Fußball | Regionalliga RW Erfurt: Wer sind die neuen Investoren?

Nach eineinhalb Jahren kommt Bewegung in das Insolvenzverfahren beim Fußball-Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt. Für die ausgegliederte Spielbetriebs-GmbH sind Investoren gefunden worden, die insgesamt 62 Prozent der Anteile gekauft haben. Über die genaue Höhe der Investments wurde Stillschweigen vereinbart.

von Peer Vorderwülbecke

Volker Reinhardt (Insolvenzverwalter FC Rot-Weiß Erfurt)
Bildrechte: imago images / Karina Hessland

RWE-Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat nur bekannt gegeben, dass das Stammkapital der RWE-Spielbetriebs GmbH auf eine Million Euro erhöht worden ist. Daraus kann man aber nicht schließen, dass für die 62 Prozent der Anteile auch 620.000 Euro gezahlt worden sind. Reinhardt bestätigte, dass diese 620.000 Euro mit einem Faktor multipliziert worden sind. Zum Vergleich: Auch der Chemnitzer FC hat seine Spielbetriebs-GmbH in der Regionalliga mit einem Stammkapital von einer Million Euro gegründet, die Anteile dann aber für zehn mal soviel verkauft. "Ein Faktor von zehn ist natürlich schwer darstellbar", reagiert Reinhardt auf den Chemnitz-Vergleich und weist im selben Atemzug darauf hin, dass beim CFC ja auch erst 11% der Anteile verkauft worden sind. Das kann man wohl als Fingerzeig verstehen, dass die 62 Prozent der Anteile in Erfurt deutlich günstiger zu haben gewesen sind als in Chemnitz.  Der genaue Kaufpreis bleibt aber ein Geheimnis. Und auch die Käufer der GmbH-Anteile geben sich öffentlichkeitsscheu. 

Volker Reinhardt (Insolvenzverwalter FC Rot-Weiß Erfurt)
Volker Reinhardt gab die Namen der Investoren bekannt, hielt sich aber mit Details bedeckt. Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Reinhardt: Geldgeber "sehr integer"


"Es war der Wunsch der Investoren in dieser Anfangsphase ganz bewusst im Hintergrund zu bleiben", sagt Volker Reinhardt. Er versichert aber, dass er die Firmen intensiv geprüft hätte und die Investoren "sehr integre Personen" seien. Die drei Geldgeber kannten sich untereinander nicht, bevor sie beim insolventen Regionalligisten eingestiegen sind. Gemeinsam haben die Firmen, dass sie alle – zumindest teilweise – im Immobiliengeschäft tätig sind.   

Volker Reinhardt (Insolvenzverwalter FC Rot-Weiß Erfurt)
Keine dubiosen Investoren - Reinhardt hält die neuen Anteilseigner für integer. Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Leipziger Immobilienverwalter erwarb 40 Prozent

Die Namen der Investoren und auch die Namen ihrer Firmen sind zwar bekannt, aber viel mehr auch nicht. Der größte Investor mit 40 Prozent ist der 55-jährige Andreas Scheibe mit seiner Leipziger Firma aus der Immobilienbranche "A.S.V.G. Grundbesitz und Verwaltung". Laut Bundesanzeiger hatte die Firma im Jahr 2017 eine Bilanzsumme von etwas über fünf Millionen Euro.

Ex-Profi Gerber als Sportdirektor?

Eine gewisse Bekanntheit in Fußballkreisen hat der 65-jährige Franz Gerber, er war 17 Jahre Profi, unter anderem bei 1860 München, dem FC St. Pauli und Hannover 96. Anschließend arbeitete er als Trainer und Sportdirektor bei verschiedenen Klubs, unter anderem auf St. Pauli und bei Jahn Regensburg. Mit seiner "Franz Gerber Reha und Sportagentur" hat er 15 Prozent der RWE Fußball-GmbH erworben. Es halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass er bald die Position des Sportdirektors in Erfurt übernehmen könnte. Sein Amt als Sportdirektor bei Südwest-Regionalligist FC Gießen hat er niedergelegt und wird bei den Hessen nur noch als Berater tätig sein.

Franz Gerber
Franz Gerber Bildrechte: imago/Eibner

Thüringer Pfeifer mit sieben Prozent

Der dritte Investor, mit einem Anteil von sieben Prozent, ist der Thüringer Torsten Pfeifer. Er hat für Banken in Deutschland, England und Hongkong gearbeitet. Jetzt ist er Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der "Treuenburg Group", die nach eigenen Angaben Immobilien im Wert von über 100 Millionen Euro verwaltet. Für das Engagement bei Rot-Weiß Erfurt hat Pfeifer aber offensichtlich eine neue GmbH gegründet: die "Millhouse Capital" existiert erst seit Anfang September.  

