Fußball | Regionalliga NOFV: Tag der Entscheidung für die Regionalliga Nordost

Seit fast drei Monaten ist der NOFV-Spielbetrieb unterbrochen. Jetzt steht die Entscheidung an, ob die Saison endgültig abgebrochen wird - und vor allem welcher Regionalligist sich weiter Hoffnung auf den Aufstieg in die 3. Liga machen darf. Der 1. FC Lok Leipzig würde von der Quotientenregel profitieren. Altglienicke plädiert für ein Finalspiel und Energie Cottbus besteht auf ein Final-Four-Turnier.

Meisterpokal des NOFV, 2019
Das Objekt der Begierde - die Meistertrophäe de Regionalliga Nordost. Bildrechte: imago images / Picture Point

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) wird an diesem Freitag (5. Juni) unter anderem über die Fortsetzung der Saison in der Regionalliga Nordost entscheiden. 15 stimmberechtigte Mitglieder werden sich dabei voraussichtlich dem Mehrheitswillen der Vereine beugen und die Saison 2019/20 für beendet erklären.

Unterbrechung seit 13. März

Hubert Wolf, Vereinsvertreter im NOFV-Präsidium und Präsident des ZFC Meuselwitz, hatte dem MDR zuletzt von einer internen Videokonferenz mit Verantwortlichen aus allen Vereinen berichtet, bei der es eine "fast 100-prozentige Zustimmung" für einen Abbruch gegeben habe. Bereits zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung am 13. März war der Spielplan gehörig in Schieflage geraten. Union Fürstenwalde etwa hat bereits 24 in die Wertung eingegangene Partien absolviert. Bischofswerda und Insolvenzklub Wacker Nordhausen beispielsweise erst 20.

Ein Abbruch würde nun bedeuten, dass kein Team in die Oberliga absteigen muss. Davon ausgenommen bleibt Rot-Weiß Erfurt. Die zahlungsunfähigen Thüringer hatten ihr Regionalligateam Ende Januar vom Spielbetrieb abgemeldet. Alle bis dato ausgetragenen Partien waren annulliert worden.

Ein Trio hofft auf den Aufstieg

Weitaus kontroverser im Abbruchszenario ist die Frage nach dem Regionalliga-Meister, der anschließend mit dem aus der Weststaffel ins Rennen geschickten Verein den vierten Drittliga-Aufsteiger (Nord, Südwest und Bayern haben in dieser Saison direkte Aufstiegsplätze) ausspielen soll.

NOFV Gebiet mit Lok Leipzig, Energie Cottbus und VSG Altglienicke
Bildrechte: MDR.DE

Der DFB-Bundestag, das höchste Gremium des nationalen Dachverbandes, hatte am 25. Mai den zuständigen Regionalverbänden beziehungsweise deren Rechtsvertretern die bindende Entscheidung über ihren jeweiligen Anwärter überlassen. Dem DFB-Spielausschuss wiederum bleibt vorbehalten, ob die Playoffs zwischen Nordost- und West-Teilnehmer (wo der SC Verl aktuell die besten Karten zu haben scheint) "in einem neutralen Stadion mit Hin- und Rückspiel oder nur als einfaches Entscheidungsspiel" durchgeführt werden.

Im Nordosten liegt die VSG Altglienicke (23 Spiele/47 Punkte/+28 Tordifferenz) an der Tabellenspitze. Punktgleich mit einer um zehn Tore schlechteren Bilanz, jedoch auch einer Partie weniger auf dem Konto reiht sich der 1. FC Lok Leipzig (22 Spiele/47 Punkte/+19 Tordifferenz) auf Rang zwei ein. Dem drittplatzierten FC Energie Cottbus fehlen bei 23 Spielen zwei Punkte auf das Führungsduo.

Wird die Quotientenregel angewendet?

Auf dem Verhandlungstisch liegt allen voran die im Zuge der Coronavirus-Pandemie sportartenübergreifend bereits vielfach angewandte "Quotientenregelung". Die Platzierung jeder Mannschaft richtet sich dabei nach dem Quotienten - jenem Wert aus den erreichten Punkten dividiert durch die absolvierten Partien. Demnach würde Lok Leipzig zum Meister der Nordoststaffel gekürt werden.

