Fußball | Oberliga Trotz weiterer Insolvenz: Rot-Weiß Erfurt plant für die Oberliga

Der Fußball ruht derzeit in Erfurt, wie überall in Deutschland, das Insolvenzverfahren von Rot-Weiß Erfurt aber läuft weiter. Anfang April ist sogar ein neues dazugekommen:  Das Insolvenzverfahren der Mertus 491. GmbH. Der Verein ist alleiniger Gesellschafter dieser GmbH. Ist der Erhalt von RWE dadurch bedroht? 

Symbolbild zur Insolvenz des Traditionsclubs Rot Weiß Erfurt: Vereinsemblem und Vereinsfarben auf erodierendem Grund mit Schatten eines Sensenmann
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Insolvenzverwalter Volker Reinhardt wollte im vergangenen Jahr die Spielbetriebs GmbH ausgliedern. Weil eine GmbH-Gründung aufwändig und auch langwierig sein kann, hat er eine Vorratsgesellschaft erworben: Die Mertus 491. Damit hatte er sofort eine bereits gegründete GmbH zur Verfügung, inklusive einer Geschäftsführerin, die aber ausgetauscht werden muss, sobald die GmbH ihre wirtschaftlichen Aktivitäten aufnimmt. Die Mertus 491. GmbH war also praktisch eine leere Hülle, die zur Rot-Weiß Erfurt Spielbetriebs GmbH werden sollen.

Amtsgericht Jena lehnt Bilanz ab

Diese Umwandlung hat aber nie stattgefunden, weil das Amtsgericht Jena die Anmeldung zur Ausgliederung zurückgewiesen hat. Dabei war das Stammkapital für die Spielbetriebs GmbH von einer Million Euro komplett einbezahlt worden, das bestätigen Volker Reinhardt und die Investoren. Unabhängig vom Stammkapital muss dem Amtsgericht eine ausgeglichene Bilanz für die neue GmbH vorgelegt werden. Diese Bilanz, in der wohl auch der Marktwert des Kaders eingerechnet worden war, hat das Amtsgericht Jena nicht akzeptiert. Im Behördendeutsch hieß das: "Die Werthaltigkeit dieses Geschäftsanteils ist nicht gegeben." Anfang Dezember 2019 war die Ausgliederung also gescheitert. Damit war der  erste Dominostein gefallen, der Ende Januar zur Abmeldung der Regionalliga-Mannschaft führte.

Millionenbetrag für Altschulden

Allerdings haben die Investoren für ihre geplante 64-prozentige Beteiligung an der Spielbetriebs GmbH mehr gezahlt, als das Stammkapital von einer Million Euro. Das hatte Volker Reinhardt dem MDR schon im vergangenen Jahr bestätigt. Der genaue Betrag ist nie genannt worden, er dürfte aber wohl im niedrigen einstelligen Millionenbereich gelegen haben. Dieses Geld haben die Investoren fast komplett eingezahlt – auf das Konto der Mertus 491. GmbH. Von diesem Millionenbetrag dürfte Ende Januar kaum noch etwas übrig geblieben sein, denn Insolvenzverwalter Reinhardt hat mit diesem Geld auch Altschulden bezahlt, die ab dem 1. Januar 2019 aufgelaufen sind. Das war wohl der Hauptgrund für das Zerwürfnis zwischen Insolvenzverwalter und Investoren. Reinhardt pocht jedoch darauf, dass dieses Vorgehen schriftlich vereinbart worden sei. Teile dieses Schriftverkehrs konnte der MDR einsehen.

Volker Reinhardt (Insolvenzverwalter FC Rot-Weiß Erfurt)
Volker Reinhardt (Insolvenzverwalter FC Rot-Weiß Erfurt) Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Spätestens mit Einstellung des Spielbetriebs war endgültig klar, dass die Mertus 491. GmbH ihren ursprünglich angedachten Zweck nie würde erfüllen können. Kosten wären aber laut Reinhardt weiter entstanden, u.a. durch das Gehalt des Geschäftsführers Michael Krannich. Den hat Reinhardt entlassen und die Insolvenz angemeldet, das Verfahren ist am 1. April eröffnet worden.

