Reinhard Grindel und Thomas Löwe (1.FC Lok Präsident)
Reinhard Grindel stattet erst am letzten Freitag noch Lok Leipzig (hier Präsident Thomas Löwe) einen Besuch ab. Bildrechte: imago/Picture Point LE

Fußball | DFB Grindel-Aus: Amateurvereine befürchten keine negativen Folgen

Der am Dienstag zurückgetretene Reinhard Grindel galt als Unterstützer der Amateurvereine. Wie reagieren die "kleinen Klubs" auf seine Entscheidung und was erwarten Sie vom neuen Mann an der Spitze des DFB? Eine Umfrage.

Reinhard Grindel und Thomas Löwe (1.FC Lok Präsident)
Reinhard Grindel stattet erst am letzten Freitag noch Lok Leipzig (hier Präsident Thomas Löwe) einen Besuch ab. Bildrechte: imago/Picture Point LE

Drei Jahre war Reinhard Grindel der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. In der Öffentlichkeit galt der frühere ZDF-Mann und Bundestagsabgeordnete als Unterstützer der kleinen Vereine. Am Dienstag trat er zurück. Seine gut bezahlten Ämter bei der UEFA und FIFA - der Spiegel berichtete von einer Vergütung von 500.000 Euro jährlich - will Grindel weiterführen. Doch wie lange darf er das noch? Nach Informationen der "Welt" muss Grindel seinen Posten bei der UEFA aufgeben. FIFA-Boss Gianni Infantino und UEFA-Chef Aleksander Ceferin wollten sich auf Anfrage der Deutschen Pressen-Agentur vorerst nicht zu der Personalie geäußert. Geäußert haben sich Vertreter der "kleinen" Vereine.

Wolf (ZFC Meuselwitz, Präsident): "Er hat sich selbst demontiert"

Hubert Wolf, Präsident des ZFC Meuselwitz und Chef der Firma bluechip Fußball.
Bildrechte: imago/opokupix

Hubert Wolf ist enttäuscht und wünscht sich eine integre Persönlichkeit als DFB-Boss: "Wenn jemand antritt, um mit mehr Transparenz den DFB in ein neues Licht zu rücken, geht das gar nicht. Unbekannte Nebeneinkünfte, Gehaltsausgleich, Geburtstagsgeschenk und die Diskussion um Entscheidungen des Bundestrainers, damit hat sich Reinhard Grindel unglaubwürdig gemacht. Er hat sich selbst demontiert, letztlich war der Rücktritt dann ein konsequenter Schritt. Man erwartet als Präsident eines solch großen Verbandes eine integre Persönlichkeit. Der neue Präsident sollte allen Mitgliedern eine Heimat geben. Sein Bereich geht von der FIFA bis zur Kreisklasse. Man sollte aber darüber diskutierten, ob man den Präsidenten mit einem festen Salär ausstattet. Dann gehen alle Nebeneinkünfte an den Arbeitgeber. Das wäre dann ein anderes Maß an Transparenz."

Löwe (Lok Leipzig, Präsident): "Bedauern den Rücktritt"

Thomas Löwe, Präsident von Lok Leipzig
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Thomas Löwe von Lok Leipzig bedauert Grindels Rückzug: "Ich habe ihn am vergangenen Freitag persönlich kennengelernt. Er hat sich in den letzten drei Jahren viel Zeit für den Amateursport genommen und sich auch sehr eingesetzt. Ich und wir als Verein bedauern den Rücktritt. Dass er noch nach Leipzig kam, schätze ich sehr. Er hat sich interessiert, sich unsere Erfolge und Probleme angehört, eine sehr gute Rede gehalten. Dem neuen Präsidenten sollte man eine Chance geben, der DFB ist ja nicht führungslos.“

Fröhlich (Hohenstein-Ernstthal, Präsident): "Gute Balance finden"

Heiko Fröhlich, Vereins-Oberhaupt des Oberligisten VfL Hohenstein-Ernstthal, glaubt nicht, dass Grindels Rücktritt große negative Auswirkungen auf die Amateurklubs haben wird. "Es ist den Spitzenfunktionären im Haupt- und Ehrenamt klar, dass der neue Präsident den Verband repräsentiert und die Interessen der Profi- und Amateurklubs vertreten soll", sagte Fröhllich. Das wichtigste sei, "eine gute Balance zwischen Profi- und Amateurfußball".

