Fußball | Regionalliga Rot-Weiß Erfurt muss Spielbetrieb einstellen

Das Aus für die 1. Mannschaft von Fußball-Regionalligist RW Erfurt ist besiegelt. Insolvenzverwalter Reinhardt gab am Mittwoch die Einstellung des Spielbetriebs bekannt. Die Investorensuche war ohne Erfolg geblieben.

Steigerwaldstadion in Erfurt
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Der FC Rot-Weiß Erfurt muss den Spielbetrieb in der Fußball-Regionalliga Nordost einstellen. Die seit dem Wochenende laufenden Verhandlungen mit einem neuen möglichen Investor blieben erfolglos. Das teilte der Klub am Mittwochnachmittag mit.

Am Mittwochnachmittag war Deadline

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt
Insolvenzverwalter Volker Reinhardt Bildrechte: imago/Bild13

Bis zuletzt habe Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Volker Reinhardt parallel mit mehreren Investoren verhandelt, die Interesse an einem Einstieg geäußert hatten. Reinhardt und die Spieler hatten einvernehmlich beschlossen, dass bis Mittwochnachmittag die Entscheidung fallen müsse. "Die Spieler der Mannschaft haben große Geduld bewiesen. Die meisten von ihnen wollten bleiben und haben bis heute abgewartet. Sie müssen jetzt noch vor Ende der Transferperiode die Möglichkeit zu einem Vereinswechsel bekommen", erklärte Reinhardt, "ich danke allen Spielern, dass sie diese auch für sie belastende Situation solidarisch mitgetragen haben und wünsche ihnen allen eine erfolgreiche sportliche Zukunft."

VDV: Kein Spielerwechsel nach dem 31. Januar mehr

Nach Auskunft der Fußballer-Gewerkschaft VDV (Vereinigung der Vertragsfußballspieler) dürfen Spieler nach dem 31. Januar, unabhängig davon, ob sie noch einen Vertrag haben oder keinen, nicht mehr wechseln. "Wir stehen mit unseren Mitgliedern in Erfurt in Kontakt und versuchen, den Jungs in dieser schwierigen Situation bestmöglich zu helfen", teilte die VdV mit. Bereits zu Beginn der Woche hatten Morten Rüdiger (Lübeck), Rico Gladrow (Cottbus), Kapitän Lukas Novy (unbekannt) und Selim Aydemir (Menemenspor) den Klub verlassen.

Punktspiele werden annulliert

Mit dieser Entscheidung steht der Abstieg der ersten Mannschaft in die Oberliga fest. Die bisher absolvierten Spiele werden annulliert. Die Tabelle wird entsprechend korrigiert.

Verband: RWE-Aus im Pokal - Fortsetzung offen

Noch unklar ist die Lage im Thüringenpokal, wo RWE ins Halbfinale eingezogen war. Der Klub ist auf jeden Fall nicht mehr dabei. Wie es im Wettbewerb weitergeht, wird laut Thüringer Fußball-Verband in den nächsten Tagen entschieden. Das könne eventuell auch erst nach der Auslosung, die im Rahmen der Endrunde des Köstritzer-Hallenpokals am Sonntag (02.02.20) gegen 16:30 Uhr in Apolda geschieht - hier zieht der mehrmalige Bob-Olympiasieger Wolfgang Hoppe die Paarungen - der Fall sein.

Sven Wenzel vom Fußballverband hatte zuvor von einem Präzedenzfall und einer Einzelfallentscheidung gesprochen. Seit Einführung des Thüringenpokals 1990/1991 habe es das noch nicht gegeben. Eine entsprechende Regelung gäbe es im Verbandsrecht nicht. RWE gewann den Thüringenpokal insgesamt zehn Mal, zuletzt 2017.

Thüringenpokal
Das Halbfinale im Thüringenpokal muss noch ausgelost werden: Neben Erfurt stehen Wacker Nordhausen, CZ Jena und der FSV Martinroda in der Runde der letzten Vier. Bildrechte: IMAGO

Neuaufbau in der Oberliga

Clemens Fritz am Ball
Nationalspieler Clemens Fritz Bildrechte: IMAGO

Der Verein RW Erfurt an sich besteht weiter, muss sich aber neu ausrichten. Reinhardt sagte: "Jetzt sind die Vereinsgremien und Vereinsmitglieder gefordert, sich auf die Aufrechterhaltung des Nachwuchsbereichs zu konzentrieren." Aus dem gingen Nationalspieler wie Champions-League-Sieger Thomas Linke, Clemens Fritz und Marco Engelhardt hervor.Da Erfurt über keine zweite Mannschaft verfügt, steht ein völliger Neuaufbau in der fünfthöchsten Spielklasse bevor - die rot-weiße U19 als älteste Nachwuchsmannschaft ist Tabellensiebter in der Regionalliga.

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein sagte: "Das Wunder, auf das ich und wohl alle RWE-Fans gehofft haben, ist leider ausgeblieben. Der Traditionsverein bleibt bestehen, das ist das Positive an der Situation. Hier ist ein unbelasteter Neuanfang nötig".

Damit kann auch das Heimspiel am kommenden Samstag gegen Tabellenführer Energie Cottbus nicht ausgetragen werden. Zum Bedauern von Cottbus-Präsident Matthias Auth: "Der FC Rot-Weiß Erfurt ist ein Traditionsverein im Osten, verkörpert für seine zahlreichen und leidenschaftlichen Fans seit 54 Jahren Identifikation und Stolz. Das sollte nicht so zu Ende gehen." Die Fans des FC Rot-Weiß Erfurt bittet Insolvenzverwalter Reinhardt um Verständnis.

