Fans im Fanblock mit Fahnen und Transparenten für den Erhalt der Regionalliga Nordost
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Fußball | Regionalliga | Reform Viele Nordost-Klubs sauer über Regionalliga-Pläne - "20+2" favorisiert

Die Pläne, die Regionalliga Nordost mit den Regionalligen im Norden und in Bayern zu verschmelzen, trifft bei vielen Nordost-Vereinen auf Kritik. Das ergab eine MDR-Umfrage, an der sich die Hälfte der Klubs beteiligte. Bei der Frage nach einer Lösung kristallisieren sich zwei Vorschläge heraus - einmal wird der Ball zur 3. Liga gespielt.

von Christian Kerber & Alexander Küpper

Fans im Fanblock mit Fahnen und Transparenten für den Erhalt der Regionalliga Nordost
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Die Pläne für eine Aufteilung der Regionalliga Nordost stoßen bei den Klubs auf große Ablehnung. Bei einer MDR-Umfrage unter den 18 Vereinen schickten die Hälfte der Vereine Antworten: Alle waren gegen eine Aufteilung der RL Nordost in neue vierte Ligen im Norden und Bayern. Die Klubs wollen die Nordost-Staffel behalten und haben als Lösung aus der nun länger andauernden Diskussion zwei Vorschläge parat.

Halberstadt ohne Zuschauermagneten?

Erik Hartmann, Präsident VfB Germania Halberstadt
Germania-Präsident Erik Hartmann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Besonders gravierend könnte es Germania Halberstadt treffen. Der derzeit einzige Vertreter aus Sachsen-Anhalt könnte als einziges mitteldeutsches Team gezwungen sein, in den Norden abwandern zu müssen. Germania-Präsident Erik Hartmann sagte: "Einer gesamten Region wird die Identität genommen. Zuschauermagneten sind die Traditionsvereine der ehemaligen DDR-Oberliga. Für uns ist es ein Unterschied, ob wir gegen Lok Leipzig, den Chemnitzer FC oder RW Erfurt spielen oder aber gegen den SSV Jeddeloh, Rehden oder Lüneburg." Das ist aber nicht nur eine Gefühlssache: "Wesentlicher Bestandteil unserer Saisonkalkulation sind die Zuschauereinnahmen".

"Fader Beigeschmack"

Manfred Weidner, der sportliche Leiter des FC Oberlausitz Neugersdorf, empfindet eine "große Ungerechtigkeit und einen faden Beigeschmack". Es werde versucht "eine Struktur zu zerschlagen, in der die Ostvereine eine Heimat und eine Verbindung zur Tradition haben". Er hält den Plan mit vier Regionalligen "weder für sinnvoll noch für wirtschaftlich darstellbar". Auch Hubert Wolf, Präsident des ZFC Meuselwitz, spricht davon, dass dies "wirtschaftlich wenig verantwortungsvoll" wäre. Der Begriff "Regionalliga" mit meist semiprofessionellem Leistungssport würde damit im Prinzip "ad absurdum" geführt werden.

Hubert Wolf, Präsident des ZFC Meuselwitz und Chef der Firma bluechip Fußball.
Hubert Wolf ist als langjähriger Präsident des ZFC Meuselwitz ein Regionalliga-Kenner. Bildrechte: imago/opokupix

Auch Auerbach, Viktoria Berlin und Babelsberg gegen ein Ende der RL Nordost

Der Bischofswerdaer FV argumentiert ähnlich. "Die langen Fahrtwege sind nur unter Profibedingungen machbar", so Präsident Jürgen Neumann, "die beabsichtigte Lösung stellt den Niedergang des Amateurfußballs in der 4. Liga dar". Auch der VfB Auerbach, Viktoria Berlin und der SV Babelsberg können sich mit dem Ende der Regionalliga Nordost nicht anfreunden. Ein Sonderfall ist der FC Rot-Weiß Erfurt: RWE-Sportdirektor Oliver Bornemann sagt: "Meister müssen aufsteigen, das ist aus unserer Sicht die oberste Prämisse und der einzige Weg!" Dabei sollten Vereins- vor Verbandsinteressen stehen.

