Fußball | Regionalliga Nach Erfurt-Aus: Insolvenzverwalter kritisiert und schlägt Alarm

Nach dem Aus der Regionalliga-Mannschaft von Rot-Weiß Erfurt steht Insolvenzverwalter Volker Reinhardt weiter unter Druck und in der Öffentlichkeit als Schwarzer Peter dar. Zurecht? Reinhardt, der es nicht geschafft hat, den Verein zu retten, sieht das im Interview mit "Sport im Osten" anders und wehrt sich gegen die Kritik.

Für Reinhardt trägt Hauptinvestor Andreas Scheibe den überwiegenden Anteil am Aus der Regionalliga-Mannschaft. "Herr Scheibe kommt aus dem Immobilienbereich, es war sein Ansinnen mit der Stadt Erfurt Immobiliengeschäfte zu machen. Unter diesem Vorbehalt hat er sicherlich die Beteiligung bei RW Erfurt erworben. Das ergibt sich aus den Verträgen. Ganz offenkundig hatte er kein Interesse, den Verein zu sanieren, sondern hat es eher als Begleiterscheinung für seine Geschäfte angesehen", erhebt Reinhardt am Freitag (31.01.2020) im MDR-Exklusiv-Interview schwere Vorwürfe.

Reinhardt: Scheibe verfolgte nur eigene Interessen

Mit seinem Einstieg bei RWE habe Andreas Scheibe nur eigene Interessen verfolgt, wiederholt Reinhardt und spielt dabei auf das geplante Einsteigen von Scheibe in Sachen Westtribüne an. Die Stadt Erfurt sprach bisher immer nur von einem Investor, mit dem "über den Abriss und Neubau der Stadion-Westtribüne" verhandelt wird. Auf Anfrage von "Sport im Osten" bestätigte die Stadt jetzt, dass es sich bei dem Investor um die Andreas Scheibe, den Geschäftsführer der Immobilienfirma A.S.G.V, handelt. Ein mögliches Modell war der Abriss und Hotelneubau der baufälligen Tribüne.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt 16 min
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Fr 31.01.2020 16:55Uhr 16:04 min

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Marken- und Namensrechte als Zünglein an der Waage?

Zudem wollte Scheibe laut Reinhardt die Marken- und Namensrechte des Vereins auf sich übertragen und bot dafür keinen Kaufpreis an. "Dem habe ich mich natürlich widersetzt", so Reinhardt. Scheibe zog daraufhin die Reißleine und blockierte weitere Zahlungen. Scheibe habe den Verein über die Klinge springen lassen, als er gemerkt hat, dass seine Vorstellungen nicht umgesetzt werden, wirft dem Investor Reinhardt vor.

Scheibe-Anwalt reagiert nicht

Christian Zoller, Anwalt des Hauptinvestors, hatte am 16. Januar auf MDR-Nachfrage schriftlich erklärt, dass die Investoren die "vertraglich geschuldeten Leistungen" erbracht haben. Seitdem hatte der MDR mehrfach versucht, mit Zoller ins Gespräch zu kommen, zuletzt am Donnerstag. Es gab keine Reaktion.

Reinhardt: Einstellung von Bornemann ein Fehler

Reinhardt versucht, die Schuld am Aus der Profimannschaft von sich zu weisen. Das funktioniert nur bedingt. Schließlich sollte er den Verein retten. Doch statt der Rettung ist der Traditionsverein jetzt von der Regionalliga-Bildfläche verschwunden. Ein Grund dafür war ein viel zu hoher Etat - und plötzlich war das Geld alle. Im Interview monierte er fehlende Unterstützung und schob den Schwarzen Peter beim Budget Sportdirektor Oliver Bornemann zu. Seine Einstellung sei "sicher keine kluge Entscheidung" gewesen. Bisher wollte Reinhardt nie näher darauf eingehen. Jetzt erklärte er, dass Bornemann angeblich ein klares Budget vorgegeben bekommen habe, "allerdings mussten wir feststellen, dass das Budget weit überzogen worden ist. Als wir das festgestellt haben, war es leider zu spät."

Finanzierung des NLZ nicht gesichert

Die Konzentration liege jetzt auf dem Nachwuchsleistungszentrum. Damit der Spielbtrieb bis zum Saisonende weirergehen kann, ist dringend frisches Geld nötig. "Wir brauchen neue Spender, die helfen, den Nachwuchsbereich zu retten, denn die vorhandenen Mittel reichen nicht, um das Leistungszentrum bis zum Saisonende aufrechtzuerhalten, machte Reinhardt klar.

