Fußball | Regionalliga NOFV plant Regionalliga-Restart im Dezember - Vereine wehren sich

Am ersten Dezember-Wochenende soll der Ball in der Regionalliga Nordost wieder rollen. Das hat der NOFV am Donnerstag entschieden. Doch einige Klubs wollen gar nicht kicken. Fünf Klubs haben ihren Widerstand angekündigt. Die sächsischen Klubs fordern zudem Geld.

Der Ball landet im Netz.
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Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) plant den Restart der Regionalliga Nordost für das erste Dezember-Wochenende. Das gab der Verband am Donnerstagabend (19.11.2020) nach einer Sitzung des Spielausschusses bekannt. In einer vom Verband verschickten Meldung heißt es: "Der NOFV-Spielausschuss plant, aus heutiger Sicht und unter Beachtung der aktuellen Verfügungslagen, im Dezember, das heißt am 04./05./06.12, am 11./12./13.12. sowie am 18./19./20.12.2020 den Spielbetrieb der Regionalliga Nordost fortzusetzen. Die Ansetzung von Nachholspielen ist ebenfalls im Dezember geplant."

Alle Partien der drei angesetzten Spieltage sollen als Geisterspiele über die Bühne gehen. Allerdings werden Livestream-Übertragungen in Aussicht gestellt: "Der NOFV und der MDR befinden sich in positiven Gesprächen, um per Livestream im Internet eine Übertragung von möglichst vielen Spielen der RL Nordost zu gewährleisten", heißt es in der Mitteilung.

Grünes Licht der Bundesländer

Ursprünglich wollte der NOFV den Spielbetrieb schon am 25.11. wieder aufnehmen. Grundlage dafür ist eine Tagung der Sportminister der Bundesländer am Mittwoch (18.11.2020). Demnach dürfen die Regionalligisten aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg bereits wieder kicken - in Berlin und Sachsen-Anhalt jedoch noch nicht. Die Verschiebung in den Dezember begründete der NOFV in seiner Mitteilung so: "Die aktuelle Situation zeigt, dass alle Regionalligisten trainieren dürfen, jedoch acht Vereine der RL Nordost (sieben aus Berlin und einer aus Sachsen-Anhalt) vor dem 1. Dezember 2020 keine Meisterschaftsspiele austragen dürfen."

Vereine wollen Restart verhindern

Emblem von 1. FC Lokomotive Leipzig hinter einem verschlossenen Tor
Lok will sein Stadion für Punktspiele lieber geschlossen halten. Bildrechte: imago images/opokupix

Kurz vor der Videokonferenz des NOFV am Donnerstagabend hatten einige Vereine versucht, den Restart zu verhindern. So meldete sich Regionalligist Lok Leipzig mit einem offenen Brief an den Verband zu Wort. In dem Schreiben werden die Forderungen nach dem "Vorziehen der Winterpause und Festsetzen eines Saison-Fortführungstermins Ende Januar 2021" erneuert. Gegen einen baldigen Neustart hatten sich zudem der Berliner AK, Tennis Borussia Berlin, der BFC Dynamo und Lichtenberg 47 ausgesprochen. Ebenfalls am Donnerstag hatten sich die sächsischen Regionalligisten an die Landespolitik gewandt und um finanzielle Unterstützung geworben.

Lok Leipzig: "Können es nicht nachvollziehen"

In der Aussendung von Lok an den NOFV heißt es, der Verein könne es "gemessen an den aktuellen Infektions- und Krankheitszahlen in Deutschland ... nicht nachvollziehen, dass der Nordostdeutsche Fußballverband eine Fortsetzung der Saison, noch in diesem Jahr, vorantreibt und für möglich hält." Der Verein fordert den Verband auf, einen Fragenkatalog zu beantworten, in dem es u.a. um die Kostenübernahme von Corona-Tests, finanzielle Unterstützungen, die Anzahl und Unterstützung bei Geisterspielen, Quarantäne- und Abbruchregeln geht.

