Handball | Bundesliga SC Magdeburg nach Handball-Krimi klar auf Meisterkurs

Was für ein dramatisches Ende im Topspiel der Handball-Bundesliga: Mit einem famosen Schlussspurt hat der Tabellenführer SC Magdeburg gegen die Füchse Berlin einen großen Schritt Richtung Meisterschaft gemacht.

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Der SC Magdeburg hat das Spitzenspiel in der Handball-Bundesliga mit 28:27 (14:14) gewonnen. Damit ist der Titelgewinn 21 Jahre nach der letzten Meisterschaft zum Greifen nah. Die Mannschaft von Bennet Wiegert bewies viel Moral und kämpfte sich nach einem Vier-Tore-Rückstand elf Minuten vor dem Ende noch zum Sieg.

Wilde erste Halbzeit

Dejan Milosavljev Füchse Berlin 96 , Gisli Thorgeir Kristjansson SC Magdeburg 10
Gisli Thorgeir Kristjansson sorgt mit seinem 28:27 für den Magdeburger Sieg. Bildrechte: IMAGO/Foto Lächler

Es war ein merkwürdiger Start in dieses Spitzenspiel. Die Füchse bekamen innerhalb weniger Minuten drei Siebenmeter zugesprochen, insgesamt sogar sechs in der ersten Halbzeit. Dazu verteilte das Schiedsrichter-Duo, das viel zu oft im Mittelpunkt stand, munter Zwei-Minuten-Strafen - insgesamt sieben. SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt ärgerte sich zur Pause, wollte aber öffentlich nicht schimpfen: "Das wird nur teuer."

Auf dem Parkett entwickelte sich das erwartet enge Spiel - den Unterschied machte zunächst Füchse-Torjäger Hans Lindberg, der beste Werfer der Liga verwandelte alle Siebenmeter sicher und traf insgesamt acht Mal. Dank der Lindberg-Tore enteilten Füchse den Magdeburger zwischenzeitlich auf 11:8. Magdeburg ließ sich aber nicht beeindrucken, auch wenn die schnellen Tempogegenstößen gegen die aufmerksamen Füchse nicht so funktionierten wie in der Vergangenheit. Dafür klappte das Spiel zum Kreis besser. Magdeburg fand die Lücken und glich bis zur Pause aus: 14:14.

Schmedt 2 min
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SCM mit irrer Aufholjagd

Eng blieb das Spiel auch nach dem Wechsel. Beide Teams schenkten sich nichts, waren hellwach und ließen den Kontrahenten zunächst nicht entwischen. Mit einem kurzen Zwischenspurt und dem unglaublichen Lindberg zogen die Füchse elf Minuten vor dem Ende auf 25:21 davon. Viele Mannschaften wären jetzt eingebrochen. Nicht aber der SCM. Die Wiegert-Sieben schlug im Stil eines Spitzenreiters zurück und schaffte mit fünf Toren in Folge die Wende: Plötzlich führten die Hausherren mit 26:25 und alles war wieder offen. 51 Sekunden vor dem Ende sorgte Kristjansson für das 28:27, Keeper Green hielt den Sieg mit einer letzten Parade fest. Danach flippten 6.000 Fans und der gesamte SCM aus.

Stimmen zum Spiel

Jannick Green (SCM): "Es waren extrem wichtige Punkte. Ich fand es ein richtig geiles Spiel. Es war emotional und guter Handball. Ich fand es ein überragendes Spiel. Wir sind einfach glücklich."

Tim Hornke (SCM): "Die Halle ist in der Schlussphase bald explodiert, aber wir brauchen das bei jedem unserer Heimspiele, dort sind die Punkte genauso wichtig. Ich bin froh, dass ich der Mannschaft nach meiner Einwechslung helfen konnte."

Jaron Siewert (Trainer, Füchse): "Glückwunsch nach Magdeburg. Ich glaube, damit haben sie schon die Meisterschaft eingetütet. Bis zum 25:22 sah alles ganz gut und dann verlieren wir hinten raus, obwohl wir eigentlich ein starkes Spiel gemacht haben. Es ist ärgerlich, dass wir es nicht zu Ende gebracht haben."

Jannick Green, SC Magdedurg, im Interview. 2 min
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Bennet Wiegert (Trainer, SCM) fand kaum Worte: "Ich bin emotional so hin- und hergerissen. Mein Herz freut sich für das Team, dass wir dieses Spiel noch herumreißen konnten. Es sprach zwischendurch schon mehr für die Füchse als für uns. Was das für eine Energieleistung im Zusammenspiel mit der Halle das war, das ist Wahnsinn. Die Kraft in den letzten Minuten kam nicht aus den Beinen, aber aus dem Herzen. Mentalität und Leidenschaft kann Bäume versetzen. Jeder auf der Bank hat Gas gegeben. Das macht mich unglaublich stolz. Natürlich spielt so ein Meister. Darum habe ich nie einen Hehl gemacht, aber wir haben noch sieben Spiele."

Bennet Wiegert, Trainer SC Magdedurg, im Interview. 2 min
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SCM ohne Pause gefordert

Am Dienstagabend (3. Mai) geht es für den SC Magdeburg schon weiter. Dann wollen die Elbestädter den erneuten Einzug ins Final-Four-Turnier der European League klarmachen.

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Aktuelle Beiträge zum Handball

Mannschaft des SC Magdeburg im offenen Doppeldeckerbus bei der Ankunft von tausenden Fans umgeben.
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BSV Sachsen Zwickau
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 01. Mai 2022 | 14:00 Uhr

6 Kommentare

MiSt vor 7 Wochen

Die gesamte Saison bisher -wettkampfübergreifend- gerade mal 3 Spiele verloren. Welche Mannschaft national oder international kann solch eine Bilanz vorweisen? Die Jungs sind der Überhammer! (aber ich altere bei jedem Spiel rapide)

BWV228 vor 7 Wochen

Glückwunsch dem SCM und eine tiefe Verbeugung vor dem Kampfgeist und Moral dieser eingeschworenen Truppe.
Noch dazu auch heute wieder als ostdeutscher Verein den zusätzlichen Gegner Schiedsrichter vor der Brust

Bogensee vor 7 Wochen

Glückwunsch an diese Mannschaft!!! Ich bin am Dienstag wieder in der Halle!!! 💚❤️