Fußball | Regionalliga Regionalliga Nordost: (Fast) überall Training – und viele Fragen offen

Die Regionalliga Nordost kehrt fast überall ins Fußball-Training zurück – dennoch bleibt ein Flickenteppich. Und: Mit der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs sind die Fragen um die wirtschaftliche Zukunft der Liga nicht weniger geworden.

Spio - Story Regionalliga 6 min
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Sport im Osten So 08.11.2020 15:30Uhr 06:07 min

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Die sächsischen Fußball-Regionalligisten dürfen komplett wieder ins Training einsteigen. Das gab der Dritte der Nordost-Staffel, Chemie Leipzig, am Freitag auf seiner Facebook-Seite bekannt: "Nach Rücksprache mit den sächsischen Behörden wird nun auch Regionalliga als professionelle bzw. semi-professionelle Liga betrachtet. Somit darf unsere Erste trainieren und am Spielbetrieb des NOFV ohne Zuschauer teilnehmen", so die Leutzscher auf ihrem Social-Media-Kanal.

Erstes Chemie-Training gleich am Freitag

Miroslav Jagatic, Alexander Bury und Max Kessler
Jagatic: "Es bleiben viele offene Fragen" Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Wie Chemie-Präsident Frank Kühne dem MDR auf Nachfrage bestätigte, hat das Sächsische Staatsministerium des Inneren die Vereine per E-Mail über die Entscheidung informiert. "Das ist ein großer Schritt", erklärte Kühne. Chemie-Trainer Miroslav Jagatic zögerte nicht lange und berief noch für Freitagabend die erste 90-minütige Trainingseinheit ein: "Ich bin froh, dass es weitergeht", so Jagatic, und ergänzte: "Aber es bleiben noch viele offene Fragen."

Sachsen: Auch Vertragsamateure dürfen jetzt trainieren

Was klar ist: In Sachsen dürfen ab sofort die Vertragsamateure von Chemie Leipzig, dem VfB Auerbach und dem Bischofswerdaer FV wieder auf den Trainingsplatz zurück. Für den Chemnitzer FC und Lok Leipzig gab es zuvor schon andere Regelungen: Die Kicker beider Klubs gelten als Profis, die Lok-Spieler sind seit Donnerstag (05.11.2020), die CFC-Kicker seit Freitag (06.11.2020) in Kurzarbeit. Das heißt auch: Sie durften bisher schon trainieren, aber nur in Kurzarbeit, also zeitlich verkürzt.

Sächsischer Flickenteppich: Training - von täglich bis gar nicht

Ganz uns gar uneinheitlich ist, wie die Vereine das Training gestalten. Chemnitzer-FC-Sprecher Steffen Wunderlich erklärte auf MDR-Nachfrage, dass sich das Team in der Kurzarbeit "in reduziertem Maße" täglich zu einer Trainingseinheit trifft. Lok-Leipzig-Trainer Almedin Civa sagte dem MDR, dass er seine Mannschaft drei Mal in der Woche zusammentrommle, "damit wir den Trainingsbetrieb und die Fitness der Spieler aufrechterhalten".

Almedin Civa (Trainer und Sportlicher Leiter Lok Leipzig) (Mitte) gibt an einem Klemmbrett taktische Anweisungen an seine Spieler während einer Trinkpause im Spiel Eilenburg gegen Lok Leipzig (08.08.2020).
Civa: "Trainingsbetrieb und fitness aufrechterhalten" Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Unklar bleibt noch, wie oft Chemie künftig trainieren werde. BSG-Coach Jagatic sagte: "Ich würde gern jeden Tag mit der Mannschaft trainieren. Aber wir müssen uns auch Gedanken um die Gesundheit unserer Spieler machen. Wer haftet denn, wenn sich ein Spieler infiziert und dann nicht zur Arbeit kann?" Und in Bischofswerda ist wegen der hohen Corona-Infektionszahlen im Landkreis vorerst gar nicht an ein Training zu denken. "Wir haben im Kreis Bautzen ja deutschlandweit mit die höchsten Zahlen. Ich kann nicht sagen, wann wir wieder einsteigen", so BFV-Trainer Erik Schmidt.

