Fußball | Regionalliga Antirassismus-Beauftragter Ziegenhagen: "Rechtsextremismus mit CFC nicht vereinbar"

Der Chemnitzer FC will seine Werte in einem Leitbild formulieren, der Kampf gegen Rechtsextremismus soll darin unter anderem verankert werden. Der CFC-Antirassismus-Beauftragte verspürt Aufbruchstimmung. Wir sprachen mit ihm.

Sport

Martin Ziegenhagen (CFC-Antirassismusbeauftragter) 22 min
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Der Chemnitzer FC hat nach wie vor ein Problem mit rechtsextremistischen Anhängern. Deutschlandweit ist das vor knapp zweieinhalb Jahren sichtbar geworden, als es im Chemnitzer Stadion eine riesige Trauerfeier für einen Chemnitzer Neonazi gegeben hat. Seither kämpft der CFC darum, nicht als Nazi-Verein abgestempelt zu werden. Dafür hat der Verein Anfang des vergangenen Jahres Martin Ziegenhagen als Anti-Rassismusbeauftragten an Bord geholt. Der will mit den Fans des CFC ein Leitbild entwerfen, in dem die Werte und Ziele des Traditionsvereins festgeschrieben werden. Wie aktuell das Rechtsextremismus-Problem beim CFC ist, hat sich erst Ende Juni wieder gezeigt: Vor einem Testspiel des Regionalligisten im tschechischen Most sind 50 – 100 CFC Fans durch den Ort gezogen und haben das Lied einer Neonazi-Band gegrölt und "Sieg Heil" gerufen. Zu sehen auf einem Video, dass in den sozialen Netzwerken kursiert.

Vorbehalte gegen neues Leitbild "geringer geworden"

Am Montag (5. Juli) hat der Verein das erste offizielle Treffen abgehalten, um mit interessierten Fans über das Leitbild zu diskutieren. "Da gab es zu Beginn durchaus eine gewisse Skepsis", erklärt Ziegenhagen im "Sport im Osten"-Talk am Mittwoch (07.07.2021), "aber die Vorbehalte sind im Verlauf des Abends geringer geworden." Am Ende habe er eine Aufbruchsstimmung gespürt.  Knapp 50 Fans waren bei der digitalen Veranstaltung dabei und haben in einzelnen Arbeitsgruppen schon konkret an dem Leitbild gearbeitet. Das Wort "Rechtsextremismus" ist an diesem Abend selten gefallen, weder die Präsidentin Romy Polster noch die Fans haben dieses Problem beim CFC konkret benannt.

"Menschenfeindlichkeit nicht vereinbar mit dem CFC"

"Das ist ja auch kein Thema, das Spaß macht. Damit zu hantieren, fällt den Menschen im ersten Atemzug schwer", weiß Ziegenhagen. "Da muss man sich dran gewöhnen und einen Umgang damit finden". Und am Ende soll ja auch das Leitbild bei diesem Prozess helfen. Denn in dem Leitbild müsse "klar gemacht werden, dass Rechtsextremismus, Rassismus, Demokratiefeindlichkeit und Menschenfeindlichkeit, nicht vereinbar sind mit dem CFC", sagt Ziegenhagen. "Das muss und das wird da drinstehen. Dafür werden wir kämpfen und werben."

Aufmarsch in Most "ist abstoßend, ist inakzeptabel"

Wie präsent das Rechtsextremismus-Problem beim CFC ist zeigt das Video vom Testspiel in Most. 

"Das ist abstoßend, das ist inakzeptabel, das ist nichts, was auch nur annähernd mit den Werten des Chemnitzer FC in Verbindung zu bringen ist. Diese Personen sind uns nicht willkommen, die wollen wir nicht haben im Verein und auch nicht im Stadion."

