Fußball | Regionalliga Vor Lok Leipzig vs. Eilenburg: Corona-Sorgen und Straßengang-Mentalität

30. Spieltag

Lok gegen Eilenburg, oder: Das Duell der Gegensätze: Die einen kommen aus einer langen Corona-Pause, die anderen haben gerade Aufwind. Für den einen Trainer ist es "ein besonderes Spiel", für den anderen nicht. Gewinnen wollen aber beide. Und wer hat die Favoritenrolle? Es geht um Auf- und gegen Abstieg. Der MDR zeigt die Partie Lok vs. Eilenburg live.

FC Eilenburg vs. Lok Leipzig - Sachsenpokal 2020 (Archivbild) - Kopfball Djamal Ziane (Lok)
Kopfball Djamal Ziane (Lok) Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

"Viel passiert, nicht rasiert" –Lok Leipzigs Trainer Almedin Civa versucht es mit Galgenhumor, wenn er an die vergangenen 24 Tage Corona-Zwangspause für seine Mannschaft denkt. Wenn am Samstag (19.03.2022) im Leipziger Bruno-Plache-Stadion 14.05 Uhr der Anpfiff der Partie Lok Leipzig gegen den FC Eilenburg ertönt, hat Civas Team mehr als drei Wochen kein Punktspiel bestritten.

Civa: "Da hast Du kein Spiel im Kopf"

Die Freude auf ein Fußballfest vor bis zu 3.000 Zuschauern hält sich bei Civa allerdings in Grenzen. Da ist zum einen der Krieg in der Ukraine, der bei dem 49-Jährigen Bosnier schlimme Erinnerungen an die Kriegserfahrungen seiner Familie aus dem Jugoslawien-Krieg Anfang der 1990er weckt. Und da ist die Sorge um die Gesundheit und Fitness seiner Spieler. Zwischenzeitlich hatte sich mehr als die Hälfte seiner Spieler mit dem Corona-Virus infiziert. "Da hast Du keine Tabelle und kein Spiel mehr im Kopf, sondern, dass die Jungs gesund zurückkommen." Seit ein paar Tagen ist nun der Großteil seiner Mannschaft negativ getestet.

FC Eilenburg vs. Lok Leipzig - Sachsenpokal 2020 (Archivbild) - Lok-Trainer Almedin Civa
Civa: "Meine Mannschaft ist nicht fit" Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Berger: "So scheiße wie noch nie"

In die Sorgen mischt sich nun Kritik. "Ich will Fußball spielen, aber mit gesunden Spielern. Drei Punkte kommen und gehen, ich will aber keine Spieler verlieren", sagt der Lok-Coach. Er schlägt damit verbal in die gleiche Kerbe wie der Mainzer Bundesliga-Trainer Bo Svensson, der in dieser Woche die verbreitete Annahme kritisiert hat, "dass, wenn man negativ ist, man auch spielfähig ist". In Mainz wurde bei Angreifer Delano Burgzog sogar eine Herzmuskelentzündung nach der Corona-Infektion diagnostiziert. Solche Fälle gibt es bei Lok zum Glück nicht. Robert Berger berichtet jedoch von seiner Infektion, bei der er sich "so scheiße wie noch nie" gefühlt habe. Das erste Training nach zwei Wochen sei dann auch eine echte Herausforderung gewesen. "Meine Mannschaft ist noch nicht fit", sagt Civa zwei Tage vor dem Punktspiel gegen Eilenburg.

Aufstiegs- gegen Abstiegskandidat

Der Tabellen-Dritten aus Leipzig-Probstheida steckt in einer misslichen Situation. Aus dieser könnte Samstag-Gegner Eilenburg nun Kapital schlagen. Die Muldestädter kämpfen als Tabellen-16. gegen den Abstieg, haben in dieser Saison auswärts noch nie gewinnen können, liegen in der Auswärtstabelle auf dem vorletzten Rang. "Wir wissen, dass ein Top-Gegner einen nicht so guten Tag braucht, damit wir etwas reißen können", weiß FCE-Trainer Nico Knaubel.

Knaubel: "Keine zwei Busse parken"

"Wir nehmen das Spiel als Derby", erklärt der 42-Jährige und hofft, damit zusätzliche Kräfte freisetzen und eine seltsame mentale Auswärts-Blockade seiner Mannschaft lösen zu können. Zu Hause ist sein Team seit September ungeschlagen. Auswärts verlor Eilenburg elf von 14 Spielen. Dennoch, so verspricht Knaubel: "Wir werden in der Abwehr keine zwei Busse parken oder Beton anrühren." Stattdessen schwebt dem FCE-Coach eine "Straßengang-Mentalität" vor, so wie es auf der ganz großen europäischen Fußball-Bühne etwa Atletico Madrid vormacht. "Zu wissen, wie du einen Gegner aus dem Rhythmus bringen kannst".