Kein Verstoß gegen "50+1"

In der Summe haben die drei Investoren also 62 Prozent der RWE-Spielbetriebs GmbH erworben, der Verein hält entsprechend 38 Prozent. Ist das nicht ein klarer Verstoß gegen die "50+1 Regel?? Nein, sagt Reinhardt: "Diese '50+1 Regelung' bezieht sich nicht auf die Kapitalanteile, sondern auf die Stimmrechte." Und von diesen Stimmrechten haben die Investoren nur 49 Prozent. So stehe es auch in der Satzung und der NOFV habe auch schon grünes Licht gegeben, so Reinhardt. 

Volker Reinhardt (Insolvenzverwalter FC Rot-Weiß Erfurt)
Volker Reinhardt (re.) und RWE-Trainer Thomas Brdaric Bildrechte: imago images / Karina Hessland

38 Prozent offenbar fremdfinanziert

Wer sich etwas genauer im Insolvenzrecht auskennt, fragt sich vielleicht, wie der insolvente Verein 38 Prozent der Stimmrechte, die 380.000 Euro wert sind, finanzieren kann? Auch hier wollte Reinhardt keine exakte Auskunft geben, nur soviel sagt er: "Das Geld für die 38 Prozent stammt nicht aus der Insolvenzmasse." Demnach müssen die RWE-Anteile fremdfinanziert worden sein.   

Kurzfristig kein Angriff auf die 3. Liga

Über diese Details möchte Reinhardt auch gar nicht so gerne sprechen, viel lieber weist er darauf hin, dass das Geld der Investoren bereits überwiesen ist. Damit steht es dem neuen Geschäftsführer Michael Krannich zur Verfügung. Der gibt sich aber zurückhaltend. Ihm ist wichtig, dass das Geld nicht kurzfristig "zum Fenster raus geblasen wird", sondern, dass man es nachhaltig verwende. Es müsse auch in die Infrastruktur investiert werden. Konkreter formuliert Insolvenzverwalter Reinhardt die sportlichen Ziele – die mit den Investoren abgesprochen sind. Demnach soll sich der Verein erstmal wirtschaftlich konsolidieren: "Es ist seitens der Investoren nicht geplant zur nächsten Saison den Angriff auf die dritte Liga zu starten. Aber langfristig will man natürlich dorthin."

Michael Krannich
Michael Krannich (re.) Bildrechte: imago images / Hartenfelser

Wir wollen nicht kurzfristig Geld zum Fenster rausblasen.

Michael Krannich, neuer Geschäftsführer von RW Erfurt MDR

Eher kurzfristig würde Reinhardt gerne die restlichen 38 Prozent der Spielbetriebs-GmbH verkaufen. Auch wenn das gelänge, werde das Insolvenzverfahren wohl noch zwei Jahre dauern, schätzt Reinhardt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 19. Oktober 2019 | 09:43 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 10:54 Uhr

3 Kommentare

wicky 67 uncut vor 13 Wochen

Na haben Sie denn genauere Kenntnisse zu Hintergründen und Zahlen??? Denn Sie schreiben so geheimnisvoll in Rätseln, als wüssten Sie in Wahrheit mehr zu diesem Thema... Wenn ja, dann seien Sie doch bitte so freundlich und klären uns ein wenig dazu auf. Denn wir sind nämlich alle mehr als nur neugierig, was um diese ominösen Geldgeber tatsächlich so Sache ist!!!....... (?????????)

wicky 67 uncut vor 13 Wochen

Also wenn man sich das alles so durchliest, stellen sich zwangsläufig Fragen über Fragen! Denn so richtig wasserdicht & vertrauenswürdig liest sich das für uns als Fans ganz & garnicht! 3Investoren die einander garnicht kennen bzw zuvor nie einen Draht zum RWE hatten!? Und wenn ich lese, daß die obendrein alle tief mit Immobilien-Geschäften ihr Geld ,,verdienen", dann riecht das nicht unbedingt nach viel Seriösität.. Auch wundert mich, warum sich Herr Reinhardt über ein Jahr Zeit genommen hat, um eben explizit nur solche Investoren an Land zu ziehen, welche den Hauptanteil ihrer Einnahmen durch Immobilien-Verwaltung kassieren.. Einen seriös wirtschaftenden Konzern hätte ich persönlich viel lieber als ehrlichen Investor für RWE gesehen! Vor allem eben auch einen, welcher sich auf Grund des Bezuges zum Verein als Investor entschieden hätte! Scheinbar geht es dem IV aber wohl doch darum, die Insolvenz nicht schon vorzeitig beenden zu wollen! Na hoffentlich gibt das keine Schlammschlacht..

Altmeister vor 14 Wochen

Wenn sich da mal nicht jemand Gesundstoßen möchte, dieser Verein ist für ein Cent weggegangen!

Schöne Grüße aus Stuttgart