Das sind die konkreten Vorschläge

Was wäre ein Ausweg aus dem sportpolitischen Dilemma? Zwei Vorschläge werden immer wieder genannt. Zum einen die Aufstockung der 3. Liga von 20 auf 22 Teams. Damit könnten die jetzigen fünf Regionalligen in Deutschland bleiben - unter dem immer wieder geforderten Prinzip "Der Meister muss aufsteigen!". Babelsberg argumentiert mit mehr Einnahmen für die Drittligisten angesichts von zwei Heimpartien mehr. Die zusätzliche Belastung könnte durch ein späteres Einsteigen in die Landespokale abgefangen werden. Neugersdorf geht noch einen Schritt weiter: Die 3. Liga ist gar nicht mehr im Landespokal dabei und stattdessen im DFB-Pokal gesetzt.

Fernsehkamera mit Logo 3.Liga auf dem Leibchen des Kameramanns.
Geht es nach einigen Nordost-Klubs, könnte es bald noch ein weiteres Drittliga-Spiel geben. Bildrechte: IMAGO

Auerbach: Fester dritter Aufsteiger in Liga 2

Auerbachs Manager Volkhardt Kramer bringt als "Bonbon" für die Drittliga-Vereine einen festen dritten Aufsteiger in die 2. Liga ins Spiel. Die Relegation gegen den Drittletzten der 2. Liga würde wegfallen. Ob da die mächtige DFL mitspielt? Zumal es ja auch aktuelle TV-Verträge gibt. Kramer glaubt es nicht und meint lakonisch: "Da wird man aber wohl eine Einnahmequelle dem Gerechtigkeitsprinzip vorziehen." Insgesamt können sich sechs Vereine die Aufstockung der 3. Liga vorstellen, neben Auerbach, Neugersdorf und Babelsberg sind das Meuselwitz, Halberstadt und Viktoria Berlin.

Volkhardt Kramer
Volkhardt Kramer vom VfB Auerbach bringt einen dritten, festen Aufstiegsplatz für Liga 3 ins Gespräch. Bildrechte: IMAGO

Unter der Maßgabe, die RL Nordost muss bleiben, findet auch diese Variante einen gewissen Anklang: Die Meister von drei Regionalligen, in diesem Fall dann Bayern, Nord und Nordost, spielen zwei Aufsteiger aus. Es könnte einen festen Aufsteiger im rollierenden System geben und zwei Aufstiegsspiele. Oder das Ganze ohne einen festen Aufsteiger vonstatten gehen. Dann müsste die 3. Liga nicht erweitert werden, aber das Prinzip "Der Meister muss aufsteigen" würde nicht immer zum Tragen kommen.

Auch Norderstedt kann sich "20+2" vorstellen

Nord-Regionalligist Eintracht Norderstedt steht zwar nur auf Platz 14, hat aber durchaus prominente Köpfe zu bieten. Trainer ist Dirk Heyne, einst Torwart und Coach beim 1. FC Magdeburg, und Präsident Reenald Koch, auch schon zwei Jahre lang Präsident des FC St. Pauli. Koch, der die Regionalliga Nord auch in einer DFB-Arbeitsgruppe vertritt, findet eine viergleisige Regionalliga "wirtschaftlich nicht vertretbar". Seine drei Lösungsvarianten: 3. Liga mit 22 Teams und einem Landespokal-Einstieg ab Viertelfinale, zwei Aufsteiger aus den Regionalligen Nordost, Nord und Bayern oder eine Aufteilung der 3. Liga in Nord und Süd mit jeweils 16 Mannschaften.

Dirk Heyne
Der Ex-Magdeburger Dirk Heyne ist Trainer in Norderstedt Bildrechte: IMAGO

Memmingen für Beteiligung an TV-Geldern

Aus Bayern meldeten sich zwei Stimmen. Der FC Memmingen, aktuell Tabellen-Fünfter, ist der einzige Verein, der die alte dreigleisige Regionalliga Süd sportlich und finanziell "überlebt" hat, wie es der 1. Vorsitzende Armin Buchmann ausdrückt. Auch er glaubt, dass es künftig für reine Amateurvereine organisatorisch, sportlich und finanziell nicht mehr zu leisten sein wird. Er fordert eine Beteiligung an TV-Geldern, mindestens in Höhe der damaligen RL Süd, das heißt mehr als 100.000 Euro. Buchmann kann sich auch eine regionalere Aufteilung vorstellen, er sagt aber auch: "Benachbarte Vereine werden immer irgendwie derbymäßig getrennt werden. Memmingen und Illertissen liegt zum Beispiel Südwest-Klub Ulm näher als Erfurt."

