Fußball | Aufstiegsspiele 3. Liga SC Verl gegen Lok Leipzig am DFB-Hygiene-Konzept vorbei?

Bahnt sich hier eine Absurdität in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga an? Während Lok in Kleingruppen trainieren muss, darf Gegner Verl schon mit 30 Spielern im Vollkontakt trainieren. Während Lok auf Corona testet, zweifelt Verl diese Tests beim DFB nun an. Kippt der Verband das Hygiene-Konzept für die Aufstiegsspiele?

Proben für Corona-Tests werden im Diagnosticum-Labor in Plauen für die weitere Untersuchung vorbereitet.
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West-Regionalligist SC Verl muss sich in den Aufstiegsspielen um den Drittliga-Aufstieg gegen Lok Leipzig möglicherweise nicht an das Hygiene-Konzept des Deutschen Fußball-Bundes halten.

Verl darf mit 30 Spielern trainieren

Wie Raimund Bertels, Sportlicher Leiter des SC Verl, am Freitagmorgen im "Sport im Osten"-Talk sagte, lassen die Ostwestfalen prüfen, ob sie die Festlegungen des Hygiene-Konzeptes u.a. mit regelmäßigen Corona-Tests halten müssen. Grund hierfür ist eine deutliche Lockerung der Corona-Einschränkungen im Bundesland Nordrhein-Westfalen. "Wir dürfen seit heute mit 30 Spielern trainieren. Zudem treten weitere Lockerungen in Kraft. Wir hinterfragen, ob Tests überhaupt nötig sein müssen", sagt Bertels. Daher erhoffe man sich, dass der DFB auf die Einhaltung des Hygiene-Konzeptes verzichtet.

Bertels: "Es wäre skurril"

Bertels erklärt: "Ein Test kostet 100 Euro, etwa 30 Leute müssen alle drei Tage getestet werden. Dann kommt noch das Quarantäne-Hotel dazu. Da ist man schnell bei einer hohen fünfstelligen Summe. Das ist für  Viertligisten kaum umsetzbar." Eine Entscheidung des DFB wird noch für Freitag erwartet. "Es wäre skurril, wenn wir mit 30 Leuten trainieren dürfen und dann aber das Hygienekonzept einhalten müssen", so Bertels. Das Einhalten des Hygienekonzeptes würde bedeuten, dass Verl erst dann ins Kontakttraining einsteigen darf, wenn zwei Corona-Tests in der Mannschaft negativ gewesen sind.

Lok Leipzig: Erste Tests in dieser Woche

Ebenfalls skurril: Die Spieler von Lok haben in den vergangenen Tagen nur in Kleingruppen trainiert. Eine erste Corona-Testreihe wurde in dieser Woche bereits durchgeführt, die Ergebnisse waren allesamt negativ. Erst nach einer zweiten Testreihe darf Lok dem DFB-Konzept entsprechend ins Mannschaftstraining einsteigen.

Verl rückt für Rödinghausen nach

Verl ist in der Regionalliga West Zweiter hinter Rödinghausen. Da diese jedoch keine Lizenz für die dritte Liga beantragt haben, soll der SCV nachrücken und steht als Gegner von Lok Leipzig in den Aufstiegsspielen so gut wie fest. Andere Varianten, den Teilnehmer an den Aufstiegsspielen zu ermitteln, wurden vom Westdeutschen Fußballverband (WDFV) bei einer internen Abstimmung abgelehnt. Offiziell wird Verl aber erst auf dem WDFV-Verbandstag am 20. Juni bestimmt. Die Aufstiegspiele sind für den 25./30. Juni terminiert.

"Wir kommen aus dem Nichts"

Dass es überhaupt zu den Aufstiegsspielen gegen Lok kommt, sieht Bertels kritisch. Seine Mannschaft habe wochenlang nicht trainieren können und müsse sich jetzt auf zwei Spiele mit Kaltstart vorbereiten. "Die Nervosität ist groß. Wir kommen aus dem Nichts. Die Relegation tut jedem Gegner enorm weh." Wegen der besonderen Situation hätte er sich gewünscht, dass in diesem Jahr alle Regionalliga-Meister direkt aufsteigen und die 3. Liga für ein Jahr auf 21. Teams aufgestockt wird.

Lok vs. Verl - Aufeinandertreffen von zwei Philosophien

Sportlich sieht Bertels im Duell Verl gegen Lok das Aufeinandertreffen von zwei Philosophien: "Unser Gegner kommt mehr über den Willen. Sie spielen Fußball, um dem Gegner das Leben schwer zu machen. Wir spielen nach vorn, laufen den Gegner an und wollen das Spiel machen."

Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR+ | Sport im Osten-Talk | 12. Juni 2020 | 09:00 Uhr

16 Kommentare

Strafrechts-Profit-eur vor 2 Wochen

Bei dem Verein sind die Leute, die vorher bei Lok spielten, schon bei Lok tätig waren oder seit jahrzehnten vorher Fan waren.
Da steht nicht nur Lok dran. Da ist auch Lok drin.

Lok vor 3 Wochen

ChiLLi, treuer Begleiter aus dem Leutzscher Unterholz, da traust Du als eingefleischter Chemiker der Lok ja mehr zu als wir Lok-Fans selbst. Bin gespannt, was ChiLi Palmer dazu sagen wird, der echte Lokfan hier.

Thommi Tulpe vor 3 Wochen

Genau. Und noch ist nicht sicher, ob Verl ins Aufstiegsrennen geschickt wird. Die Lage in der RL West ist ähnlich der, wie sie in der RL Nordost war: In der West-Staffel versuchen auch noch Rot-Weiß Oberhausen und Rot-Weiß Essen zu verhindern, dass Verl "einfach so" ins Aufstiegsrennen geschickt wird. Dieser Widerstand ist dem vergleichbar wie der in der Nordost-Staffel, als Altglienicke und Cottbus zunächst versuchten, eine andere Entscheidung zu erreichen.