Fußball | Regionalliga Regionallisten setzten auf Netzwerk von Hermann Winkler

Wie geht es weiter in der Regionalliga Nordost? Diese Frage stellen sich viele Regionalligisten aktuell. Nicht nur bei kurzfristigen Lösungen setzten sie ihre Hoffnungen in das Netzwerk des neuen NOFV-Präsidenten Hermann Winkler. Sie erhoffen sich von dem Funktionär, dass er den Ostfußball durch sein umfassendes Politik-Netzwerk dauerhaft stärkt und in der Zukunft weiter nach vorne bringt.

Hermann Winkler beim 27. Politischen Aschermittwoch in Bautzen, 2019
Bildrechte: imago images / Future Image

Fragt man in Jena, Bischofswerda, Leipzig oder Babelsberg nach dem neuen kommissarischen Präsidenten des Nordostdeutschen Fußballverbandes, herrscht große Einigkeit. Die Verantwortlichen der vier Klubs aus Thüringen, Sachsen und Brandenburg sehen in Hermann Winkler den geeignetsten Kandidaten, den Fußballosten in dieser schwierigen Phase zu führen.

Vorteil Winkler: das politische Netzwerk

"Er ist ein Mann der Basis, hat das beste Netzwerk und ist am ehesten der Garant für die Weiterentwicklung des NOFV. Ganz wichtig ist, dass die Regionalliga Nordost erhalten bleibt. Dafür braucht man dieses Netzwerk", findet Jürgen Neumann, Präsident des Bischofswerdaer FV: "Diese Schnittstellen, die er in der europäischen und der Bundespolitik hat, muss er nutzen, um den NOFV Gehör zu geben. Die Probleme in der Regionalliga werden ja stündlich mehr. Jetzt müssen die Vereine mit ruhiger und fester Hand in die Zukunft geführt werden."

Auch für Carl-Zeiss-Jena-Geschäftsführer Chris Förster hat der vereinsinterne "Wunschkandidat" die Wahl gewonnen. "Hermann Winkler hat häufig genug bewiesen, dass er sich auch beim DFB einbringen kann und eine Stimme hat, die gehört wird. Es stehen viele Aufgaben an." Dabei geht es Förster nicht nur um einen möglichen Modus zur Beendigung der laufenden Saison, sondern auch um wirtschaftliche Fragen. "Da brauchen wir Lösungen, da wir Regionalligisten von den Corona-Hilfen nicht so profitieren können, wie es die Profiklubs in den ersten drei Ligen tun."

Löwe: Bund und Länder schieben sich schwarzen Peter zu

Diese Problematik stört auch Thomas Löwe von Lok Leipzig, der in Winkler die Hoffnung setzt, dort zeitnah etwas zu erreichen. "Er muss angehen, dass die Regionalligisten unterstützt werden. Bisher fallen sie in den Programmen hinten runter. Es sind da schon viele Briefe geschrieben worden, damit die Regionalligisten von der Corona-Hilfe Profisport profitieren können. Aber diese haben alle zu nichts geführt." An dieser Stelle müsse der Druck auf die Bundespolitiker erhöht werden: "Ich bin großer Fan des föderalen Systems in Deutschland. Wenn sich Bund und Länder jetzt aber den schwarzen Peter zuschieben, führt das zu Verdruss."

Große Unterschiede in der Regionalliga als Problem

Für den Vorsitzendes des SV Babelsberg Archibald Horlitz liegt das Problem in der Wahrnehmung der vierten Liga: "Ich wünsche mir von den Verbänden - NOFV wie auch DFB -, dass sie endlich klären, wo die vierte Liga verankert ist: Sind wir eine Amateurliga oder heftet uns schon das Profietikett an? Wir werden bewusst in einer Grauzone gehalten." Für ihn ist die Sache klar: "Ich glaube, dass auf Dauer nur die Mannschaften in der vierten Liga spielen können, die professionelle Strukturen haben." Für die kleineren Vereine sei es teilweise alleine auf Grund der Verbandsauflagen schwierig, in der vierten Liga zu bestehen. Aktuell seinen die Unterschiede zu groß, deswegen "wird es problematisch, allen gerecht zu werden. Herr Winkler ist um seine Aufgaben nicht zu beneiden."

Hermann Winkler 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie fortfahren mit der laufenden Saison?

Bei der Frage nach dem weiteren Saisonverlauf gehen die Meinungen bei den befragten Teams weit auseinander. Einig ist man sich nur, dass es irgendwann mal weitergeht. In Jena setzt man weiter auf eine verkürzte Variante. "Spielen wir so lange, wie es geht? Oder wird dem Vorschlag mit den Playoffs gefolgt? Das ist das Akute, was für uns von Interesse ist", so Förster. Aber auch die Wirtschaftlichkeit dürfe dabei nicht vernachlässigt werden.

