit derzeit am härtesten von der Pandemie betroffen. Mittlerweile hat die Sieben-Tage-Inzidenz die 1.000er-Marke überschritten (Stand: 25. November). Als Maßnahme beschloss die Landesregierung bereits einen Zuschauerausschluss.

Die Entscheidung des NOFV sorgt daher vor allem bei Chemie Leipzig für Unmut, denn bis zum Jahresende bestreitet die BSG noch drei Heimspiele. "Es herrscht keine Gleichheit bei den Vereinen, weil es in jedem Bundesland unterschiedliche Szenarien gibt. Wir wurden in die Beratungen gar nicht einbezogen", kritisierte BSG-Präsident Frank Kühne im Gespräch mit "Sport im Osten". Man habe einen Antrag gestellt, die Heimspiele ins neue Jahr zu verschieben. Dieser wurde vom NOFV abgelehnt.

CFC begrüßt Entscheidung

Beim Chemnitzer FC wurde die Entscheidung "durchaus positiv" zur Kenntnis genommen, wie Sportgeschäftsführer Marc Arnold berichtete. "Letztendlich haben wir Hygienekonzepte, die gut funktionieren", hob der 51-Jährige hervor. Eine Übertragung des Virus auf dem Platz sei daher sehr gering. Zudem hätten alle Vereine mit den unterschiedlichen Rahmenbedinungen zu kämpfen, auch wenn der Zuschauerausschluss natürlich finanzielle Schäden mit sich bringt.

Kramer: Gesamtgesellschaftliche Situation wichtiger

VfB Auerbach, Volkhardt Kramer
Volkhardt Kramer Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

In den Augen von Volkhardt Kramer, Manager des VfB Auerbach, ist ein Wettbewerbsnachteil, den ein Zuschauerausschluss zwangsläufig nach sich zieht, aber nicht der entscheidende Punkt. "Ich bin der Meinung, dass andere Sachen derzeit bedeutender sind", erklärte Kramer: "Im Moment wäre ich dafür, den Spielbetrieb auszusetzen und fortzuführen, sobald die Bedingungen besser sind und das Infektionsgeschehen nicht mehr so dramatisch ist"

Ich bin der Meinung, dass andere Sachen derzeit bedeutender sind

Volkhardt Kramer Manager VfB Auerbach

Im Vordergrund stehe die gesamtgesellschaftliche Situation. Diese sei momentan "wichtiger, als der Wettbewerb zwischen den Regionalligisten", unterstrich Kramer. Mit einer Spielunterbrechung hätte man nun die Chance, "die Sache ins Lot kommen zu lassen", damit die von der Politik beschlossenen Maßnahmen wirken.

Situation verschärft sich auch in Sachsen-Anhalt

Die gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die auch vom Sport in der aktuellen Situation ausgeht, betont man auch bei Germania Halberstadt. Dass der NOFV versucht, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, sei grundsätzlich nachvollziehbar. Aufgrund der steigenden Inzidenzen, auch in Sachsen-Anhalt, "wird die Situation aber immer problematischer", sagte Germania-Präsident Erik Hartmann. "Ich kann es eigentlich nicht nachvollziehen. Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Menschen."

Halberstadts Präsident für vorgezogene Winterpause

Erik Hartmann (Präsident Germania Halberstadt)
Auch Germania Halberstadts Präsident Erik Hartmann sieht die Fortführung des Spielbetriebs kritisch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Durch die unterschiedlichen Regelungen, die in den Bundesländern des NOFV gelten, stellt sich darüber hinaus die Frage, ob einer fairer Wettbewerb stattfinden kann, so Hartmann. Vor allem die sächsischen Vereine würden durch den Zuschauerausschluss vor erhebliche finanzielle Probleme gestellt. Zudem sei die Liga, im Gegensatz zur vergangenen Saison, als der Spielplan bereits im Spätherbst arg zerstückelt war, aktuell im Zeitplan. Mit Ausnahme des Berliner AK und des BFC Dynamo haben alle Teams 18 Partien absolviert. "Wir könnten jetzt ohne Weiteres in die Winterpause gehen bis sich die Situation entspannt hat", schlägt Hartmann vor.

Saison-Unterbrechung wieder ein Thema

Ein Szenario wie in der vergangenen Saison, als der Spielbetrieb coronabedingt erst unter- und anschließend komplett abgebrochen wurde, will man beim NOFV dieses Mal tunlichst vermeiden. Angesichts rasant steigender Fallzahlen und eines drohenden Komplett-Lockdowns in Sachsen rückt aber zumindest eine Unterbrechung der Saison wieder stärker in den Fokus.

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jsc

Videos aus der Regionalliga

Jena - Fürstenwalde
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Tasmania - Chemnitz
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Ein perfekter Hinrundenabschluss für die Sachsen: Der Chemnitzer FC zeigte bei Aufsteiger Tasmania Berlin einen dominanten Auftritt und sackte den achten Saisondreier der Saison ein.

Sport im Osten So 28.11.2021 15:45Uhr 06:00 min

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VfB Auerbach - TeBe
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 27. November 2021 | 16:00 Uhr

14 Kommentare

Quentin aus Mondragies vor 3 Tagen

In der Oberliga haben wir das schönste Stadion und bald hat unser Nachbar noch ein schöneres Stadion. Mist! Wenn es danach geht, bei uns mindestens zweite Liga. Egal, dafür Millionen bei der Bundesgartenshow. Bei Blumen sind wir Weltmeister!

Chili Palmer vor 3 Tagen

Bevor du mit dem Schicksal komplett haderst, weil deine GEZ deinen ganzen Streaming-Abo-Kosten zusetzt: Die Gelder, welche da fließen spielen sich bei Vereinen mit nennenswerten Etats unterhalb der Wahrnehmung ab. In erster Linie sind jetzt wieder die Fans und Unterstützer der betreffenden Vereine gefragt, um mit selbstlosen Ticketaktionen den Schaden spürbar zu begrenzen. Aber falls es dich tröstet, wir zünden am Sonntag kollektiv ne Kerze für Gebührenzahler wie dich an.

Quentin aus Mondragies vor 3 Tagen

Geht eigentlich trainieren im Amateurbereich noch? Wenn ja, geht es doch. Fragt sich, wem ein Spiel ohne Zuschauern mehr weh tut. Den Vollblut Amateurvereinen oder diesen Halb-Profiamateuren aus der Regionalliga. Wie will man die bezahlen, wenn man keine Zuschauereinnahmen hat oder löhnt dies etwa der MDR mit den Fernsehgeldern? @MDR: Wieviel zahlt Ihr (bzw. indirekt meine Person) den Vereinen pro Übertragung? Ist dies gestaffelt nach 3. Liga, Regionalliga, Oberliga?