Fußball | Regionalliga NOFV-Präsident Winkler: "Corona wirft uns nochmal zurück"

In der Regionalliga Nordost sorgt Corona für einen Dominoeffekt. Eine Partie nach der anderen fällt aus. Fast jedes fünfte Saisonspiel wurde verlegt. Der MDR analysiert die Gründe, der Nordostdeutscher Fußballverband reagiert.

Hermann Winkler
NOFV-Präsident Hermann Winkler. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Picture Point

Winkler: "Die Entwicklung ist ärgerlich"

Schaut man sich die nackten Fakten rund um die Spielabsagen in der Regionalliga Nordost an, kann einem Angst und Bange werden – zumindest was eine vollständige Doppelrunde mit Hin- und Rückspielen angeht. Von 110 Viertliga-Paarungen fielen in der aktuellen Spielrunde bereits 20 aus – macht eine Quote von 18,2 Prozent. Auch wenn vier Verlegungen auf DFB-Pokal-Überschneidungen und eine bereits vorab auf polizeiliche Sicherheitsvorgaben zurückgingen, wirkt die Liga bei 15 Corona-Absagen mittlerweile wie fest im Pandemie-Griff. Sieben Teams waren oder sind mittlerweile von Quarantäne-Maßnahmen betroffen, Tennis-Borussia Berlin sogar zweimal. NOFV-Präsident Hermann Winkler gibt zu: "Die Entwicklung ist ärgerlich und stellt uns vor große Herausforderungen. Corona wirft uns nochmal ein Stück zurück. Aber es nützt nichts, jetzt schon von einem Saisonabbruch zu sprechen. Ich bin optimistisch, dass das Spieljahr regulär beendet werden kann."

Einzelfälle zeigen groteske Züge

Doch gerade kuriose Konstellationen setzen dem Verband in der Spielbetriebsorganisation zu. Drei prägnante Beispiele: Lok Leipzig fiel schon viermal der Gegner weg. Heißt: Neuansetzungen müssen auch stark auf nicht coronabetroffene Vereine angepasst werden. TeBe kam gerade aus der zweiten Team-Quarantäne und wollte gerade wieder loslegen, da war der nächste Gegner Tasmania schon wieder in Absonderung. Eine ziemlich groteske Situation, die sich zusehends miteinander verzahnt. Denn weil Tasmania Berlin direkt nach dem 3:1-Sieg über Auerbach positive Fälle hatte, musste anschließend der VfB in Quarantäne.

Warum ist die Lage verzwickter als im Profigeschäft?

Vergleicht man die zahlreichen Ausfälle mit den Bundesligen oder auch der 3. Liga (nur vier Verlegungen, zwei aufgrund von Corona), wird deutlich, dass keine Spielklasse so stark wie die Regionalliga Nordost betroffen ist. Woran liegt das? Anders als in den Profiligen gibt es keine flächendeckende Testpflicht. Winkler sagt dem MDR: "Die Berliner Landesverordnung schreibt ihren Vereinen regelmäßige Testreihen vor, in den anderen Bundesländern ist das nicht geregelt." Heißt: Manche Klubs testen vielleicht freiwillig, gerade für klassische Amateurvereine dürfte dieser Zusatzaufwand aber nicht so einfach zu stemmen sein. Sonst wird auf Symptome oder Fälle im Umfeld reagiert.

Und da liegt zumindest möglicherweise ein weiteres Problem. Denn weil ein nicht geringer Anteil von Viertliga-Kickern berufstätig ist, haben sie möglicherweise arbeitsbedingt mehr Kontakte als Profifußballer, die beruflich eben hauptsächlich auf ihr Team beschränkt sind. Winkler meint dazu: "Regionalliga-Spieler leben anders als Profi-Fußballer nicht in einer Blase, haben womöglich ein größeres Umfeld."

