Fußball | Regionalliga Mitteldeutsche Regionalliga-Vereine erhoffen sich mehr Gehör beim DFB und in der Politik

Am Donnerstag wird der Interims-Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes gewählt. Drei Kandidaten stehen zur Wahl, von denen einer die Geschicke des Ostfußballs bis zum nächsten ordentlichen Verbandstag leiten wird. Unter den mitteldeutschen Regionalligisten herrscht Einigkeit darüber, was sie vom neuen Mann an der Spitze des NOFV erwarten: eine starke Interessensvertretung im gesamtdeutschen Fußball und in der Politik. Zwei Vereine sprichen sich klar für einen Kandidaten aus.

Vor den Toren Berlins wird gewählt. Drei Kandidaten treten an. 1 min
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Mi 20.01.2021 22:19Uhr 01:11 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-nofv-praesidentenwahl100.html

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Eine "starke Stimme", die die Interessen des ostdeutschen Fußballs beim DFB und der DFL vertritt: Das ist Erwartung, die die Regionalliga-Vereine aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an die Wahl des neuen NOFV-Präsidenten knüpfen. Wer mit dieser starken Stimme spricht, entscheidet sich am Donnerstag. Dann treten Hermann Winkler (Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes), Bernd Schultz (Präsident des Berliner Fußball-Verbandes) sowie Jens Cyrklaff (NOFV-Schatzmeister) gegeneinander um die Nachfolge des verstorbenen Erwin Bugar an.

Fußballosten im DFB unterrepräsentiert

Neben einer möglichst zeitnahen Klärung über den weiteren Saisonverlauf in der Regionalliga Nordost setzten die Vereinsverantwortlichen große Hoffnungen in den neuen NOFV-Präsidenten, dass dieser den Ostfußball auch als DFB-Vizepräsident stark repräsentiert. "Er sollte im DFB-Bundestag eine gewisse Autorität zeigen, dass die Ostvereine dort auch Gehör finden, denn diese sind dort unterrepräsentiert", erklärt Frank Kühne von der BSG Chemie Leipzig. Ins gleiche Horn bläst auch Erik Hartmann, Präsident von Germania Halberstadt, der aber auch glaubt, dass es "schwierig ist, dort den Mund aufzumachen, wenn nur so wenige ostdeutsche Vereine in der Bundesliga spielen. Und in der 2. und 3. Liga sind wir ebenso unterrepräsentiert." Deshalb sei es trotzdem wichtig, dass "wir stärker wahrgenommen werden".

ein Mann im Gespräch 2 min
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Vor der Wahl des neuen NOFV-Präsidenten hat sich Fußballexperte Lutz Lindemann zu den idealen Kriterien des Nachfolgers des verstorbenen Erwin Bugar geäußert.

Sa 02.01.2021 16:41Uhr 01:36 min

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NOFV-Mannschaften leistungsstark

Um das zu erreichen, müsse "die Problemwelt des Ostens mehr transportiert werden", findet ZFC-Meuselwitz-Präsident Hubert Wolf. Der Unternehmer hofft auf eine "Visionskraft" des neuen Amtsinhabers, der auch ein "gewisses präsidiales Auftreten mitbringen sollte." Volkhardt Kramer vom VfB Auerbach würde sich freuen, wenn es der neue Mann schafft, dass "das Interesse des DFB an der Regionalliga größer" wird. Denn "in der Vergangenheit sind wir dort nicht so wahrgenommen worden wie gewünscht. Ich denke, alle drei Kandidaten haben diese Aufgabe erkannt und ich halte sie alle für fähig". Ähnlich sieht es Klaus Berka vom FC Carl Zeiss Jena, denn in der Regionalliga Nordost sind einige "erfahrenen Mannschaften mit hohem Potential vorhanden. Wir sind leistungsstark, das haben die Aufstiegsspiele gezeigt, wo sich häufig der NOFV-Vertreter durchgesetzt hat", so der FCC-Präsident.