Nico Knaubel Trainer FC Eilenburg nach dem Spiel Meuselwitz gegen Eilenburg 24.10.2021, zeigt mit dem rechten Zeigefinger nach vorn.
Nico Knaubel: "Straßengang-Mentalität" Bildrechte: imago images/opokupix

Civa: "Eilenburg ist angekommen"

Knaubels Team ist dafür gerade im Hoch. In der Vorwoche wurde mit Altglienicke erstmals ein Top-Team der Liga geschlagen. "Wir haben eine gute Form, wir haben ständig gespielt, sind im Rhythmus. Das ist vielleicht ein kleiner Vorteil gegenüber Lok", weiß Knaubel. Und auch Civa hat beobachtet: "Eilenburg ist in der Liga angekommen, sie sind fußballerisch nicht schlecht. Ich kann mich an das 1:1 aus dem Hinspiel noch gut erinnern." Im September luchste Eilenburg durch ein Tor kurz vor dem Abpfiff Lok noch einen Punkt ab.

Besonderes Verhältnis und besonderes Spiel

Es war nicht das erste Mal, das Civa nach einem Spiel gegen Eilenburg frustriert war. Denn auch sein erstes Spiel als Lok-Trainer bestritt er im August 2020 gegen die "Macht von der Mulde" – und verlor das Sachsenpokal-Halbfinale. Von einem besonderen Spiel oder gar Revanche-Gedanken will Civa allerdings nichts wissen. Anders als Knaubel. Für den FCE-Coach ist die Partie in Probstheida "ein besonderes Spiel". Der frühere Abwehrspieler kickte in seiner Jugend lange bei Lok-Vorgänger VfB Leipzig. Nun hofft er, dem Mitfavoriten auf die Regionallliga-Meisterschaft ein Bein zu stellen. "Das wird ein Highlight für uns. Das sind die Spiele, die wir uns gewünscht haben, als wir den Gang in die Liga angetreten sind."

Knaubel: "Sie haben eine sehr gute Mischung"

Die Favoritenrolle sieht Knaubel trotz der aktuellen Widrigkeiten im Lok-Team klar bei den Leipzigern: "Sie haben eine gefestigte Hierarchie mit klaren Führungsspielern. Sie haben eine Fitness, die eindrucksvoll ist. Sie sind variabel im Angriffsspiel und mehrere Waffen. Wenn es flach nicht geht, können sie über Standards oder das Flankenspiel gehen. Sie haben eine sehr gute Mischung", schwärmt der FCE-Coach.

Lok-Torhüter fehlt - Fragezeichen bei Eilenburg

Personell fehlen Lok Stammtorhüter Jan-Ole Sievers und Mittelfeldspieler Michael Schlicht. Bei Eilenburg trainiert der zuletzt an Corona erkrankte Stammtorhüter Andreas Naumann wieder. Ob er oder der zuletzt erfolgreiche Christopher Schulz im Tor stehen wird, ist aber noch nicht sicher. Mit Sicherheit ausfallen wird allerdings Pascal Sauer, der sich mit Corona infiziert hat.

Civa: "Das einzige Positive ist, ..."

Das Corona-Virus beeinflusst also auch weiterhin das Fußball-Geschehen. Auch wenn für Lok am Samstag erst einmal eine 24-tägige Zwangspause endet. Kann man der Pause vielleicht auch etwas Positives abgewinnen? Nein, so die klare Antwort von Civa. "Wir haben 24 Tage verloren. Das einzige Positive ist, dass wir in der Zeit kein Wasser verbraucht haben."

Dirk Hofmeister

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 19. März 2022 | 14:00 Uhr

7 Kommentare

Chemieschwein vor 14 Wochen

welche 3000 ??? diesen Grottenkick am Südfriedhof tut sich doch niemand mehr an .. Gönnen wir den Muldestädern einen Punkt , damit wir uns alle wieder an Dammsitzpöbelei erfreuen können .. schön wenn man die eigene Mannschaft niederpöbeln kann ..

Lok vor 14 Wochen

Eilenburg ist nicht gerade der Lieblingsgegner unserer Lokschen. 4 Aufeinandertreffen, ein Sieg Lok, ein Sieg Eilenburg, zwei Unentschieden.
Alles möglich am Sonnabend. Bedingungen nicht optimal, nicht zu ändern. Das beste daraus machen. 2:1 Lok.

sachse81 vor 14 Wochen

Ich als Handball Fan, und etwas mit leutzscher Sympathie wünsche mir das Lok gewinnt . Zwar tut mir Eilenburg leid aber nach dem ganzen Getue vom bfc samt Trainer bestehe ich auf Lok und wünsche Eilenburg danach die Punkte auf Klassenerhalt.


Hannchen . Du bist überflüssig, Gieß nur noch mehr Öl ins Feuer

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