Fußball | Regionalliga DFB will Drittliga-Aufstiegsregelung nicht mehr ändern

Erste Nordost-Klubs wehren sich, Zoff vorprogrammiert

Der DFB will an seiner umstrittenen Regelung zum Drittliga-Aufstieg dauerhaft festhalten. So dürfen die Meister der Regionalligen West und Südwest immer direkt aufsteigen, die aus Nordost, Nord und Bayern nur alle drei Jahre. Es hagelt Kritik.

Streitpunkt Drittligaaufstieg 2 min
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Zum Hintergrund

Bei der Einführung eines vierten Absteigers aus der 3. Liga hatte der DFB-Bundestag die Aufstiegsrechte aus den fünf Regionalliga-Staffeln neu geordnet. Damals verkündete der Verband: "In der Saison 2018/2019 greift beim Aufstieg zur 3. Liga erstmals die vom DFB-Bundestag beschlossene zweijährige Übergangsregelung." Das Rotationsverfahren, das über direkten Aufstieg oder Relegation entscheidet, wurde eingeführt, die Staffel Südwest bekam aber eine alleinige Aufstiegsgarantie für ihren Meister.

Zur Spielzeit 2020/21 wurde die Regel modifiziert, danach erhielt auch der Erstplatzierte im Westen das Sonderrecht. Den anderen drei Staffeln, darunter dem Nordosten, wurden bis 2023 zwei von drei Jahren zugewiesen, in denen die Meister gegeneinander in die Relegation müssen. Für die Zukunft sprach der Verband im Konjunktiv: "Bei gleichbleibender Aufstiegsregelung würde diese Reihenfolge über die Saison 2022/2023 hinaus beibehalten werden."

DFB knallhart: "Das Thema wird nicht neu beraten"

Der MDR fragte beim DFB konkret nach, wann es eine neue und endgültige Regelung gibt. In der Antwort will der Verband gar nichts mehr von einer Übergangsregelung wissen und teilt lapidar mit: "Aktuell wird das Thema nicht neu beraten." Noch viel bemerkenswerter: Nach MDR-Informationen hatte man sowohl beim Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) als auch bei den Regionalliga-Vereinen einen ganz anderen Kenntnisstand, deshalb ist der Unmut nun auf dem Höchststand.

Lok-Präsident Löwe: "Einige Vereine sind verwundert"

Thomas Löwe
Lok Leipzigs Präsident Thomas Löwe Bildrechte: imago images/Picture Point

Lok Leipzigs Präsident Thomas Löwe erklärt gegenüber dem MDR: "Dass das jetzt dauerhaft so sein soll, verwundert, denke ich, schon einige Vereine, denn es wurde uns damals als Zwischenlösung präsentiert und so haben wir es auch verstanden." Der Geschäftsführer von Liga-Konkurrent Carl Zeiss Jena, Chris Förster, sieht es ähnlich: "Ich habe es auch so in Erinnerung, dass es anders kommuniziert war und man sich die Folgen der Regelung anschaut und überprüft, ob es so bleiben kann."

Auffällig ist dabei, dass sich seit der Neuregelung gerade in den Regionalligen ohne festen Aufstieg die Anzahl größerer Profiklubs sammelt, so in der Nordost-Staffel u.a. mit Jena, Cottbus, Chemnitz und Lok. In Bayern ist gerade mit Unterhaching, Bayern II, Schweinfurt und Bayreuth sowie einem möglichen Abstieg von Würzburg Ähnliches in Aussicht.

Förster greift DFB an: "Hinterzimmer-Lobby"

FCC-Boss Förster wird deutlich: "Dass es beim DFB keinen Anlass gibt, etwas zu ändern, kann ich mir vorstellen, weil in den Hinterzimmern die Lobby so ist, dass es funktioniert." Löwe will auf einen ähnlichen Punkt hinaus: "Für die drei benachteiligten Staffeln ist die Regelung befremdlich und nur mit den Mehrheitsverhältnissen im DFB-Bundestag zu erklären. Dort haben Südwest und West mehr Stimmen als Nordost, Nord und Bayern zusammen."

Die Argumente des DFB lassen sich umkehren

Offiziell begründet der DFB die Bevorzugung so: "Die Gebiete der Regionalliga Südwest und West sind von Ballungsräumen geprägt und umfassen gemeinsam mehr als 50 Prozent der gemeldeten Männermannschaften in Deutschland. Allein im Südwesten sind sieben Landesverbände zusammengefasst." Dabei fällt auf, dass sich genau diese Argumente auch umkehren ließen. Der Nordosten vertritt sechs Bundesländer, ist historisch bedingt wirtschaftlich längst noch nicht gleich stark und könnte deshalb gerade im Zugang zum Profifußball Förderung statt Benachteiligung gebrauchen, auch im Sinne der Ausbildung von Talenten in dieser Region, was dem DFB entgegenkommt. Und gerade dort, wo noch mehr Teams gewonnen werden können, könnte man den regionalen Fußball unterstützen.

