Essener Zuschauer praesentieren ein Transparent Meister muessen aufsteigen und zeigen damit ihre Unzufriedenheit mit der Aufstiegsregelung der Regionalliga West.
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Fußball | Aufstiegsreform Ist die Reform schon gescheitert?

Ist die "Aufstiegsreform" noch zu retten? Am Mittwochmittag haben die Drittligisten offiziell Alarm geschlagen. Doch welche realistische Variante gibt es, um es den Regionalligisten und den Drittligisten einigermaßen Recht zu machen? Wir haben bei Regionalligisten in Erfurt, Leipzig und Nordhausen nachgefragt.

Essener Zuschauer praesentieren ein Transparent Meister muessen aufsteigen und zeigen damit ihre Unzufriedenheit mit der Aufstiegsregelung der Regionalliga West.
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Es sollte der große Wurf werden und entwickelt sich immer mehr zu einem Rohrkrepierer: Die Aufstiegsreform zur 3. Liga. Aktuell wird nur noch darüber diskutiert, ob die Nordost-Staffel aufgelöst werden muss/soll oder nicht.

3. Liga schlägt Alarm

Adidas Telstar Fußball mit 3. Liga Logo.
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Und die Drittligisten senkten bereits den Daumen, werden einer Lösung mit Aufstiegsspielen zwischen den Meistern in Bayern, im Norden und der Nordost-Staffel nicht zustimmen. Stattdessen soll es wieder nur drei Absteiger geben. In einer offiziellen Erklärung vom Mittwochmittag heißt es, dass die Glaubwürdigkeit des DFB in Bezug auf die Neuregelung des Aufstiegs in die 3. Liga endgültig verloren gegangen sei. Der Regional- und Landesverbänden gehe es nur um den traditionellen Machterhalt. "Kein vierter Verein der 3. Liga sollte für den offensichtlich fehlenden Willen zur Bildung einer Lösung mit vier Regionalligen mit dem Abstieg bestraft werden." Das würde dann bedeuten, dass die komplette Reform beerdigt werden könnte.

Bornemann: Brauchen vier Staffeln und vier Aufsteiger

Der Sportdirektor des FC Rot-Weiß Erfurt, Oliver Bornemann, hofft auf einen langfristigen Blick auf die Gesamtsituation: "Man sollte eine weitblickende Reform machen, dabei darf es nicht nur um die Mehrheiten in den Gremien gehen. Die Lösung müsste eine hohe Akzeptanz bei Fans und Sponsoren haben. Wir brauchen vier Staffeln, die Meister müssen direkt aufsteigen. Das Ganze muss aber geographisch ausbalanciert sein.“ Heißt im Klartext: Es dürfe nicht danach gehen, wer die meisten Mitglieder hat. Man müsse auch darauf Rücksicht nehmen, wie groß die Anfahrtswege werden. Bornemann fordert ein "Solidarprinzip".

Oliver Bornemann
Oliver Bornemann Bildrechte: imago/Karina Hessland

Doch genau das ist derzeit außer Sichtweite.  Alle Verbände denken nur an das berühmte eigene Hemd. Der Süddeutsche Verband, im DFB-Bundestag als Landesverband mit 49 Stimmen am stärksten vertreten, will seinen direkten Platz behalten. Der Westdeutsche, 27 Stimmen, will ebenfalls einen direkten Aufsteiger behalten – wie es die Ad-hoc-AG des DFB vorschlägt. Bleiben noch Nord, Bayern und Nordost. Für den NOFV hat Noch-Präsident Rainer Milkoreit bereits betont, dass eine Zerschlagung nicht infrage komme. Ein Deutsche Fußball-Bund zieht sich zurück und gibt die Verantwortung an die Regionalverbände ab.

Mieth: Stehen zum Erhalt der Nordoststaffel

Beim Viertligisten 1. FC Lok Leipzig steht der Erhalt der attraktiven eigenen Staffel über allem: "Wir stehen zur gemeinsamen Erklärung der NOFV-Vereine aus dem Frühjahr, wonach unsere Staffel in dieser Form erhalten bleiben muss“, sagt Geschäftsführer Martin Mieth.  Diese Linie, die auch NOFV-Präsident Rainer Milkoreit vertritt, würde im Endeffekt aber bedeuten, dass es in Zukunft keinen direkten Aufsteiger auf dem Nordosten gibt.