Die gehandelten Christoph Metzelder und Philipp Lahm als Nachfolger hält Fröhlich nicht als geeignet. Ihnen fehle die Erfahrung. "Bei Vorschlägen, wer das Amt übernehmen kann, bin ich zu weit weg. Wahrscheinlich ist es sinnvoll, bei Spitzenfunktionären der Regionalverbände zu gucken", so Fröhlich, der Grindels Entscheidung nachvollziehen kann. "Es gab zu viele Menschen, die an der Spitze des DFB eine Veränderung wollten. Dann kam die mediale Welt dazu, die das Meinungsbild auch beeinflusst. Demzufolge ist es logisch, dass man die Lust verliert und dann sagt, es soll jemand anderes machen. Für die Entscheidung habe ich Respekt und Verständnis."

Waldow (Germania Halberstadt): "Keine Konsequenzen nach Rücktritt"

Thomas Waldow
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"Ich glaube nicht, dass der Rücktritt einer einzelnen Person für uns Konsequenzen haben wird", sagte Thomas Waldow, Geschäftsstellenleiter bei Germania Halberstadt. Die Arbeit im Nachwuchs habe sich über die Jahre positiv entwickelt. Mit den Stützpunkten sei man gut aufgestellt. Inwiefern da die Arbeit von Herrn Grindel eine Rolle gespielt habe, könnte er nicht beurteilen, sagte Waldow und ergänzte: "Wir haben aber die Gewalt des Apparates beim DFB bei unserem Pokalspiel gegen den SC Freiburg gespürt, als wir viele Sitzplatzkarten reservieren mussten, die dann schließlich leer blieben und in unserem Verein für etwas Unmut gesorgt haben."

Der neue DFB-Präsident solle den Verband gut repräsentieren. "Ob das ein Jüngerer ist, der loyal ist oder einer, der schon lange eine Funktionärsstelle innehat und mit den Strukturen gewachsen ist, das kann ich nicht beurteilen. Für mich kommt es in einer so verantwortungsvollen Funktion immer auf die Kombination aus menschlicher Führungsqualität und fachlicher Kompetenz an, unabhängig vom Lebensalter."

Rauball/Koch führen DFB vorübergehend

Grindel war am Dienstag nach drei Jahren im Amt zurückgetreten. Der DFB wird jetzt von den beiden Vizepräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch geführt. Das Duo hat aber keine Ambitionen auf die Chefrolle. Gesucht wird jetzt ein neuer Präsident. Es gibt eine Vielzahl möglicher Grindel-Nachfolger. Sogar TV-Moderatoren seien möglich, sagte Koch scherzhaft am ARD-Mikrofon. In erster Linie wird es darauf ankommen, wie sich der Verband zukünftig darstellen möchte. Einen modernen DFB könnte auch eine Frau repräsentieren - oder ein junger Quereinsteiger.

Das Bild zeigt Reinhard Grindel, ehemaliger Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

rei/sst

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 03. April 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2019, 17:58 Uhr

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5 Kommentare

03.04.2019 20:40 Peter Riesler 5

"Seine gut bezahlten Ämter bei der UEFA und FIFA - der Spiegel berichtete von einer Vergütung von 500.000 Euro jährlich - will Grindel weiterführen."

Ich hoffe, dass allein dieser Satz allen die Augen öffnet, wer der wirkliche Feind der "Demokratie" ist - der Kapitalismus selbst.

Für das, was diese "Oberschicht" an einem Tag "verdient" müssen andere wochen- oder monatelang knüppeldick arbeiten.

Und der Herr lässt sich in einem Dienstwagen von einem Kaffeetermin zum anderen chauffieren.

03.04.2019 19:10 ... 4

Der und Unterstützer der Amateurvereine. Ich lach mich ja tod. Grindel geht garnicht. Es ist ja selbst schon daran gescheitert, dass er die Ostvereine ein Stück weit unterstützt hat und indirekt gegen sie gearbeitet hat.

03.04.2019 19:07 Franke 3

Kann man es schlechter machen als der Herr Grindel? Es wird wie in der Politik werden, es kommt ein neues Gesicht und der selbe Mist geht weiter. Mein Rat: nehmt mal einen der noch die nötige Selbstreflektion hat, jemand mit Bindung zur Basis und keinen Selbstdarsteller! Wäre mal was anderes....

03.04.2019 17:44 revolvere 2

hat man jetzt endlich einen dummen gefunden?
grindel hat nur übernommen, was er von den vorgängern geerbt hat.
so sehe ich das jedenfalls. damit ist die sache auch nicht vom tisch!

03.04.2019 17:32 A-Block 1

Grindel?
Ein Unterstützer der Amateurvereine???

Der war gut!!!