Trainer Krüger will bleiben

Gespielt werden soll in der kommenden Saison in der Oberliga Süd. Ein entsprechender Antrag ist beim NOFV eingegangen. Zumindest in Sachen Trainer scheint RWE keine Baustelle zu haben. Coach Robin Krüger besaß noch keinen Profivertrag, sondern nur einen als U19-Trainer. Er kann sich vorstellen, in Erfurt zu bleiben und die zukünftige Oberliga-Mannschaft zu trainieren.

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Fr 31.01.2020 16:46Uhr 04:52 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 01. Februar 2020 | 16:00 Uhr

22 Kommentare

wicky 67 uncut vor 42 Wochen

Den Eindruck habe ich auch. So kann eigentlich wahrhaftig nur einer schreiben, wenn er von sich selber schreibt! Meine Meinung dazu ist, gerade weil es immerhin um RWE geht, sollte der IV so schnell wie möglich seinen Hut nehmen! Schlimm, daß es in unseren Reihen immernoch solche blauäugigen Leute gibt, die sich von den Schönrednerein eines Herrn Reinhardt einlullen lassen! Für was sollen wir Herrn Reinhardt denn danken?? Er stellt sich jetzt so hin, als hätte er von den meisten Dingen nichts gewusst, sei nicht hinreichend über veles informiert worden, hätte in vielen Angelegenheiten in denen er sich nicht so auskannte, die notwendige Unterstützung vermisst usw.. Wenn er sich selbst schon indirekt in diesem Interview in Frage stellt, dann hätte er das Amt als IV doch auch von vorne herein ablehnen können! Die Angestellten von RWE hätten dort bis zur Rente arbeiten können, wenn er nur seinen Job richtig beherrscht hätte! Nun sind wieder mal nur wieder alle anderen Schuld, nur er nicht!

Fussballfan048 vor 42 Wochen

Nein, bin ich natürlich nicht. Ich finde eben, man sollte hier die Kirche mal im Dorfe lassen. Hier wird eine Person für das Scheitern der Sanierung des RWE an den Pranger gestellt, der es aus meiner Sicht nicht verdient hat.
Aber hey, es ist eben immer sehr einfach, drauflos zu schimpfen, ohne zu wissen, was wirklich dazu geführt hat. Der IV hat es in dem Interview anklingen lassen, wo die Probleme lagen und die kann man ihm einfach nicht anlasten. Nun gilt es, das NLZ zu stützen und einen guten Start in der Oberliga hinzulegen. Da muss das Augenmerk liegen. Und auch hier braucht der Verein und nicht zuletzt der Insolvenzverwalter Hilfe. Das Thema Spenden für das NLZ hat er schon angesprochen - das schafft er nicht allein. Also müssen wir Fans hier zusammenstehen. Anders geht es nun mal nicht. Vielleicht kommt er ja mal aus der Deckung, wie konkret der Verein und das NLZ gestützt werden können. Das wünsche ich mir von dem Insolvenzverwalter für die kommenden Tage und Wochen.

Fussballfan048 vor 42 Wochen

Das sehe ich anders. Er hat es doch auch nachvollziehbar dargelegt, welche Situation er 2018 bei RWE vorgefunden hat. Ich halte ihn für absolut glaubwürdig und danke ihm für den Versuch, RWE zu retten. Immerhin hat er RWE und damit auch die Arbeitsplätze fast 2 Jahre aufrecht erhalten. Mit Sponsoren und Massedarlehen hat er fast 2 Jahre die Arbeitsplätze erhalten, es standen viele Leute dank ihm noch in Lohn und Brot. Meinen Respekt hat er dafür!
Für viele ist es leicht, auf den Insolvenzverwalter zu schimpfen, wissen aber gar nicht, wie ein Insolvenzverfahren funktioniert. Es gab hier einen Gläubigerausschuss, an dessen Entscheidungen auch der IV gebunden ist.
Die Beleidigungen gegen den Verwalter sind absolut fehl am Platze - sind denn die Meckerköpfe an den Insolvenzverwalter herangetreten und haben Investoren vorgestellt? Wohl eher nicht.
Wir sollten den IV besser unterstützen, anstelle nur zu schimpfen - es geht um immerhin um RWE!