Fußball | Regionalliga Breite Ablehnung nach dem NOFV-Beschluss zur Staffelgröße in der Regionalliga

"Unser Präsident hat einen Zählfehler", sagte Auerbachs Manager Volkhardt Kramer mit Blick auf 17 Vereine, die angeblich für eine 18er-Staffel sind. Denn nicht nur die "kleinen" Vereine Auerbach, Rathenow, Eilenburg oder Halberstadt sind gegen eine Reduzierung der Regionalliga-Staffel. Mit Jena, Cottbus und Chemnitz sprechen sich auch mindestens drei Topteams gegen eine Verkleinerung aus. Besonders die mangelnde Solidarität anderer Vereine, wie Meuselwitz oder Babelsberg, wird angeprangert.

NOFV-Präsident Hermann Winkler
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Die Aussagen des Präsidenten des Nordostdeutschen Fußballverbandes haben nicht nur in Auerbach und Rathenow für zusätzlichen Frust gesorgt. Volkhardt Kramer, Manager des VfB Auerbach, wies noch einmal darauf hin, dass keinesfalls 17 Vereine der Regionalliga Nordost für eine Reduzierung der Staffelstärke auf 18 Team seien. "Da hat unser Präsident einen Zählfehler", sagte Kramer in Richtung Hermann Winkler. "Ich halte die Entscheidung für absolut falsch. Auch Klubs, die vorn stehen, haben sich für 20 ausgesprochen, wie Chemnitz, Jena und andere. Es waren also nicht nur die Vereine, die hinten drinnen stehen und 'jammern'".

Volkhardt Kramer 12 min
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"NOFV spielt mit der Gesundheit der Sportler"

Man könne nur an die Vernunft appellieren. "Schaut euch um in den Vereinen, unter welchen Bedingungen wir die Spiele austragen, unter verrücktesten. Es geht auch um die Gesundheit der Sportler." Mit dieser "nicht sinnvollen und unlogischen Entscheidung" sorge der NOFV dafür, dass einige Fußballer für sich entscheiden, im Zweifel doch zu spielen. Und es welche geben werde, die zu schnell wieder auf den Platz kommen.

Pele Wollitz: "Solidarität vom Herzen mit den Kleinen"

An die Vernunft appellieren, daran glaubt Energie-Trainer Pele Wollitz so richtig nicht mehr. Er habe die Entscheidung so erwartet, auch wenn er sie scharf kritisiert: "Ich bin bei den Antragstellern, den kleineren Vereinen, die alles getan haben, dass das einigermaßen auf dem Niveau stattfindet. Ich würde mir Solidarität wünschen in der Liga, man weiß nie, ob man in so eine Situation kommt. Von mir kommt sie von Herzen."

Pele Wollitz 1 min
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So 20.03.2022 15:49Uhr 01:06 min

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Andreas Petersen: "Das ist eine Sauerei"

Auch der Trainer von Germania Halberstadt kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Auch ärgert Andreas Petersen, dass es keine Solidarität in der Liga mehr gibt. Einige Vereine hätten vergessen, dass sie in den letzten zwei Jahren massiv profitierten. "Ich finde es eine Sauerei. Wir haben Dienst nach Vorschrift gemacht, in der Hoffnung, dass es eine Solidarität gibt. Die gibt es nicht. Wir haben Geld in die Hand genommen, Strukturen geschaffen. Andere wie Altglienicke spielen hier einfach (Amn. im Amateurstadion von Hertha), investieren in die Mannschaft. Vor zwei Jahren und letztes Jahr wären Meuselwitz und Babelsberg abgegangen, das interessiert die heute nicht mehr", findet Petersen klare Worte.

Andreas Patersen 2 min
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So 20.03.2022 15:59Uhr 02:25 min

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FC Eilenburg: Keine Wettbewerbsgerechtigkeit

Unterstützung gibt es auch vom FC Eilenburg. In einer Erklärung sprach der Regionalliga-Aufsteiger von einer fehlenden Wettbewerbsgerechtigkeit, die eigentlich Grundlage eines Spielbetriebes sein müsste. "Von der Realisierung dieser Wettbewerbsgerechtigkeit ist der NOFV im Sommer sicherlich auch ausgegangen. Leider haben die vergangenen Monate gezeigt, dass ebendiese Wettbewerbsgerechtigkeit durch den Verband aufgrund unterschiedlicher Landesregelungen eben nicht gewährleistet werden konnte." So habe es einheitliche Bedingungen in den Bundesländern nie gegeben. Zudem habe der Verband auch eine Verantwortung für die kleinen Vereine. "Die jetzt getroffene Entscheidung lässt leider die Verantwortung des Verbandes für die diese Vereine, die mit einem überschaubaren Budget am in der Pandemie noch aufwendigeren Spielbetrieb teilnehmen, nicht erkennen."

Optik Rathenow: Alleingang des Präsidiums

Verwundert zeigte sich Optik Rathenow, dass das Präsidium die Entscheidung praktisch im Alleingang gefällt hatte. Und dass der extra dafür geschaffene Expertenrat übergangen wurde. "Daraufhin überlegen zwei Mitglieder des Rates, darunter Lutz Lindemann, zurückzutreten." Dies allerdings bestätigte Lindemann bei "Sport im Osten" nicht. Kritik übte der Verein aber auch an der Rolle des ZFC-Präsidenten und Vereinssprechers Hubert Wolf.

rei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 20. März 2022 | 16:00 Uhr

16 Kommentare

Nappel vor 20 Wochen

Das der Spieler Bestecher Petersen hier von fehlender Solidarität faselt, ist für mich die eigentliche Sauerei. Wo war die denn, als er den Babelsbergern Geld geboten, damit sie "die Füße etwas hoch legen". Aber vielleicht meint er ja solche Machenschaften mit "Strukturen schaffen" in Halberstadt.

Dreissiger vor 20 Wochen

Kein Absteiger in die Regio, na ganz so ist es nicht. Wenn Verl im ausstehenden Nachholspiel auch nur Unentschieden spielt, steht Victoria Berlin auf einem Abstiegsplatz. Außerdem zeigt denen ihre Tendenz nach unten.
Wenn dazu noch der Sieger der Nordstaffel aufsteigt, sind es halt 5 Absteiger.

ThomasBN vor 20 Wochen

Sorry, ich verstehe nicht warum hier einige Leute 16 Vereine in der Regionalliga haben wollen. Ich bin Fußballfan und Freund der Regionalliga. Ich fahre zu vielen Heim-und Auswärtsspielen und möchte das gespielt wird. Einfach weil das mein Hobby ist und Hobbys gelebt werden müssen. 16 Mannschaften bedeuten 30 Ligaspiele im Jahr plus ein paar Pokal -und Freundschaftsspiele, welche aber meist total uninteressant sind. Würde bedeuten das an 22 Wochenenden im Jahr entweder kein oder ein wenig interessantes Spiel meines Vereines wäre. Dann kann man es auch gleich ganz lassen. 20 Mannschaften in der Regionalliga ist für mich genau richtig. Und wer meint, das geht nicht soll mal ins gelobte Fussballland England schauen, dort sind in Liga 2 bis 5(!) jeweils 24 Mannschaften am Start. Plus verschiedene Pokalwettbewerbe, so dass 50 Spiele im Jahr ganz normal sind. Und hier wird für eine Liga mit 16 Mannschaften plädiert, dass erzeugt nur Kopfschütteln bei mir.

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