Fußball | Regionalliga Verkehrte-Welt-Duell für Auerbach gegen Cottbus

2016 und 2017 fertigte Cottbus den VfB Auerbach jeweils mit 4:0 ab. Dieses Jahr scheint alles anders. Cottbus steht in der Liga im Tabellenkeller und Sven Köhler geht mit Auerbach erstmals als Favorit in das Duell.

Marcel Baude (Auerbach, l.) und Axel Borgmann (Energie Cottbus, r.) im Kampf um den Ball.
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Früher war alles besser. So werden die Fans von Energie Cottbus am Mittwoch (02.09.2020) wohl stöhnen, wenn ihr Team beim VfB Auerbach antritt. 2016 und 2017 stiegen die Brandenburger im Vogtland kurz aus dem Bus und schickten die Gastgeber mit jeweils 4:0 vom Platz. Doch diesen Sommer ist Cottbus elf Jahre nach dem letzten Bundesliga-Jahr an einem historischen Tiefpunkt angelangt. Nach drei Auftaktpleiten und der Trainer-Entlassung von Sebastian Abt befinden sich die Lausitzer selbst in der Regionalliga im Keller. Im siebten Vergleich geht Auerbach erstmals als Favorit ins Duell.

Auerbach kann "mit Selbstvertrauen spielen"

VfB-Trainer Sven Köhler traut dem Braten aber noch nicht recht: "Cottbus wird dennoch versuchen, dominant aufzutreten. Für uns gilt es wie so oft, uns auf den Gegner einzustellen." Dass es nach der enttäuschenden Startniederlage beim Bischofswerdaer FV (0:2) einen umso überraschenderen 2:1-Heimsieg gegen Chemnitz und ein souveränes 4:1 in Rathenow gab, stimmt Köhler trotzdem zuversichtlich. "Wir können mit Selbstvertrauen ins Spiel gehen", sagt der Coach. Zumal mit Marc-Philipp Zimmermann sein Torjäger vom Dienst mit drei Treffern in den zwei Partien das Visier scharf gestellt hat. Köhler meint: "Je schneller Zimbo in einer Saison das Gefühl bekommt, dass es läuft, umso besser ist es. Aber wir haben gerade in Rathenow gezeigt, dass wir auch andere torgefährliche Akteure haben."

Marc-Philipp Zimmermann vor Lukas Aigner
Marc-Philipp Zimmermann hat in zwei Spielen bereits dreimal getroffen. (Archiv) Bildrechte: imago images/Picture Point

Trainerfrage bei Energie Cottbus

Während Auerbach auf Betriebstemperatur kam, wirkte Energie zuletzt eher wie ein Notstromaggregat. Trotz machbaren Auftaktprogramms gegen Lichtenberg (1:2), Meuselwitz (0:2) und Viktoria Berlin (1:2) zeigt der Zählerstand null. Nun soll vorerst Interimstrainer Tim Kruse in Auerbach für die Wende sorgen. Der 37-jährige Ex-Profi verfügt zwar über die Erfahrung von 55 Zweit- und 155 Drittliga-Spielen, hat seine Spielerkarriere aber erst 2019 beendet und seitdem ein halbes Jahr als Video-Coach und Assistent von Abt gearbeitet. Sein erster Kontrahent an der Seitenlinie Sven Köhler meint: "Als loyaler Co-Trainer wird er nicht alles anders machen. Dennoch müssen wir hellwach sein. Die Mannschaft ist definitiv besser, als sie gerade da steht."

Überraschend war, dass der FCE-Sportdirektor Sebastian König für die Cheftrainersuche als ein Kriterium "idealerweise Stallgeruch" ausmachte, was zuletzt ja wenig erfolgreich war. Die Äußerung jedenfalls brachte Gerüchte um eine Rückkehr von Abts Vorgänger Claus-Dieter Wollitz in Gang, der damit zum dritten Mal in Cottbus anheuern würde und beim zweiten Mal mit klaren Meinungsverschiedenheiten ging. Eher unwahrscheinlich scheint auch Kandidat zwei: Heiko Weber. Der Ex-Coach der Energie-Reserve ist in Jena Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und mit jungem Nachwuchs in Leipzig wohnhaft. Da würde ein ständiges Pendeln nach Brandenburg bei noch dazu unsicheren Jobverhältnissen kaum Sinn ergeben.

Eine interessante Lösung mit Stallgeruch wäre wohl René Rydlewicz, der von 2011 bis 2016 diverse Trainertätigkeiten (Nachwuchs-, Interims- und Co-Trainer) in Cottbus übernahm. Rydlewicz müsste allerdings gerade als Assistenztrainer bei der deutschen U20-Nationalmannschaft herausgelöst werden. Möglich auch, dass die Verantwortlichen doch auf externe Einflüsse bauen und Rico Schmitt ein Thema wird. Bis zu Königs Wunschtermin am 20. September ist jedenfalls noch viel Zeit.

Sebastian Abt, Cheftrainer, FC Energie Cottbus
Sebastian Abt musste bei Energie Cottbus seinen Hut nehmen. (Archiv) Bildrechte: imago images/Steffen Beyer

2019/20 - Zwei VfB-Siege gegen Cottbus

Bis dahin geht’s um wichtige Punkte beim Angstgegner. Denn Auerbach gewann schon in der vergangenen Spielzeit 4:1 in Cottbus und 3:2 zu Hause gegen Energie. Köhler winkt ab: "Das waren ja ungewöhnliche Überraschungssiege, die eine Extra-Motivation für Cottbus bedeuten können." Jedenfalls dürften die Gäste am Mittwoch mulmiger im Vogtland ankommen. "Schön wär’s", grinst der Auerbach-Coach.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 02. September 2020 | 19:30 Uhr