Fußball | Regionalliga Regionalliga Nordost stellt Spielbetrieb ein

Jetzt ist es amtlich: Die Regionalliga kommt zum Erliegen. Am Wochenende wird noch einmal "normal" gespielt, danach ist mindestens einen Monat Pause.

Stadionansicht mit Haupttribüne.
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Der 12. Spieltag in der Regionalliga Nordost wird der vorerst letzte sein. Danach pausiert die Regionalliga Nordost - die laut Statuten zum Amateurbereich gehört - bis mindestens Ende November. Das erfuhr der MDR aus NOFV-Kreisen.

Nordost pausiert als zweite Regionalliga in Deutschland

Die RL Nordost stellt damit nach der Regionalliga Nord als zweite von fünf vierten Ligen in Deutschland den Spielbetrieb zunächst einmal ein. In der Regionalliga Südwest fällt die Entscheidung spätestens am Freitag. In Bayern und in der RL West wird am Wochenende noch gespielt. In Bayern wird am Montag über das Vorziehen der Winterpause gesprochen. Hier gibt es die Besonderheit, dass sich der Freistaat wegen der üblichen Winterausfälle in Mittelgebirgen und Voralpen zu einer Fortsetzung der Saison 2019/2020 entschlossen hatte. Wann sich die West-Vertreter treffen ist noch offen.

Regionalliga vor erneuter Zwangspause

Zurück zum Nordosten: "Es sieht nicht gut aus", hatte Till Dahlitz, Spielbetriebsleiter beim Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV), dem MDR am Donnerstagmorgen gesagt. "Die Vereine haben uns bereits im Frühjahr klar signalisiert: 'Wenn die Zuschauer nicht da sind, können wir nicht spielen", so Dahlitz.

Auerbach: "Wenn das Verbot so bleibt, hat sich alles erledigt"

Selbst ein Restart in diesem Jahr steht für manche Teams zur Diskussion. So darf in Auerbach laut einer Mitteilung der Stadt ab kommenden Montag kein Spiel- und auch kein Trainingsbetrieb mehr stattfinden. "Alle Sportstätten werden am 2. November geschlossen. Wenn das Verbot so bleibt, hat sich alles erledigt", sagte Volkhardt Kramer, Manager des VfB Auerbach. Bedeutet: Ein Restart im Dezember wäre für die Vogtländer nahezu ausgeschlossen, weil die Mannschaft dann erst wieder ins Training einsteigen könnte.

Volkhardt Kramer Manager VfB Auerbach li. und Sven Köhler Trainer VfB Auerbach im Gespräch
Volkhardt Kramer und Sven Köhler blicken schwierigen Zeiten entgegen. Bildrechte: imago images/opokupix

Haupteinnahmequelle Zuschauer

Bereits am Mittwochabend machten die Vereinsverantwortlichen keinen Hehl aus dem Dilemma, künftig ohne Zuschauer spielen zu müssen. "Geisterspiele sind in der Regionalliga überhaupt keine Option. Wir haben keine hochdotierten Fernsehverträge wie in der 1., 2. und 3. Bundesliga. Es gibt keinen Ligasponsor", brachte Lok Leipzigs Präsident Thomas Löwe das Problem auf den Punkt. "Bei uns ist die Haupteinnahmequelle der Fan. Ich hätte mir gewünscht, dass man Sportveranstaltungen in der Regionalliga mit Hygienekonzept zulässt. Unser Hygienekonzept hat funktioniert. Uns ist kein einziger Ansteckungsfall bekannt."

Thomas Löwe 1 min
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Mi 28.10.2020 21:50Uhr 01:16 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-thomas-loewe-zu-geisterspielen-regionalliga-100.html

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Lok-Partie gegen Viktoria Berlin bereits abgesagt

Die kommende Partie der Probstheidaer gegen Viktoria Berlin am Samstag wurde vom NOFV bereits abgesagt. Grund sind mehrere positive Corona-Fälle beim aktuellen Tabellenführer. Deren Sportdirektor Rocco Teichmann betonte im Gespräch mit dem MDR, dass es "schwierig bis unmöglich" sei, "bis Ende Juni gänzlich ohne Zuschauer zu spielen." Man müsse aber "flexibel mit der Saison umgehen und gemeinsam schauen, wie wir die Probleme lösen können. Es sollte sich jeder der großen Verantwortung, also der zu schützenden Gesundheit, bewusst sein."

Winkler und BSG Chemie zeigen wenig Verständnis

Mit Unmut reagierte auch Hermann Winkler. "Ich bin entsetzt über die Ignoranz und Geringschätzung gegenüber dem Sport und der Vereine", sagte der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Dort, wo in meist ehrenamtlicher Arbeit mit viel Aufwand Hygienekonzepte erarbeitet wurden, die auch wirken, und wo kaum Infektionsgeschehen vorhanden ist, wird dicht gemacht".

