Fußball | Regionalliga Holm Pinder: "Die Negativerlebnisse müssen aus den Köpfen"

Nach einer Katastrophen-Spielzeit startet der ZFC Meuselwitz mit namhaften Neuzugängen in die Saison. Das Hauptproblem für Trainer Holm Pinder bleibt, die Köpfe freizubekommen. Denn der letzte Pflichtspielsieg liegt bereits elf Monate zurück. "Sport im Osten" sprach mit dem Coach.

Trainer Holm Pinder
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Herr Pinder, wie war der letzte Test gegen Oberligist Kaan-Marienborn?

Holm Pinder: "Es war ernüchternd, ein 1:3. Wir mussten auf den Kunstrasen ausweichen, die Plätze sind abgesoffen. Wir hatten zwei kapitale Fehler in der ersten Halbzeit, auch einen in der zweiten. Wir müssen die Lehren daraus ziehen."

Es war wegen auch wegen des Landespokals eine ungewöhnliche, weil komplett zerstückelte Vorbereitung. Wie ist der Zustand der Mannschaft?

"Wir sind hin- und hergerissen. Wir haben viel gemacht, vor allem in der ersten Vorbereitungsphase. Nach der Pause haben wir wieder trainiert mit den neuen Spielern. Es fehlt aber noch die geistig Frische. Das können wir noch in die richtige Richtung lenken."

Es gab durchaus Nebengeräusche: Die Fitness von Stürmer Alexander Dartsch, der Kreuzbandriss von Dominik Bock. Wie sehr beeinflusst das die Vorbereitung, es sind ja zwei Spieler, die eine tragende Rolle in der Mannschaft spielen sollten?

"Bei Dominik ist es mehr als ärgerlich. Er kann am flexibelsten spielen. Er bringt Körperlichkeit und Geschwindigkeit mit, sein Ausfall wiegt schwer. Bei Alexander wissen wir um seine Qualitäten. Er ist ein Spieler, der aus fast nichts ein Tor macht, der fehlte uns letzte Saison. Zu seiner Fitness: das war ein schleichender Prozess seit Februar, er konnte immer die Hälfte der Einheiten nicht mitmachen. Krankheit und Corona kamen dazu. Er hat in Meuselwitz erstmal die Grundlagen nachholen müssen, hat das aber in der letzten Woche ganz ordentlich gemacht und Zusatzschichten bei der Zweiten geschoben."

Meuselwitz - Jena 2 min
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So 20.06.2021 19:24Uhr 02:03 min

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Nach dem vielen Hin und Her und dem Frust um das 0:5-Debakel im Achtelfinalspiel gegen Jena: Mussten Sie die Mannschaft wieder aufrichten? Wie sehr brennen die Spieler auf die neue Saison?

"Man hat gemerkt, dass nach den positiven Testspielen zunächst eine kleine Euphoriewelle da war. Dann kam der Cut vor dem Pokalendspiel (war eigentlich für den 29. Mai angesetzt), da hatten sechs Mann Corona. Dann hatte die Mannschaft nach zehn Tagen Pause ein anderes Gesicht. Es ging schwerer, obwohl wir schon auf das Achtelfinale gegen Jena fokussiert waren. Aber durch die herbe Niederlage ist auch im Gemüt der Spieler einiges passiert. Die Spätfolgen des Pokalspiels spürt man noch. Bei Gegentreffern fällt man ein bisschen zusammen. Für letzte Woche vor dem Start müssen wird trotzdem die Mannschaft so hinbiegen, dass wir im Punktspiel erfolgreich sind."

Der letzte Sieg in einem Pflichtspiel war im August 2020. Mal wieder eins zu gewinnen, das wäre für das Gemüt gut?

"Auf jeden Fall. Man merkt, dass es die älteren Spieler genauso betrifft wie die jungen. Wir müssen uns über Erfolgserlebnisse da rausziehen. Mit jedem verlorenen Testspiel bleibt die Negativgeschichte in den Köpfen hängen. Es geht eine neue Saison los, wir starten mit einem Heimspiel. Wir erwarten, dass wir uns da selber rausziehen."

Über welchen Neuzugang haben Sie sich am meisten gefreut?

"René Eckhardt. Wenn man den Kapitän von Jena bekommen kann, tut er uns wahnsinnig gut. Unsere älteren Sportfreunde sind ja eher ruhige Patrone. 'Ecki'wird in der neuen Saison auch die Kapit-änsbinde beim ZFC tragen. So ist es mit Nils Miatke, der viel Erfahrung mitbringt. Er hatte aber länger Pause, hat in Eigenregie trainiert. René hatte am 30. Juni mit Jena erst das Pokalfinale. Das sind Konstellationen, die für uns die ungünstigsten sind. Es gab keine durchgehende Vorbereitung. Das darf aber keine Ausrede sein. Wir müssen schauen, dass  wir einen guten Start haben."