Erwin Bugar und Holger Fuchs
Die Spitze des NOFV: Präsident Erwin Bugar (li.) und Geschäftsführer Holger Fuchs. Bildrechte: imago images / Picture Point LE

Der FCE hat Mitte Mai einen Antrag für ein Final-Four-Turnier auf neutralem Platz gestellt, bei dem Altglienicke, Lok, die Lausitzer sowie die lediglich fünftplatzierte zweite Mannschaft von Hertha BSC den Teilnehmer für die Aufstiegsplayoffs ermitteln sollen. Fürstenwalde als Vierter hatte keinen Lizenzantrag für die 3. Liga eingereicht. "Es gibt da keinen Königsweg. Ich verstehe die Argumentation von Leipzig, ich verstehe die von Cottbus, die allerdings ein bisschen weniger", erzählte Altglienickes Manager Daniel Böhm der "Berliner Zeitung" (Donnerstag, 4. Juni). Der VSG-Vorschlag: "Das Gerechteste aus meiner Sicht wäre ein Spiel gegen Leipzig um Tabellenplatz eins."

Energie beklagt Benachteiligung

Aktuell sollten die Vereine vor der NOFV-Abstimmung am Freitag, eine Beschlussvorlage des Verbandes verbindlich beantworten, die in Form eines Fragebogens (u.a. I. Saisonabbruch: Ja oder nein?, II. Ermittlung des Teilnehmers an der Aufstiegsspiele: Quotientenregel oder anders?, III. Gibt es Absteiger: Ja oder nein?, IV. Ermächtigung an den Spielausschuss für einen neuen Rahmenterminplan: Ja oder nein?) angelegt ist.

Daraufhin kritisierte Energie Cottbus in einem am letzten Sonntag (31. Mai) veröffentlichen Protestschreiben, dass "diese Beschlussvorlage ohne jedwede Beachtung" des erwähnten Final-Four-Vorschlages versendet worden sei. Somit würden "allen stimmberechtigten Vereinsvertretern wichtige Informationen bzw. eine weitere Möglichkeit zur fairen sportlichen Entscheidungsfindung" vorenthalten, reklamierte der letztjährige Drittliga-Absteiger scharf.

NOFV-Präsident Erwin Bugar wies das am Dienstag (2. Juni) in der "Lausitzer Rundschau" zurück. Weder sei der Vorschlag des FCE verworfen worden noch die Entscheidung in der Meisterschaftswertung schon gefallen. Er selbst sei generell ebenfalls für eine sportliche Entscheidung, allerdings könne man "die staatlichen Verfügungen nicht außen vor lassen. Bei sechs Bundesländern im NOFV ist das wirklich schwierig. Jeder hat eine andere Regelung. Das müssen wir respektieren".

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red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 06. Juni 2020 | 16:30 Uhr

27 Kommentare

Chemieschwein. vor 8 Wochen

Was wäre wenn Lok sein Nachholspiel verloren hätte? Dann wäre Altglienicke erster! Also Betrug. Wie gut das Verl am Ende aufsteigt. Die sind richtig stark und die Locksche darf nä Saison wieder ins schöne Auerbach!!

Hannchen vor 8 Wochen

Ich muss immer wieder schmunzeln wie einige denken, ich wäre nicht der "echte" Hannchen aus dem Lokforum. Und wie ich es bin ! Einzig der User JBO, ebenfalls aus unserem Forum erkennt meinen Charakter. Ich stehe am Tor 1, seit 30 Jahren. Da steht JBO bekanntlich nicht, wir sind halt politisch nicht so seine Richtung...

Schelllusche vor 9 Wochen

Was habt ihr gegen Lok die können doch auch nichts dafür ,die würden das bestimmt auch sportlich klären und wollen . Ich weiß ja nicht welchen Vereinen ihr zugewandt seid die hier schreiben mich würde aber mal interessieren wen es eueren Verein treffen würde wie jetzt Lok ob dann genauso kommentiert wird . Blau -Gelbe Grüße