Was den Präsidenten von Wacker Nordhausen auf die Palme bringt. "Die Meister müssen zu 100 Prozent aufsteigen. Wir haben die attraktivste Staffel und sollen zerteilt werden. Das ist für mich ein absolutes 'No Go'. Wir liegen in der Mitte Thüringens und sollen dann nach München oder Lübeck. Was soll das denn?“, sagte Nico Kleofas, der auch nicht versteht, warum die NOFV-Vertreter in der Ad-hoc-AG, Hermann Winkler (Präsident des sächsischen Fußballverbands) und Hubert Wolf (Präsident des ZFC Meuselwitz), für diesen Kompromiss stimmten. "Es kann gern vier Auf- und Absteiger geben, aber dafür müssen alle Staffeln gerecht aufgeteilt werden. Man muss aufpassen, dass die Fans nicht auf die Barrikaden gehen. Der Druck ist jetzt schon groß."

Interview Nico Kleofas (Präsident von Wacker Nordhausen)
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rei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 28. November 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2018, 18:32 Uhr

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24 Kommentare

30.11.2018 19:12 wicky 67 24

zu meinem Beitrag @23:

Da auch ich dafür bin, daß alle Staffelsieger der 5 Regionalligen zukünftig aufsteigen sollten, müssten demzufolge dann auch 5 Absteiger aus der dritten Liga gestellt werden. Jedoch betone ich nochmals sehr ausdrücklich, daß man dies den Mannschaften der dritten Liga nur dann zumuten dürfte, wenn eben logischerweise dann auch die dritte Liga von 20 auf 22 Teams aufgestockt werden würde! Alles andere wäre völlig inakzeptabel und sportlich unfair gegenüber der dritten Liga!! Denn bei 5 Absteigern bei nur 20 Teams, wäre gerade bei schwächeren Vereinen die Planungssicherheit bei Spielerverträgen und der von Mitarbeitern viel zu unsicher! Auch würde die Qualität der Spiele enorm leiden, da das Abstigsgespenst 2/3 der Liga bis zu Saisonende verfolgen würde! Es gäbe dann leider mehr Krampf als Spiel! Für eine 2-gleisige Drittliga gäbe es ganz sicher nicht genug Polizeistaffeln! Nicht realisierbar, zumal es bei einer 3.Liga da schon oft große Probleme gab!

30.11.2018 15:51 wicky 67 23

Im Parallel-Forum zu diesem Thema hier, hatte ich ja bereits ausführlich meine mögliche Idee mit 4 Regionalligen beschrieben. Da sich aber nun sehr deutlich abzeichnet, daß speziell die Südweststaffel und Weststaffel keine Veränderungen ihrer Ligen zulassen werden, wird leider auch meine geniale Idee nicht umsetzbar sein. Man sollte also jetzt diese ganzen Grabenkämpfe um jegliche Umstrukturierungen einiger Landesverbände zu 4 Regionalligen endgültig beenden, und es bei diesen derzeit bestehenden 5 R.-Ligen belassen, da es sowieso zu keiner gütlichen Einigung kommen würde! Also stockt die 3.Liga unbedingt auf 22 Teams auf, damit bei nur 20 Teams nicht ein Viertel der Liga absteigt! Das wäre Wahnsinn! Bei 22Teams und 5 Absteigern würde auch wieder Platz 17 zum Klassenerhalt der 3.Liga reichen! So dürfte Jedem Recht getan sein!
Freundlichst! wicky 67! ;-)

30.11.2018 09:07 TYPISCH PL-FUHRE-ANDY: PLAUENS PATRIOT UND ALL IHRER GEMEINDEN IM LANDKREIS 22

Alle Meister haben aufzusteigen. Punkt.

