Fußball | Regionalliga So steht es um die acht mitteldeutschen Regionalligisten

Der erste Monat der Mammutsaison in der Regionalliga Nordost neigt sich dem Ende zu – wer überzeugt, wer hadert und wo kracht es schon? Wir werfen einen Blick darauf, wie die acht mitteldeutschen Klubs aus den Startlöchern gekommen sind.

 vl: Benjamin Förster und Lukas Aigner
Unterschiedlicher hätte der Saisonstart für Benjamin Försters ZFC Meuselwitz und Lukas Aigners Chemnitzer FC nicht laufen können (Archivbild). Bildrechte: imago images/HärtelPRESS

Die Desillusionierten

Wie desillusionierend die ersten Saisonwochen für den ZFC Meuselwitz nach einem bemerkenswert ambitionierten Transfersommer der Thüringer waren, lässt sich kaum besser als an der kurzen Lunte von Hubert Wolf abbilden. "Man kommt nicht umhin, zu konstatieren, dass dort, wo andere einen Sturm haben, wir weichgespülte Waschlappen an die Leine geklammert haben", zürnte der Präsident und Mäzen des ZFC ungeduldig im Stadionheft vor dem letzten Heimspiel gegen den BFC Dynamo.

Hubert Wolf (Präsident ZFC Meuselwitz)
ZFC-Präsident Hubert Wolf. Bildrechte: IMAGO / Picture Point

"Ob das jetzt dazu was beiträgt, in so einer Phase so etwas zu schreiben, das muss der Herr Wolf selber beantworten", monierte Mittelstürmer Benjamin Förster. "Uns als Mannschaft hilft’s auf gar keinen Fall weiter. Es bringt uns nicht weiter, wenn wir uns dann selber zerfleischen."

Wolfs – nun ja – unorthodoxen Aufrüttlungsversuch hatte Förster nach seinem ersten Saisontor – dem zwischenzeitlichen 2:1 gegen den BFC – mit einem süffisanten "Waschlappen"-Jubel quittiert. Das Problem: der alles andere als überzeugend auftretende BFC gewann dennoch 3:2 auf der Glaserkuppe. Zwar zeigte sich die so gescholtene Offensivabteilung stark formverbessert, dafür sorgten einmal mehr folgenschwere Defensivaussetzer für die schon vierte Pleite in Serie. Umso wegweisender wird das anstehende Mittwochsauswärtsspiel bei noch sieglosen Rathenowern.

Benjamin Förster 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So 15.08.2021 16:37Uhr 04:29 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-zfc-meuselwitz-benjamin-foerster100.html

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Die Ernüchterten

Während Meuselwitz immerhin schon einen Sieg – das 1:0 vom ersten Spieltag gegen Lichtenberg – auf dem eigenen Konto weiß, wartet der VfB Auerbach nach den bislang noch nicht adäquat ersetzten Abgängen von Leistungsträgern wie Marcel Schlosser, Yannick Voigt, Michael Schlicht, Paul Horschig oder Alexander Morosow bei einem Spiel weniger noch gänzlich auf ein erstes Erfolgserlebnis.

Marc-Philipp Zimmermann (VfB Auerbach)
Sven Köhler (li.) muss derzeit viel Aufbauarbeit für Marc-Philipp Zimmermann und Co. leisten. Bildrechte: imago images / opokupix

Das jüngste 0:5-Debakel bei Energie Cottbus war die vierte Niederlage im vierten Spiel und vor allem: ernüchternd. VfB-Trainer Sven Köhler gestand einen "Klassenunterschied" ein. "Speziell die Art und Weise in der zweiten Hälfte macht mir Sorgen. Ich bin traurig, weil ich etwas anderes erwartet habe. Wir waren ein sehr freundlicher Gast", meinte der 55-Jährige nachdenklich. Immerhin: bis Mitte September warten nun nahezu ausschließlich Duelle mit potenziell direkten Klassenkampfkonkurrent. Den Anfang macht das Heimspiel am Mittwoch gegen Aufsteiger FC Eilenburg.

Spieler von Cottbus am Ball, zieht ab und trifft das Tor zum drei zu null. 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten Sa 14.08.2021 16:00Uhr 05:03 min

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Spieler von Cottbus am Ball, zieht ab und trifft das Tor zum drei zu null. 5 min
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Die Alternativlosen

Nach dem 1:1-Ausrufezeichen zu Saisonbeginn gegen die BSG Chemie ist der personell weiterhin arg strapazierte FC Eilenburg schnell im harten Regionalliga-Alltag angekommen. Zwei Zähler hat der FCE nach bis dato fünf Spielen gesammelt. Zuletzt durften die Nordsachsen nach Philipp Sauers zwischenzeitlichem Führungstreffer gegen Carl Zeiss Jena eine knappe Stunde lang vom dritten Punktgewinn träumen, ehe der hoch favorisierte FCC das Resultat gedreht hatte und nicht mehr hergab.