Impfungen hilfreich, aber kein Allheilmittel gegen Ausfälle

Symbolbild - Impfung
Bildrechte: imago images/Bihlmayerfotografie

Der NOFV-Boss wiederholt in Folge dessen erstmal seinen Impfappell: "Wir hoffen auf den Impffortschritt. Wir empfehlen Vereinen und Spielern, dass sich möglichst viele impfen lassen. Verpflichten können und wollen wir aber niemanden, weil es eine persönliche Entscheidung jedes Einzelnen ist." Dennoch zeigt sich gerade an der Infektion von Halberstadts Trainer Benjamin Duda, der trotz Impfung deutliche Symptome verspürte, dass dies kein Allheilmittel gegen Spielausfälle sein wird. Der Germania-Coach erklärt: "Eine gewisse Irritation kann ich nicht verneinen. Deswegen dachte ich bis zum positiven Test auch zunächst, dass es mich anders grippal erwischt hat. Ansteckungen trotz Impfung sind aber Geschehnisse, die durchaus vorkommen können. Dennoch schützt sie prozentual so vor einem schweren Verlauf, dass dazu total zu raten ist."

Reduzieren können Impfungen hauptsächlich die Anzahl von Spielern, die in Quarantäne müssen – allerdings abhängig von unterschiedlichen Landesregelungen oder gar lokalen Gesundheitsbehörden. So mussten beim FC Carl Zeiss Jena nach einem Positiv-Fall acht Ungeimpfte in Isolation. Deren Geschäftsführer Chris Förster verrät: "Wir haben erste Signale, dass der ein oder andere ungeimpfte Spieler bei uns sich jetzt doch eine Impfung holen wird."

Winkler stellt Fans auf viele Mittwochspiele ein

Wie reagiert der Verband nun, um den Spielbetrieb abzusichern? "Wir hatten zunächst weniger Spieltage unter der Woche angesetzt. Jetzt werden wir viele Mittwochspiele haben. Das ist nicht schön für Spieler und Fans, aber immer noch besser als eine nicht-sportliche Lösung", stellt NOFV-Präsident Winkler die Vereine auf regelmäßige englische Wochen ein. Mit direkten Reaktionen wie einer ligaweiten Schnelltestpflicht für Ungeimpfte im Trainings- und Spielbetrieb tut sich der Verband scheinbar schwer, obwohl so bei guter Umsetzung Infizierte vorm Kontakt mit dem Team isoliert werden könnten.

Gewertet wird diese Saison laut NOFV-Beschluss jedenfalls nur, wenn mindestens 50 Prozent der Spiele ausgetragen sind. "Bis 30. Juni ist da noch genug Zeit. Daher bleibe ich Optimist", sagt Winkler. Heißt: Im schlimmsten Fall könnte es bei steigenden Inzidenzen und Fällen über den Winter zu einer Regionalliga-Unterbrechung kommen, allerdings nicht zu einem Saisonabbruch wie letzte Saison. Trotzdem erschweren die ständigen Spielverschiebungen auch eine seriöse Vorbereitung. Beispielsweise für Klubs mit Drittliga-Ambitionen wie Jena oder wie Auerbach im knallharten Abstiegskampf - für sie ist das besonders heikel. Da bleibt Winkler hart: "Dieses Damoklesschwert schwebt immer über uns, aber es kann ja jeden treffen. Damit müssen wir umgehen."

Videos aus der Regionalliga

Frühe Torchance für Meuselwitz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Tor für den BFC
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle anzeigen (116)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 20. September 2021 | 19:30 Uhr

3 Kommentare

oldie68 vor 4 Wochen

Wenn die Chefs sich arrangieren mit dem Verein wo ihre Angestellten unter Vertrag stehen sollte dies doch machbar sein .Den es ist doch so auch eine Werbung für die Unternehmen.

Auerbacher vor 4 Wochen

Ein "Profiverein" kann eher ein Mittwochsspiel stemmen als ein "Amateurverein"! Das ist schon Wettbewerbsverzerrung, wenn bei einem möglichen Mittwochsspiel 2-3 Stammspieler aufgrund von Arbeit bei einem "Amateurverein" fehlen sollten..

Gerald vor 4 Wochen

Eindeutig Wettbewerbsverzerrung! Vom fairen Wettbewerb kann da keine Rede mehr sein!