Fußball | Regionalliga Das Hinrundenfazit zur Regionalliga - Teil 1: Die (selbsternannten) Favoriten

19 Spieltage sind absolviert in der Regionalliga Nordost, nun ruht der Ball zunächst für knapp zwei Monate in der vierten Liga. Und es ist viel passiert: Es gab Startrekorde, einige Überraschungen, aber auch Brüche in langjährigen Beziehungen, unschöne Beschuldigungen und viel Kontinuität. Zeit also einen Blick auf die Bilanzen der Vereine zu werfen und ein Halbzeit-Zeugnis auszustellen. In Teil 1 blicken wir auf die Teams, die um den Aufstieg mitspielen oder mitspielen wollten.

Pokal für den Sieger der Regionalliga Nordost
Das Ziel der Anstrengungen: Der Pokal für den Sieger der Regionalliga Nordost. (Archiv) Bildrechte: imago/Karina Hessland

Chemnitzer FC – Die sportlichen Überflieger

1. Platz (51 Punkte / 50:15 Tore)
Startrekord, Siegrekord, Rekorderekord – mit diesen Worten lässt sich die erste Saisonhälfte des Chemnitzer FC prägnant zusammenfassen. 15 Spiele in Serie gingen die "Himmelblauen" als Sieger vom Platz. Kein Team im Nordosten der Republik ist je besser gestartet oder hat mehr Siege am Stück gefeiert. Nach 19 Spielen stehen 51 Punkte auf der Habenseite, dazu hat das Team mit dem Torjäger-Duo Dejan Bozic (15 Treffer) und Daniel Frahn (13) bereits 50-mal ins Schwarze getroffen und nur 15 Gegentore kassiert - beides natürlich Bestwerte in der Nordost-Staffel.

Tor für Chemnitz, Torjubel nach dem Treffer zum 0:1 durch Torschütze Daniel Frahn (2.v.l., 11, Chemnitz) umarmt Dejan Bozic (33, Chemnitz).
Immer wieder Jubel beim CFC. Besonders Daniel Frahn (2.v.r.) und Dejan Bozic (r.) sind treffsicher. (Archiv) Bildrechte: imago/Picture Point

Wer also kann den Chemnitzer FC noch stoppen? Eigentlich nur der CFC selbst – in Kombination mit dem Insolvenzrecht. Denn noch immer steckt der Verein im finanziellen Schlamassel. Insolvenzverwalter Klaus Siemon regiert mit strenger Hand und schreckt auch vor unbeliebten Entscheidungen nicht zurück. Alles im Sinne des Vereins, dessen 1. Mannschaft mittlerweile in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert wurde. So erhofft sich Siemon neue Einnahmequellen durch Investoren. Und auch das Verhältnis zu den Fans hat in den letzten Wochen einige Dellen bekommen. Es bleibt also spannend, ob dem Chemnitzer FC mit weiteren Bestmarken der direkte Wiederaufstieg in die dritte Liga gelingt oder ob am Ende doch noch vorzeitig das Licht ausgeht.

Rot-Weiß Erfurt – Trotz Unruhe oben mit dabei

3. Platz (36 Punkte / 37:15 Tore)
Der zweite Drittliga-Absteiger im Bunde hat sich nach einem etwas wackeligen Saisonstart inzwischen wieder stabilisiert und weist aktuell die längste Ungeschlagen-Serie in der Nordost-Staffel auf. 13 Spiele in Folge ging das Team von Thomas Brdaric nicht als Verlierer vom Platz und liegt mit einem Spiel Rückstand auf dem dritten Platz. Angesichts der selbstformulierten Ziele ist das absolut im Soll. Zusammen mit Spitzenreiter Chemnitz hat RWE die beste Abwehr der Liga. Mit neun "Weißen Westen" führt Erfurts Schlussmann Lukas Cichos diese Statistik an.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt im Gespräch mit Trainer Thomas Brdaric (Erfurt)
Insolvenzverwalter Volker Reinhardt im Gespräch mit Trainer Thomas Brdaric. (Archiv) Bildrechte: Karina Hessland-Wissel

Aber es gibt eine weitere – diesmal jedoch unschöne – Gemeinsamkeit mit dem Mitabsteiger aus Sachsen: Die finanzielle Lage. Und die erscheint in Erfurt noch ein bisschen dramatischer.  Zwischenzeitlich war gar die Auswärtsfahrt nach Fürstenwalde gefährdet. Der Spielbetrieb stand kurz vor der Einstellung. Erst eine fünfköpfige Unterstützergruppe um Ehrenpräsident Klaus Neumann sorgte Anfang November mit einer Finanzspritze für das Fortbestehen. Nur wie lange? Laut Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat sich der Verein damit nur Zeit erkauft. Auch er strebt eine Ausgliederung an, um frisches Geld zu bekommen, welches das Überleben von RWE sichern würde. Aber so weit ist man in Erfurt nicht. Das wissen auch die Spieler. Einige von ihnen haben Gespräche mit neuen Vereinen aufgenommen, um im Winter wechseln zu können. Auch der Trainer ließ seine Zukunft offen. Was die sportlichen Erfolge also wert sind, ist auch hier noch vollkommen offen. Denn ohne Geld kann auch in Erfurt kein Regionalliga-Fußball gespielt werden.