Bayrische Vereine weiterhin eher gegen Aufsplittung von Bayern und Nordosten

Christoph Heckl, Vorstand beim FC Ingolstadt und Sprecher der Regionalliga Bayern, betont, dass es in Bayern zu keinem Zeitpunkt Bestrebungen gab, eine Bayern-Liga unbedingt zu erhalten. Zwei feste Aufsteiger für den Westen und Südwesten können die Bayern nachvollziehen, denn die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland würden in Bezug auf Einwohner, Vereine, Mitglieder und aktive Fußballer rund 50 Prozent ausmachen. Ansonsten haben die bayrischen Regionalliga-Vereine ihre Haltung nicht verändert: Sie sind wegen der regionalen Struktur und der großen Distanzen - speziell nennen Sie in ihrer "Wendelsteiner Vorlage" von 2017 rund 600 km von Hoyerswerda nach Memmingen - für den Erhalt der drei Regionalligen Norden, Nordosten und Bayern. Auch auf Kosten des "Meister"-Prinzips. Dafür müsste dann eine Aufstiegsrunde zum Beispiel her.

Szene vor dem Tor,
Memmingen gegen 1860 München Bildrechte: imago/ActionPictures

Unterstützung aus Bayern für den Nordosten?

Wenn der Meister denn unbedingt aufsteigen muss, schlagen die Bayern eine Regionalliga Südost mit Sachsen, Thüringen und Bayern vor sowie eine Regionalliga Nord mit Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Wörtlich heißt es: "Allerdings würden die bayerischen Spitzenklubs die Vereine der Regionalligen Nord und Nordost unterstützen, wenn diese ihre jeweiligen Ligen mit einer sich daraus ergebenden Relegation um zwei Aufstiegsplätze zur 3. Liga zwischen den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern erhalten wollen."

Treffen in Peißen (Sachsen-Anhalt)

Nach einer breiten Zustimmung für den Vorschlag sieht es derzeit aber nicht wirklich aus. Am 19. März treffen sich in Peißen/Landsberg (Sachsen-Anhalt) die Regional- und Drittligisten der betroffenen drei Regionen, um über eine Lösung zu beraten. Die Drittligisten könnten dabei das Zünglein an der Waage sein. Rechtlich entschieden wird dann auf dem DFB-Bundestag am 26. und 27. September 2019 in Frankfurt/Main. Die Kuh vom Eis möchte der DFB aber mit Sicherheit schon vorher haben.

 Das Bild zeigt das Ramada Hotel Halle Peissen Peißen
Ein Tagungshotel in Peißen (Sachsen-Anhalt). Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 23. Februar 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2019, 10:01 Uhr

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65 Kommentare

09.03.2019 00:11 Thüringer 65

@5-Chemieschwein! "Auf Meuselwitz kann man eh verzichten!"Tja,Sportsfreund,-und warum spielen die in der RL und Chemie nicht??

08.03.2019 18:31 Till Scholtz-Knobloch (Görlitz) 64

@61 wicky
Sie haben an dem Beitrag nicht verstanden, dass es nicht allein um Wünsche geht, sondern Realpolitik. Ein Sender hat schon die Pflicht seinen Hörern und Lesern reinen Wein einzuschenken, was die Mehrheiten in einem Verband hergeben. Momentan gilt ja im NOFV: Volldampf auf der reinen Ostalgiewelle voraus mit dem Kopf gegen die Wand!

08.03.2019 17:34 Ramses 63

Es wird hier immer wieder auf die Stärke der Nordostclubs verwiesen. Dann wäre die Aufteilung der Staffel doch ideal. Dann kann der Nordosten künftig zwei Aufsteiger stellen!

08.03.2019 16:54 revolvere 62

@ 61
man darf dir, mir, uns überhauptsnix wegnehmen,
@ wicky67ly.
ich will meinen vfb auerbach haben wie er ist und jedenfalls nicht in bayern oder wo zugehörig. so ein schmarren, kann ich da nur sagen. die haben nicht alles tassen im schrank!

08.03.2019 14:11 wicky 67 61

@57:Till Scholtz-Knobloch:

Warum sollte der MDR denn seine Berichterstattung so führen, wie es ihnen gerade so passt?? Der MDR berichtet in dieser Sache halt loyal gegenüber seinen Usern, aber zum Glück nicht so NOFV-Negativ wie Sie!! Und warum sollte sich der MDR an irgendwelche Pseudo-Mehrheiten westlicher Landesverbände orientieren?? Das ist doch alles sekundär! Primär sollten doch die Wünsche der Fans im Vordergrund stehen!! Und gerade die Nordoststaffel lebt von seinem Charme, sowie gelebter Nostalgie speziell auch nie vergessener Zeiten! Dieses Stück Leben darf man diesen Menschen nicht einfach so wegnehmen!!!