30.11.2018 08:11 Sr.Raul 21

Das ist übertrieben, @19 (Regio). Welche(r) "Leistungsträger..." werden denn in einer II.Mannschaft großartig "...geparkt und aufgebaut."? Da fällt mir spontan über die Jahre kein Einziger ein. Die Profis welche in diesen Mannschaften spielen sind doch zumeist die Anschlusskader welche ihren ersten Vertrag als Profi in der Tasche haben, groß nicht zu Einsätzen kommen und hier Spielpraxis erhalten, so sie nicht anderweitig verliehen werden. Trotzdem, eine separate Liga für II. Mannschaften fände ich auch gut. Würde da das einstige DDR-Modell einer Nachwuchsliga favorisieren, wo diese Mannschaften vor dem Hauptspiel das Vorspiel bestritten haben.

29.11.2018 22:34 NBS 20

@G.: Getroffene Hunde bellen.
Wenn Ihr Herzensverein nicht mit Geld umgehen kann, müssen Sie die Schuld dafür nicht bei unbescholtenen Vereinen suchen.
Wenn man sich wie Wacker als Verein jahrelang aus dem sinnbildlichen Dreck wieder ehrlich hoch gearbeitet hat, sind solche Aussagen wie die Ihrigen an Dummheit kaum zu übertreffen.
Gute Sponsorenakquise kann halt nicht jeder. ;)
PS: Mit jedem Gips-Element steckt höchstwahrscheinlich auch ein Stück Nordhausen in Ihrer Bude. Schon mal dran gedacht?

29.11.2018 20:56 Regio 19

Habe schon desöfteren gelesen, dass die
II. Mannschaften oft für Unstimmigkeiten beim Spielbetrieb in den unteren Ligen sorgen.
Es werden z.B. Leistungsträger geparkt u. aufgebaut. Wettbewerbsverzerrung? !
Hier sollte die Reform mit ansetzen und diese Ableger der BL eine eigene Liga gründen lassen.
Dann kann es auch mit der Anzahl der
3 Regionalligen bei uns klappen.
Wer sich eine II. Mannschaft leisten kann, der hat auch Geld für eine eigene Liga der II. Mannschaften.

29.11.2018 16:03 Magdebürger 18

Meine Meinung. Die Ligen lassen wie sie sind: Die 5 Meister spielen jeder gegen jeden in einer einfachen Runde 3 Aufsteiger aus. Vorteil: 2 Heimspiele für jeden Meister. Man kann auch mal einen schlechten Tag haben, man hat trotzdem noch eine Aufstiegschance. Nur 2 Meister schaffen es nicht. Dann sind dann auch die schlechtesten.

29.11.2018 13:50 Leo-Armine 17

Gerade die Nordhäuser liegen doch geographische gar nicht so schlecht, um nicht auch mal anderswohin umgruppiert zu werden.
Aber solange der eine Provinzfürst seine NO- Staffel behalten will, der andere seine bayerische "Landesliga", wird sich da gar nichts bewegen.
Und die 3. Liga könnte im Gegenteil sogar aufgestockt werden auf 22 mit dann 5 Absteigern. Von der Infratsruktur her muß Liga 3 sowieso schon wie die 2.Liga mit fernsehtauglichem Flutlicht etc. ausgestattet sein. Dann also zwei englische Wochen in den Plan und gut ist's.

29.11.2018 13:00 G. 16

Neid muss man sich erarbeiten, also der war gut. Und NDH ist ungefähr so attraktiv wie Wolfsburg II.

29.11.2018 12:42 Sr.Raul 15

4.Liga ist aktuell Regionalliga,@13 (Locke) und die hatten wir bereits einmal, damals noch 3.Liga in der Struktur, in 2 Staffeln geteilt. Wenn ich nicht daneben liege, war diese Ligareform nach der Saison 1999/2000. Hat aber auch nicht lange Bestand gehabt. Eine der Ursachen waren wohl die weiten und kostspieligen Wege. Also wozu nochmals? Ich bevorzuge ganz klar die RL so zu belassen=5 hoch, 5 runter und zur Abfederung des Ganzen Liga 3 auf 22 Teams aufstocken.