Ablehnung auch aus Berlin

Den Forderungen nach einem Restart teilte am Donnerstag auch der Berliner AK eine Absage. Der BAK veröffentlichte auf Facebook ein Statement, in dem es heißt: "Wir nehmen den Wunsch einer schnellstmöglichen Aufnahme des Ligabetriebes zur Kenntnis, teilen diesen aufgrund aktuellen Anlasses allerdings nicht." Begründet wird die Ablehnung u.a. mit fehlender Planbarkeit, "die eine Gleichbehandlung durch Spielausfälle und Quarantäne für alle Vereine bedeuten würde. Eine Wiederaufnahme ab Dezember wird keine nachhaltige Lösung darstellen."

Bei einer erst am 4. 11. vom NOFV organisierten Videokonferenz mit allen Liga-Klubs hatten sich die Viertligisten noch klar für einen Restart der Liga mit einer geringen Anzahl von Geisterspielen ausgesprochen.

Auerbach-Manager Kramer: "Lage vergleichbar mit Restaurants"

VfB Auerbach, Volkhardt Kramer
Kramer: "Klar ist, dass wir das alles nur überstehen, wenn wir Unterstützung erhalten" Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Der VfB Auerbach machte auf seiner Website zudem ein Schreiben an die sächsische Landespolitik öffentlich. In dem von den fünf sächsischen Regionalligaklubs Chemie Leipzig, Lok Leipzig, Chemnitzer FC, Bischofswerda und Auerbach unterzeichnetem Brief wird finanzielle Hilfe gefordert. "Unsere Lage ist vergleichbar mit der von Restaurants, die als Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung ihren Laden geschlossen halten müssen, dafür aber eine Unterstützung erhalten. Klar ist, dass wir das alles nur überstehen, wenn wir Unterstützung erhalten", wird Auerbachs Manager Volkhardt Kramer zitiert.

Der VfB würde sich laut Kramer gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs nicht wehren. Allerdings hält der 69-Jährige einen Restart für "das falsche Zeichen. Wenn jetzt darüber diskutiert wird, ob die Schulen wieder geschlossen werden, dann können wir als vierte Liga nicht den Spielbetrieb wieder öffnen."

Interview 1 min
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Thüringens Bildungs- und Sportminister Helmut Holter 4 min
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Videos aus der Regionalliga

ein Stadion aus der Luft
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ein Mann im Gespräch
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 21. November 2020 | 21:45 Uhr

8 Kommentare

Chilli Palmer vor 1 Wochen

Wenn einem der expensive Handgeld-Amateurkader, wider des Wissens eigentlich antiziperbarer Saisonumstände, jetzt auf einmal ins Kontor schießt, würde ich auch paraphrasieren, es gäbe wichtigeres als (m)einen Viertligisten.

Chilli Palmer vor 1 Wochen

Fakt ist eins, wir als der große FC LOK LEIPZIG werden nicht wieder antreten. Was die anderen machen war uns schon immer egal und ist es auch dieses mal. Was will sich ein großer FC Lok mit kleinen Vereinen wie Auerbach, Jena oder Schämie vergleichen. Wir sind froh das unsere Gelder vom Amt übernommen werden und das soll bitte auch so bleiben. Damit spart unser Verein viel Geld und wir können vielleicht noch mal neue Spieler kaufen wenn es wieder los geht. Sport frei !

AufmerksamerBeobachter vor 1 Wochen

So richtig klar ist mir die Reaktion der Vereine nicht. Einerseits versuchen sie alle, das Training aufrechtzuerhalten, andererseits wollen sie nicht weiterspielen?

Klar, ohne Zuschauer ist es ein Minusgeschaeft und fuehrt ins wirtsch. Aus. Also muesste man sich klarmachen, das bis Ende April keine Besserung der Coronalage eintreten wird: Ausspielen der Hinrunde ab Mai und fertig, alles Andere fuehrt zu Chaos und schiefen Tabellen, da hat keiner was davon und der Meister steht ja ohnehin fest.