: Marco Schikora (21, Zwickau) und Rene Eckardt (30 , Meuselwitz)
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Welcher Abgang hat besonders geschmerzt, wen hätten sie gerne in Meuselwitz behalten?

"Henrik Ernst mit seiner Gutmütigkeit und Erfahrung hätte uns noch ganz gut getan. Wir vertrauen der Mannschaft aber so, wie sie zusammengestellt ist."

Sind in der Mannschaft alle Baustellen geschlossen, wo sollte noch nachjustiert werden?

"Wir haben jetzt 20 Feldspieler und drei Keeper. Wir müssen die Spieler, die wir jetzt haben, stärken und ihnen vertrauen. Ständig über neue Spieler nachzudenken, wäre der falsche Weg."

Warum wird die neue Spielzeit für den ZFC Meuselwitz eine andere/bessere?

"Dass sie besser wird, müssen wir erst beweisen. Ich denke, wir haben eine gute Mannschaft. Aber wenn einige nicht an ihr Leistungsniveau kommen und wir nicht als Team auftreten, verlierst du auch gegen einen Oberligisten. Wir brauchen wieder diese Mentalität, dass keine Mannschaft gern zu uns kommt. Das geht aber nicht von alleine."

Jubel nach Tor zum 0:3
Das 0:5 gegen den FC Carl Zeiss Jena steckt dem ZFC-Team noch in den Knochen. Bildrechte: imago images/Matthias Koch

Welches Worstcase-Szenario sollte unbedingt vermieden werden?

"Wir haben uns keine Platzierung auf die Fahnen geschrieben. Oberste Priorität ist, dass wir die Regionalliga erhalten. Das würden wir uns wünschen."

38 Spiele, 20 Mannschaften. Was braucht es, um in dieser Regionalliga zu bestehen?

"Die Mannschaft muss fit sein. Du brauchst einen Kader, der in der Breite gut aufgestellt ist. Und die Schlüsselpositionen sollten ohne Verletzung und lange Sperren bleiben."

Gibt es ein Saisonziel?

"Nein. Ich denke, viele sehen uns als Geheimfavorit, weil wir einige Namen verpflichtet haben. Das sehe ich nicht so. Wir haben auch noch viele Spieler bei uns, die letzte Saison eigentlich sportlich abgestiegen wären. Das muss man vor Augen haben. Nur weil wir drei Spieler von Jena haben, sind wir nicht gleich eine bessere Mannschaft. Das muss erst reifen."

Worauf freuen Sie sich besonders in der neuen Spielzeit?

"Nach meiner langen Zeit als Funktionär freue ich mich auf die Spielstätten, die ich schon aus meiner Zeit als Spieler kenne. Ob bei Lok oder Chemie, wo ich selbst gespielt habe. Wir wollen den positiven Spirit, den wir in der Vorbereitung schon mal hatten, wieder finden."

Wer sind die großen Favoriten oder gibt es den einen?

"Ich denke, der Kreis der Favoriten ist größer. Die Berliner Mannschaften, BAK, Altglieniecke und BFC. Dazu Lok, Jena, Chemnitz, Cottbus und auch Chemie. Die haben mit mannschaftlicher Geschlossenheit gezeigt, dass sie Berge versetzen können."

Bluechip-Arena in Meuselwitz
Die Bluechip-Arena soll wieder eine gefürchtete Heimspielstätte des ZFC werden. Bildrechte: imago images/Picture Point

Welche Schlagzeile möchten Sie im kommenden Sommer über den ZFC Meuselwitz lesen?

"Der ZFC Meuselwitz spielt eine solide Runde und kommt auf einem einstelligen Tabellenplatz ein."

Zum Abschluss: Sehen wir Holm Pinder auch 2022 noch an der Seitenlinie des ZFC?

"Sehr schwierig. Ich persönlich plane nicht so weit. Man weiß, wenn man lange dabei ist, wie schnell das geht. Wenn die Schlagzeile lautet, Holm Pinder ist auch 2022 Trainer beim ZFC Meuselwitz, dann haben wir eine gute Runde gespielt und viele Punkte geholt."

Lust hätten Sie also noch?

"Bei den Negativerlebnissen verliert man manchmal ein wenig die Lust. Aber bei der täglichen Arbeit kommt sie wieder. Da ich Trainer auf unbestimmte Zeit bin, sind wir als Verein flexibel. Sie Spieler bestimmen am Ende, ob ich lange Trainer bleibe oder nicht."

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Das Interview führte Ronny Eichhorn

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 24. Juli 2021 | 16:00 Uhr

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