Verein arbeitet mit Polizei zusammen

Ziegenhagen versicherte, dass der Verein alles tue, um diese Personen zu identifizieren. Das hat der Vorstand des CFC auf MDR-Nachfrage bestätigt: "Der Verein arbeitet eng mit der Polizei an der zweifelsfreien Identifizierung der Personen. Unabhängig von strafrechtlichen Konsequenzen wird der Chemnitzer FC den betreffenden Personen ein Hausverbot für das Stadion – An der Gellertstraße aussprechen. Sollten sich unter den identifizierten Personen Vereinsmitglieder befinden, wird der Vorstand des Chemnitzer FC e.V. den Vereinsausschluss einleiten, um diesen Personen letztlich die Vereinsmitgliedschaft zu entziehen."

Gezieltes Signal der rechten Szene?

Ziegenhagen hält es für möglich, dass das Video aus Most nicht zufällig in den sozialen Netzwerken gelandet ist. "Ich vermute schon, dass die Szene im Vorgriff auf die Saison ein Zeichen setzen wollte." Ziegenhagen ist klar, "dass wir es in Chemnitz mit eine rechtsextremistischen Szene zu tun haben, die gut organisiert und gefestigt ist."

Es sei also durchaus denkbar, dass diese Szene ihren Einflussbereich in der Südkurve verteidigen wolle und deshalb den aktuellen Leitbild-Prozess untergrabe.

Kampf gegen Rechtsextremismus in vollem Gange

"In den ersten Wochen der Saison werden wir vielleicht Dinge auf der Südtribüne sehen, die wir eigentlich lieber nicht sehen wollen. Wir werden alles tun, um das zu verhindern", verspricht Ziegenhagen.

Er habe Chemnitz als bunte und vielfältige Stadt kennengelernt. Die Rechtsextremisten seien in der Stadt und auch im Verein in der Minderheit. Deshalb appellierte er auch an die demokratischen und weltoffenen Chemnitzer, weiter ins Stadion zu kommen. Diese Fans lädt der Anti-Rassismusbeauftragte ein, "um deutlich zu machen, wem dieses Stadion und wem dieser Verein gehört. Dazu gehört es auch, Courage zu zeigen."

Beim CFC ist der Kampf gegen die rechtsextremistischen Anhänger in vollem Gange.

Videos aus der Regionalliga

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Jena - Fürstenwalde
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Tasmania - Chemnitz
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Ein perfekter Hinrundenabschluss für die Sachsen: Der Chemnitzer FC zeigte bei Aufsteiger Tasmania Berlin einen dominanten Auftritt und sackte den achten Saisondreier der Saison ein.

Sport im Osten So 28.11.2021 15:45Uhr 06:00 min

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Dieses Thema im Programm: MDR+ | "Sport im Osten"-Talk | 07. Juli 2021 | 11:00 Uhr

20 Kommentare

Chili Palmer vor 21 Wochen

Na sieh an. Dein chemisches Vorwärtsgerichtetsein hat immerhin gelangt, um hier ungefragt so ne olle Kamelle von Lok breit zu treten. Wahrscheinlich findest heute noch die Fußabdrücke der einstigen Delinquenten am Originalschauplatz. Und jetzt bitte wieder zurück zum Thema.

Leutzscher Fuchs vor 21 Wochen

Wenn du auf dem Laufenden wärest, wüsstest du, dass dieser Spruch, der zu DDR-Zeiten als "cool" galt, seit Jahren im AKS tabu ist. Darauf hat sich die chemische Gemeinde einvernehmlich festgelegt. Neonazistische Ansätze wie das Tragen von Klamotten mit verfassungswidrigen Symbolen und Texten werden von unserer Fanbasis diskret unterbunden. Nachzulesen in unserem Vereinsleitbild und unserer Vereinssatzung auf unserer Homepage.

Gernot vor 21 Wochen

Peter, du liegst bei vielen Dingen voll auf meiner Linie - die Vereine müssen bei den genannten Problemen ihre Möglichkeiten zur Behebung voll ausschöpfen.
Aber, der Staat kann diese Verantwortung nicht einfach " weiter delegieren ". Es gibt genug Gesetze, welche den Behörden und der Justiz Möglichkeiten geben entsprechend wirksam einzugreifen. Und, Unbelehrbare sollte man dann auch einmal entsprechend behandeln.
England hatte in den 70/80iger Jahre viel größere Probleme und der Staat hat sich dann wirksam eingeschaltet.