Fußball | Regionalliga "Eingestürztes Lügengebilde" in Bischofswerda: Wonneberger weg, Aufstiegstrainer Schmidt zurück

Paukenschlag beim Bischofswerdaer FV: Weil Cheftrainer Fred Wonneberger keine gültige Lizenz mehr besitzt, kehrt überraschend Vorgänger und Aufstiegstrainer Erik Schmidt zurück auf die Bank des Regionalliga-Schlusslichts. Präsident Jürgen Neumann beklagt ein "Lügengebilde" und "viel zerbrochenes Porzellan" durch Wonneberger. Was ist passiert?

BFV Trainer Erik Schmidt freut sich nach dem Spiel über den Punkt und den Klassenerhalt
Erik Schmidt kehrt nach wenigen Monaten überraschend auf den Trainerstuhl von "Schiebock" zurück. Bildrechte: RocciPix / Rocci Klein

BFV Trainer Erik Schmidt freut sich nach dem Spiel über den Punkt und den Klassenerhalt
Ab 3. Januar zurück an alter Wirkungsstätte - Trainer Erik Schmidt. Bildrechte: RocciPix / Rocci Klein

Jürgen Neumann ist noch immer fassungslos, über das, was in den letzten knapp zwei Wochen kleckerweise beim Bischofswerdaer FV ans Tageslicht gekommen ist. "Ich kann es noch immer nicht begreifen", fehlten dem am Telefon hörbar geknickten Vereinspräsident des aktuellen Regionalliga-Schlusslichts im Gespräch mit "MDR Sport im Osten" (20. Dezember) zunächst die Worte.

"Viel Porzellan zerbrochen"

Fred Wonnebeger hat in dieser Woche seine bisherigen Ämter beim Verein aus der Oberlausitz verloren. Sein Arbeitspapier läuft am 31. Dezember 2019 aus. Der 53-Jährige war Geschäftsstellenleiter und zudem seit September auch Trainer in Personalunion. Am 3. Januar 2020 wird der vor vier Monaten erst beurlaubte Erik Schmidt die Mannschaft zum Trainingsauftakt wieder begrüßen. Die Führung der Geschäftsstelle obliegt ab dem neuen Jahr Frank Terks, aktuell noch bei Sachsenligist Einheit Kamenz tätig.

Nicht die bislang zu selten bewiesene Viertligatauglichkeit des Kaders führten zur Trennung von Wonneberger, sondern wohl falsche Versprechungen und missbrauchtes Vertrauen. Jürgen Neumann spricht desillusioniert von einem "eingestürzten Lügengebilde", das Wonneberger hinterlassen habe. "Ich kenne ihn über 30 Jahre. Da ist viel Porzellan zerbrochen - nicht nur bei mir, auch mit anderen im Verein."

Jürgen Neumann
Jürgen Neumann, seit über eineinhalb Jahrzehnten Präsident des Bischofswerdaer FV. Bildrechte: Bischofswerdaer FV

Wonneberger fehlt eine gültige Trainerlizenz

Fred Wonneberger kann momentan keine für die Liga gültige Trainerlizenz mehr vorweisen. Ende November hatte der BFV eine entsprechende Mitteilung des Verbandes erhalten, dass die befristete Ausnahmegenehmigung des Nordostdeutschen Fußballverbandes dafür am 15. Dezember ausläuft. Im Rahmen einer kleinen Weihnachtszusammenkunft nach "Schiebocks" letztem Heimspiel des Jahres (1:1 gegen den BAK am 7. Dezember) soll Wonneberger laut Neumann ihm versichert haben, dass er von Regionalliga-Staffelleiter Wilfried Riemer die Bestätigung einer Fristverlängerung bis Saisonende zum 30. Juni 2020 bekommen habe.