Einstehen für traditionsreichen Fußball

Der Chemnitzer FC wünscht sich eine "klare Positionierung des NOFV zur zukünftigen Ausrichtung der Regionalliga Nordost und die Stärkung der Strukturen und Abläufe innerhalb des Verbandes", so die Vorstandsvorsitzende Romy Polster. Er solle "den Osten und seinen traditionsreichen Fußball im gesamtdeutschen Fußball vertreten und für ihn einstehen". CFC-Aufsichtsratschef Knut Müller hat auch schon eine bestimmte Personalie im Blick, wie er im "SpiO"-Talk am Mittwoch verriet: "Wir sind ein Verein aus Sachsen und wenn wir dort durch die sächsische Brille schauen, würden wir uns über Hermann Winkler als neuen Präsidenten freuen." Besonders die politische Erfahrung spreche für den SFV-Präsidenten, auch wenn man in Chemnitz alle drei Kandidaten als geeignet sieht, das Amt zu begleiten.

Rechtssicherheit für den NOFV

Jürgen Neumann vom Bischofswerader FV setzt in den neuen Präsidenten "zuerst einmal die Hoffnung, dass der NOFV überhaupt weiter existiert und seine Selbstständigkeit nicht verliert." Er fordert endlich "Rechtssicherheit" und eine endgültige Klärung zur Aufstiegsregelung: "Diese Aufstiegsdiskussion ist ja noch lange nicht beendet, obwohl sie das schon längst sein sollte", so Neumann. Dafür müsse es eine deutschlandweite Debatte über die Wahrnehmung der Regionalliga geben. Während die West-Staffel als reines Profigeschäft gesehen wird, zählt sie im Osten als höchste Amateur-Spielklasse.

Lok hat klaren Kandidaten im Auge

Der Vorjahresmeister Lok Leipzig erhofft sich eine "kompetente, unüberhörbare und lösungsorientierte" Vertretung des Ostfußballs. Der Präsident "sollte sich unbequemen Themen und Diskussionen stellen und diesen nicht aus dem Weg gehen", erklärte Lok-Präsident Thomas Löwe, der auch klar Stellung für einen Kandidaten bezieht: "Dass er dies kann, hat Hermann Winkler als Präsident des sächsischen Fußballverbandes hervorragend bewiesen. Deshalb wünschen wir uns als 1. FC Lok, dass er die Wahl gewinnt." Der ehemalige Staatsminister und Chef der Staatskanzlei in Sachsen sei laut Löwe der beste Kandidat, wenn es darum gehe, "sich mit der Politik auseinanderzusetzen", etwa in Bezug auf das Thema Corona-Hilfe im Profisport. Trotz der Bescheinigung der professionellen Strukturen durch das Ministerium bleiben die Regionalligisten dort außen vor. "Aus unserer Sicht ist das eine Ungleichbehandlung von Unternehmungen im selben Geschäftszweig. Das lässt die Schere zwischen der 3. Liga und der Regionalliga am Ende immer größer werden. Das wäre eine Aufgabe, wo die gesamte Kompetenz und Kraft des NOFV-Präsidenten gebraucht wird", so Löwe.

Diesen Punkt kritisiert auch BSG-Mann Kühne scharf und erwartet dort mehr als "Lippenbekenntnisse". "Da erhoffen wir uns schon etwas, dass die Vereine wieder Licht am Ende des Tunnels sehen und Hoffnung bekommen, dass es demnächst wieder weiter geht", so Kühne.

Kluge Entscheidungen für die laufende Saison

Mit Blick auf die laufende Saison sind die Vereine vorsichtig mit ihren Erwartungen. Sie wissen, dass der neue Präsident dort zu sehr abhängig von den Entscheidungen der Politik ist. "Wir haben eine sehr schwierige Situation, die ein sehr sensibles Vorgehen erfordert. In dieser Phase, ohne viel Sport, erwarten alle, dass irgendetwas passiert. Aber der Präsident kann auch nicht einfach Corona wegzaubern", erklärt Berka vom FC Carl Zeiss. Zur noch völligen offenen Art des Abschlusses der Regionalliga bedürfe es "kluger Entscheidungen", damit "die Runde so abgeschlossen werden kann, dass es am Ende eine ordentlich Lösung für den direkten Aufstiegsplatz gibt".

Frank Kühne erhofft sich in den Beratungen mit der Politik über eine Fortsetzung, "dass wir dort gut vertreten werden, wenn der Lockdown dann vorbei sein sollte. Und dass unsere Interessen, gerade was die Zuschauer betrifft, bei entsprechenden Hygienekonzepten gehört werden."

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1 Kommentar

Blumenfreund vor 13 Wochen

Wann wird endlich wieder Fußball gespielt wird ?
Die regionalliga Süd/West und West spielen doch auch. Warum geht das im Osten nicht ??