08.03.2019 11:30 Kristallkugel 60

Folgende außergewöhnliche wie innovative Idee fand bisher nur wenig Anklang:
in 3 Großregionen werden je 2 (insgesamt also 6) Regionalligen gebildet (à 14-17 Vereine) // nach einfacher Halbserien-Qualifikation (keine Rückspiele) spielen die Teams von Platz 1-6 beider Regionalligen einer Großregion eine Meisterschaft // der Meister steigt auf // Großregionen: "Nord/Nordost" (SH, HH, NS, HB / MV, BB, ST, SN, TH), "West/Südwest" (NRW / RP, SL), "Süd/Bayern" (HE, BW / BY) // auch 4 Großregionen mit 8 Regionalligen wären möglich: "NE" (SH, HH, MV / BB, ST, SN, TH), "NW" (NS, HB / NRW), "SW" (RP, SL / HE), "S" (BW / BY)

08.03.2019 11:23 Kristallkugel 59

Zitat: "dass es in Bayern zu keinem Zeitpunkt Bestrebungen gab, eine Bayern-Liga unbedingt zu erhalten". Wieso hat man denn vor ein paar Jahren darauf bestanden, diese unsinnige und historisch nicht begründete 5. RL-Staffel "Bayern" überhaupt erst einzuführen?
Historisch begründet wäre eine RL Süd mit z.B. BY, BaWü und meinetwegen Hessen.
Das Argument Bevölkerungs- bzw. Vereinsdichte wird einseitig verwendet und ist in dieser Form vollkommen überbewertet. Das findet so werder oberhalb der RL Anwendung noch unterhalb.

08.03.2019 10:19 Bernd 58

@53 da diese Statistik der allgemeinen Stimmungslage widerspricht wird sie nicht akzeptiert. Es gaebe auch eine andere:
Bayern 4
Nordost 5
Nord 3
West 3
Suedwest 3 (das waeren die bisherigen Aufsteiger). Und das spricht eben fuer eine Nordost Liga. Das Auswendiglernen der 4 Himmelsrichtungen und das dann als der Weisheit letzten Schluss zu verkaufen bringt aber auch nichts weil es vollkommen ignoriert dass Landesverbaende hinter der Ausrichtung der Regionalliga stehen. Aber wuerde man die U23 Mannschaften aus der Regionalliga herausnehmen spraeche vieles fuer 4 Staffeln darunter eben Nordost. Waere zwar ein Kompromiss aber einer der die Historie der letzten Jahre beruecksichtigt.

08.03.2019 07:55 Till Scholtz-Knobloch (Görlitz) 57

Marc hat völlig recht. Wir stehen wenige Tage vor dem Showdown, in der sich bis auf den NOFV alle Regional- und Landesverbände mit möglichen Bündniskonstellationen bestens in Stellung gebracht haben, während der NOFV gegen jede Logik der Mehrheiten weiterhin mit dem Kopf durch die Wand will. Hätte der NOFV z.b. eine Konstellation zustande gebracht HH und Schleswig-Holstein aufzunehmen, wäre mit diesen der eigene Erhalt vielleicht denkbar gewesen. Statt dessen bot der NOFV selbstherrlich nur Schleswig-Holstein die Aufnahme an, was im Norden logischerweise nicht ankam. Nun steht man vor dem Scherbenhaufen und der MDR macht in der Jammerei mit anstatt endlich mal ausdrücklich Hörer und Leser zu erklären, dass der Erhalt der NOFV mit Direktaufstieg angesichts der Mehrheiten eine völlige Illusion ist und nicht Anti-Ost-Politik, sondern mangelnde NOFV-Bündnispolitik über Jahre schuld ist.

08.03.2019 07:03 Karlheinz Gustav 56

So ein Schwachsinn, nur weil die mehr Mannschaften haben sollen andere Teams ruiniert werden?! Entweder 22 Teams - 3 Liga bei 5 Regios = 5 Auf bzw Absteiger! Als Alternative kann ich mich auch mit 20 Teams - 3 Liga anfreunden bei 5 Regios = Bay Sac und Nor erhalten 1 festen (rotierend) und der 4 Aufsteiger wird ausgespielt!
Oder noch besser 4 Regios aufgeteilt in N, O, S, W! Regio Nordost würde bei letzterem bestehen bleiben wie Sie ist! Warum "zerschlägt" man nicht Süd und West, ham doch genug Teams. :-DDD *Regio Nordost bleibt!*