Thüringen: Jena will am 9.11. trainieren …

Signale für eine baldige Rückkehr ins Training gibt es unterdessen aus Thüringen: Drittliga-Absteiger Carl Zeiss Jena verkündete auf seiner Homepage, dass das Regionalliga-Team ab Montag (9.11.2020) wieder gemeinsam dem Ball nachjagen will. "Möglich wird dies durch die von Thüringens Sportminister Helmut Holter für den Sport angekündigten Lockerungen in den geltenden Corona-Verordnungen", heißt es auf der FCC-Website: "Demnach will der Freistaat die den Berufssport betreffenden Regelungen an die bereits in anderen Bundesländern geltenden Verordnungslagen für Regionalligavereine angleichen."

Torjubel Jena nach dem Tor zum 1:1 Ausgleich durch Pasqual Verkamp, hier mit Matti Langer und Rene Eckardt
Jena will Montag zurück ins Training. Bildrechte: imago images/Karina Hessland

… Meuselwitz peilt 16.11. an

Jenas Thüringer Regionalliga-Konkurrent ZFC Meuselwitz teilte auf seiner Homepage mit, dass man von einem Trainingsstart zum 16. November ausgehe. Der Verein rechne damit, dass die Kurzarbeit seiner Kicker am 15. November ende. Zudem endet am 15. November die Quarantäne für die 13 Spieler, die in der Vorwoche beim 1:1 gegen den BFC Dynamo auf dem Platz standen. Nach der Partie war die Corona-Infektion eines Berliner Spielers bekannt geworden, weshalb für die am Spiel beteiligten ZFC-Kicker durch das Gesundheitsamt häusliche Isolation angeordnet wurde.

Die Tribüne der Bluechip-Arena in Meuselwitz
Die Arena auf der Glaserkuppe in Meuselwitz bleibt bis 16.11. zu. Bildrechte: imago images/Picture Point

Sachsen-Anhalt: Geschlossenes Stadion in Halberstadt

Beim einzigen Regionalligisten aus Sachsen-Anhalt, Germania Halberstadt, "warten wir noch auf das 'Go' der Landespolitik", wie VfB-Präsident Erik Hartmann dem MDR erklärte. "Wir haben mit dem Innenministerium gesprochen. Nach den Statuten fallen wir noch unter den Amateurstatus. Die Problematik ist im Innenministerium bekannt. Jetzt wird an einer ergänzenden Verordnung gearbeitet, mit der wir dann vielleicht Mitte November wieder trainieren dürfen." Sehr viel Konjunktiv findet sich da in den Aussagen des Germania-Präsidenten, der leicht verärgert ergänzt: "Das Schlimmste ist ein Flickenteppich, dass die einen trainieren dürfen und wir nicht. Wir wollen Gleichberechtigung, wir haben einen harten Wettbewerb vor uns." Da auch für die Berliner und Brandenburger Regionalligisten die Signale auf Rückkehr ins Fußball-Training stehen, sind die abstiegsbedrohten Halberstädter derzeit der einzige Nordost-Regionalligist ohne Trainingsperspektive.

Mannschaft von Germania Halberstadt
Noch keine Trainingsaaussichten in Halberstadt. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Verhaltene Freude und große Unsicherheit

Die Freude über die Rückkehr ins Training kann aber nur oberflächlich die Unsicherheit über die Zukunft der Viertligisten überstrahlen, wenn es im nächsten Schritt um den vom Nordostdeutschen Fußball-Verband angepeilten Restart der Regionalliga Ende November geht. Sowohl in wirtschaftlichen Fragen wie in Fragen des Gesundheitsschutzes. "Ich möchte sofort loslegen, aber immer mit der klaren Vernunft, niemanden zu gefährden", sagt Chemie-Trainer Jagatic und fordert einheitliche Corona-Tests für die Spieler sowie die Rückkehr der Zuschauer. "Bei unseren Spielen hat sich nachweislich kein Fan infiziert. Unser Hygienekonzept funktioniert."

