Fußball | Regionalliga So gehen die Regionalliga-Klubs mit der Coronakrise um

Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Wie gehen die Regionalliga-Klubs in der Corona-Krise damit um? "Sport im Osten" hat sich im mitteldeutschen Raum umgehört und erfahren: Klein beigeben wollen die Vereine keineswegs.

Luca Bürger (6, Meuselwitz) und Matthias Steinborn (7, Lok) im Kampf um den Ball.
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Große Spendenaktion bei Lok Leipzig

Nachdem der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) wegen der Corona-Pandemie den Spielbetrieb definitiv bis zum 19. April ruhen lässt, geht es auch beim Tabellen-Zweiten Lok Leipzig rein sportlich erst einmal nicht weiter. Als Konsequenz verzichten die Probstheidaer bis zum 23. März auf alle Trainingseinheiten in der Gruppe. Außerdem fehlen wegen der ausgefallenen Punktspiele die einkalkulierten Zuschauereinnahmen, was Geschäftsführer Martin Mieth auf den Plan rief. Er kündigte an, dass der Klub für seine Angestellten Kurzarbeit beantragen werde.

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Bildrechte: 1. FC Lokomotive Leipzig

Neben den unschönen Begleiterscheinungen gibt es auch Licht am Ende des Tunnels: Laut einer Pressemitteilung hat Lok Leipzig noch ein Ass im Ärmel. Unter dem Motto: "Leute, macht die Bude voll", starten die Probstheidaer am 8. Mai ein virtuelles Spiel gegen einen unsichtbaren Gegner. Mit einem Euro pro Ticket sind die Fans dabei. Gekauft werden soll, was der Geldbeutel hergibt. Mit der Aktion soll die finanzielle Lücke, die durch die entgangenen Einnahmen entstanden ist, abgefedert werden.

VfB Auerbach: "Mit Herzblut dabei"

Volkhardt Kramer
VfB-Manager Volkhardt Kramer. (Archiv) Bildrechte: IMAGO

Wie in diesen Tagen üblich wird auch beim VfB Auerbach individuell trainiert. Trainer Sven Köhler hat seinen Jungs Vorgaben erteilt, die sie in einzelnen Übungseinheiten umsetzen müssen. Im Umfeld des Vereins bleibe man aktiv. Das bestätigte Präsident Volkhardt Kramer auf SpiO-Nachfrage. Wichtig sei es, den Kontakt zu den Förderern und Sponsoren des VfB aufrecht zu erhalten. An Kurzarbeiter-Geld ist bei den Auerbachern jedoch nicht zu denken: "Unsere Spieler verdienen ihre Brötchen sozusagen im Minijob und sind deshalb nicht versicherungspflichtig aufgestellt."

Ein großes Anliegen des Präsidenten ist eine Blutspendeaktion. Diese findet am 3. April im VfB-Stadion statt. "Ich hoffe, dass so um die 100 Leute unserem Aufruf folgen. Das wäre eine effektvolle Sache."

Blutspendeplakat VfB Auerbach
Bildrechte: Volkhardt Kramer/VfB Auerbach

ZFC Meuselwitz finanziell gut aufgestellt

SpiO wurde auch beim ZFC Meuselwitz vorstellig und hatte Präsident Hubert Wolf am Telefon. Er bestätigte, dass für die gesamte Belegschaft des Vereins Kurzarbeit beantragt wurde. Der 51-Jährige hofft, dass die Maßnahmen gegen den Corona-Virus bald Wirkung zeigen. Finanziell stehe der Verein weiterhin auf gesunden Füßen: "Wirtschaftlich haben wir keine Probleme und werden die vier bis sechs Wochen der Auszeit gut überstehen." Sollte die Corona-Epidemie jedoch länger dauern, gab Wolf zu bedenken, könnte die Lage "schärfer" werden.