Insolvenz der GmbH - kein Einfluss auf Insolvenzverfahren

Aber welchen Einfluss hat diese Insolvenz auf das Insolvenzverfahren des Vereins Rot-Weiß Erfurt? Schließlich ist RWE alleiniger Gesellschafter der Mertus 491. GmbH – die Anteile der Investoren wurden nie eingetragen. "Die Insolvenz der Mertus 491. GmbH spielt für das laufende Insolvenzverfahren von Rot-Weiß Erfurt keine Rolle. Das sind zwei parallele Verfahren, die keine entscheidenden Berührungspunkte haben“, sagt Insolvenzverwalter Volker Reinhardt. Diese Einschätzung bestätigt Stephan Madaus, Professor für Insolvenzrecht an der Martin-Luther Universität in Halle: "Die Insolvenz der Mertus 491. GmbH wird keine finanziellen Auswirkungen auf das Insolvenzverfahren des FC Rot-Weiß Erfurt haben. Dies folgt aus der Haftungsbegrenzung in jeder GmbH, in der ein Gesellschafter für offen bleibende Verbindlichkeiten der GmbH nicht haftet.“ Zumindest in dieser Hinsicht können Anhänger des FC Rot-Weiß Erfurt aufatmen.

Klagen von Investoren drohen

Bleibt die Frage, wie die Investoren reagieren. Schließlich haben sie einen Millionenbetrag auf das Konto der Mertus 491. GmbH einbezahlt, in der Erwartung, dass sie dafür 64 Prozen der Anteile an der Rot-Weiß Erfurt Spielbetriebs-GmbH erhalten. Franz Gerber, der zweitgrößte Investor, sagte dem MDR: "Ich halte meinen Anspruch aufrecht, schließlich habe ich mein Geld vertragsgemäß überwiesen." Zu möglichen rechtlichen Schritten wollte er sich nicht äußern.  Er sei derzeit im Gespräch mit dem Insolvenzverwalter. Andreas Scheibe, der größte Investor wollte sich gegenüber dem MDR zur aktuellen Lage nicht äußern. Allerdings hat er bei der Staatsanwaltschaft Erfurt bereits im Januar eine Strafanzeige wegen Untreue und anderer Delikte gegen Insolvenzverwalter Reinhardt eingereicht. Die Ermittlungen laufen noch.

Auch im Rahmen der Insolvenz der Mertus 491. wären Strafanzeigen denkbar, sagt Professor Madaus: "Falls es im Geschäftsbetrieb der Mertus 491. GmbH Unregelmäßigkeiten in Form von Pflichtverletzungen der Geschäftsführung gegeben hat, können die hierdurch Geschädigte auf Schadensersatz klagen." Diese Klage würde sich aber nicht gegen den Verein richten, sondern "gegen den Geschäftsführer der GmbH und könnte damit auch den Insolvenzverwalter Volker Reinhardt persönlich treffen , wenn dieser als faktischer Geschäftsführer der GmbH auftrat und die Pflichtverletzungen zu vertreten hat“. Theoretisch könnte auch eine Klage den Verein treffen. Der Insolvenzverwalter hat allerdings schon im Januar Masseunzulänglichkeit angezeigt. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das für eine Klage auf Schadensersatz: Es wäre nichts zu holen, weil die Kasse leer ist.

Reinhardt: Planung für neue Saison laufen

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt zeigt sich von all dem ziemlich unbeeindruckt. "Die Planungen für die kommende Saison laufen weiter. Durch die Corona-Epidemie wird die Situation natürlich nicht einfacher.“ Heißt im Klartext: Reinhardt ist weiterhin auf der Suche nach einem Investor. Zu dem Zeitpunkt, wann ein solcher Investor gefunden sein könnte, wollte sich der Insolvenzverwalter nicht äußern. Eine Ausgliederung ist aber weiterhin Bestandteil der Zukunftsplanung, auch wenn der erste Versuch gescheitert ist. Reinhardt bekräftigte gegenüber dem MDR: "Sobald ein neuer Investor gefunden ist, wird auch eine Spielbetriebs-GmbH ausgegliedert."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR Hörfunk | 09. April 2020 | 15:40 Uhr

4 Kommentare

TYPISCH PLAUEN FUHRE ANDY. vor 24 Wochen

@kl 19oo gehört Chemie nicht auch ganz runter?? Ich denke die passen sehr gut in die Sachsenliga. Erfurt dagegen wird sehr bald wieder Regionalliga spielen!!!!

kl19oo vor 24 Wochen

genau ollex,wenn man keine ahnung hat.......dann ist man wahrscheinlich von rwe.....chemie hat dafür eine bestrafung erhalten. gaaaaaaaaanz unten wieder angefangen. und wenn es einen fussballgott gibt muss das jetzt auch passieren.

ollex vor 24 Wochen

Wenn man keine Ahnung sollte man ruhig sein lieber Chemie-Kumpel. Du kennst die ganzen Hintergründe nicht. Und im übrigen, eure Geschichte ist auch nicht frei von Insolvenzen.