Wacker Nordhausen – Hektik im Vorderharz

5. Platz (33 Punkte / 27:17 Tore)
Die Nordthüringer sind seit Jahren eines der ambitioniertesten Teams in der NOFV-Regionalliga. Mit prominenten Namen versuchen die Macher um Präsident Nico Kleofas das beschauliche Städtchen am Rande des Harzes in die 3. Liga zu bringen.

Volkan Uluc
Im Oktober war die Amtszeit von Volkan Uluc in Nordhausen vorbei. (Archiv) Bildrechte: Bernd Peter

Und wann wäre die Chance besser als in dieser Saison, dachten sich nicht nur die FSV-Verantwortlichen. Mit der erfahrensten und teuersten Mannschaft (Quelle: transfermarkt.de) sollte der direkte Aufstieg in Angriff genommen werden. Spieler aus der zweiten und dritten Liga kamen – zwar ablösefrei, aber auch sie spielen nicht nur aus Freude am Fußball. Und eigentlich lief es ganz gut. Elf Spiele ohne Niederlage gelangen zum Saisonstart. Dann aber stockte es und die Vereinsführung reagiert mit dem Rauswurf von Trainer Volkan Uluc. Nach knapp anderthalb Jahren musste der Deutsch-Türke gehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wacker als Fünfter bereits 16 Punkte Rückstand auf die bis dahin ungeschlagenen Chemnitzer.

Tino Berbig und Matthias Peßolat führten das Team interimsmäßig bis zur Winterpause. Der Abstand hat sich in den sechs Spielen minimal vergrößert. Das große Ziel Aufstieg ist wohl aber nicht mehr drin, wenn Chemnitz die Runde bis zum Ende spielt. Vielleicht ist es aber genau das, worauf man in Nordhausen spekuliert? Müsste Chemnitz zurückziehen, wäre der Rückstand auf die Spitze nur sechs Punkte und die sind in 15 Partien locker aufzuholen. Dabei helfen soll Heiko Scholz, der am Montag als neuer Trainer für die Rückserie verpflichtet wurde.

Lok Leipzig – Kein Druck auf dem Kessel

8. Platz (24 Punkte / 23:22 Tore)
Zu Beginn der Saison hat Heiko Scholz noch auf der Bank beim 1. FC Lokomotive Leipzig gesessen. Und das im fünften Jahr in Folge. Trotz einiger Rückschläge im Laufe der Zeit hatte man immer an der Spieler-Legende aus den 80er Jahren festgehalten.

Björn Joppe
Björn Joppe zeigt beim FCL, wo es langgeht. (Archiv) Bildrechte: imago/Picture Point

Im September war seine Zeit aber abgelaufen. Denn auch in Probstheida hatte man vor dem Start der Spielzeit einen Platz unter den Top 3 ausgegeben. Eine Zielstellung, der die "Loksche" vom 1. Spieltag an hinterherrannte. Und so griffen schließlich nach einer 0:1-Heimniederlage gegen Germania Halberstadt die Mechanismen des Geschäfts. Scholz wurde beurlaubt und Björn Joppe übernahm für ihn. Der konnte die Blau-Gelben stabilisieren und mit 16 Punkten aus zehn Spielen ins Mittelfeld der Tabelle führen.

Aber wie bei vielen ambitionierten Vereinen steht der sportliche Erfolg auf wackeligen, finanziellen Beinen. Laut MDR-Recherchen droht auch Lok der Kollaps. Der Verein selbst präsentierte eine positive Bilanz. Festzuhalten bleibt: Die Abhängigkeit vom Sponsor ist wie bei vielen Klubs sehr groß. Ein Nebenkriegsschauplatz, den man sich im Verein sicherlich gerne gespart hätte. Zumal im Jahr mit dem 125-jährigen Jubiläums der Gründung des Vorgängervereins VfB Leipzig eigentlich andere Themen die Schlagzeilen bestimmen sollten.