Lok: Fortsetzung nur mit Zuschauern oder Unterstützung

Lok Leipzig hatte die Fortsetzung früh an bestimmte Faktoren geknüpft: "Es muss sich entweder wirtschaftlich darstellen lassen, in dem Zuschauer zugelassen werden, oder man organisiert Unterstützungsleistungen. Es geht nur eines von beiden", so Präsident Löwe. Auch die pandemischen Gesichtspunkte dürften nicht außer Acht gelassen werden. Erst dann könne man sich über einen Spielmodus unterhalten.

Bischofswerda würde freiwillig absteigen

Etwas pessimistischer ist man da in der Oberlausitz - nicht nur in Bezug auf mögliche Hilfen durch die Politik, sondern auch was einen möglichen Neustart angeht: "Einen Beginn im März halte ich für unrealistisch. Ich denke eher an Ostern oder gar Pfingsten", sagt Jürgen Neumann. Ein so später Zeitpunkt der Wiederaufnahme würde natürlich zu Problemen bei der sportlichen Bewertung der Liga führen, auch da hat Neumann eine klare Meinung: "Es muss Absteiger geben, denn es könnten ja wie im letzten Jahr wieder Vereine aus der 3. Liga nach unten kommen. Wir wollen einen zweiten geschenkten Nichtabstieg nicht hinnehmen. Würde die Saison abgebrochen werden, und man sagt uns, wir würden in der Liga bleiben, würden wir trotzdem absteigen." Trotzdem will man in Bischofswerda in der kommenden Woche wieder das Training aufnehmen. Ein Abstieg wäre aber nicht das Ende des Fußballs beim BFV. "Wir haben eine starke Gemeinschaft von etwa 160 Sponsoren, die hat sich auf die Fahne geschrieben, den Fußball in Bischofswerda zu erhalten. Seit letzter Woche läuft ein virtuelles Trainingslager mit unseren Sponsoren auf den Smartphones", erklärt Neumann die BFV-Variante der Sponsorenpflege.

Babelsberg schon einen Schritt weiter - Coronatests für 30 Personen

In der Filmstadt vor den Toren Berlins bereitet man sich auch akribisch auf den Neustart vor. Aber dort macht man sich ebenfalls Gedanken um die verbleibende Zeit und den Modus: "Die Frage ist, welches Zeitfenster steht uns zu Verfügung? Wenn es im März losgehen und man es bis Juni ausreizen würde, hätte man etwa 16 Wochen zur Verfügung. Da reicht nicht für eine Hin- und Rückrunde. Ich wäre dafür, dass man die Hinrunde zu Ende spielt und dann – je nach dem wie viel Zeit noch da ist – die eine Hälfte um den Aufstieg und die andere Hälfte um den Abstieg spielen lässt." Zuallererst müssten dafür aber die Corona-Fallzahlen nach unten gehen, vorher wäre ein Neustart nicht vertretbar. Und die Spieler, Trainer und Betreuer müssten getestet werden. Das macht man beim SVB 03 bereits: "Die Tests können inzwischen auch von Apotheken durchgeführt werden. Das ist ein Kostenaufwand von zehn Euro pro Spieler und Test. Dafür haben wir 5.000 Euro eingeplant in den kommenden acht Wochen. Das reicht aus, um die Spieler zwei Mal die Woche und das Personal herum, wie die Trainer, zu testen. Wir haben etwa 30 Personen in den Testungen", erklärt Horlitz.

Videos aus der Regionalliga

Ein Mann
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle anzeigen (77)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 23. Januar 2021 | 14:00 Uhr

3 Kommentare

Wolfus vor 5 Wochen

Herr Winkler muß sofort mit dem MDR verhandeln,damit der MDR in der kommenden Saison wieder Spiele Live und im Livestream überträgt und der Vertrag verlängert wird.
Wenn der MDR den Vorschlag gemacht hat,diese Saison wie die Endrunde einer Europomeisterschaft zu spielen(regulär kann definitiv nicht zu Ende gespielt werden),dann sollten die Verantwortlichen beim NOFV auf den MDR zugehen und im Interesse der Vereine handeln,denn es geht um Geld und auch darum,das Spiele für die Fans übertragen werden!!!!!
Jetzt ist schnelles Handeln gefordert und nicht wieder end und sinnlose Debatten die nichts bringen.

Chemieschwein vor 5 Wochen

Eine große Aufgabe wird sein, den MDR zu bewegen die RL NO weiter zuübertragen und die Einflussnahme des Heimatsenders auf den RL Saisonausgang zu verhindern. Bisher hat Ihr das TOP gelöst in dieser Pandemiezeit wieso auf einmal solche Töne aus der Sendezentrale?? Eine Stellungnahme des Steuerfinanzierten Senders währe nicht schlecht...

oldie68 vor 4 Wochen

Ich bin überrascht über diese Aussage von dir . Nein nicht Füsse küssen beim MDR , nach solchen Aussagen!