Hermann Winkler
SFV-Präsident Hermann Winkler Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Frank Kühne, Präsident der BSG Chemie Leipzig, zeigte für die Entscheidung ebenso wenig Verständnis. "Generell finde ich es sehr sehr schade, dass man bei Freiluftveranstaltungen reagiert." Man habe "laut Hygienekonzept alles vernünftig umgesetzt und die Leute haben sich zu 90 Prozent daran gehalten", betonte Kühne.

FCC-Geschäftsführer Förster geteilter Meinung

Carl Zeiss Jenas Geschäftsführer Chris Förster sieht die Entscheidung als "zweischneidiges Schwert". Auf der einen Seite wäre man froh, den Spielbetrieb durch die Maßnahmen überhaupt aufrechterhalten zu können. Andererseits ist es "gerade in der Regionalliga sehr wichtig, vor Zuschauern spielen zu können. In der Regionalliga fehlt jegliches Fernsehgeld, insofern spielen dort die Zuschauereinnahmen eine besondere Rolle. Das ist für viele Vereine existenziell", unterstrich Förster.

Existenzielle Herausforderung

Bereits im Frühjahr sah sich die Regionalliga Nordost angesichts der Corona-Pandemie vor immensen Herausforderungen. Letzten Endes wurde die Saison vorzeitig abgebrochen – auch um die finanziellen Auswirkungen durch den Verlust der Zuschauereinnahmen abzufedern. Im Falle eines erneuten Stillstands sind gar Existenzen bedroht. "Wenn es (der Spielbetrieb, Anm. d. Red.) zum Erliegen käme, wäre es ein unendlicher Einschnitt für unsere Profis und unseren Nachwuchs", erklärte Romy Polster, Vorstandsvorsitzende beim Chemnitzer FC. "Das wird die ganze Liga betreffen. Es würden gänzlich alle Arten der Einnahmen fehlen. Es darf nicht dazukommen, dass das komplette Vereinswesen im Sport wieder so unter Druck gerät, dass wir alle um unsere Existenz fürchten müssen."

"Was es wirtschaftlich bedeuten wird, kann sich jeder ausmalen"

Bodo Lehnig, Pressesprecher beim Bischofswerdaer FV, schlug in die gleiche Kerbe. "Was es sportlich insgesamt für den Verein bedeuten wird, kann man jetzt schwer abschätzen. Was es wirtschaftlich für den Verein bedeuten wird, kann sich jeder ausmalen. Wir werden genauso wie viele andere auf die Zuschauereinnahmen verzichten, auf die wir letzten Endes angewiesen sind. Da ist nun zu aller erst der Verband gefordert Gespräche mit der Politik zu führen und dann mit den Vereinen ins Gespräch zu kommen."

Bleiben die Sponsoren an Bord?

Auch Germania Halberstadt bereitet die Entscheidung Sorgen. "Das ist natürlich bitter, auf der einen Seite sportlich für den Gesamtverein, der ja nicht aus der Regionalligamannschaft, sondern aus 850 Mitgliedern besteht. Und wenn da 350 Kinder, die da regelmäßig betreut werden, zuhause bleiben müssen, ist das schon ne bittere Pille." Die Germania wolle sich nun mit ihren Sponsoren zusammensetzen, um "die Einbußen so gering wie möglich zu halten".


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jsc

Videos aus der Regionalliga

ein Stadion aus der Luft
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ein Mann im Gespräch
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | Sportblock | 29. Oktober 2020 | 19:30 Uhr

30 Kommentare

FSVFanMAIK vor 4 Wochen

Der ganze Bums ist doch zum Teil selbst gemacht. Was haben einige Vereine und der DFB gedacht das im Sommer das Virus die Koffer packt und nicht zurück kommt. Der DFB hängt sich an die DFL ran, vergist aber seine eigenen liegen und die Amateur ligen. Vielleicht schaft man es jetzt mal das alle Verbände, Vereine, DFB, Politik zusammen zu arbeiten das möglich alle Vereine die nächste Zeit überleben. Sonnst sehe ich Schwarz ab der 3 liga bis zu den unteren ligen.

Chili Palmer vor 4 Wochen

@TYPISCH PLAUEN FUHRE ANDY: Ich weiß, es ist Perlen vor die Säue werfen, aber schau mal in den nächsten Thread zum Thema. Eventuell ist dir das dann Inhalt genug?

Maxi B. vor 4 Wochen

Jeder weiß, dass die Maßnahmen an allen Ecken und Enden übertrieben sind. Wir haben in Deutschland keinerlei Übersterblichkeit. Im Grunde müsste man jetzt jede Saison in Zukunft einfach abbrechen.
Das ist alles völlig planlos.