Fußball | Regionalliga

Rot-Weiß Erfurt: Streit zwischen Insolvenzverwalter und Hauptinvestor eskaliert

Rot-Weiß Erfurt steht vor dem Ruin. Der Streit zwischen Insolvenzverwalter Volker Reinhardt und Hauptinvestor Andreas Scheibe eskaliert: Reinhardt erhebt schwere Vorwürfe gegen den Leipziger Immobilienunternehmer. Dieser wiederum stellte gemeinsam mit einem zweiten Investor Strafanzeige gegen Reinhardt. Das bestätigte die Erfurter Generalstaatsanwaltschaft dem MDR. Darüber hinaus ist die Gründung der Spielbetriebs-GmbH gescheitert.

von Peer Vorderwülbecke und Maximilian Hendel

Die Uhr läuft gegen den taumelnden Regionalligisten Rot-Weiß Erfurt. Nach den Hiobsbotschaften der Vorwoche, an deren Ende Insolvenzverwalter Volker Reinhardt die Masseunzulänglichkeit des Vereins anzeigen musste, braucht es schnellstens neues Geld. Vom bisherigen Hauptinvestor, der im letzten Herbst mit 40 Prozent eingestiegenen Leipziger "A.S.G.V. Grundbesitz und Verwaltung GmbH" unter Geschäftsführer Andreas Scheibe, wird das nicht mehr zu erwarten sein.

Nicht genügend Kapital für die Spielbetriebs-GmbH

Das Amtsgericht Jena bestätigte dem MDR am Montag (20. Januar), dass die Ausgliederung der RWE-Spielbetriebs-GmbH gescheitert ist. Grund: Das dafür notwendige Kapital war nicht vorhanden. Zwar hatte Insolvenzverwalter Reinhardt dem MDR im Oktober 2019 noch versichert, dass das Geld bereits geflossen sei.

Auch Christian Zoller, Anwalt des Hauptinvestors, bestätigte am vergangenen Donnerstag (16. Januar) auf MDR-Nachfrage schriftlich, dass die Investoren die "vertraglich geschuldeten Leistungen" erbracht haben. Jedoch reichte das Geld für die Gründung der GmbH offensichtlich nicht aus. Das bedeutet: Gibt es keine GmbH, sind die Verträge mit den Investoren hinfällig.

Finden die RWE-Verantwortlichen nicht schnellstmöglich neue Geldgeber, bliebe dem Insolvenzverwalter nach jetzigem Stand nichts anderes übrig, als den Spielbetrieb des Regionalliga-Teams unverzüglich einzustellen und die Mannschaft aufzulösen.

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Reinhardt: Gelder auch für Abbau der Verbindlichkeiten

In einer am Montagnachmittag (20. Januar) veröffentlichten Pressemitteilung betonte Insolvenzverwalter Reinhardt, dass die existenzgefährdende Lage entstanden sei, "weil der Hauptinvestor seine Zahlungsverpflichtungen nicht vertragsgemäß" erfüllt habe.

Der Hauptinvestor beklagte, dass der Insolvenzverwalter das geflossene Kapital unsachgemäß verwendet hätte. Dieser hingegen besteht darauf, "dass die eingezahlten Gelder sowohl dazu dienen, die Fortführung des Spielbetriebs abzusichern, als auch die ab dem 01. Januar 2019 entstandenen Verbindlichkeiten des RWE abzutragen." Er betonte zudem, die "Investoren stets zeitnah und transparent über die finanziellen Entwicklungen und aktuellen Zahlen" informiert zu haben. Auch den Vereinsgremien sei Einsicht in die Verträge ermöglicht worden.

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Vorwurf: Investor strebt Profit aus Marken- und Namensrechten an

Doch damit nicht genug: Reinhardt wirft Hauptinvestor Scheibe ebenso vor, die Übertragung der Marken- und Namensrechte des Traditionsklubs auf sich selbst vorangetrieben zu haben, um zukünftig daraus persönlichen Profit zu schlagen.

Interesse an der Sanierung des Vereins hat er nicht, was sich durch die jetzt verweigerten Zahlungen beweist.

RWE-Insolvenzverwalter Volker Reinhardt über Hauptinvestor Andreas Scheibe

Erst nach dem Scheitern dieses Anliegens habe die "A.S.G.V." dann "über Dritte" ihren Rückzug verkündet, so der Insolvenzverwalter und kritisierte Scheibe scharf: "Interesse an der Sanierung des Vereins hat er dagegen nicht, was sich durch die jetzt verweigerten Zahlungen beweist."

Zwei Investoren stellen Strafanzeige gegen Reinhardt

Die Investoren Andreas Scheibe und Torsten Pfeifer (Millhouse Capital GmbH, 7 Prozent Anteile) wiederum haben Strafanzeige und Strafantrag gegen Volker Reinhardt gestellt. Das bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft in Erfurt am Montag (20. Januar) dem MDR. Sprecher Sebastian Günttert sprach von "breitgefächerten Vorwürfen".

Man prüfe nun die "strafrechtliche Verantwortung des Insolvenzverwalters". Dies wird mindestens zwei Wochen dauern. Erst danach entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob die Vorwürfe der Investoren gerechtfertigt sind und wirklich ein Ermittlungsverfahren gegen Reinhardt eingeleitet wird.

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Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 25. Januar 2020 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 17:32 Uhr

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