Teil 2 mit den Kampf gegen den Abstieg

Und Lok ist noch lange nicht in sicheren Fahrwassern. Denn während Chemnitz an der Spitze thront, beginnt ab Rang zwei eigentlich schon das Mittelfeld der Liga. Von einer Verfolgergruppe ist bei zwölf Punkten Rückstand nur schwer zu sprechen. Lok hat als Achter ein größeres Defizit auf die Spitze als eigene Punkte. Daher muss der Blick ganz deutlich nach unten gehen. Denn die Abstiegszone ist wie schon in den Vorjahren "variabel". Das bedeutet, das noch gar nicht klar ist, wie viele Vereine in die Oberliga absteigen. Denn das richtet sich nach den Absteigern aus der 3. Liga und welchem Regionalverband sie angehören. Im schlimmsten Falle kann es also bis zu fünf Mannschaften erwischen. Damit läge der ZFC Meuselwitz aktuell auf dem letzten gefährdeten Platz. Und der Vorsprung von Lok Leipzig auf die Zipsendorfer beträgt lediglich vier Punkte. Wie es um die anderen Mannschaften in der Gefahrenzone aussieht, erfahren Sie in unserem zweiten Teil.

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Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2018, 17:00 Uhr

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27 Kommentare

12.12.2018 20:02 G. 27

Leider hat auch unser IV mit Geldern gerechnet die garnicht vorhanden waren. Man könnte sagen er hat spekuliert. Hoffentlich hat er sich nicht verzockt. Mit Brdaric und Bornemann hat er aber ein kompetentes Duo gefunden das seinesgleichen sucht. Geredet haben hier schon so viele, aber wirklich umgesetzt hat es nur ein Herr Brdaric. Solch eine Entwicklung habe ich in Erfurt noch nicht gesehen. Den einen oder anderen Spielerabgang könnten wir verkraften, aber Brdaric und Bornemann sind Gold wert. Hoffen wir, dass sie ihre Philosophie in Erfurt erfolgreich verwirklichen können.

12.12.2018 12:57 @ 22 26

Woher willst du großer Alleswisser denn wissen wie der CFC jetzt wirtschaftet? Hast du Kontakt zum Vorstand oder bist mit Herrn Siemon per du? Das gilt auch für viele andere Bruder und Dummschwätzer. Keine Ahnung aber die Klappe bis hintenrum aufreißen !!

12.12.2018 11:43 Kurt 25

@ Riesenberger

gut, dass die 2 Herren Rechtsanwälte von Ihnen angesprochen werden. Ja, das vermute ich auch! Besonders dieser RA Lengtat zündelt immer wieder und sehr öffentlichkeitswirksam und einige Fans fallen darauf rein. Die beiden waren ja auch zusammen bei der Gläubigerversammlung, und paktierten ja zusammen mit Eins Energie, die uns vorher schon wieder mit einem fast "sittenwidrigen" Vertrag übers Ohr hauen wollten. Ein Glück hat Herr Siemon das unterbunden. Sie haben ja auch fest an der Ablösung des Herrn Siemon gearbeitet. Aber der Schuss ging nach hinten los.

Gegen den AR-Vorsitzenden ermittelt das LKA, vlt. hängen ja da noch einige andere mit drin. Fragen über Fragen, ich bin gespannt.

12.12.2018 11:38 Chemieschwein 24

Es währe schön wenn der MDR seine Recherchen über de Lokomotive aus Leipzig fortsetzen würde , denn der Brief ist nun nicht mehr anonym und setzt den Recherchen des MDR noch einen drauf . Da ist die Rede von Anzeigen bei den Behörden , Fremdnutzung von Crowdfunding Geldern zur Schuldendeckung , falsche Bilanzen von der Lok GmbH und dem Verein , von Zulieferern die Ihr Geld nicht erhalten haben oder nur verspätet bekommen usw , usw...

12.12.2018 01:07 wicky 67 23

21: HUKEL:

Spätestens in 4 Wochen sind wir im Bezug auf die wirtschaftliche Situation des FC Rot-Weiss Erfurt etwas klüger!!! Dann erst können wir meinetwegen weiter diskutieren, falls es denn hoffentlich auch weitergeht...