Als nach Tagen allerdings noch immer nicht das verbriefende Schriftstück vom Verband eingetroffen war, nahm Neumann selbst mit Riemer Kontakt auf, der "daraufhin dachte, ich habe einen an der Waffel", so der BFV-Präsident. Er erfuhr vom Verbandsfunktionär: Wonneberger und Riemer sollen zuletzt im September miteinander gesprochen haben.

BFV-Cheftrainer Fred Wonneberger
Ex-BFV-Trainer Fred Wonneberger. Bildrechte: MDR/Rocci Klein/roccipix.de

BFV als Dynamos Farmteam? "Alles erstunken und erlogen"

Und noch ein weiterer Vorwurf hat das Verhältnis zerbrechen lassen. Neumann kreidet dem ehemaligen leitenden BFV-Angestellten an, dem Verein einen vollkommen falschen Eindruck und vergebliche Hoffnungen über ein vor einiger Zeit stattgefundenes Gespräch mit Jan Seifert, dem sportlichen Leiter von Dynamo Dresdens Nachwuchsleistungszentrum, gemacht zu haben.

Wonneberger habe laut Neumann davon berichtet, dass die Schwarz-Gelben den BFV zukünftig als "eine Art Farmteam auserkoren hätten", um vor allem Dresdner Perspektivakteuren nicht zuletzt über Ausleihen regelmäßig Spielpraxis zu ermöglichen. Die SGD selbst hatte ihre damalige U23 vor der Saison 2015/16 vom Spielbetrieb abgemeldet. Kurzfristig sollen ganz konkret sogar bereits zwei ungenannte Jungprofis gehandelt worden sein, denen demnach "unterschriftsreife Verträge" für eine Ausleihe zum stark abstiegsgefährdeten BFV ab der anstehenden Rückrunde vorgelegen haben.

Aber das "war alles erstunken und erlogen", ärgert sich Jürgen Neumann. Weder habe Dynamo Dresden Interesse an einer derartig intensiven Kooperation signalisiert, noch hätte irgendein dafür zuständiger Verantwortlicher wie nicht zuletzt etwa Sportgeschäftsführer Ralf Minge davon Kenntnis gehabt, unterstrich der hauptberufliche Rechtsanwalt.

Wonneberger möchte sich nicht äußern

Fred Wonneberger selbst bat am Freitagmittag in einem kurzen Telefongespräch mit "Sport im Osten" um Verständnis, sich nicht zur Gemengelage um seine Demission und den Vorwürfen ihm gegenüber äußern zu wollen: "Ich möchte dazu nichts sagen, manchmal ist weniger mehr." Nur so viel: "Ich bin sehr enttäuscht und geschockt, wie das abläuft. Ich habe all die Jahre mit großem Herzblut für den Verein gearbeitet", sagte er mit brüchiger Stimme.

Rein sportlich holten die Blau-Weißen unter seiner Führung acht Punkte in zwölf Regionalligapartien und kamen bisher - wie auch zuvor an den ersten sieben Spieltagen unter Erik Schmidt - nicht vom Tabellenende weg.

Tim Kieߟling (5, Bwerda), Thomas Sonntag (7, Bwerda), Trainer Erik Schmidt (Bwerda), Norman Kloߟ (22, Bwerda) und Philipp Kötzsch (6, Bwerda) bejubeln den Sieg.
Bild aus guten Tagen: Erik Schmidt und seine Spieler bejubeln den sensationellen Auswärtssieg beim 1. FC Lok nach dem Aufstieg im Sommer 2018. Bildrechte: IMAGO

Schmidt: "An manchen Stellen war ich sehr direkt"

Jetzt also ein neuer Anlauf unter dem alten Coach Schmidt, der im September vor allem auch wegen nicht mehr zu kittender zwischenmenschlicher Probleme mit der Mannschaft beurlaubt worden war. Ein Himmelfahrtskommando? Zumindest eine finanziell günstige Lösung für den alles andere als gut betuchten Verein.