Trainer Robin Krüger, daneben Pierre Becken und Rico Gladrow (Erfurt)
Trainer Robin Krüger (Mi.) mit Pierre Becken (li.) und Rico Gladrow Bildrechte: Karina Heßland-Wissel

Emotionales Auf und Ab

In den vergangenen Tagen hatte es ein emotionales Auf und Ab in Erfurt gegeben. Am Freitag hatte Reinhardt zunächst angekündigt, die Mannschaft am Montag vom Spielbetrieb abmelden zu wollen. Zuvor hatte der Klub die Dezember-Gehälter nicht zahlen können, weil ein Investor Zahlungen nicht geleistet hatte. Auch Gespräche mit neuen Geldgebern waren erfolglos verlaufen.

Nur zwei Tage später keimte Hoffnung auf. Reinhardt teilte am Sonntag überraschend mit, dass Gespräche mit einem Investor vielversprechend gelaufen seien und bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet worden war. Diese Hoffnung erfüllte sich am Ende nicht.

Traditionsverein des Ostens

Rot-Weiß Erfurt gehört zu den großen Ost-Vereinen. Vorgängerverein Turbine Erfurt gewann 1954 und 1955 die DDR-Meisterschaft. Nach der Gründung als reiner Fußballclub 1966 mit dem Namen FC RW Erfurt gehörte zum Inventar der DDR-Oberliga. die beste Platzierung gelang ausgerechnet in der letzten DDR-Oberliga-Saison 1990/1991. Es folgten die direkte Qualifikation für die gesamtdeutsche 2. Liga und der Einzug in den UEFA-Pokal. Dort scheiterte man in der 2. Runde an der europäischen Top-Mannschaft Ajax Amsterdam. Aus der 2. Liga stieg RWE gleich wieder ab - beim 0:5 zuhause gegen Mainz 05 erzielte Liverpools Trainer Jürgen Klopp einen Viererpack.

2008: Drittliga-Premiere und Pokal-Spektakel gegen Bayern

Danach konnte nur noch ein weiteres Jahr in der 2. Liga verbuchen. Das war 2004/2005. 2008 bestritt Erfurt gegen Dynamo Dresden das Eröffnungsspiel der neuen 3. Liga.

Wenige Tage verpasste RWE beim 3:4-Spektakel im DFB-Pokal gegen Bayern München eine Sensation. Zweimal war Albert Bunjaku erfolgreich. Für die Bayern trafen die späteren Welt-Stars Philipp Lahm, Miro Klose und Toni Kroos.

Toni Kroos (Bayern, li.) gegen Alexander Schnetzler (Erfurt)
Erfurts Alexander Schnetzler (re.) im DFB-Pokal 2008 gegen Bayern Münchens Toni Kroos Bildrechte: imago sportfotodienst

Danach wurde RWE zum "Drittliga-Dino". Zweimal reichte es zu Rang fünf. Am 14. März 2018 wurde der Insolvenzantrag eingereicht, wenige Wochen später stand der Abstieg fest. Aus dieser Lage konnte sich der Traditionsklub nicht mehr befreien.

Alle Videos zum tiefen Fall von Rot-Weiß Erfurt

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red/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 29. Januar 2020 | 19:30 Uhr

117 Kommentare

MDR-Team vor 33 Wochen

Reißen Sie sich bitte alle zusammen! Wir haben weiter oben schon mal darauf hingewiesen, dass Sie sachlich und höflich bleiben sollen. Und damit meinen wir jeden von Ihnen. Sie können Ihre unterschiedlichen Meinungen auch austauschen ohne sich gegenseitig anzugreifen. Weitere Kommentare in denen Sie sich gegenseitig persönlich angreifen werden nicht freigeschaltet.

Mara vor 33 Wochen

Voll und ganz meiner Meinung......Auch wenn wir nicht alle RWE Fan's sind,hat man das Recht seine Meinung darüber zu äußern,weil es Schade ist das es einen Ost Verein getroffen hat..
Andere werden von wicky 67 uncut angegiftet, nur unter jeden ihrer Kommentare steht mindestens 1 mal gefällt mir, wie geht das denn??....

wicky 67 uncut vor 33 Wochen

@Tomsen:
So, ein letztes mal schreibe ich jetzt noch mal an Dich, obwohl es mir eigentlich reicht! Du verdrehst hier ja all meine Beiträge so hin, das ein völlig falscher Sinn dabei entsteht. Das ist ja schrecklich! Back to Topic: Der größte Teil der Insolvenzmasse wurde bereits gleich zu Beginn des Verfahrens zu jeweils 5% an die jeweiligen Gläubiger in Bargeld ausgezahlt. Und man darf nicht zuerst, so wie Du es sagst, jedes zur Verfügung gestellte Geld sofort gleich wieder dafür einsetzen, um es den alten Gläubigern aus Rombachs Zeiten auszuzahlen! Dann ist doch die Kohle für Spielbetrieb und Löhne sofort gleich wieder weg! Solche Verfahren gehen oft über viele Jahre, um sie erfolgreich abzuschließen! Ohne eine Einnahmequelle würden diese Altlasten leider immer Bestand haben! Deshalb ist die Voraussetzung für Gewinne ein funktionierender Spielbetrieb mit entsprechenden Einnahmen! Die Gläubiger haben bis jetzt nur max 10% ihrer Gelder zurück erstattet bekommen! Nun gibt's Garnix mehr