"Unsere Spieler waren platt, viele müssen jedes Spiel über die volle Distanz gehen, weil uns einfach die Alternativen fehlen. Es waren sechs Stammspieler nicht dabei", sagte FCE-Trainer Nico Knaubel nach Abpfiff und betonte: "Ich will aber nicht jammern. Wir greifen jetzt gegen Auerbach neu an."

FC Eilenburg vs. Carl Zeiss Jena - Slamar (Jena/re.) gegen Stelmak (Eilenburg/li.) 5 min
Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Sport im Osten Sa 14.08.2021 16:00Uhr 05:03 min

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FC Eilenburg vs. Carl Zeiss Jena - Slamar (Jena/re.) gegen Stelmak (Eilenburg/li.) 5 min
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Die Erleichterten

"Mich ärgert, dass wir immer etwas brauchen, das uns wachrüttelt", unterstrich Carl Zeiss Jenas Trainer Dirk Kunert nach eben jenem 3:1-Auswärtserfolg an der Mulde. Diesmal war es der bereits erwähnte Gegentreffer von Philipp Sauer im Verlauf einer "zu pomadigen ersten Halbzeit ohne Biss und Tempo", der Kunerts Kopfschütteln auslöste. Und Sauer hätte bei einer weiteren Chance kurz darauf erst recht zum FCC-Schreck werden können.

Dirk Kunert
Jena-Trainer Dirk Kunert. Bildrechte: IMAGO / Picture Point

So aber bekamen die Thüringer rechtzeitig die Kurve, nutzten vor allem ihre Lufthoheit aus und landeten nach dem so bitteren DFB-Pokalausscheiden gegen den 1. FC Köln im vierten Anlauf der aktuellen Saison endlich den erleichternden ersten Sieg, auf den am Dienstagabend daheim gegen Germania Halberstadt (ab 18 Uhr im Livestream in der SpiO-App und auf sport-im-osten.de) gleich der nächste folgen soll.

Die Überraschenden

Nicht wenige prophezeiten Carl Zeiss Jenas nächstem Kontrahent Germania Halberstadt im Wissen um die Verluste von Kapitän Michael Ambrosius, Patrik Twardzik, Benyas Junge-Abiol oder Pelle Hoppe ein Regionalliga-Himmelfahrtskommando. Diese vermeintliche Perspektive ließ dann auch noch Trainer Danny König kurz vor Saisonbeginn das Weite suchen. Aber bislang straft das junge Team des eilig verpflichteten Trainers Benjamin Duda alle Kritiker Lügen.

Elias Löder
Halberstadts Elias Löder (re.) hat derzeit einen Lauf. Bildrechte: IMAGO / Picture Point

"Das ist ein deutliches Zeichen für alle Laberköpfe! Geiles Match, geile Hingabe!", durfte der 33-Jährige erst am vergangenen Freitagabend nach Abpfiff im Teamkreis wieder schwärmen. Halberstadt hatte den deftigen 0:5-Dämpfer in Luckenwalde bestens verdaut und Rathenow mit 2:0 niedergerungen. Der dritte Sieg im vierten Spiel für die Sachsen-Anhalter.

Sinnbild des momentanen Halberstädter Höhenflugs: Elias Löder. "Ein ganz demütiger, bodenständiger Junge, der jeden Tag mit viel Liebe arbeitet", lobt Duda. Der kesse Chip zur Entscheidung gegen Optik war bereits das vierte Tor im vierten Saisonspiel des 21-Jährigen, dessen traumhafter Seitfallzieher gegen Hertha II vom ersten Spieltag darüber hinaus in der Auswahl zum Tor des Monats August der ARD Sportschau steht.

Germania Halberstadt - FSV Optik Rathenow 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten Sa 14.08.2021 16:00Uhr 04:58 min

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Germania Halberstadt - FSV Optik Rathenow 5 min
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Die Gelösten

Auch in Leipzig-Leutzsch hatte Löder vor kurzem bereits seine Spuren hinterlassen. Sein Tor hatte am zweiten Spieltag eine deprimierende 0:2-Heimniederlage der dort beheimateten BSG Chemie eingeleitet, die sich davor bereits mit einem schmeichelhaften Remis in Eilenburg zufriedengeben musste. Aber der holprige Start des Vorsaisondritten ist spätestens seit vergangenem Freitag endgültig überwunden.

Denis Jäpel (BSG Chemie Leipzig)
Chemie-Angreifer Denis Jäpel erzielte jüngst einen Doppelpack. Bildrechte: imago images/Picture Point

Wie viele Kilometer Miroslav Jagatic dabei vor drei Tagen in seiner Coachingzone des Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadions insgesamt auf und ab tigerte, hat leider kein modernes Trackingsystem erfasst. Aber "auf jeden Fall bin ich jetzt richtig kaputt und meine Stimme ist weg", japste Chemie Leipzigs Trainer gelöst nach dem hart erkämpften 2:0-Erfolg beim zuvor DFB-Pokaleuphorisierten SV Babelsberg ins Mikrofon.