Hubert Wolf, Präsident des ZFC Meuselwitz und Chef der Firma bluechip Fußball.
Hubert Wolf, Präsident des ZFC Meuselwitz. (Archiv) Bildrechte: imago/opokupix

Kurzarbeit bei Chemie Leipzig - Sportpark geschlossen

Ein Schwenk nach Leutzsch. Wie auf der Homepage zu lesen war, gibt es derzeit im Alfred-Kunze-Sportpark keine Aktivitäten. Die BSG Chemie Leipzig ist aufgrund des Coronavirus vom Amt für Sport der Stadt Leipzig die Nutzung seiner Spielstätte untersagt worden. Weiterhin werden die Grün-Weißen zum 1. April einen Antrag auf Kurzarbeit für die Angestellten stellen müssen. Betroffen davon sind Teile der ersten Männermannschaft, die Mitarbeiter der Geschäftsstelle und die Greenkeeper. Trotz der prekären Situation sollen die Geschäfte weiterlaufen und der AKS gepflegt werden.

Alfred-Kunze-Sportpark
Alfred-Kunze-Sportpark. (Archiv) Bildrechte: imago images/Joachim Sielski

Nordhausen: Peßolat will sich nicht "kirre machen lassen"

Bei Wacker Nordhausen ist Ruhe eingekehrt - ein Zustand, den sich keiner wünschte. Betroffen sind die Regionalliga- und Oberligaspieler, die geschlossen das Mannschaftstraining einstellen mussten. Über Facebook vermittelte der Verein die Gemütslage des Trainerteams. So sagte Matthias Peßolat: "Ich persönlich versuche, mich an die Vorsichtsmaßnahmen zu halten, mich aber nicht total kirre machen zu lassen." Ansonsten vertraut der 34-Jährige den Spielern, die mit Trainingsplänen zur individuellen Umsetzung ausgestattet wurden. Torsten Klaus hofft "für den Fußball, dass diese Ruhephase nicht allzu lange andauern wird. Denn es wird trotz allem im Interesse der Vereine, der Funktionäre, der Sportler und der Zuschauer sein, dass es bald wieder losgehen kann."

Halberstadts Coach Körner steht Rede und Antwort

Brandneue Informationen gab es von Halberstadts Trainer Sven Körner, der am Donnerstag (19.03.2020) im Livestream von "Sport im Osten" Rede und Antwort stand. Trotz der Unsicherheit, die die Spielunterbrechung mit sich bringt, wirkte er gefasst: "Wir stehen vor einer Situation, die wir schlecht einschätzen können". Wie fast alle Vereine haben auch die Sachsen-Anhalter ihren Trainingsbetrieb vorerst eingestellt. Die Mannschaft trainiert aktuell mit individuellen Plänen, ließ der 37-Jährige durchklingen: "Wir als Trainerteam haben überlegt, was wir genau machen können. Die Jungs  haben einen Laufplan bekommen. Die Ergebnisse müssen sie uns zukommen lassen".

Sven Körner und Linda Striebing im Studio 30 min
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Do 19.03.2020 11:13Uhr 29:41 min

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Bischofswerda setzt auf viele Kleinsponsoren

Zwischen zwei Verhandlungsterminen hatte sich Rechtsanwalt Jürgen Neumann etwas Zeit für SpiO gelassen. In der anderen Funktion ist er Präsident des Bischofswerdaer FV 08, der Mannschaft, die momentan mit bescheidenen elf Punkten auf dem 17. Platz rangiert. Auch bei den "Schiebockern" werde es keine Kurzarbeit geben, da alle Spieler Geringverdiener sind, so Neumann. "Finanziell gibt es keine Gefahr für den Verein, weil wir auf viele Kleinsponsoren setzen können", ergänzte der BFV-Chef. Dieses Jahr mache er sich keine Sorgen, erst in der nächsten Saison könnte es ernst werden.

Jürgen Neumann
Bischofswerda-Präsident Jürgen Neumann. (Archiv) Bildrechte: Bischofswerdaer FV

jmd

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. März 2020 | 17:45 Uhr