Bis dahin wünsche ich Dir und allen anderen hier noch eine gesegnete und fröhliche Weihnachtszeit!!!!! ;-)

Allen Rot-Weissen wünsche ich natürlich auch noch von ganzem Herzen ein romantisches, sowie wunderschönes Weihnachtsfest, sowie einen Super-Rutsch ins neue Jahr!!! ;-) ;-) ;-)

11.12.2018 22:26 @Riesenberger 22

In der ganzen Liga fragt man sich wie wir das finanzieren können während einer laufenden Insolvenz - in dieser Liga haben die meisten garnicht so eine Positionbesetzung im Verein - aber der insolvente CFC schafft es 80T dafür auszugeben. Wer dazu sagt ist doch egal: gut im Grunde hätten wir dann auch einen holen können der 200T in der Saison verdient - das ist doch auch nicht so schlimm dann oder? Hauptsache wir gewinnen die Spiele - egal ob es wieder irgendwann zum endgültigen Knall kommt. Wenn man länger mit Leuten in Chemnitz arbeitet denen ein seriöses Kalkulieren egal ist, dann wird das in ein paar Jahren wieder crashen. Aber ist doch egal - solange man erstmal ein paar mal jubeln kann - wenn interessiert denn schon die Zukunft?

11.12.2018 21:15 HUKL 21


Natürlich freue ich mich ganz besonders, @wicky67, wenn Du mir vor Weihnachten als ungekrönter Mehrfach-Kommentator in diesem Forum und feuriger Fan des FCE auch einmal ein paar Zeilen widmest! Doch leider hat Dein Anliegen etwas das eigentliche Thema ein wenig verfehlt! Die Schuld für das „Bestehen rechtsgültiger Insolvenzgesetze“ habe ich doch nicht Deinem Lieblingsclub aus Erfurt gegeben, sondern diese sollten einfach nur eingehalten werden, wofür der jeweilige IV verantwortlich ist! Mich wundert es auch noch nach Abschluss der ersten Hälfte der Saison, wie bei dem erneuten Minusstand in der Insolvenzkasse, ähnlich wie bei der sportlich auch bisher sehr gut abgeschnittenen Chemnitzer Fußball GmbH, bei dieser wirtschaftlich erbärmlichen Situation solch eine üppige Ansammlung von Spielern überhaupt entstehen konnte. Die logische Folge ist natürlich, monatliches Bangen und Hoffen, dass die beiden ausgewiesenen „Fremdkörper“ dieser RL-Staffel auch noch weiterhin mitspielen dürfen!

11.12.2018 18:31 Riesenberger 20

Das ständige Genörgel um den Insolvenzverwalter des CFC wird immer wieder befeuert zum Beispiel durch Äußerungen der Herren Georgi und Lengtat. Beides Rechtsanwälte. Kann es sein, dass diese beiden Herren ihre eigene Agenda haben? Vielleicht hätte man das Mandat ja selber gerne gehabt. Und dann wieder die Sache mit dem Sobotzik-Gehalt. Erstens: Wer hat das eigentlich an die Presse durchgestochen? Und zweitens, meine Güte, 80 TEUR sind im Profifußball für einen guten Mann - und das scheint unser Sportdirektor ja allem Anschein nach zu sein - doch wirklich nicht gerade üppig. Bei dem ganzen Dreck, den hier und anderswo der eine oder andere über ihm meint ausschütten zu müssen, ein sehr mageres Schmerzensgeld. Seid ihr auf das bißchen Kohle etwa neidisch?

11.12.2018 18:26 @Lumpi 19

Meine Güte - der Etat für diese Saison ist bisher massiv unterdeckt - wie kann man da einfach immer noch schreiben: es wurde ein guter Job gemacht? Bis jetzt ist der Saisonetat nicht abgesichert (trotz deutlich mehr Zuschauern als kalkuliert)...
jetzt muss es doch mal der letzte begreifen, dass man so etwas mal hinterfragen sollte bei den Verantwortlichen - in Erfurt ist schon bekannt, dass die Spieler teilweise in der Pause jetzt nach neuen Vereinen ausschau halten - wegen der unklaren Situation. Für Chemnitz ist so etwas bis jetzt zum Glück noch nicht bekannt......

11.12.2018 14:45 Lumpi 18

@ 4 / 6 /9 / 13 / 14 Sehr gute Beiträge , sehe ich auch so.

Die jetzigen Verantwortlichen beim CFC haben einen super Job gemacht . Bitte weiter so und wir steigen auf.
Manche können nur rummosern , machen sich aber keine Gedanken was Sie schreiben. ( Nur noch lächerlich )
@ 11 Was willst Du denn hinterfragen??? Machts Du das bei Deinen Chef auch , wenn dieser Entscheidungen trifft?? Hast Du bei den vorherigen Leuten hinterfragt ??

@ 15 Von Dir kommt nur Mist . Habt Ihr nicht erst den Trainer entlassen ?
@ 10 Drücke RWE die Daumen , daß es weitergeht.

Himmelblaue Grüße an alle, sowie ein schönes Weihnachtsfest.