Mann des Abends beim dritten Sieg in Serie: Doppelpacker Denis Jäpel, der in der letzten Saison noch überschaubar erfolgreich das blau-gelbe Trikot des nicht gerade innig geliebten Chemie-Lokalrivalen aus Leipzig-Probstheida trug. Da der in Babelsberg verletzungsbedingt ausgefallene Stephane Mvibudulu schon drei Mal traf, gehen fünf der bislang sieben BSG-Saisontore auf Ex-Lok-Akteure. Jagatic und die Grün-Weißen Anhänger würde es jedenfalls nicht stören, wenn am Dienstagabend gegen Lichtenberg 47 im Alfred-Kunze-Sportpark erneut ein früherer Probstheidaer träfe.

SV Babelsberg 03 - BSG Chemie Leipzig 5 min
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Sport im Osten Sa 14.08.2021 16:00Uhr 05:20 min

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SV Babelsberg 03 - BSG Chemie Leipzig 5 min
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Sport im Osten Sa 14.08.2021 16:00Uhr 05:20 min

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Die Nicht-ganz-Zufriedenen

Derweil gehen die Berlin-Brandenburg-Duelle für den Chemnitzer FC in die sechste Runde in Folge. Der CFC gastiert am Mittwoch bei Hertha BSC II. Aus den vorherigen fünf Aufeinandertreffen mit TeBe, Babelsberg, Fürstenwalde, Lichtenberg und zuletzt dem Berliner AK holten die ambitionierten Himmelblauen zehn Punkte. Chemnitz-Trainer Daniel Berlinski war mit dem torlosen Remis daheim gegen den bis dato verlustpunktfreien und offensiv furiosen BAK jedoch nicht ganz zufrieden – vor allem weil die Sachsen nach Charmaine Häusls Platzverweis fast die gesamte zweite Hälfte einen Mann mehr auf dem Feld hatten.

"Leider geht das Ergebnis in Ordnung", konstatierte Berlinski, aber "ich hätte mir gewünscht, dass wir in der zweiten Halbzeit in Überzahl mehr Torchancen kreiert hätten. Es gab zu wenig Druck, zu wenig Flanken, obwohl der Gegner uns das angeboten hat."

Daniel Berlinski 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So 15.08.2021 15:19Uhr 01:47 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-chemnitzer-fc-berliner-ak-trainer-daniel-berlinski100.html

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Daniel Berlinski 2 min
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So 15.08.2021 15:19Uhr 01:47 min

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Die Rhythmussuchenden

Sechs Punkte weniger als Chemnitz und die BSG Chemie hat derzeit der 1. FC Lok Leipzig – allerdings hängen die Blau-Gelben dabei unverschuldet zwei Regionalligapartien hinterher. Nach dem couragierten Auftritt im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen (0:3) musste das Team von Trainer Almedin Civa am letzten Wochenende durch die Corona-Quarantäne des eigentlichen Gegners Tennis Borussia Berlin zwangspausieren.

Jetzt greift der mit vier Punkten aus drei Spielen gestartete, ausgeruhte FCL am Dienstagabend bei Union Fürstenwalde wieder ins Geschehen ein und will zurück in den Rhythmus. Die gute Nachricht: Civa hat unter anderem seit der Rückkehr von Angreifer Djamal Ziane die Qual der Wahl, wen er im bevorzugten 4-2-3-1 auf den Rasen schickt. Es gibt laut Leipziger Volkszeitung aktuell keine Verletzten zu beklagen. Und außerdem liegt Union den Leipzigern. Von den bislang sieben Spielen gegen Fürstenwalde gewann Lok vier, drei Partien endeten Remis.

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mhe

Videos aus der Regionalliga

Spieler von Cottbus trifft per Kopfball ins Tor.
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Spieler von Meuselwitz führt den Elfmeter Strafstoß aus.
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 18. August 2021 | 21:45 Uhr

9 Kommentare

Superspreader Zwickauer1 vor 15 Wochen

Verirren tut sich in aller Regel dein Genosse Oldie.
Dann flennt Ihr auch noch wenn man reagiert.
Interesse habe ich an der Regionalliga.
Aber eben nur an ehrlich arbeitenden Vereinen.
Also keine Angst haben, denn euren Verein betrifft das ja nicht.

Matze91 vor 15 Wochen

Lok und Aufsteigen...lange nicht mehr so gut gelacht 😂
Wenn ihr so spielt wie gegen den BFC solltet ihr lieber aufpassen das es nicht in die andere Richtung geht...
Viele Grüße an die Träumer 😉

Lok vor 15 Wochen

Nicht nur das. Wir gewinnen die Staffel auch noch mit 66 Punkten Vorsprung und dürfen dadurch kommende Saison direkt in der Bundesliga starten. Ganz sicher.