Geschäftsführer Chris Förster
Auch von Carl Zeiss Jenas Geschäftsführer Chris Förster hagelt es Kritik. Bildrechte: imago images/Karina Hessland

Förster: "An Unfairness nicht zu überbieten"

Das alles bringt die Ostklubs zunehmend auf die Palme. Förster: "Wir haben so viele mitgliederstarke Vereine. Da freut sich jeder Klub im Westen, wenn wir zu Auswärtsspielen kommen und viele Fans mitbringen." Die jetzige Regelung ist für ihn nur eins: "An Unfairness nicht zu überbieten und eine Quadratur des Unsinns." Löwe stimmt ihm zu: "Es wurde eine sehr unfaire und vor allem unsportliche Festlegung getroffen."

Es gibt eine neue Lösung

Dabei gibt es neue Lösungen, die der DFB in seinen alten Prozessen noch nicht berücksichtigt hat. Löwe fordert: "Wenn sich keine Regelung finden lässt, in der alle Meister aufsteigen, sollten sich alle fünf Staffeln am Wechselmodell beteiligen." Das hieße, dass jede Staffel in fünf Jahren drei direkte Aufsteiger bekommt und zweimal in die Relegationsspiele muss.

Förster könnte damit ebenfalls leben: "Das Maxim muss sein, dass alle Regionalligen wieder gleich behandelt werden." Loks Präsident hofft: "Ich würde mir wünschen, dass die Vereine in West und Südwest selbst einlenken und eine Lösung miterarbeiten, die für alle fair ist. So habe ich die Mannschaften wie unseren ehemaligen Relegationsgegner SC Verl oder auch Viktoria Köln immer erlebt."

Kritik an der Rolle des NOFV

Hermann Winkler beim 27. Politischen Aschermittwoch in Bautzen, 2019
NOFV-Präsident Hermann Winkler. Bildrechte: imago images / Future Image

Unzufrieden ist man bei den mitteldeutschen Vertretern aber auch mit der Außendarstellung des eigenen Regionalverbands. Förster kritisiert: "Es wird sich von Seiten des NOFVs nicht genug dagegen aufgebäumt. Er muss die Interessen seiner Vereine viel deutlicher und lauter kommunizieren und darf nicht zuschauen, wie im Hinterzimmer in Frankfurt Aufstiegsregeln ausgeklüngelt werden." Die Chancen soll nun der neu gewählte NOFV-Präsident Hermann Winkler steigern, der sich daran wohl messen lassen muss. Löwe betont: "Er ist genau der Richtige für diese Aufgabe, man muss ihm jetzt einfach Zeit geben." Allerdings drängt genau die.

Schnelle Korrektur müsste bis Januar erarbeitet sein

Wegen der Präsidiumswahl beim DFB wurde der nächste ordentliche DFB-Bundestag, der über die Frage letztendlich entscheiden muss, von Mitte Oktober 2022 auf Mitte März 2022 vorgezogen. Damit dort eine neue Regelung verabschiedet werden könnte, müsste die Beschlussvorlage Ende Januar auf der Tagesordnung stehen. Spannend wird nun, ob die ebenfalls benachteiligten Regionalliga-Klubs aus Bayern und dem Norden ebenfalls Druck machen. Nur dann erscheint es überhaupt realistisch, dass der DFB doch noch von seinen Plänen abweicht.    

Videos aus der Regionalliga

Jena - Fürstenwalde
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Tasmania - Chemnitz
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Ein perfekter Hinrundenabschluss für die Sachsen: Der Chemnitzer FC zeigte bei Aufsteiger Tasmania Berlin einen dominanten Auftritt und sackte den achten Saisondreier der Saison ein.

Sport im Osten So 28.11.2021 15:45Uhr 06:00 min

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VfB Auerbach - TeBe
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 23. Oktober 2021 | 16:00 Uhr

41 Kommentare

Dreibeiner vor 5 Wochen

mein Vorschlag: kein Hin und Rückspiele mehr, sondern nur noch K.O. Spiele und wie in Pokalwettbewerben öffentliche Auslosung aller Erstplatzierten. Meister nicht mehr mit Schaufel verteilen - sondern auf Liga begrenzen
Glückwunsch St.Pauli zum 4:0

B.S.B. vor 5 Wochen

Dann werden aber einige Regionalligisten aus dem Nordosten in der Versenkung verschwinden,da die bayerische Konkurrenz finanziell um Einiges besser bestellt ist.Wir können doch froh sein,dass es die "alten"Derbys noch bzw.wieder gibt.Und es geht nicht nur um die Mannschaften.Auch die Fanbereitschaft ist im Nordosten,bedingt durch die Tradition um Einiges höher als in Bayern in dieser Liga.Und...Hand aufs Herz...fährst du lieber nach Illertissen vor1000 Zuschauern,wovon 800 Gästefans sind,oder nach Leipzig,zu Chemie gegen Lok oder Jena-Cottbus oder,oder.....

Tobn vor 5 Wochen

Das Modell, das Lok-Fan beschrieben hat, ist ja genau das was der DFB favorisiert hat. Leider würden dadurch viele Ostduelle verloren gehen. Das ist das Problem.