Fußball | Regionalliga Chemnitzer FC: "Eine Mehrheit ins Stadion holen, die die anderen zur Minderheit macht"

Regionalligist Chemnitzer FC hat ein Imageproblem. Nach den Vorfällen in Most will sich der CFC neu ausrichten und ein antirassistisches Leitbild erstellen. Dazu wurde am Montag (5. Juli) eine Veranstaltung geschaltet, der Beginn eines langen Prozesses.

CFC Emblem am Hauptgebäude.
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Der Chemnitzer FC hat ein Imageproblem, und das seit Jahren. Ein Teil der Anhänger wird mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht. Nach den jüngsten Vorfällen im tschechischen Most, als eine Gruppe von CFC-Fans nach dem Testspiel ihres Vereins durch die Stadt zog und rechtsradikale Parolen skandierte, haben die Chemnitzer Verantwortlichen reagiert und eindeutig Stellung gegen diese "Minderheit" bezogen.

Leitbild als Wertekompass

Um die wahren Ziele des Klubs zu verdeutlichen, hatte die Steuerungsgruppe Leitbild am Montag (5. Juli) zu einer virtuellen Informationsveranstaltung geladen. Aufgefordert waren Mitglieder, Fans und Interessierte, ihre Vorschläge zu einer echten Fan-Kultur einzubringen. Die Beteiligung war groß und gleichzeitig der Auftakt eines Prozesses, der noch lange dauern wird. Der erste Schritt ist aber getan.

CFC-Vorstandsvorsitzende Romy Polster stellte dar, dass wie in jedem Unternehmen ebenso jeder Verein nach bestimmten Strukturen und Werten aufgestellt ist: "Und die sollten nach einem Leitbild in Form von Sätzen und Aussagen festgehalten werden. Damit man sich auch in einer Selbstverpflichtung danach halten und richten kann."

Romy Polster (Chemnitzer FC)
CFC-Vorstandsvorsitzende Romy Polster. (Archiv) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Norman Löster, Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Chemnitzer FC, artikulierte es so: "Unser zukünftiges Leitbild umfasst die Grundsätze, wie der Chemnitzer FC handeln soll. Es sollen die Wertungen ausformuliert werden, doch weniger als Idealvorstellung, vielmehr als nachhaltiger Wertekompass für den CFC."

Keine Duldung von Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit

Wesentliche Punkte fasste der Antirassismus-Beauftragte Martin Ziegenhagen zusammen, der seit Anfang März 2020 beim Chemnitzer FC in dieser Funktion tätig ist. Er betonte, dass nach den Ereignissen in Most der Verein schnell reagiert habe, "was man vorher in dieser Klarheit vom CFC so nicht kannte und erwartet hätte".

Ziegenhagen machte deutlich: "Mit diesen Menschen und mit dieser Form der Unterstützung wollen wir nichts zu tun haben. Der Chemnitzer FC duldet Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit in keiner Weise." Ein Anliegen von Ziegenhagen ist es auch, wieder "die Leute ins Stadion zu holen, die den Chemnitzer FC bisher mit Rechtsradikalismus gleichgesetzt haben". Damit wolle man "eine Mehrheit ins Stadion holen, die die anderen zur Minderheit macht".

red

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsenspiegel | 06. Juli 2021 | 19:00 Uhr

21 Kommentare

lunatic vor 21 Wochen

@FCSL: Das sind Spitzfindigkeiten für Krümelkacker/Erbsenzähler, wobei dein erstes Beispiel durchaus richtig formuliert ist, denn das Problem sind eher nicht die Führung von e.V. u. GmbH des CFC und auch nicht die Mehrheit der Vereinsmitglieder. Wofür man stehen möchte(=Leitbild) -dazu braucht man die Vereinsmitglieder+FanClubs - das kann man nicht "von oben" verordnen. Und hier wird´s doch mehr als deutlich: "...der Verein schnell reagiert habe, "was man vorher in dieser Klarheit vom CFC so nicht kannte und erwartet hätte", "Mit diesen Menschen und mit dieser Form der Unterstützung wollen wir nichts zu tun haben. Der Chemnitzer FC duldet Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit in keiner Weise.", "die Leute ins Stadion zu holen, die den Chemnitzer FC BISHER mit Rechtsradikalismus gleichgesetzt haben"." Mit dem letzten Zitat ist auch erklärt, was gemeint ist - es sind aber auch jetzt schon Fans im Stadion, die wissen, dass sie selbst die Mehrheit und eben nicht rechtsradikal sind.

Matze91 vor 21 Wochen

@FCSL...es wurde niemals gesagt das die Most-Crew hier die Mehrheit wäre...es geht darum dann man eine solche Gruppierung im Stadion nicht mehr dulden werde...und je mehr aufstehen gegen solche Leute destso besser...
Und ich wiederhole mich gerne das die Mostaktion definitiv keine CFC Fans waren, es waren nur wieder Vollpfosten die unseren Verein schädigen wollten...
Man sollte eben zwischen beiden unterscheiden können...

FCSL vor 21 Wochen

Drei kürzliche Aussagen des CFC hier auf der MDR-Seite:
"...das Bild unseres Vereins zu verbessern." - das *Bild*, nicht den Verein selbst
"...wofür er [der CFC] stehen möchte" - *möchte*, nicht wofür der Verein tatsächlich steht
"...eine Mehrheit ins Stadion holen, die die anderen zur Minderheit macht" - die Most-Crew ist im Moment die Mehrheit im Stadion

Unglücklicher Ausdruck oder erfrischende Offenheit?