Fußball | Regionalliga "Einfach atemberaubend": Fans von Lok Leipzig und der BSG Chemie spannen Rettungsschirm

An Viertliga-Spiele inklusive Ortsderby ist in absehbarer Zeit nicht zu denken. Um die Verluste abzufedern, beweisen Fans von Lok Leipzig und Chemie Leipzig eine phänomenale Solidarität mit ihren klammen Herzensvereinen. Die Vereinschefs sind gerührt und dankbar.

Duell Djamal Ziane (13, Lok) und Stefan Karau (3, Chemie)
Derby-Hinspiel in Leutzsch (2:0): Duell zwischen Lok-Spieler Djamal Ziane und Chemie-Kapitän Stefan Karau. Bildrechte: Picture Point

Am 5. April sollte eigentlich das Rückrunden-Ortsderby zwischen dem 1. FC Lokomotive Leipzig und der BSG Chemie Leipzig steigen - aber niemand wird an diesem Tag im Bruno-Plache-Stadion sein. Ein Alptraumszenario für Anhänger, das zur bitteren Wahrheit geworden ist. Beide Vereine hat die Corona-Krise schwer getroffen, an Regionalliga-Spiele ist in absehbarer Zeit nicht mehr zu denken. Die finanziellen Verluste sind immens. Daher haben die Fans beider Vereine aus der Not eine Tugend gemacht und mit Solidaritätsaktionen einen Rettungsschirm gespannt.

Löwe: "Wunderbare Zeitreise durch die Vereinsgeschichte"

Bei den Probstheidaern läuft seit dem 19. März die Aktion "Leute, macht die Bude voll", bei der man Ein-Euro-Tickets für ein virtuelles Spiel gegen einen unsichtbaren Gegner (8. Mai) erwerben kann. Ziel ist es, den Besucherrekord von 1987 zu knacken, als knapp 120.000 Zuschauer zum Europapokal-Halbfinale von Lok Leipzig gegen Girondins Bordeaux (6:5 i.E.) ins Zentralstadion kamen.  

Grafik - Lok sammelt
Momentaufnahme: Bereits am Freitag war die Zuschauerzahl des legendären Europacup-Duells mit Benfica Lissabon aus dem Dezember 1966 übertroffen. Bildrechte: 1. FC Lokomotive Leipzig e.V.

Und die Lok-Fans kaufen, was der Geldbeutel hergibt. Präsident Thomas Löwe ist auf MDR-Nachfrage begeistert von der Resonanz. "Einfach atemberaubend", so sein Kommentar. Mittlerweile sind auf dem FCL-Konto 88.263 Euro (Stand: 29. März, 19:19 Uhr) eingegangen. Einen ordentlichen Schub erhielt das Ganze noch einmal am Freitagabend (27. März), als während eines Wunschkonzerts im Vereinsradio mit Gesprächspartnern aus Vorstand und Sponsoren allein fast 10.000 Karten über den Ladentisch des Online-Fanshops gingen. "Es war eine wunderbare Zeitreise durch die Vereinsgeschichte. Daran hingen viele Erinnerungen", bekannte Löwe. Stolz ist der 52-jährige über die weltweite Aufmerksamkeit: "Wir haben unter anderem Ticketbestellungen aus Australien und Namibia erhalten."

Thomas Löwe, Präsident 1. FC Lok Leipzig
Thomas Löwe, Präsident 1. FC Lok Leipzig. (Archiv) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie aber soll es im regulären Punktspielbetrieb weitergehen? Dazu hat Thomas Löwe eine klare Meinung: "Seit 2015 haben wir viel Herzblut in die Mission gesteckt. Wir haben konkrete Ziele und hoffen, dass es weiter geht – sprich, die Saison fortgesetzt wird."

Kühne: Manche würden "lieber 14 Tage nichts essen"

Bei der BSG Chemie Leipzig ist der Zuspruch auf die am 20. März gestartete Aktion ebenfalls überwältigend. Unter dem Motto "Das kann doch einen Leutzscher nicht erschüttern" bieten die Grün-Weißen vier Unterstützer-Pakete in verschiedenen Preiskategorien an, weitere Spenden inbegriffen. "Über 100.000 Euro! Einfach nur toll", hieß es am Donnerstag (26. März) auf der Facebook-Seite der BSG.

Und die Leutzscher Fangemeinde legte noch eine Schippe drauf. Einen Tag später lagen bereits 115.848,11 Euro auf der hohen Kante. Am Sonntag (29. März) wird wohl die 120.000-Euro-"Schallmauer" durchbrochen, davon ist auszugehen. BSG-Vorsitzender Frank Kühne ist äußerst angetan von dem Erfolg. "Für manche ist die BSG ein Lebensinhalt. Sie würden das letzte Hemd geben und lieber 14 Tage nichts essen, nur um den Verein zu unterstützen", sagte er dem MDR.

Für den weiteren Verlauf der Liga-Saison malte der Chemie-Boss jedoch ein düsteres Bild: "Es werden sicherlich viele Vereine auf der Strecke bleiben. Dafür müssen Regularien geschaffen werden, diese Vereine zu unterstützen." Anders als Lok-Präsident Löwe plädiert Frank Kühne für einen Abbruch der Regionalliga-Spielzeit: "Strich ziehen, die nächste Saison geht dann im August, September los."

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jmd

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 29. März 2020 | 16:30 Uhr

19 Kommentare

Chemieschwein vor 25 Wochen

@tristan... Hochmut kommt vor dem Fall.. Du vergisst wo dieser FCM herkam... Und noch so eine Saison wie diese und Ihr seid schneller wieder in Liga 4 als dir lieb ist... Ein bisschen mehr demut währe angebracht..

Thoralf vor 25 Wochen

Im Übrigen lieber Chili, „we are not just pretending!“ Lok ist zwar groß, aber der FCM ist größer!🤥
Mein persönlicher Saisonwunsch wäre: Dynamo 👎 HFC und FCM 🙏 Lokomotive 👍. Die nächste 3. Liga wär einfach geil!😷😛

Thoralf vor 25 Wochen

Das hat damit nichts zu tun. Als ich noch jung und unerfahren war, da studierte ich in Leipsch. Daraus kam mein Sohn. Der ist nun mal bei seiner Mutter und Chemie Fan. Seine Freundin ist HFC Fan. Als Blau Weisser bin ich also gestraft genug! Familie hält halt zusammen. Gegen die Lok hab ich nichts.

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