Fußball | Regionalliga Wacker Nordhausen stellt Insolvenzantrag

Schlechte Nachrichten für Wacker Nordhausen: Aufgrund der angespannten finanziellen Lage hat der Regionalligist einen Insolvenzantrag stellen müssen. Das wurde am Montag durch das zuständige Gericht bestätigt. Mittlerweile ist auch der Insolvenzverwalter bekannt. Beim Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) hält man sich noch bedeckt. Wacker muss nun mindestens mit einem Punktabzug in der laufenden Saison rechnen. Dieses Vorgehen stößt anderen Verantwortlichen sauer auf.

Eckfahne Fahne mit Logo von Wacker Nordhausen
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Was sich in der vergangenen Woche bereits angedeutet hatte, ist nun offiziell: Der hochverschuldete Regionalligist Wacker Nordhausen hat am Montagvormittag (9. Dezember) beim Amtsgericht Mühlhausen einen Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigte ein Gerichtssprecher dem MDR THÜRINGEN. Die Nordhäuser drücken laut letztem Jahresbericht mehr als neun Millionen Euro Schulden. Allein zwischen Sommer 2017 und Sommer 2018 waren mehr als drei Millionen Euro Verbindlichkeiten hinzugekommen. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Peter Staufenbiel aus Mühlhausen bestellt, meldete Wacker am Montagabend.



Nico Kleofas, Vereinspräsident und Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH hatte vor knapp eineinhalb Wochen über die desolate Finanzlage mitteilen lassen: "Fakt ist, ich bin rund um die Uhr damit beschäftigt, diese Situation zu entschärfen, um endlich Ruhe in dieses Thema zu bekommen." Seitdem war Kleofas zu keiner öffentlichen Stellungnahme bereit, auch nicht im Rahmen des gestrigen Auswärtsspiels der Thüringer bei der BSG Chemie Leipzig, das er vom Spielfeldrand aus verfolgte.

Wir müssen hier klar und eindeutig die Situationen des Vereins und der GmbH unterscheiden und differenzieren. Die Zukunft der Spielbetriebs GmbH liegt nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in den Händen eines Insolvenzverwalters. Die Zukunft des Vereins dagegen können dessen Mitglieder und die Region weitestgehend selbst bestimmen.

Hans-Joachim Junker Präsidiumsmitglied Wacker Nordhausen

Punktabzug? Wacker muss den NOFV noch unterrichten

NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs verwies auf Anfrage des MDR bezüglich der Causa Nordhausen lediglich auf Paragraph 6 der Spielordnung des Verbandes. Demnach ist ein Verein verpflichtet, den NOFV binnen "einer Frist von zehn Tagen von der Antragstellung auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens" schriftlich zu unterrichten. Stand Montagnachmittag war beim NOFV noch nichts eingegangen.

Nico Kleofas
Nico Kleofas, Präsident des Vereins und Geschäftsführer der insolventen Spielbetriebs GmbH von Wacker Nordhausen. Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Punkt 7 desselben Paragraphen ergänzt die daraus folgende Konsequenz für einen Regionalligisten, der zwischen dem 1. Juli eines Jahres bis einschließlich des letzten Spieltages jener Spielzeit einen Insolvenzantrag stellt: Ein sofortiger Abzug von neun Punkten. Das Team von Interimstrainer Tino Berbig, der vorherige Cheftrainer Heiko Scholz hatte den gebeutelten Verein jüngst für ein Engagement bei Zweitligist Dynamo Dresden verlassen, belegt nach dem 1:1-Remis in Leipzig-Leutzsch mit aktuell 30 Punkten nach 18 Spielen Rang fünf in der Regionalliga Nordost. Der FSV hätte bei einem gegenwärtigen Torverhältnis von 38:27 noch 21 Punkte.

"Unbegreiflich, wie man solche Schulden anhäufen kann"

Wenig verwunderlich sorgt das Ende November öffentlich gewordene Thema auch bei der Konkurrenz für Gesprächsstoff - und angesichts der hohen Schuldenlast für Kopfschütteln. "Eigentlich ist es mir scheißegal, damit muss Wacker Nordhausen klarkommen", sagte Optik Rathenows Trainer Ingo Kahlisch am Rande des Sonntagsspiels bei Germania Halberstadt im MDR-Interview, aber "wenn ich nur die Summen höre, die da im Raum stehen, da müssen sich die Leute dort mal hinterfragen, was sie da fabrizieren."

Der 63-Jährige, dessen reiner Amateurverein mit einem der geringsten Etats der Liga arbeitet, bekräftigte genervt: "Die Wertigkeit der Amateurvereine muss eigentlich viel höher sein und nicht diese ganzen Spinner, die den ganzen Fußball kaputt machen. Dankeschön."

Auch Kahlischs Amtskollege Fred Wonneberger vom Bischofswerdaer FV zeigte sich erschrocken: "Es ist für mich unbegreiflich, wie ein Regionalligist 9,6 Millionen Euro Schulden anhäufen kann." Was Wonneberger aber vor allem bemängelt, sind die bevorstehenden NOFV-Sanktionen: "Und dann werden ihm neun Punkte abgezogen und dann ist das alles wieder erledigt. Dieses System funktioniert nicht richtig für den Sport."

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mhe/rho

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 09. Dezember 2019 | 17:45 Uhr

40 Kommentare

Chili Palmer vor 45 Wochen

Ach Gottchen. Der Tropfen ist aber auch nur für den heissen Stein. Nur mal so: Fällt das eigentlich auch unter Stärkung der Binnenkonjunktur, wenn Stützegeld für Fußball ausgegeben wird?

Nordhauser RWE-Fan vor 45 Wochen

Ja wicky 67 uncut, dem kann man nichts hinzufügen.
Die Zeit rast und in einem Jahr ist das schon wieder vergessen. Hoffentlich wissen wir dann noch was der "Bundesanzeiger" ist und recherchieren unsere GmbH. Sollte vielelicht jeder Fan eines ausgelagerten Vereins tun.
Wenn ich an bestimmte Situationen und Personen denke kocht in mir schon etwas die Schadenfreude hoch. Aber das ist der falsche Weg. Einige bei Wacker werden im Inneren spüren daß sie bekommen haben was sie verdienen. Es gibt in Nordhausen noch immer einiges an Potential für Rot-Weiß und es liegt an uns dafür zu sorgen daß Nordthüringen rot-weiß ist und bleibt.
Den Wackermitgliedern gebe ich den Tip niemanden bei der der Mitgliederversammlung im Januar zu entlasten. Und man sollte Druck machen und Antworten auf folgende Fragen zu bekommen:
Wieviel Geld wird für die restliche Saiso gebraucht und kann man nach 9 Punkte Abzug mit den vermutlich geschwächten Kader die Klasse halten.

Kimme1966 vor 45 Wochen

...Auf alle Fälle fängt er mit KLEO an. In ein paar Jahren wird man in ostdeutschen Fußballfankreisen IHN sowieso nur als unfairen (siehe seine früheren Aussagen gegen den insolventen RWE und seinen Rüpelattacken, wenn er gerade daheim hinter dem Gästetor saß) und unfähigen und Traumschlösser bauenden Fußball-Präsi in Erinnerung haben. So ist das mit Leuten, die von Fußball keine Ahnung haben und die dazu nicht mit Geld umgehen aber große Reden schwingen können - und die glauben, sein Nordhausen wäre mit seinen 700 Heimzuschauern (wenn überhaupt) die neue Fußballmacht in Thüringen.

Frohe Weihnachten in den Südharz