Lok-Präsident Löwe: "Kann Eile nicht verstehen"

Zustimmung und Widerspruch für Jagatics Aussagen kommen vom Leipziger Lokalrivalen Lok Leipzig. "Ich wüsste nicht, warum wir vor einem leeren Stadion spielen sollten", sagte Lok-Präsident Thomas Löwe dem MDR. "Als einer von ganz wenigen Vereinen haben wir deutlich gemacht, dass Geisterspiele überhaupt keine Option sind." Von einem baldigen Regionalliga-Restart hält Löwe wenig: "Ich sehe keinen großen Sinn darin, noch in diesem Jahr zu spielen. Ich kann die Eile nicht verstehen." Schaue man sich nur die aktuellen Corona-Infektionen bei den Regionalliga-Klubs an, so würde deutlich, dass auch ohne Zuschauer bis zum Ende des Jahres kaum ein Spieltag geordnet über die Bühne gehen würde.

Thomas Löwe
Lok-Präsident Löwe: "Geisterspiele sind keine Option." Bildrechte: imago images/Picture Point

"Wenn es Millionen-Förderpakete in NRW gibt …"

In Fragen des wirtschaftlichen Überlebens schauen die ostdeutschen Regionalligisten etwas verwundert und neidische Richtung Westen: Die Regionalliga West kann unter anderem auch dank eines 15-Millionen-Euro-Hilfspakets aus der Staatskanzlei in Nordrhein-Westfalen fortgeführt werden. "Wir als kleiner Verein haben Einbußen im sechsstelligen Bereich", sagt Halberstadts Boss Hartmann. "Wenn es solche Millionen-Förderpakete in NRW gibt, dann muss es so etwas auch im Osten geben. Nicht nur für die Regionalliga, für den gesamten Amateursport." Auch Lok-Präsident Löwe weiß: "Über eine ähnliche Finanzspritze wie im Westen würde sich der Osten sehr freuen. Sonst geht die Schere zwischen Fußball-Ost und -West noch weiter auseinander."

Politik schließt Finanzhilfe nicht aus

Immerhin: Aus der Thüringer Landespolitik schloss Sportminister Helmut Holter eine finanzielle Unterstützung nicht kategorisch aus. Im MDR sagte der Linken-Politiker am Donnerstag (5.11.2020), über eine mögliche finanzielle Unterstützung der Vereine von Seiten der Länder sei "bisher in keinster Weise" geredet worden, "weder für den Sport noch für andere Bereiche". Ob ein "weiteres Sondervermögen aufgelegt" werde, das "liegt in der Hand der Parlamentarier", so Holter.

Interview 1 min
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Thüringens Bildungs- und Sportminister Helmut Holter 4 min
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 08. November 2020 | 15:30 Uhr

2 Kommentare

Darozinho vor 10 Wochen

Ich schliesse mich dem LOK-Präsidenten Thomas Löwe voll und ganz an. Der Fussball ist für die Fans, sonst hat das keinen Sinn. Warum soll man, auf Teufel komm raus, in leeren Stadien spielen? Nur, um das Pensum abzuspulen??? Es wird ja sowieso jedes zweite Spiel wegen Coronafällen beim Gegner abgesagt.

66BB1966RWE vor 10 Wochen

So ein Müll. Fangt an, dann kommen Coronafälle in und dann ist wieder Schluß. Wer glaubt denn, das ohne Länderhilfe , wie in der Regionalliga West hier was geht ? Die Einnahmen durch Zuschauer reichen hinten und vorne nicht , zumal bei diesen Fallzahlen eh keine Zuschauer Stadion gehen, bzw. dürfen. Und die vielbeschworene Solidarität können sie sich auch sonst wohin schmieren. Die gibts nämlich im Osten nur bei Romantikern längst vergangener Oberligazeiten. Seid mal ehrlich zu euch selbst.