Sowohl Erik Schmidt als auch Jürgen Neumann sind sich der Vorbehalte über diese überraschende Entscheidung bewusst. "Vielleicht werden nicht alle Freudentränen in den Augen haben", mutmaßte Schmidt im Gespräch mit dem MDR ehrlich. "Es war nicht immer der beste Umgang und ich gebe zu, dass ich an manchen Stellen sehr direkt war", räumte er ein, doch meinte ebenso: "Ich habe vor meiner eigenen Tür gekehrt und in den letzten vier Monaten sehr viel über mich selbst gelernt."

Nicht zuletzt an seiner Teamführung will Schmidt ansetzen. "Früher hat man gesagt bekommen: 'Renn los!' - und dann sind wir losgerannt." Heute sei einfach mehr Kommunikation und Erklärung nötig, weiß er.

Fernando Lenk gegen Jonas Zickert
BFV-Kapitän Fernando Lenk im Duell mit dem Cottbuser Jonas Zickert. Von den bislang 19 Regionalliga-Partien dieser Saison verlor "Schiebock" 13. Bildrechte: imago images/Steffen Beyer

Mannschaftsrat hat noch Vorbehalte

Jürgen Neumann berichtete überaus positiv gestimmt über die neuerliche Kontaktaufnahme mit dem Bischofswerdaer Aufstiegstrainer von 2015 (Oberliga) und 2018 (Regionalliga) am letzten Dienstag: "Er hat sich in einer Verfassung präsentiert, so sachlich, selbstkritisch und in sich ruhend, wie ich ihn noch nie erlebt habe." Diesen Eindruck hätten danach auch seine Vorstandskollegen gewonnen, so Neumann.

Er gab jedoch ehrlich zu, dass im anschließenden Gespräch mit dem Mannschaftsrat um Fernando Lenk, Oliver Birnbaum und Oliver Merkel auch "noch Vorbehalte geäußert wurden." Als Bindeglied und Brückenbauer um diese schnellstmöglich abzubauen, soll auch der als Co-Trainer vorgesehene und zuletzt lange verletzte Spieler Tobias Heppner fungieren.

"Jeder hat eine zweite Chance verdient"

"Jeder hat eine zweite Chance verdient", bekräftigte Präsident Jürgen Neumann nochmals eindringlich und gab mit gesundem Realismus für die Restrückrunde im neuen Jahr insbesondere den "Aufbau einer starken Oberligamannschaft" vor. "Aber wenn dabei doch der Klassenerhalt als Nebenprodukt herauskommt, wäre das spitze." Erik Schmidt appellierte: "Natürlich warten auf und neben dem Platz sauschwere Aufgaben auf uns. Wir müssen schnellstens wieder zusammenwachsen - und dazu will natürlich auch ich meinen Teil beitragen."

---
mhe

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 21. Dezember 2019 | 16:30 Uhr

3 Kommentare

cuauthemoc vor 34 Wochen

@Bockwurst-Willi.....dann lach Dich mal schlapp. Gottlöber ist seit 2012 bei Bischofswerda der Chef im Nachwuchs und -wenn mich nicht alles täuscht - trainiert er dort auch noch eine Frauenmannschaft. Den muss also keiner aus der Trickkiste holen. Keine Ahnung, was das mit Genossen zu tun hat. Manchmal sollte man vor dem Posten weniger Bockwurst essen.

Stefan lll vor 34 Wochen

Es ist wirklich schade um Fred Wonneberger. Es stellen sich schon Fragen, ob das nicht alles vorgeschoben wurde um ihn loszuwerden. Jedenfalls schadet es dem BFV. Vielleicht so sehr, dass nicht mal mehr, wie zuletzt, die 93 Zuschauer zu einem Spiel kommen.

Bockwurst-Willi vor 34 Wochen

lch lach mich schlapp wenn Schiebock jetzt noch einen Timo Gottlöber aus der Trick-Kiste holen. Neumann hat es drauf. Genossen unter sich.